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Papstwahl nicht mischen können auf Grund jener alten Vorrechte, welche dem Unfehlbarkeits-Dogma und dem an der Curie herrschenden Jesuiten-Einfluste gegeuübec zu einem völlig überwundenen Standpunkte geworden sind.

Das Bild der allgemeinen politischen Situation gestaltet sich demnach so: das Drei-Kaiser-Bündniß hält nach wie vor den Krieg im Osten localisirt, während im Westen Deutschland und Italien sich genähert haben, um das un­ruhige Frankreich zu überwachen und für den Fall, daß es dem Papste Und seinen Jesuiten gelingen sollte, dasielbe mittelst des Revanche-Dranges für die Zwecke des Ultramontanismus zum Kriege zu treiben, schlagfertig dazustehen. England aber verfolgt ängstlich und argwöhnisch die Fortschritte Rußlands, ohne sich zum Beistand der Türket entschließen zu können, die allem Lermuthen nach von ihren an Zahl, Kriegskunst und Ausrüstung weit überlegenen Feinden über kurz oder lang besiegt, ihre slavischen Provinzen an der Donau, vielleicht auch einen Theil ihrer griechischen Provinzen in der einen oder anderen Form aufzugeben gezwungen sein und dadurch zur Ohnmacht herabsinken wird.

Deutschland.

Berlin, 11. Juli. DieProv.-Corresp." schreibt bezüglich der Reisen des Kaisers: Die Rückreise von Gastein erfolge vermuthlich am 8. August über Salzburg und die Ankunft in Berlin am 10. August. Im Laufe des ge­nannten Monats gedenke der Kaiser den Uebungen des Garde-Corps und im September den großen Manövern am Rhein beizuwohnen.

Berlin, 12. Juli. Die Kindersterblichkeit hat gegenwärtig in Berlin eine furchtbare Höhe erreicht. In der letztverflossenen Woche starben nicht weniger als 723 Kinder in einem Alter von noch nicht einem Jahre. Als Hauptursache gelten die schlechten Nahrungsmittel, welche den Kleinen verab­reicht werden, die Milch ist niemals rein zu bekommen, sie ist stets verfälscht und bringt so anstatt Kraft den Kindern Krankheit und Tod. Vielleicht dürste man die äußerst ungesunde Luft noch hierzu zählen, welche gerade jetzt durch Aufwühlen des Erdreichs in vielen Straßen zu Zwecken der Canalisation entsteht-

Berlin, 12. Juli. Wie es hier heißt, wäre die Nachricht von einer Besetzung Serbiens durch österreichische Truppen mindestens verfrüht. Der neue Gesetz-Entwurf über das Eisenbahn-Concessions-Wesen enthält sehr ver­schärfte Bestimmungen und schreibt die eingehendste Concessions-Prüfung nach Vollendung der Vorarbeiten rc. durch eine neue juridisch-technische Behörde ein.

DerReichs-Anz." schreibt: Die Zeitungs-Nachricht aus Oeynhausen, wonach sich in der Gegend von Vlotho der Colorado-Käfer gezeigt haben sollte, hat sich nach den angestellten amtlichen Ermittelungen als unrichtig herausgestellt.

Tübingen, 12. Juli. Die Schriftstellerin Ottilie Wildermuth ist hier gestorben.

Irankreich.

Paris, 11. Juli. DerAgence Havas" zufolge soll der Versuch Ser­biens, hier eine Anleihe aufzunehmen, gescheitert sein.

Paris, 11. Juli. Nachrichten aus Konstantinopel zufolge ist dort das Gerücht von der beabsichtigten Zurückberufung Midhat Pascha's verbreitet.

Ilalten

Nom. Graf Chambord hat dem Papste durch eine Vertrauensperson mitgetheilt, er werde von einflußreichen Persönlichkeiten bestürmt, aus seiner Reserve herauszutreten. Des Vaticans Antwort lautete, augenblicklich sei eine directe Action gefährlich, der päpstliche Stuhl wolle ihn jedoch nicht behindern und überhaupt keinerseits Schwierigkeiten heraufbeschwören. Der päpstliche Nuntius in München berichtete nach Unterredungen mit Personen der dortigen Regierung, Bayern weise jede Einmischung des Nuntius in die religiösen An­gelegenheiten des übrigen Deutschlands zurück.

