Versammlung nicht ab, da die Versammlungen, die den Zweck hätten, die in Betreff der Türkei zu ergreifenden Maßregeln zu ordnen, sehr wohl auch unter den jetzt in Konstantinopel tagenden Bevollmächtigten stattfinden könnten, angenommen, daß, wie natürlich wäre, die ottomanischen Vertreter nicht daran Thetl nehmen wollten " — Einem an der Pariser Börse verbreiteten Gerüchte zufolge hätte sich Deutschland gegen den Abschluß der Militär-Convention ausgesprochen, welche den eventuellen Durchmarsch der Ruffen durch Rumänien zum Zweck hätte. Wir (der Temps) haben zwei Nachrichten aus Bukarest, die uns tue Annahme gestatten, daß Fürst Bismarck in Beantwortung der von Rumänien'än ihn gerichteten Frage sich, nachdem er aus die Innigkeit in den zwischen Deutschland und Rußland bestehenden Beziehungen hingewiesen, zu Gunsten eines solchen Actes ausgesprochen habe, der den angegebenen Zweck habe, wobei er jedoch die Ansicht ausgesprochen, es dürfte zweckdienlich sein, den Abschluß biS zu der Epoche zu vertagen, wo der Durchmarsch russischer Truppen durch die Fürstenthümer nahe bevorstehen würde."
Paris, 11. Januar. Der russische Botschafter Fürst Orlow hatte diesen Morgen 11 Uhr eine lange Unterredung mit Thiers. In russischen Kreisen glaubt man heute wieder an den Krieg. Aus türkischen Kreisen verlautet, daß die Mächte jetzt einen sta.ken Druck auf die Pforte versuchen, daß aber letztere wahrscheinlich nicht nachgeben werde. — Das Blatt „Tribüne" wurde wegen Veröffentlichung eines Romans: „Roman eines Priesters" vom Deputirtcn Gagneur zu 500 Frcs. Geldbuße verurtheilt. Desgleichen wurden heute die Urtheile in zwei Wucherproceffen verkündigt; im ersten wurde der Capitalist Beleys zu 50,000 Frcs. Geldbuße, im zweiten Ebwarts zu 80,000 und sein Mitschuldiger Perturier zu 10,000 FrcS. verurtheilt. — Bischof Du- panloup ist heute von seiner Reise nach Rom wieder in Versailles eingetroffen. — Der türkische Botschafter Sadik Pascha reist morgen ab, wird aber, bevor er nack Konstantinopel geht, in Smyrna, wo sich seine Familie befindet, Halt machen. — Von den neugewählten Präsidenten der Bureaux des Senats gehören sechs der Rechten, drei der Linken an.
Paris, 11. Januar. Der wieder hergestellte Justizminister Märtel hat die Leitung Hines Ministeriums übernommen.
Versailles, 11. Januar. Der Senat genehmigte den Auslieferungs- Vertrag mit England und vertagte sich sodann auf unbestimmte Zeit. Der Finanzminister legte der Kammer das Budget für 1878 vor.
Türkei.
Konstantinopel, 11. Januar. Wie verlautet, würden die Vertreter der Mächte in der nächsten Montag statlfindeuden Sitzung von der Pforte ganz e tschieden eine endgültige Antwort verlangen.
Pera, 9. Januar. Man hält hier auch in osficiellen Kreisen noch immer die Friedens-Hoffnungen ausrecht. Der Minister des Auswärtigen, Savset Pascha, mit dem ich heute eine Unterredung hatte, äußerte sich ungefähr wörtlich: „Ich habe Ihnen schon srüher mitgetheilt, daß wir nur dann zum Schwerte greisen würden, wenn eö gilt, uns unserer Haut zu wehren. Wir würrschen den Frieden von ganzem Herzen und geben die Hoffnung auf die Erhaltung desselben noch nicht aus. Wir wollen hoffen, daß die Großmächte uns nicht in eine Lage zu versetzen suchen, auf welche wir nicht etngehen können, sondern ihre zu hoch geschraubten Forderungen einigermaßen herabstimmen." Das Gerücht über ein von den Mächten vorbereitetes Ultimatum an die Pforte entbehrt der Begründung.
Amerika.
New'Avrk, 10. Januar. In Folge der Vorgänge in New-Orleans hat gestern ein Ministerrath stattgefunden, welcher dem Oberbefehlshaber der in New Orleans stehenden Bundestruppen den Befehl zugehen ließ, die Ruh' und Ordnung in New-Orleans aufrechtzuerhalten, ohne einen der beiden Gouverneure anzuerkennen. Das Sraatsgebäude, in welchem sich die Mitglieder der republikanischen Legislatur befinden, wird durch die Milizen der demokratischen Partei blofirt. Bis jetzt ist es noch nicht zu Blutvergießen gekommen.
