männern über ein neues Anlehen von 5 Millionen Lstrl., für die als specielles Pfand die türkischen Minen und Waldungen haften sollen; Zuhdi Bey reise in dieser Angelegenheit nach London. — Aus Triest meldet dasselbe Blatt: Auf Reclamation der Seebehörde^hat die türkische Regierung das von ihr mit Beschlag belegte österreichische Schiff wieder freigegeben.
— Der österreichische Botschafter in Konstantinopel, Graf Zichy, ist heute früh, und der deutsche, Prinz Reuß, heute Mittag von hier abgereist. — Ein Telegramm der „Neuen Fr. Pr." aus Konstantinopel vom 9. d. Mis. meldet, Ismail Pascha, Vali von Erzerum, hätte sich mit 40,000 Kurden in Bewegung gesetzt, um einen Einfall in das russische Gebiet zu machen.
Petersburg, 11. Mai. Der „Ruff. Invalide" meldet: An der gestern auf dem Marsfelde stattgehabten Truppen Revue waren alle in Petersburg und Umgegend stehenden Truppen bethelligt. Eine große Zuschauermenge wohnte derselben bei. Um 1 Uhr Mittags erschien der Kaiser, von lauten Hnrrahs der Truppen und des Publikums begrüßt. Nach Beendigung der Parade drückte der Kaiser seinen Dank aus für den guten Zustand der Truppen. — Der „Regierungs-Bote" veröffentlich ein Telegramm des Oberbefehlshabers, d. d. Kischeneff, 10. Mai. Daffelbe bestätigt die Nachricht von der Beschießung des Klosters Theraponte am 7. d. Mts. durch die Türken, wobei auf russischer Seite ein Soldat getödtet und zwei schwer verwundet wurden.
Petersburg, 11. Mai. Heute wurde im Thronsaale des^kaiserlichen Palais Großfürst Sergius feierlich für volljährig erklärt. — Seiteng des Marine-Ministeriums wird constatirt, daß die Blokade der Häfen des Lrchwar- zen Meeres Seitens der Türken keine effechoe sei; ein russisches Schiff konnte Nikolafeff ungehindert verlaffen.
Tiflis, 11. Mai. Die Ruffen haben Diadin ohne Kampf besetzt; die Einwohner kamen ihnen freundlich entgegen.
Bukarest, 11. Mai. Die Türken fahren fort, Schiffe, die aus rumänischen Häfen auslaufen, meazunehmen, und jene, die sich weigern, nach den türkischen Ufern hinüberzufahren, in Brand zu stecken. Türkische Soldaten sind gestern in der Nähe von Oltenitza gelandet und haben ein rumänisches Wacht- Haus angezündet.
Bukarest, 11. Mai, Nachts. Der größte der türkischen Donau-Mont- tors näherte sich heute Nachmittag 3 Uhr Braila und nahm Position hinter der Insel Ghiacet, von wo er die Stadt Braila beschoß. Die am Ufer und den Donau-Quais aufgestellten Russen erwiderten anfänglich das Feuer mit leichter Artillerie, ohne zu treffen. Daraus eröffneten die rnssischen Batterien, welche auf den die Stadt beherrschenden Höhen hinter Weingärten maskirt sind, das Feuer. Nachdem dieses eine Stunde lang fortgesetzt war, schlugen zwei russische Granaten in den Dampfkessel des Monitors ein, welcher explodirte und das Feuer der Pulverkammer mtttheilte. Der Monitor flog in die Luft; 200 Soldaten und Schiffsbemannung gingen in den Wellen unter; nur ein Lootse ward gerettet. ~
— Die Deputaten Kammer berieth heute die Interpellation Stolojanu's betreffs der von der Negierung gegenüber den türkischen Bombardements ergriffenen Maßnahmen. Die Minister Cogalniceann und Bratiano erklärten, die Türkei selbst habe Rumänien den Krieg erklärt. Der Letztere bemerkte noch, Rumänien habe eine gute Armee und Officiere; daffelbe müsse und könne seine Lebensfähigkeit erweisen. Die Kammer nahm darauf mit 58 gegen 29 Stimmen eine Tagesordnung an, wonach die Regierung unter Berufung auf die von den Türken ausgegangene Aggression ermächtigt wird, Maßregeln zu ergreifen, welche die Existenz Rumäniens sichern und ihm gestatten, nach Herstellung des Friedens eine wohlpräcisirte politische Stellung einzunehmen, um seine historische Mission int Orient zu erfüllen.
Konstantinopel, 11. Mai. Der Sultan hat sämmtlichen am bulgarischen Aufstande betheiligt gewesenen Personen Amnestie gewährt.
Petersburg, 12. Mai. Die Nachricht des „Daily Telegraph" über eine angebliche Niederlage, welche die Ruffen gelegentlich des Versuchs eines Ueberganges über die Donau bei Reni am 9. d. Mts. erlitten hätten, wird hier für durchaus erfunden erklärt.
