Lenheit ein solches Geschäftsgebahren verdammt hätten. Es ist oft und viel darüber gesprochen und geschrieben worden, welch' heftigen Stoß die öffentliche Moral durch^bie Gründerzeit erlitten hat. Die Sucht, rasch reich zu werden, ist zur allgemeinen geworden und läßt kein Mittel als zu verwerflich erscheinen, um das ersehnte Ziel zu erreichen. Dle enorme, fast könnte man sagen, die allgemeine Verbreitung der Kellerwechsel ist ein sprechender Beweis dafür.
Der Jnseratentheil unserer gelesenstcn Zeitungen enthält fast täglich das Anerbieten, datz ein „Bankinstitut" gegen geringe Provision auf sich trassiren läßt. Wechsel, deren Valuta erst zur Verfallzeit zu berichten ist, werden zu Hunderten angeboten. Die Vermittelung der verschiedenen Annoncenbureaux erleichtert den Schwindlern ihr Geschäft, insofern sie nicht direkt vor die Oeffentlichkeit zu treten brauchen, sondern sich der schützenden Maske einer beliebigen Adresse bedienen können. Diese Vorsicht ist nöthtg, um sie vor der Thätigkeit des Staatsanwalts zu schützen Freilich sind manche dieser Geschäftsleute von der Ncellität und den wirthschaftlichcn Vortheilen ihrer Sache so überzeugt, daß sie nichts Unrechtes in ihrem Beginnen erblicken und eine besondere Vorsicht bei ihren unsauberen Manipulationen verschmähen. Um jedem Hülfsbe- dürftigen die Vortheile derselben zugänglich zu machen, besitzen sie in allen größeren Städten Agenten, durch deren Hülfe sie im Stande sind, jeder Zeit Wechsel in beliebiger Höhe auf beliebige Plätze offeriren zu können. Daß die meisten der auf dem Wechsel befindlichen Firmen überhaupt nicht oder nicht in dieser Form existiren, thut dem Geschäft keinen Abbruch. Wird ja doch bei Eingang des Geschäfts dem Kunden sofort mitgetheilt, daß der Uebersender der Wechsel für die Bonität der Wechselverpfiichteten nicht hafte, daß der Uebernehmer derselben selbst für rechtzeitige Einlösung Sorge tragen müsse. Die augenblickliche ungünstige Lage des Marktes kommt dabei den Schwindlern in ausgedehntestem Maße zu Gute. In fast allen In- vustriezweigen ertönen die Klagen über das Darniederliegen der Geschäfte; zu Hunderten werden die Arbeiter entlasten, ohne daß der verminderte Betrieb die Folgen der Ueberproduktion aufzuheben vermag. In vielen Branchen wird es schon als Gewinn betrachtet, wenn nur die Geschäftsunkosten gedeckt werden, in eben so vielen aber wird nur mit Verlust gearbeitet. Die Folgen dieses nun schon Jahre lang anhaltenden Zustandes sind natürlich auf der einen Seite ein gesteigertes Creditbedürfniß der Geschäfte, während auf der anderen die Banken mit ihren Ca- ■ji Italien weit mehr zurückhalten, als dies in normalen Zeiten der Fall ist. Gewiß ist dadurch der Boden für die Fabrikanten der Kellerwechsel ein außerordentlich günstiger. So mancher
—ll ll IMW »MI «ÜIIIIIM
solide Kaufmann mag aus Noch sein Heil bei ihnen versucht haben, in der Hoffnung, daß-Zeit gewonnen — Alles gewonnen sei. Einzeln mag dies vielleicht auch geglückt sein, aber die Meisten hat die Speculation aus eine bessere Conjunktur getäuscht, und nun müsten sie unaufhaltsam weiter auf der schiefen Bahn der Wechselreiterei. Nur -in plötzlicher, enormer Aufschwung der Geschäfte vermag sie noch zu retten und aus den drückenden Fesseln zu befreien. Das Vorhandensein jener fabelhaften Summe von Kellerwechseln in den Depositen der Eingangs erwähnten Bank zeigt, in wie weite Kreise ihr Gebrauch gedrungen ist- Wie groß mag die Summe aller in Umlauf befindlichen Kellerwechsel erst sein? Es ist zu befürchten, daß sich eine solche Summe fiktiven Kapitals ergibt, daß die möglichen Folgen einer Katastrophe nicht schwarz genug gedacht werden können
