trümmcrt; der Lokomotivführer und ein Bremser blieben tobt, viele Passagiere wurden verletzt- Die Strecke ist noch unterbrocken.
Tübingen, 10. August. Gestern Nachmittag sand großes Festmahl in der Turnhalle statt. Um 4 Uhr erschienen der König und die Königin. Bei der Tafel saßen zu deren Rechten Prinz Wilhelm und Cultus-Minister v. Geßler; zur Linken Minister v. Mittnacht und der Präsident der zweiten Kammer v. Hölder; gegenüber dem Königspaar waren plactrt: Rector v. Weizsäcker, Kanzler v.*Rüme- lin, Bischof v. Hefele, Minister v. Gerber aus Dresden, Geh. Rath Bluntschli aus Heidelberg u. A. Der König brachte einen Trinkspruch auf die Alma Mater aus, der Rector auf die Königin, der Cultus-Minister auf die Stände-Versammlung, Hölder auf die Vertreter der fremden Hochschulen, Bluntschli auf das Land Württemberg.
— Den gestrigen Tag des Universitäts-Jubiläums beschloß ein allgemeiner Fest-Commers im Reithause. Gegen 9 Uhr erschien der König mit dem Prinzen Wilhelm, geleitet von dem Rector v. Weizsäcker und dem Kanzler v. Rümelin, und eröffnete die Trink-Sprüche mit einem Hoch auf die ganze Studentenschaft. Der Präses der Studenten antwortete mit einem Hoch auf den König. Als. ältester ehemaliger Tübinger Student auf dem Commerse sprach Staats-Minister v. Linden. Prinz Wilhelm dankte für das ihm gebrachte Hoch durch ein Hoch auf die fröhliche Burschenzeit.
Stuttgart, 11. August. Der „Schwäb. Merkur" berichtet aus Tübingen : Das Universitäts-Jubiläum schloß gestern Abend mit einem von dem Könige in Bebenhausen gegebenen Feste ab. Es waren 1000 Gäste, darunter 600 Studenten, anwesend. Die Majestäten und die Ehrengäste speisten im Refectorium, die Studenten im Hof und in den Kreuzgängen. Der König brachte in Begrüßung der Gäste einen Trinkspruch aus, welcher von einem der Ehrengäste erwidert wurde. Es herrschte die heiterste Ungezwungenheit. Der König hielt einen Rundgang von anderthalb Stunden und unterhielt sich mit vielen der Eingeladenen.
Hesterreich.
Wien, 10. August. Nach dem jetzt bekannt gemachten Steuer-Ausweis! für das erste Semester 1877 gingen während dieses Zeitraums in Oesterreich an directen Steuern ein: 407,300,050 st., um 560,000 fl. mehr als 1876, an directen Steuern 75,590,000 fl., um 983,000 weniger als 1876.
AranLreich.
Paris, 11. August. Die Zeitungs-Meldung, daß der Ministerrath beschloffen habe, kurz vor Einberufung der Wähler den Belagerungs-Zustand für ganz Frankreich zu erklären, ist der „Agence Havas" zufolge unbegründet.
England
London, 10. August. Im Unterhause stellte Monk die Anfrage, ob die Regierung eine zeitweilige Besetzung Konstantinopels durch die Ruffen für so unvereinbar mit den Jntereffen Englands halte, daß dadurch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Rußland gestört werden könnten. Schatzkanzler Northcote erwiderte, er glaube die Beantwortung ablebnen zu muffen, worauf Monk ankündigte, er werde die Anfrage in anderer Form noch, in der heutigen Sitzung wiederholen.
Der orientalische Krieg.
Wien, 10. August. Ein Telegramm der „Polit. Corresp." aus Bukarest vom 10. d. meldet: Der Kaiser von Rußland hat seinen Besuch bei der Armee des Großfürsten-Thronfolgers bis auf weiteres verschoben. General Zimmermann campirt auf den wohlverschanzten Höhen bei Czernawoda. Die Eisenbahn bis Küstendsche ist wieder im Betrieb. Einige russische Regimenter mit Artillerie halten Medschidje und Küstendsche besetzt. Nur ein Theil des Corps von Zimmermann ist zur Haupt-Armee gestoßen. Das rumänische Hülfs- Corps wird voraussichtlich 30,000 Mann übersteigen. Minister-Präsident Bra- tiano befindet sich im Hauptquartier des Kaisers.
Konstantinopel, 10. August. Seit gestern liegen keine Meldungen über neue Kämpfe in Bulgarien vor. Es treffen hier zahlreiche bulgarische Gefangene ein, von welchen mehrere jur Verbannung verurtheilt wurden.