Spanien.

Madrid, 11. Juli. Der Senat hat das Budget ohne Modiflcationen genehmigt.

Türkei.

Konstantinopel, 11 Juli. Das Gerücht von dem Tode. des Kriegsministers Redif Pascha wird von Seiten der Regierung für unbegründet erklärt.

Der orientalische Krieg.

Wien, 11. Juli. Ein Telegramm derPolit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 10. d. Mts.: Nach glaubwürdigen in militärischen Kreisen ent­standenen Angaben soll der Donau-Uebergang der rumänischen Armee am 12. d. Mts. oberhalb und unterhalb Kalafat stattfindeu. Der Fürst von Rumä­nien wird persönlich das Commando übernehmen. Das russische Hauptquartier wird nach Batak verlegt werden. Die in den von den Rusten besetzten bul­garischen Districten wohnenden Mohamedaner wurden entwaffnet.

London, 11. Juli.Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum: Ismail Pascha besetzte mit einer Abtheilung des rechten türkischen Flügels die Bajazid beherrschenden Höhen. Türkische Vorposten tödteten 6 Kosaken, welche Nachts zum Fluste herabgestiegen waren, um Master zu schöpfen, und nahmen 4 Kosa­ken gefangen.

Petersburg, 11. Juli. Offlciell. Alexandropol, 9. Juli. Nachdem General Lons-Mellkoff die Nachricht erhalten hatte, daß sämmtliche Kräfte Mukhtar Pascha's gegen Kars marschirten, stellte er vorläufig das Bombarde­ment von Kars ein, schickte die Geschütze nach Kurukadra und Alexandropol, concentrirte die Kavallerie bei Chadrijali und die Infanterie bei Saim. Die Colonne des Generals Tergukasoff übernahm auf ihrem Marsche aus Dajar nach Surpophannes die Beschützung von 3000 christlichen Familien, die vor den Greuelthaten der Bsschi-Bozuks und Kurden aus dem Thale von Alasch- kirt flohen. Da hierdurch die Bewegung der Colonne verzögert wurde, war es der türüschen Infanterie möglich, die russische Nachhut anzugreifeu. General Tergukasoff schlug hierauf den Weg nach Jgdyr ein, wo er am 5. d. Mts. eintraf, und marschirte sodann nach Bajazid.

Petersburg, 12. Juli. Osficiell. Eupatoria. 9. Juli. Vier türkische Monitors beschosten Eupatoria während 3^ Stunden und gaben 62 Schüste ab, ohne jedoch einen Schaden zu verursachen. Die Rusten erwiderten aus vier neuupfündigen Geschützen mit 36 Granatschüsten, worunter sechs Treffer waren. Nach der Beschießung gingen die türkischen Monitors wieder in See.

Pera, H. Juli. Der Minister des Aeußern richtete folgende Mitthei­lung an die Vertreter der Pforte im Auslande: Der Feind wurde von der Division Bajazid verfolgt und über die Grenze getrieben. Dieser Theil des türkischen Gebiets ist vollständig von den Rusten befreit. Einige hundert Rusten, welche in dem Regierungs-Gebäude cernirt sind, wurden zur Ergebung aufge­fordert und wird dieselbe jeden Augenblick erwartet.

Wien, 12. Juli. DiePresse" meldet aus Bukarest: Die vor Niko- poli liegenden türkischen Monitors wurden durch Artillerie-Feuer kampfunfähig gemacht und sind von ihrer Equipage verlasten worden. Die Besetzung Tirnowa's erfolgte durch die Brigade des Prinzen Leuchtenberg nach hartem Kampfe. Das türkische Lager mit vielen Munitions- und Proviant-Vorräthen wurve erbeutet. Bei Bjela hielt das 11. Kosaken-Regiment der türkischen Uebermacht Stand, bis es, von Dragonern und Husaren unterstützt, nach zwei­stündigem Kampfe die Türken gegen Rustschuk znrückwerfen konnte. Meldungen desTag-Bl.": Turn-Magurelly, 11. Juli. Der bulgarische Exarch wird aufgefordert werden, statt in Konstantinopel, in Tirnowa zu residiren. Die türkische Besatzung von Tirnowa zog gegen Osmanbazar. Russische Truppen, welche von Sistowa auf Plewna vorrückten, besetzten gestern Trestenik. Cavallerie- Patrouillen recognoscirten gegen Lowatz. Aus Nikopoli wurden 4000 Mann türkischer Truppen zum Schutz von Plewna abgesandt. Belgrad, 11 Juli. Eruer Meldung aus Bosnien zufolge hielt Oberst Despotovic eine Versammlung der Jusnrgenten-Chefs ab, worin ein Comite zur Berathung der Angelegenheiten der Rajahs in Bosnien eingesetzt wurde. Die Versammlung ging mit Zivio's auf^st Milan und das serbische Volk auseinander.