Konstantinopel, 12. Mai. Eine Depesche aus Widdin meldet Näheres über den Artillerie-Kampf zwischen Widdin und Kalafat am letzten Dienstag. Die Citadelle von Widdin eröffnete das Feuer gegen die von den Ruffeit auf geführte siebente Batterie in Kalafat. Die Ruffen erwiderten daffelbe, indem sie das muselmanische und christliche Viertel von Widdin bombardirten. Lste wurden aber schließlich gezwungen, die Arbeiten an der siebenten Batterie zu verlassen und sich außer Schußweite der Kanonen von Widdin zurückzuziehen. — Die Journale erwähnen eines Gerüchtes, wonach die Ruffen vor Kars und Ardahau eine Rückzugsbewegung gegen die Grenze angetreten hätten.
Wien, 12. Mai. Die „Wiener Abendpost" bezweifelt die Gerüchte, wonach Rußland eine Revision des Dardanellen-Vertrags in fein Programm ausgenommen hätte. — Der Czar bat befohlen, daß sämmtliche waffenfähige Prinzen in die active Armee eintreten sollen.
Vermischtes.
— Aus San Franzisco wird eine ergreifende Szene, welche sich an Bord des Dampfers „Colon" zugetragen hat, mitgetheilt. Das Schiff hatte in New-Aork außer der gewöhnlichen Anzavl seiner Reisenden mehrere reißende Thiere für die Menagerie Moitgomeiy in San Francisco mitgenommen, auch ein Rhinoceros aus Java, das mit Milch, Zucker und Heu gefüttert wurde. Die Käfige der Thiere befanden sich auf dem Verdeck. In der Nähe des Kap Hatteras (Norocarolina) zerstörte eine gewaltige Welle plötzlich einen Theil detz Rhmoceros-Käfigs. Das Thier, das sich bislang stets sehr .anft und ruhig gezeigt hatte, bekam einen wahren Wuthanfall, als es seine Behausung überschwemmt sah. Mit Hörnern und Füßen arbeitete es nun an der Vollendung des von den Elementen begonnenen Werkes. Es gelang ihm, zwei Eisenstäbe zu zerbrechen und einen Thetl seines Körpers durch die entstandene Lücke zu drängen. Die Matrosen ergriffen Angesicht« der drohenden Gefahr Vorsichtsmaßregeln, wäh-end die Reisenden sich in ihre Kajüte» flüchteten. Einige Augenblicke später hatte sich das Rhinoceros befreit und sprang wild auf dem Verdeck umher. Zuerst stürzte es sich auf em Racepferd, welches für den Präsidenten von Peru bestimmt war, und tödtete es. Dann stürmte das scheu gewordene Thier mit gesenktem Kopfe in rasender Schnelligkeit nach allen Richtungen hin und zerstampfte Alles, was sich auf seinem Wege befand. In den Kajüten hörte man sein Entsetzen einflößendeS Grunzen. Kapitän Grifft», der sich und seine Leute bewaffnet hatte, befahl Feuer auf das Rhinoceros zu geben. Unglücklicherweise prallten die Kugeln von dem dicken Fell deffelben ab. Roch wüthender gemacht, drang es in die Kajüte des Schlffsarztes Agnew ein, wo es zwei Hunde zer« fleischte. Es entfernte sich ohne den bebenden Arzt erblickt zu haben, der sich hinter ein Sopha versteckt hatte Die Schreckensszene dauerte fast eine Stunde und der „Eolon" war tm Begriff von seiner Bahn adzulenken, da Kapitän und Matrosen in ihre Kajüten geflohen waren und die Leitung des Schiffes dem Zufall überlassen hatten, als es dem Tyierwärtcr Henry Grl-, der in die Raaen geklettert war, gelang, das Rhinoceros mittelst eines Lasso zu bändigen.
— Bücherpreise vor 200 Jahren. Der Frankfurter Buchhändler Christian Harmsdorf lieferte einstmals dem Landgrafen Georg II. verschiedene Bücher, wofür nach- itehende Preise bezahlt wurden: für eine Lüneburger Bibel in Getto 3 fl. 10 alb., für Ge-Hard's Schola pietatis in Quart 3 fl., für Graf's Edles Herzpuloer in Quart 14 alb. und für Seberi hortula in Octao 20 alb- — Die Bücher aus dieser und früherer Zeit hatten häufig ganz absonderliche Titel: so erschien 1588 ein solches unter dem Titel: Bi mntforb des heiligen Römischen Jmmen-Schwar ns, seiner Hummels-Zellen, Hur» naus-Nester, Bramen Geschwurm und Wespen-Getöß ic. Ein anderes ist betitelt: Wunder-Geburt des allen Höll-Gottes Lucifers; wie derselbe vor Jahren zu^Rom unversehens schwanger worden und mit großer unsäglicher Pein, Qual und Schmerzen den ersten Jesuiten in diese Welt geboren habe.