Was ist hier zu thun? Die Gefahren für das öffentliche Wohl liegen auf der Hand; dasselbe muß vor allen Dingen geschützt werden. Dazu gehört zunächst, daß jeder Geschäftsmann im Wechselverkehr die größte Vorsicht beobachtet und jeden nur einigermaßen verdächtigen Wechsel mit Entschiedenheit zurückweist. Ein corporatives Vorgehen der Hanpel und Gewerbetreibenden würde hier vielleicht von bedeutendem Vortbeil sein. Man müßte die Oeffentlichkeit zu Hülfe nehmen und alle jene sogenannten Firmen, die auf als Kellerwechseln erkannten Papieren als Strohmänner figuriren, bekannt machen, die Kenntniß derselben in den weitesten Kreisen verbreiten und so das Geschäft jener Fabrikanten möglichst brach legen. Ein Kaufmann, der sich durch dergleichen Manipulationen zu retten sucht, müßte öffentlich gebrandmarkt werden- Jeder aber, der allzuschwer unter der wlrthschaftlichen Conjunktur leidet und sein Geschäft nicht mehr aufrecht erhalten kann, muß liquidiren oder Concurs anmelden. Denn ein derartiges Geschäft mit Hülfe von Kellerwechseln fristen oder gar retten zu wollen, ist nicht nur ein thörichtes, sondern auch ein strafwürdiges Unternehmen. Durch einen hochseltenen Glücksfall kann und wird eine Rettung eintreten, in den meisten Fällen wird der Zusammenbruch nur aufgeschoben sein. Cs wird sein endliches Eintreten nicht allein den Schuldigen, sondern auch die Unschuldigen treffen. Jedenfalls ist es für einen Kaufmann ehrenhafter, zur rechten Zeit sich mit seinen Gläubigern zu einigen, als durch unwürdige Manipulationen und durch Mißbrauch des öffentlichen Vertrauens Unschuldige zu schädigen und sich selbst — vor den Staatsanwalt zu bringen. Selbstnkennt- niß und Selbsthülfe sind die einzigen Mittel, um dauernd den Kaufmannsstand von dem Schwindel zu befreien, der durch seine weite Verbreitung eine wirthschaftl. Kalamität herbeiführen muß. (Trib.)
Allgemeiner
Anzeiger.
Versteigerung.
Dienstag den 13. November, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsaerickt die Grundstücke der Herren Philipp Oppermann Erben zum letzten Mal öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden und wird mit dem Zuschlag die Genehmigung ertheilt.
Gießen, den 8. November 1877.
Großherzogl. Ortsgericht Gießen. 6311) Müller.
KeUgevotenes.
ffemdcu
nach Maaß in guter Maare und solider Arbeit in :
Doppel Shirting mit glattem Leinen-
Einsatz per Vr Dutzend . . dl 31
Chiffon mit Leinen - Einsatz per
7» Dutzend . . . . dl 36
prima Chiffon mit Leinen-Einsatz
per Vr Dutzend . . . dl. 42
empfiehlt (5973
H. Rübsamen, Mäusburg D. 9.
Zum Einmachen empfiehlt:
Extrafeinen Weinessig per Lit. 30 H ffein do. „ „ 24 „ sowie sämmtliche Gewürze ganz und rein gemahlen.
4704)________________;L. Müller.
Trockene Braunkohlen,
(Allein-Verkauf der Gewerkschaft
Elm)
I. und II. Qualität zum Zechen- preise empfiehlt (5396
Greorg Unverzagt I.
In Heuchelheim bei Sal. Kuder sind zur C garrenfobrtkation gehörige Utensilien, als: Arbeitstische, Wtckelformen, Trocken rahmen, Sotirtische, Lampen, überhaupt alles zur Fabrikation Erforderliche billigst zu verkaufen.(6258
H. von Gimborn’s
Fleck wasser besitzt in höchstem Grade die Eigenschaft, alle Fette und Harze aufzulösen ohne den geringsten Rückstand zu hinterlassen.
1/< Fl. mit Gebrauchsanweisung dl —.40,
Vz » n n dl —.70,
1/1 n n r> dl 1.20.
Putzpulver, in lackirten Blechdosen ä 12 zu haben bei 13437
C. F. Semmlar in Giessen.
6083) Einzelne Betttheile: Deck- und Unterbetten, Kissen rc., sowie mehrere vollständige ein- und zweischläfrige, sehr gut erhaltene, reinliche Betten mit Bettstellen billig zu verkaufen. I. Rothenberger,
_______________Lindenplatz.
Sauerkraut,
eingemachte Gurken, empfiehlt (6113
__Carl Hoffmann.
Veilchenbouquets
in jeder Größe empfiehlt die Handelsgärtnerei von Carl Deines, 6009)____________Gartfeld.
