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Anreize - unii Amtsblatt sm den Kreis Gießen.
Erscheint tLglich mit Ausnahme deS MoirtagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohä.
ExpO-ttionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Uokitisch
Deutschland.
Darmstadt, 13. August. Se. Excel!, der Staats-Minister und Präsident des Reichskanzler-Amts, Herr Hofmann, ist gestern Morgen nach Kissingen abgereist.
Kesterreich.
Wien, 11. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad vom 11. August: Minister Ristics versicherte einer ihm nahe stehenden Persönlichkeit, daß die Miliz-Armee keine Marsch-Ordre und daß die theilweise Mobilmachung nur den Zweck des Grenzschutzes habe. Serbien verbleibe neutral; die Fortdauer seiner reservirten Haltung sei jedoch abhängig vom Verlaufe der Kriegs-Ereignisse und von den politischen Konstellationen Europas. — Einer Meldung der „Polit. Corresp." aus Agram zufolge wäre Seitens der bosnischen Christen Niemand ermächtigt, bei dem Kaiser von Rußland die Bitte um Vereinigung Bosniens mit Serbien vorzubringen. Unter den Bosniaken herrsche keine Geneigtheit zu derartigen Schritten, und hätten sonach diejenigen Persönlichkeiten aus Bosnien, welche etwa b-m Kaiser derartige Wünsche vortrugen, aus eigene Faust gehandelt.
Wien, 12. August. Die „Pr-'fe" enthält folgendes Telegramm aus Konstantinopel: Seitens der griechis 'n Regierung sind 6 Batterien Krupp- Geschütze und 16,000 Hinterlader angel' ust; letztere sind bereits in Griechenland eingetroffen. — Die Mannschaften eines Tabors türkische Truppen haben den Vormarsch nach Adrianopel verweigert, weil ihr Sold im Rückstand sei — und sie nicht mit Winchester-Büchsen ausgerüstet wären. — Derselben Zeitung wird aus Ragusa telegraphirt: In Nord-Albanien und Epirus schiffen britische Dampfer Pulver, Reis und Zwieback aus.
Irankreich.
Paris, 12. August. Das „Amtsblatt" enthält eine Verordnung, wodurch anläßlich des Auftretens des Kolorado-Käfers b^ Em- und Durchfuhr von Kartoffeln verboten wird. Das Verbot erstreckt sich auf Laub, Säcke, Fäffer und andere zur Verpackung dienende Gegenstände.
— Die in auswärtigen Zeitungen verbreiteten Gerüchte, wonach Mac Mahon geneigt wäre, sich wieder den Männern zu nähern, gegen deren Politik er am 16. Mai die vom Senate gebilligten Maßregeln ergriff, werden von dem ,,Fran?ais" auf das Entschiedenste für unbegründet erklärt.
Paris, 15. August. Eine den Zeitungen mitgetheilte Note erklärt aus das Entschiedenste die Gerüchte über einen angeblich im Minister-Conseil ausgebrochenen Zwiespalt für unbegründet; zwischen den Ministern Broglie und Fourton bestehe unausgesetzt das vollste Einvernehmen.
England
London, 11. August. Unterhaus. Monk wiederholte seine Anfrage bezüglich der zeitweiligen Besetzung Konstantinopels durch die russischen Truppen. Forster erklärte, die Führer der Opposition hätten in Berücksichtigung der ernsten Bedeutung der Frage beschlossen, auf einer Tiscussion über dieselbe nicht zu bestehen. Sie hätten indessen einen solchen Beschluß nicht faffen können, wenn sie nicht Angesichts der letzten Depeschen und im Hinblick aus die Erklärung der Regierung, daß sie chre strikte Neutralität nicht aufgkbe, die Ueber- zeugung gewonnen, daß die Regierung nichts thun werde, was das Land in einen Krieg verwickeln könne. Die Regierung könne die Anfrage Monk's nicht beantworten. Es würde ja tatsächlich ein Bruch der Neutralität sein, wenn die englische Regierung Rußland vor einer Besetzung Konstantinopels warnen würde, indem geltend gemacht würde, daß England einen solchen Schritt, der nur ein nothwendiges Ergebniß des Krieges sei, als feindseligen Act betrachten muffe, obschon andererseits die Regierung natürlich einen solchen Schritt nicht billigen könne. Northcote wiederholte die Erklärung, es sei unmöglich, die Frage, was die Regierung eventuell thun werde, zu beantworten.