Petersburg, 10. August. Osficiell. Alexandropol, 9. Aug. Türkische Abtbeilungen, die gegen die Colonne des Generals Tergukasoff concentrirt waren, ergriffen am 5. d. die Offensive auf der ganzen Linie vom Tschirgil-Uebergang bis zum Karvanserai -Uebergang. Schaaren von Baschi-Bozuks und Kurden, welche, von 6 Bataillonen unterstützt, aus den Dörfern Zara und Kundschaeha kamen, verdrängten die sich den ganzen Tag vertheidigenden russischen Pikets, und, indem sie Mikotschak besetzten, versuchten sie das Dorf Khafula einzunehmen , wurden aber durch Dragoner zurückgewiesen. Der Verlust der Ruffen betrug: 4 Officiere tobt, 12 Osficiere verwundet; 13 Soldaten verwundet. Dle Türken hinterließen 20 Leichen auf dem Kampfplatze. Das türkische Corps concentrirt sich gegen Ankotschak. Die Truppen des General Tergukasoff, welchen eine Colonne von der Haupt-Armee zugesendet wurde, concentriren sich gegen Jgdyr. — Den neuesten Nachrichten zufolge verließ Derwisch Pascha mit 4 Bataillonen Zischidsine und ging auf Schiffen nach dem Norden ab.
Konstantinopel, 10. August. Nach einer Meldung Ismael Pascha's vom 6. d. haben die Türken nach der Wiedereinnahme der Ortschaft Maffun die Grenze überschritten und rückten von da auf eine Entfernung von 2 Stun den weiter vor.
Petersburg, 11. August. Ueber einen angeblichen neueren Angriff der Russen aus Plewna am 9. d. liegen hier keinerlei Nachrichten vor.
Vermischtes.
Bessungen, 9. August. Sonntag den 26. und Montag den 27. d. MtS. findet in Bessungen der 8. hessische Feuerwehrtaq, verbunden mit einer Ausstellung aller GattunAen Loschgeräthschaften tm Großh. Orangeriegarten daselbst statt. Sämmtliche Ausste er haben für die nichtoerkauften Gegenstände auf allen Bahnen freie Rückfahrt Den an der Delegirtenversammlung thetlnehmenden auswärtigen Feuerwehrleuten haben, wenn sie in Uniform erscheinen, die Direction der Matn-Neckar-Bahn, sowie der Bcr waltungsrath der Hess. Ludwigsbahn, freie Rückfahrt zugesichert. Die Direction der Main-Weserbahn bewilligte eine Ermäßigung von 13 p(5t — AuS dem uns oorliegen den Programm des FeuerwebrtageS lassen wir die wesentlichsten Punkte folgen: Sonntag Morgens 6 Uhr: Rcoetlle mit Böllerschüssen; von 8 bi« halb 10 Uhr: Empfang der fremden Gaste an den Bahnstationen Darmstadt'«; um 93/4 Uhr: Rüg nach ®cf|unflen, öeflrü§unfl der Gäste; halb 11 Uhr: Festprobe; 11 Uhr: Besichtigung der ausgestellten Gegenstände tm Großh. Orangertehaus; halb 12 Uhr: Delegirlenoersamm- lungl Festlokal Markwort); 1 Uhr: Festessen (daselbst); 3 Uhr: Aufstellung des Fest zu gcs tm Großh. Orangertegarten, Zug durch Bessungen nach dem Festlocal; Concert
daselbst. Montag Morgens 6V4 Uhr: Weckruf; 9 Uhr: Prüfung der ausgestellten Gegenstände; 1 Uhr: Zusammenkunft auf der Lindenallee vor dem Großh. Orangeriegarten; Ausflug auf die Ludwigshöhe; Concert daselbst. - Die Tagesordnung der Delegirtenversammlung hat folgenden Inhalt: 1) Aniräge Darmstadt: a. Berichter- [hühmö über den Stand der Unterstützungsfrage. Antrag wegen weiterer Behandlung diefer Angelegenheit- b. Antrag auf Zahlung von Jahresbeiträgen fettens der dem Vcr- bande angehörigen Feuerwehren von je 100 Mitgliedern 2 jährlich; Berichterstatter K- Justus von Darmstadt. 2) Antrag Michelstadt: Wir wollten den Ausschuß de« Feuerwehrtages freundlichst gebeten haben, bei Großh- Ministerium gefl. den Antrag \ ?u wollen, Großh. Ministerium wolle doch baldigst die längst ersehnte und schon vielfältig besprochene Pfllchtfeuerwehr anordnen. 3) Antrag Wieseck: Sobald ein Feuer-
Tt-nnf I1 c<ncm,i?ran^c verunglückt und dadurch arbeitsunfähig wird, ihm eine lebenslängliche Unterstützung von Seiten deS ganzen Corps tm Gaue Hessen zugehen zu 4) ®ntraee des Vororts Bessungen: a) Gleiche Benennung der Comman- dgnten; ^ Berichterstattung des zu ernennenden Krets-Feuer-JnspektorS; c) Berichterstattung über den Stand, resp gemachte Fortschritte der Prooinzialoerbände durch dessen Vertreter Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen; ä) Beilegung de« Orte« der Delegwtentage; e. Wahl des Vororte« für den 9 Hess. Feuerwehrtag^