Washington, H. Januar. Der Schatz-Secretär kündigte die Einlösung von 10 Millionen 5.20 Bonds an. Die Kammer-Commission sür die Präsidentenwahl erklärte, dem Senat stehe nicht das Recht zu, die Wchlfrage zu entscheiden; eine Verifikation der Wahlen könne nur nach dem von der Kammer genehmigten Modus et folgen, die Kammer habe dieselbe Befugniß wie der Senat.
New-OrleanS, 10. Januar, Abends. Der Oberbefehlshaber der hier stationirten Bundestruppen ist durch Depesche deS KriegSminifters angewiesen worden, die um beu Staatspalast zusammengerotteten Volksmaffen zu zerstreuen. Bisher ist die Ruhe noch nicht gestört, nachdem die demokratischen Milizen die Straßen gesäubert haben. Beide Legislaturen, die republikanische sowohl, wie die demokratische, haben Mitglieder fü£ den Bundes-Senat gewählt.
2 o k a l - Vt o t i z.
Gießen, 13. Januar. Der Schwurgerichtshof der Provinz Oberheffen vom I. Quartal l. I. bat in den nachverzeichneten Anklagesachen erkannt:
Am 8. Januar, gegen Goma3 Eichelmann von Münzenberg, wegen Urkundenfälschung auf Gesangniß von 8 Tagen.
Denselben, gegen Nicolaus Nagelschmidt von W?ningS, wegen dreier einfacher Diebstähle und einer Unterschlagung auf Zuchthaus von 1 Jahr und 9 Monattn, sowie Verlust dec bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren; dabei wurde jedoch verordnet, daß drei Monate, als an dieser Strafe bereits verbüßt, in Abrua iu bringen seien. 8 ö ö
$;Llluar' Segen Conrad ©panier von Dortelweil, wegen Körperverletzung mit todtlichem Erfolg — nachdem die Geschworenen ein „Nichtschuldig" ausgesprochen hatten — auf Freisprechung.
11-3anuar/ Segen Theodor Wild aus Brettach im Königreich Württemberg, wegen Diebstahls, auf Zuchthaus von 1 Jahr 3 Monat.u.
S)cnfelbcn, gegen L-mis Petermann von Nidda, wegen Versuchs der Nothzucht, auf vorläufige Vertagung der Verhandlung.
Sodann werden in der nächsten Woche noch weiter folgende Anklagesachen zur Verhandlung kommen: " w 6
9 U&r, gegen Heinrich Bien von Freiensteinau, wegen Diebstahls; Berthe,d.: Gr. Hofg.«Ado. Dr. Rosenberg.
Januar , Vormittags 9 Uhr, gegen Conrad KappcS Wittwe und Lons, von Lehrbach wegen Verleitung zum Meineid; Dertheid.: die Gr. Hofg-Advocaten Baist und Hirschhorn.
*7;.3Qn“ar;. Vormittag 9 Uhr, gegen Wilh-lm »tmenb von Bottenseld, wegen Diebstahl»; Vertheid.: Gr. Hofg.-Ado. Dr. Schwarz.
Den 18. Januar, Vormittags 9 Uhr, gegen Wilhelm Bücking von Homberg a. d. Ohm, wegen B-rsuch« der lohtung; Dertheid. Gr Hof« -Adv. Weid io. horf, ,t.3a«uar' Zmittag, g Uhr, gegen Feldfchü'h Conrad Heyer von Melbach, wegen Erpressung nnd Verbrechen im Amte; (Vertheidtger noch nicht bestimmt)
Bericht i g ung
falscher
Statistik in Nr. 7,
wonach
auf 1000 unoer-
heirathete iWanner 2000 unverheirathete Frauen kommen.
Einwohnerzahl des Gr. Hcsseri
i (1871) männlich
421849
M W
„ wublich
431045
(s. Notizblatt des Vereins für Erdkunde in Darmstadt April 1873 p. 51.)
Auf Hundert kommen
männliche
weibliche
im Alter von
ledig
verheiathet
ledig
vcrheirathet
0—20 Jahren
100,0
0
99,7
0,3
20—30
74,5
25,1
58 9
40,2
30—40 „
19,0
79,2
19,0
76,8
40—50
9 6
86 1
13,9
74,3
Überhaupt
60,5
35,0
57,8
33,7
(Ebendaselbst S- 130.)
Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen.
Vom 7. bis 13. Januar 1877.
Eheschließungen.
Den 11. Januar. Glasermeister Johannes Hirz, mit Marie Fischer von Staufc uberg.
Geborene.
Den 1. Jan. Dem Hilsöbremser an der Main-Wese^-Bahu, Johannes Müller ein Soh^, Julius. — 1. Dem Schrernermeister Reinhard Wagner eine Tochter, Clara Marie Hermine. — 5 Dem Gendarmen Heinrich GrieS ein Sohn, Adolph Heinrich. — 3. Elisadethe, ein außereheliches Kind von Auswärts. — 4. August, ein außer- ehcl'chcs Kind von Auswärts — 7. Dem Betriebs-Director Ernst SUtoater ein Sohn, Ernst Karl Alfred. — 9. Dem Kunstgartner Otto Garn ein Sohn, Otto. — 9. Heinrich, ein außereheliches Kind von Auswärts.