— Im Unterhause nahm Horcourt das Wort, um das seitherige Verhalten des Admirals Horsey in den peruanischen Gewässern gegenüber dem Schiffe „Huascar" einem entschiedenen Tadel zu unterziehen; Redner bezeichnete die geschehene Entsendung einer Torpedo-Expedition nach dern Hafen eines befreundeten Staates als Verletzung des Völker-Rechtes. Der Attorney-General Holker führte dagegen aus, daß, soweit die Thatsachen bekannt geworden seien und ein Urtheil zuließen, der Admiral berechtigt gewesen sei, den „Huascar" als Schiff ohne Nationalität anzusehen, welches sich eines Angriffes auf bri« tische Schiffe schuldig machte und deshalb als Feind zu behandeln war. Die Torpedo-Expedition sei kein feindseliger Act gegen eiüe befreundete Regierung gewesen, da eben diese die Intervention des Admirals nachgesucht habe. Im weiteren Verlause der Sitzung forderte Fawcett Aufschlüffe über die künftige Politik der Negierung in der orientalischen Frage und äußerte dabei: er wünsche nicht, daß die Regierung erkläre, daß sie unter keinen Umständen die Neutralität aufgeben wolle; doch möge sie, wenn sie sich genöthtgt glaube, gegen Rußland vorzugehen, dies nicht thun, ohne das Parlament zu versammeln. Fawcett fragte ferner an, ob der britische Botschafter Layard gegen das Auftreten Chefket's in Datum Protest erhoben habe. Schatzkanzler Northcote erwiderte:
er Hßei5.
Die Regierung habe über die letzterwähnte Angelegenheit keine speciellen Informationen erhalten. In Fällen, wo es nothwendig erschien, habe Layard stets entsprechende Vorstellungen erhoben. Was die orientalische Politik angehe, so habe die Negierung das vollste Bewußtsein ihrer constituttonellen Verpflichtungen und werde dieselben strenge innehalten.
London, 13. August. Frederic Arthur Stanley wurde an die Stelle Smith's zum Sckatzsecretär ernannt. — „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 12. August: Die Russen haben den Engpaß von Hainboghaz geräumt.
Serbien.
Belgrad, 11. August. Das „Amtsblatt" publicirt das Finanzgesetz für das Jahr 1877, Die Einnahmen betragen 7,088,921 fl., die Ausgaben 6,981,580 fl. Für den Tribut an die Pforte wurden 225,251 fl. eingestellt.
Belgrad, 13. August. Die in dem jetzt veröffentlichten Finanz-Gesetz vorgesehenen Extra-Ausgaben von 7,885,742 Frcs. sollen durch die rückständigen Beträge aus der Zwangs-Anleihe, ferner durch die Einnahmen aus der Bier-Steuer und der Erhöhung der Kopf-Steuer gedeckt werden.
Hriechenland.
Athen, 11. August. Fortwährend rücken von hier Truppen unter begeisterten Zurufen, Gesängen und Blumenspenden der Bevölkerung nach der Grenze. Der König wird bei Lanna Truppen inspiciren. Die Einberufung der zweiten Reserve steht bevor. In Kreta hat sich eine große Anzahl Insurgenten bei Reiimo angesammelt. Die Türken'zogen sich in ihre Befestigungen zurück. Kreta ist von einer türkischen Escadre auf's Strengste blokirt.