Sehlffeberlelit. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in Gießen.
Baltimore, 9. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 25. April von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen.
Newyork. 11. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Da« Postdampfschiff Rhein, Capt H. C Franke, vom Norddeutschen tllyod in Bremen, welche- am 28. April und am 1. Mat von Southampton abgegangen war, ist heute 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekommen.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 12. Mai. Der heutige Heu-und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Gentner X 4 50—6.15, Stroh per Centner X * bis 5. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qualität X 1.15—20, 2. Qual. X 1 im Kleinhandel 1. Qual. X 1.30—40, 2. Qual. X 1.20—30. Eier, gewöhnliche, da- Hundert X 4.50, italienische X 5.50—6.
Camberg, 8. Mat. 160 Pfd. Rothe Weizen X 23.30, 150 Pfd. Jtorn X 17.80, 130 Pfd. Gerste —, 100 Pfd. Hafer X 9, Kartoffeln X 3 40.
Weilburg, 9. Mai Weizen per 160 Pfd. X 24.02, Korn per 150 Pfd. X 17.80, Gerste per 130 Pfd. X 15.40, Hafer per 100 Pfd. X 9.95, Kartoffeln per Centner X 4.40, Erbsen per Pfd. —.
Mainz, 11. Mai. Das Getreidegeschäft begann die Woche in sehr fester Haltung, dieselbe schwächte sich jedoch wieder ab. Die Haltung des heutigen Marktes war eine ruhige mit belebtem Umsätze. — Wir notiren: Weizen eff. X 27—29.50, per Mai 27.60; Korn eff 20—22.75, per Mai 19.30; Gerste 19.75—21.50; Haser eff. 15.00 bi« 18 50, per Mai 17,60. Rüböl eff. robeS 36, gereinigtes 30.00 ohne Faß. per Mai 35 50 mit Faß; Kohlsamen 37 00—38.00, Mohnöl 68—72, Leinöl 31.50, Repskuchen 172—182.
Worms, 11. Mai. Im Productengeschäft ist seit der Vorwoche keine Aenderung eingetrrten. Die immer noch hohen Preise lassen das Geschäft zu keinem lebhaften Aufschwung gelangen, da jeder nur von Hand zu Mund kaust. Zu notiren ist: Weizen X 26—30, Roggen X 20—22, Gerste X 19.50—20.25, Hafer X 18—19, alles per 100 K'l. netto, je nach Quälst. Mehl die laufende Partie X 36—37, Weizenoorschuß X 42—44, Kornvorschuß X 29—30, per 100 K'l. brutto incl. Sack. RepS X 36—37 ptr 100 K>l netto erste Kosten. Rüböl X 37—38 per 50 Kil. netto ohne Faß.
Briefkasten.
Herrn F. H. hier. Der neue Chorrock des Herrn Pfarrer« interessirt un« sehr wenig. Der Herr wird wohl einen gebrauchen können und darum praktische Regeln bdol g'm.___
Am 20. Mai, Pfingstsonntag, um 9 Uhr. Altkathotischer Gottesdienst in der Hospitalktrche.
Der Vorstand«
Allgemeiner Anzeiger.
Japaiiisclie Schreib- ß copir-Tinte
(Euere violette ä copier).
Dieselbe ist von violetter, dem Ange angenehmer Farbe, wirb indeß beim Gebrauch nach kurzer Zeit schwarz, trocknet augenblicklich, greift weder Papier noch Feder an, ist leicht fließend, schimmelt selbst bei längerer Aufbewahrung nicht und ist unauslöschbar. Auch dann, wenn die Schrift bereits mehrere Tage alt ist, liefert dieselbe noch makellose Copien und empfiehlt sich des schnellen Trocknens und der vorzüglichen Schwärze wegen ganz besonders zum Einträgen in Handels- und Geschäftsbücher.
Niederlage davon in 4 Flascheufüllungen ä Vi Liter X. 2, 1/2 L ter X. 125, Vt Liter 75 H J/8 Liter 50 H, in Giessen bei der Expedition dcS Gießener Anzeigers.____________
1813) Mein Lager in ollen Sorten Pinseln, Ver golderartikeln, Spacdtelmeffern, Maserwalzen rc., empfehle bestens.
Emil Elschbach»
Mein Lager in
Schweizer Stickereien
ist wieder vollständig assortirt und bringe dasselbe einem geehrten
Publikum in empfehlende Erinnerung. (271b
_________ Fh.il. Becker, Kaplansgasse.
Reglenienls uiid Tarife
der hiesigen Dienftmänner sind in der Expedition d. Blattes
zu haben. _________ _
Neue Huck sk i 11 h oxeu
ä Mk 7 per Paar
2735) bei K. Grünebaum.