Gest orbeue.
Den 7. Jan. Ein iodtgebo enes außereheliches Kind von Auswärts, — 8. Die Taglöhnerin Christine Stamm aus Bieder, 55 Jahre alt. — 9. Heinrich, Sohn des Dienstmanns Heinrich Launspach, 4 Jahie 6 Monate alt. — 10. Louise Scheid, 41 Jahre alt. — 9. Clementine Eleonore Schäfer, 41 Jahre 3 Monate alt-
Im Jahre 1876 erfolgten vor Großherzoglichem Standesamie Gießen:
Aufgebotsverhandlungen 124
Ehe f chließung en 116
und zwar: a. zwischen ledigen Personen 102
b. „ ledigen Mannspersonen und Wittwen 4
c. „ Wittwetn und ledigen Frauenspersonen 10
zusammen wie oben 116
Geburten wurden angezeigt 593
und zwar: Knaben 324
Mädchen 269
zusammen wie oben 593 b
Unter dieser Zahl befinden sich 97 außerehelich Geborene, davon 80 in der Entbindungsanstalt, und zwar: Knaben 59
Mädchen 38
und
zusammen rote oben
97
St erbf alle wurden angezeigt zwar ftirben 347. Männlich
Weiblich
Total
Unter einem Jahr
55
41
96
von 1— 5 Jahren
18
14
32
„ 6-10 „
4
5
9
„ H-15 ,
1
3
4
„ 16-20
8
5
13
ii 21-30 „
23
13
36
„ 31-40 „
11
15
26
„ 41-50 „
21
12
33
„ 51—60
18
5
23
„ 61-70 „
14
6
20
„ 71-80 „
4
15
19
„ 81—90 „
Todtgeboren wurden
3
3
6
11
12
23
Verunglückte
7
—
7
zusammen rote oben
198
149
347
Auszug aus Öen Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute.
Den 7. Januar. Johann Fischer, Schneidergeselle dahier, des Johann Fischer, Ackermanns in Rothenbach, ehelicher Sohn; und Anna Margarethe Bclloff, des verstorbenen Ackermanns in Beuern Johann Jost Belloff, eheliche Tochter.
Den 11. Januar. Johannes Hirz. Glasermeister dahier, deS verstorbenen Ackermanns in Watzenborn Johannes Hirz, ehelicher Sohn; und Marie Fischer, des verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters zu Staufenberg Heinrich Fischer, eheliche Tochter. Getaufte.
Den 7. Januar. Dem Schlossermeister Karl Pfaff eine Tochter, Marie, geboren den 3. Decemb r.
Denselben. Dem Destillat eur Philipp Wilhelm ein Sohn, Heinrich Karl, geboren den 10. December.
Denselben. Dem Rangirer Enist Franz Heilmann ein Sohn, Karl Konrad, geboren oen 19. December.
Denselben Dem Buchhändler Ernst Strahler eine Tochter, Clara Johanna Elisabeth Marie, geboren den 15 December.
Den 9. I inuar. Dem Schreiner Ferdinand Bauer ein Sohn, Hermann, geboren den 14 August.
Den 12 Januar. Dem Major und Bataillonschef August Senckel eine Tochter, Wilhelmine Marie Antonie Elisabeth, geboren den 29. November.
Beerdigte.
Den 5 Januar. Carl Martin Ludwig Christian Herbert, Zimmermann dahier, des verstorbenen Zimmermeisters Georg Herbert, ehelicher Sohn, alt 23 I. 4 M. 1 T., gestorb.n den 2. Januar.
Den 6. Januar. Der Grotzh. Kreisarzt und Medicinalrath Dr. Eduard Stammler, alt 70 I. 9 M. 25 T, gestorben den 4. Januar.
Den 7. Januar. Anton Weller, Dienftmann dahier, alt 47 I. 10 M. 2 T>, gestorben den 4. inuar.
Den 12. Januar. Clementine Eleonore Schäfer, des verstorbenen Professors an hiesiger Universität Dr. Heinrich Schäfer, ehliche Tochter, alt 41 I. 3 M. 7 T-, gestorben den 9. Januar.
Denselben. Louise Wilhelmine Henriette Scheid, geborene Glöckner, Ehefrau Les Fabrikanten Louis Scheid, alt 44 I. 7 M- 7 T-, gestorben den 10 Januar-
Inserate, "TgBIB
welche in der folgenden Nummer Aufnahme finden sollen, bitten wir bis Vormittags 11 Uhr aufgeben zu wollen. Größere Inserate wolle man einen Tag vorher aufgeben. Um den Satz rechtzeitig fertig zu stellen ist diese Bestimmung unerläßlich.
Die Expedition.