Athen, 12. August, Abends. Zahlreiche VolkShaufen durchzogen die Stadt und erhoben vor den Häusern von Kumunduros und des Obersten Koro- naios den Rus nach Krieg gegen die Pforte.
Amerika.
Washington, 12. August. General Gibbon hatte an der Spitze von 182 Mann Bnndestruppen und Bürgern am 9. d. einen hartnäckigen Kampf mit Indianern bei Helena Montana, worin zwei Officiere getödtet wurden. General Gibbon nebst 4 Officieren wurden verwundet. Von den Soldaten und Bürgern sind 80 bis 100 Mann verwundet oder tobt. Die Jnbia- ner würben schließlich gezwungen, sich zurückzuziehen, unb beren Verlust wird auf 100 Mann geschätzt. — Einer Depesche aus Panama vom 8. d. zufolge scheiterte der Dampfer „Eten" von der Pacific Steam Navigation Company am 15. Juli 70 Meilen nördlich von Valparaiso. Es waren angeblich 160 Personen an Bord, 43 davon erreichten bis zum 18. Juli das Festland, 20 retteten sich auf nahe Felsen. Das britische Kriegsschiff „Amethyst" ging, um Hülfe zu leisten, dahin ab, konnte sich abxr wegen des stürmischen Wetters den Felsen nicht nähern. Aus Mangel an Lebensmitteln kamen Mehrere auf den Felsen um, die Ueberlebenden stürzten sich, um ihren Leiden ein Ende zu machen, in's Meer; hiervon wurden nur drei Personen gerettet. Die Zahl der Umgekommenen wird auf 100 angegeben.
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 10. August. Ein gestern von hier abgegangenes telegraphisches Rundschreibkn an die Botschafter zählt neuerdings nach den Berichten aus Asien, sowie denen von Suleiman und Mehemed Ali eine Anzahl von Greuelthaten der Nuffen gegen ganz wehrlose Muselmänner aus, und schließt also:
Indem ich diese lange und schmerzliche Aufzählung neuer Grausamkeiten, die von den Nuffen begangen worden sind, beschließe, kann ich nicht umhin, Sie darauf hinzuweifen, daß feit dem Einmarsch der Nuffen in unser Land kaum ein Tag verflossen ist, an dem wir nicht irgend welche Handlungen der Grausamkeit und Zerstörungssucht zu verzeichnen hätten. Besorgt fragen wir uns, ob Europa ein unbeteiligter Zuschauer bei diesen Gewaltthaten gegen die Gesetze des Völkerrechts und der Menschlichkeit bleiben wird, und ob wir dazu verdammt sind, die Leidensgeschichte des ottomanischen Volkes sich bis in's Unendliche hinein weitcrspinnen zu sehen. Die Glaubwürdigkeit der osficielleu Quellen, denen wir jene Aufzählungen entnehmen, mit denen wir Sie nahezu täglich unterhalten, gestattet keinen Zweifel an der äußersten Genauigkeit dieser Angaben und läßt den Gedanken an eine Uebertreibung gar nicht auskommen. Auch können die Ruffen sich nicht darauf berufen, daß diese Ausschreitungen von den unregelmäßigen Truppen oder gar von den Bulgaren in's Werk gesetzt worden feien, denn die fortlaufenden wohlerwiesenen Thatsachen würden eine solche Behauptung als grundlos und widersinnig erscheinen laffen. Insonderheit ist die Pforte im Stande, zu erweisen, daß die regelmäßigen russischen Truppen bei ihrem Einmärsche in Sistowa und Tirnowa alle muselmännischen Wohnungen geplündert haben und daß sie sich gegen die Einwohnerschaft zahlreiche Fälle von Mord und Schändung zu Schulden kommen ließen, wie dies auch durch glaubwürdige fremde Augenzeugen erwiesen werden kann, die bereit sind, das Geschehene zu bezeugen. Es ist nothwendig, daß Sie diesen That-