DerN. fr. Pr." wird aus Bukarest telegraphirt: Die Türken ziehen sich in festen Stellungen zwischen Schumla und Rustschuk zusammen, um Den Rusten eine Entscheidungs - Schlacht zu liefern. Kosaken-Trupps streifen bis Osmanbazar. Der Kaiser weilt seit gestern in Zarowitz. Minister Bratiano wird am Freitag in Bukarest erwartet. Die rumänischen Kanonenboote Fulgerul" undRomania" sind von Braila aus bei Kalarast östlich von Silistria vor Anker gegangen, wo Vorbereitungen zum Donau-Uebergang ge­troffen werden. Zwischen den rumänischen Batterien bet Rastu und einer türkischen Batterie bei Lompalanka entspann sich gestern ein heftiger, jedoch resultatloser Geschützkampf.. Ein Telegramm derDeutschen Zeitung" meldet aus Bukarest: Rußland hat den rumänischen Eisenbahnen neuerdings 100 Locomotiven zur Verfügung gestellt. Gerüchtweise verlautet, der Groß­fürst Thronfolger werde den Befehl über die Dobrudscha-Armee übernehmen, der Fürst von Rumänien über die zwischen Widdin und Nikopolis operirenden Truppen und Großfürst Nikolaus über die Centrums-Armee, zugleich mit der Oberleitung des Ganzen. Die Rusten haben mit einer Frankfurter Firma die Lieferung von 80,000 Centner Heu, 4000 Zug-Ochsen und 800 Wagen zum Zwecke der Cernirung und Belagerung von Rustschuk abgeschlosten.

Vermischtes.

Der neueste Titel. Wir glauben, selbst trotz aller Tttclsucht, die eine Natio- nal-Eigenschast des Deutschen bildet, werden sich nicht Allzuviele finden, die sich um einen allerneuesten Titel bewerben würden. In officiösen Blättern nämlich finden wir folgende Notiz:Der vom landwtrthschaftltchen Ministerium eingesetzte Heuschrecken- Commtssar, Amtmann Deutsch, hat sich nach Posen begeben, um die Vertilgung der Heuschrecken im Birnbaumer und Frauenstädter Kreise persönlich zu leiten." .... Wie denken unsere Lesere über den TitelHerr Heuschrecken-Commissar" oder garFrau Heuschrecken-Commissarin"???

Aus der Zett der Censur. Im Jahre 1842 sollte in derRheinischen Zei­tung" eine Annonce erscheinen, welche die Uebersetzung von Dante'sGöttliche Komödie" von Phtlalethes (dem späteren, jetzt verstorbenen König Johann von Sachsen) an­kündigte. Der Censor derRhein. Ztg.", Poltzeirath Dolleschall, streicht die Annonce mit dem Bemerken:Mit göttlichen Dingen soll man keine Komödie treiben."