6333) Ein gebrauchter Kinderwagen (Korbgeflecht) ist billig zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bltts.
Gothaer und frankfurter
feine Fleischwaaren.
Außer Gothaer Cerve- tatwurst. Gothaer £e- berwurst9 Blasenschinken und Knackwürste, treffen jetzt wieder srische frankfurter geräuch Bratwürste jede Woche Dienstag und Freitag ein. (5789
J, A,- Busch Söhne,
Memen Weinverkauf
per Flasche 50, 60, 75, 80 H u. s. w. erlaube mir in empfehlende Erinnerung zu bringen. Besonders empfehle für Reconvalescenten Walporzheimer Auslese (roth) per Flasche dl 1 • 30. (4705) L. Müller.
I Mehrere gespielte
Tafelklaviere und Flügel | zu 20, 40, 80, 100, 120 bis 300 I sind zu verkaufen bei (6173 I
II. Rudolph9« Wwe.; I
6335) Billige Regenschirme (durch vortheilhaften Einkauf) zu haben
bei I. Rothenberger, ___________________ Lindenplatz.__________ 6364) Ein Haus mit Laden und Lagerraum, auf dem Seltersweg, ist zu verkaufen. Näheres bei I. Blitz.
©06 9?euefle in Besatzartikeln, als: farbige Gallons und Sammtborden, sowie Knöpfe, Einfaßbänder, Seide, Zwirne in allen Farben, empfiehlt zu billigsten Preisen Z J- H. Fuhr, Sonnenstrasse.
Pelzwaaren - Lager von H. Hübsamen in Giessen, Mäusburg D. 9,
bietet zur Saison eine sehr reiche Auswahl in allen Arten Hamen - und Kinder - Garnituren zu sehr billigen Preisen.
Alle in's Kürschnerfach einschlagende Arbeiten werden eohd und gut ausgeführt. (5974
6105)
Buchenscheitholz per Raummeter M.
ff
Andreas Euler
6360)
0) " o»
do. do. do.
4* =>^
a> co CO
von C F. Asche in Hamburg, von Aerzten angewandt und empfohlen.
Jeder Schachtel ist ein Auszug von Gutachten über die vorzügliche Wirkung dieser Pastillen dmgegügt, worunter die ersten Coryphäen der Welt vertreten sind. Preis ä Kästchen Mk. 1.—.
Depots in den meisten Apotheken deS In- und Auslandes.
Berlin. Double für Frauenjacken u. Joppen von dl. 1,60 an, Engi. Ratine und Melton von dl 2,60 an per Elle.
11.
Rmtr. JlL 12,
Tuch und Buckskins
in allen Qualitäten empfiehlt unter billigster Bedienung
Ludwig Laug, Marktstrasse 25.
Ausverkauf*: Winter-Buckskin und rein Woll-Ratine von dl 4 an,
Steinkohlen und Braunkohlen
in bekannter Güte liefert zum billigsten Preise in großen und kleinen Par
tien frei an's HauS (6346
G-eorg Unverzagt, Kaplansqaffe 9tr. 197.
per Ctr. 1,50,
Tannenholz per Ctr. 1,20,
bei Abnahme von 1 Raummeter ober 8 Ctr. frei ans's Haus, empfiehlt
„ 13,
kleingeschnitten, per kleingemacht, „
Itheingotit
(Schloss Johannisberger Schaumwein), französischen Champagner übertreffend, sowie billigere Sorten Schaumwein vorzüglichster Qualität, "*Mt «K Willi. Weidig.
Wirthe und Wiederverkäufer erhalten solche bei größerer Abnahme zu Fabrikpreisen. (6283
| Regenschirme
Ä von eX 2.50 bis zu der feinsten Qualität, empfiehlt
Z J. Weitzenkorn.
^B. Reparaturen und Ueberziehen werden sofort billigst X besorgt. (6331
-----7 "--------- uic meinen nuruearien
ftanbe des HalseS, Kehlkopfes u. der Lmtröhre werden sofort gelindert u. beseitigt durch den Gebrauch von
C. F.Asche's Bron ch ial Pa st i 11 e n
diu st en, Heiserkeit ,Verschleimung
6347) Die Zeche Nachtigall Tiefbau bei Witten, welche anerkannt die beste Kohle für Herd- und Ofenbrand liefert, hat uns den Alletnverkauf für Gießen und Umgegend übertragen.
Wir empfehlen diese Kohle zur gefl. Abnahme mit dem Bemerken, daß wir dieselbe in Partieen von mindestens 25 Ctr. franco an's Haus liefern.
E. Bergmann S? Gabriel.