— Zum Lernen ist man nie zu alt. Dieser Satz findet sich bewahrheitet, wenn man das neueste Programm des Technicum Mittweida (Sachsen) durchsieht und unter ?nn FF^rn L-ute von 30 und 40 Jahren findet Diese Schule, die diese Ostern ihr ^0'^W^^^lossen hat, ist eine höhere Fachschule Mr Maschinenbau, sie bildet a) Maschinen-Jngemeure, b) Werkmeister vollständig aus und ist unserS Wissens unter allen ähnlichen Anstalten die besuchteste. Bet Durchsicht deS Programms finden wir, daß nicht nur in technischen und mathematischen, sondern auch in allgemein bildenden Fachern (Sprachen, Handelswissenschaft und bergt) unterrichtet wird. AlS sehr lobens- werthe und für die Schuler außerordentlich nutzbringende Einrichtung ist zu nennen, daß die Direction mit den Fabriken von Mittweida und dem »/r Stunde mit der Bahn entfernten Chemnitz, diesem deutschen Manchester, ein Abkommen getroffen hat, wonach sowohl ganzen Abtheilungen unter Führung der Lehrer, als einzelnen Schülern der Zutritt zu den bedeutenden Etablissements gestattet wird.
In dieser Beziehung hat das Technicum zu Mittweida ohne Zweifel einen Vor- m vor anderen Anstalten, da es im Stande ist, seinen Schülern die Großartigkeit des Maschinenbaues in seltener Vollkommenheit zu zeigen. Um den Schülern ferner Gelegenheit zu geben, den Fortschritten in den technischen Wissenschaften folgen zu rönnen, ist ein Lesezimmer eingerichtetet, in dem die gelesenstcn Fachzeitschriften aufliegen.
Die statistischen Notizen ergeben in den 10 ersten Schuljahren eine Gesammt- frequenz von 1143 und speciell im Schuljahre 1876—77 von 413 Schüler, von Europa sind fast sämmtliche Staaten vertreten, von Amerika: die Vereinigten Staaten, Brasilien und Holl. Guyana, von Asien: Java, von Afrika: Copland.
Schließlich fei noch bemerkt, daß für bedürftige Studirende ein Stipendium gegründet worden ist.
Ein Darmstädter als gefangener Türke.
Die nachstehende Epsiode auS dem türkischen Kriege, welche manche Darmstädter interessiren dürfte, findet sich in einem Briefe Seiner Durchlaucht des Prinzen Alexander von Battenberg aus Kazanlyk, den 26. Juli, und haben wir zu deren Veröffentlichung die Ermächtigung erhalten. ES wird darin folgendes Erlebntß erzählt:
«Mit meinem letzten Briefe schloß ich mich einer merkwürdigen Expedition an, welche das 9. Dragoner-Regiment ausführte — es handelte sich um die Zerstörung der Eisenbahnverbindung zwischen Adrianopel und Philippopel. Wir ritten am 23. Juli Abends von Eski-Sagra ab, stießen überall auf Baschi-Bozuks, welche un« aber auS- wichen, schwammen über die Moritza und stürzten uns auf das Städtchen Kajadzik, 40 Kilometer südlich von Eskt-Sagra. Bet unserem Erscheinen war der Feind geflohen. Der Bahnhof wurde besetzt, eine Brücke und das Stationsgebäude mit Dynamit gesprengt und der Telegraph zerstört. Der gefangene Stationschef wurde auf einen Ochfenwagen gesetzt und auf seine Bitten seine zwei Frauen gleichfalls mitgenommen. Hierauf zogen wir wieder ab, von den Bascht-Bozuk's verfolgt kamen wir todtmüde am 25. früh 3 Uhr in Eski-Sagra an, nachdem wir beinahe 24 Stunden geritten und ca. 80 Kilometer zurückgelegt hatten. Denkt Euch, wo« mir bet dieser Eisenbahnzer- storung in Kajadzik für ein merkwürdiges Wiedersehen passtet ist. Als ich mir den gefangenen Stationschef in seiner türkischen Uniform und seine unglücklichen Weiber (wovon die Eine sehr schön) näher ansehen wollte, kriegt der Mensch eine unsinnige Freude und redet mich tm schönsten Darmstädter Deutsch bei meinem Namen an, und eä stellte sich schließlich heraus, daß der vermeintliche Türke mit seinen beiden Frauen ein Darmstädter ist, welcher Telegraphist in Darmstadt noch bis vor zwei Jahren war, und die eine seine Frau, die andere seine Schwester ist! Er heißt Klier. Ich habe natürlich für die Leute gesorgt, sie sind hier sehr gut untergebracht; ich habe sie heute besucht, cs sind anständige Leute und möchten gern nach Haufe zurück, haben aber natürlich kein Geld — ich werde mein Möglichstes für sie tbun.* rc. rc.