(Ein guter Rath.) In Amerika herrscht die gesetzliche Bestimmung, daß, wenn ein Angeklagter keinen eigenen Verthetdiger hat, ihm ein solcher ex officio gestellt wird. In einer letzthin stattgefundenen Gerichtsverhandlung in der großen Republik war nun ein Angeklagter des Diebstahls angeschuldigt, und da er sich keinen Vertheidiger genommen hatte, ersuchte der Präsident der Verhandlung schnell einen Advokaten, dem­selben seinen Rechtsbeistand zu Theil werden zu lassen. Dieser accepttrt und der Präsident bittet ihn, sich mit dem Angeklagten einige Zeit zurückzuziehen, um ihm nach bestem Gewissen seine Rathschläge zu ertheilen. Er thut dies und nach zwanzig Minuten erst erscheint er wieder im Saale.Wo ist der Gefangenes" fragt der Präsident.Der Gefangene läßt sich empfehlen" antwortet der Advokat.Der Präsident hat mir be­fohlen, ihm diejenigen Rathschläge zu ertheilen, die aufs Beste sein Interesse wahren würden, und da er mir gestanden hat, daß er schuldig sei, so war ich der Ansicht, daß ich am besten thäte, ihm den Rathschlag zu ertheilen, sich auf und davon zu machen. Mein Client hat sich vollkommen meiner Meinung untergeordnet; er hat sich sofort auf und davon gemacht!"

(Amerikanische Selbstkritik.) In dem Theater einer kleinen amerikanischen Stadt wurde jüngst ein Stück ausgepfiffen und ausgetrommelt, so daß dasselbe kaum zu Ende gespielt werden konnte. Als der Vorhang sich zum letztenmale gesenkt hatte und die Zuschauer sich zum Gehen anschickten, erdröhnte plötzlich noch auf der Bühne ein Schutz Erschreckt blieben die Leute stehen, und eS entstand ein lärmendes Durch­einander von Fragen, was denn dort auf der Bühne vorgefallen sei. Da trat, um den Sturm zu beschwichtigen, der Director vor den Vorhang und erklärte:Beun­ruhigen Sie sich nicht, verehrte Gönner! ES ist nur der Autor des Stückes, welcher an sich Gerechtigkeit geübt hat."

In Kissingen fand im Jahre 1525 die erste große sociale Bewegung in Deutschland großen Anklang. Die Bürgerschaft stellte Ostersonntags ihre Forderungen an ihren damaligen Landesherrn, den Markgrafen Casimir von Brandenburg, worin sie unter anderem forderte,daß das Weinmaß künftighin solle größer gehalten und die Metzgerzunft solle verbunden sein, die Würste fortan fetter zu machen." So hatte diese hochtragische Katastrophe auch ihre komischen Momente. Der Markgraf antwortete, indem er 7 Rädelsführer enthaupten und 59 Bürgern die Augen ausstechen liefe. So meldet dieAlte Chronik".

Köln, 7. Juli. Die Dampf-Chocoladenfabrik der Gebrüder Stollwerck Hier­selbst hat auf Anlaß des Bürgermeisters Steinkopf in Mülheim am Rhein, za Nutz und Frommen der Landwirthschaft, den bösen amerikanischen Gast, den Coloradokäfer, sammt Puppen, Larven und Eiern, Alles in natürlicher Größe und Zeichnung und in möglichst treuen Farben nachgebildet. Die kleinen Gebilde sind von täuschender Aehn- lichkeir, so daß man dieselben, wie sie in niedlichen, mit GlaSdecken versehenen Kästchen auf ebenfalls nachgebildeten Kartoffelkraut dasitzen, beim ersten Blick für die wirklichen Eier, Larven, Puppen und Kartoffelkäfer zu halten versucht ist. Ein solches Kästchen enthält auf der unteren Seite eines Blattes 14 Eier, ferner eine Larve von drei Tagen, eine zweite von 14 Tagen und eine dritte von 3 Wochen, und daneben eine Puppe und einen Käfer. Das Ganze kostet eine Mark. Wir möchten Landleute und Lehrer besonders auf diese schöne und wahrheitsgetreue Darstellung des Coloradokäfers aufmerksam machen, da dieselbe dazu angethan ist, Jeden mit dem verderblichen Jnsect in allen Stadien seiner Entwicklung bekannt zu machen.

Literarisches.

Die neuesten Nummern der Jllustrirten Frauen Zeitung (vierteljährlicher Abonne­mentspreis JL. 2 50) enthalten: I. Die Moden-Nummer (25): Sommer-Toiletten für Damen, junge Mädchen und Kinder, einzelne Ueberfleiber, Tunikas, Jacken, Kleider­röcke und Kleiderärmel, Shawl-Mantille, Cravaten, Hüte, Shawl als Kopfhülle, Arm­band, gestrickte Halbhandschuhe, Morgenhauben, Taschentücher, Kleider, Jacken, Schür-