Zehnter Internationaler Productenmarkt zu Leipzig am 23. Juli 1877.
(Schluß.)
Bezahlt wurde nach
Leipziger Usance loco alte inländische Maare 190—200, russischer 170—175, neuer per Juli 190 — 196, per August 185—180; nach
Berliner Usance neue Maare 197 ab Bahn, alte russische 157—162, alt« inländische 179—186; per Juli-August 150,5-149,5—150. Sept.-Oct 150,5—151. Oct.-Nov. 151—151,5. Nov.-Dec. 151—152. April-Mai 1878 153—152,5—153—153,5
ßoeo Dresden blieb feine Maare vor wie nach gesucht, geringe vernachläßigt, und zahlte man für gute Jnlandssorten —200 JC.; galizische und russische 150—170. Nach
Pesther Usance 186 JL per 1000 Ko. cif. Leipzig, 185 — 190 nach Breslau zu liefern, ebendahin per Juli-Aug.175 JL Nach
Bre slau er Usance kam kein Geschäft zur Notiz und war dieselbe per Sept.-Oct. 149 Geld. Lübeck hatte einige Umsätze vorzugsweise in grober Landwaare, von der mehrere Posten zu 188—189 JL ab Lübeck gehandelt sind. Pr. russischer Roggen ging zu 155—156 ab; nach
Bremer Usance wurde gehandelt, 117—118pfündiger Petersburger 156—157 cif. Bremen; Rigaer per August 160 X cif. Bremen; Milwaukee Roggen per September 162—158 ab Bremen nach Hannover und Harzgegend; für russischen Roggen auf sofortige Abladung 170 — 168 JL nach Provinz Hannover. Paris verkaufte nach Dortmund mit 22Vz Frcs. per 100 Kilo frei ab. Nach
Cölner Usance per Juli und November 15,5 JL Nach
St ctt iner Usance 146,5—147 „4L per April-Mai 150,5 — 150 JA
Gerste war namentlich in Futtersorten nach Westphalen und Hannover rege begehrt, und kamen auch einige Umsätze z> Stande. Feine Qualitäten wurden von ungarischer Seite zu hochgehalten, so daß Berliner unbedeutend gekauft haben. Leipzigs Eisenbahnzufuhr im 2. Quartal 1877 betrug 2,858,040 Kilogr. (—4,583,252 gegen gleichzeitig 1876), Versand 2,551,441 (4- 307,028). Bezahlt nach
Leipzi ger Usance loco alte Maare 198, neue ungarische per Aug. 175 Brf. Nach
B erliner Usance 120 — 175 JL nach Qualität. Bremen verkaufte per Aug. 141-143 Nach
Pesther Usance Pra. ungarische 175 cif. Leipzig Brf.
Futtergerste 144—142 ab Bremen nach Hannover.
Hafer hatte in Folge schwacher Ernteaussichten in russischer und böhmischer Maare einigen Handel zu festen Preisen; auch Termine verkehrten ziemlich lebhaft in bessernder Tendenz. Leipzigs Bahnzufuhr im 2. Quartal 1877 war 2,261,580 Kilogr. (—345,787 gegen gleichzeitig 1876), Versand 1,292,283 Kilogr. (4- 489,329). Bezahlt wurde nach
Leipziger Usance alter böhmischer 166—170, hiesiger 170—175. Nach
Berliner Usance loco je nach Qualität und Herkunft 115—168. Per Sept.-Oct. 146—147, Oct.-Nov. 147—148—147,5, per April-Mai 1878 150-152. Rach
Breslauer Usance per Juli-August 126 Brf., per Sept.-Oct. 130,5 bezahlt. Lübeck hatte lebhaften Handel in russischer Maare, und verkaufte zu 137—139 t/M frei ab.
Gesiebter Rigaer 155—154 ab Bremen nach dem Rhein und Westphalen.
Maiü war ziemlich fest und namentlich für americanischen Mais auf spätere Lieferung ab Bremen viel Frage, doch wenig Geschäft, da Käufer zu niedrige Gebote abgaben. Leipzig's Eisenbahnzufuhren im 2. Quartal 1877 waren 20,89,480 Kg. (— 936,206 gegen gleichzeitig 1876), Versand 1,697,425 Kg. (— 2,908,646 gleichzeitig 1876). Bezahlt wurde nach


