Oesterreich.
Wien, 10. October. Die „Poltt. Corresp." meldet: Wiewohl der Eintritt Serbiens in die Action vielleicht nicht unmittelbar bevorsteht, ist doch, nach den neuesten Belgrader Nachrichten, die Mtlilärtsche Bewegung dort Im vollsten Zuge. Seit gestern ist die Artillerie aus Branicero nach Veliki Jsvor im Abmarsch begriffen; ebenso wird mit der Bildung neuer Batterien vorgegangen. Einzelne Kavallerie -Abtheilungen sind bereits heute nach Kruseoac abmarschirt.
Wie«, 11. October. Meldungen des „N. W. Tagblatt." Semlin: Eine türkische Note an Serbien in Form eines Ultimatums verlangt die Entfernung der russischen Flagge von dem russischen Consulats-Gebäude, ferner die Entfernung des russischen Consuls selbst und unverzügliche Abrüstung. — Belgrad: Catargiu bleibt hier als rumänischer Gesandter, nicht als Consul. — Am Javor sind bereits mehrfache Reibungen zwischen Muftehafiz nnd serbischen Grenzwächtern vorgekommen. — In dem theologischen Seminar beginnt am 16. October ein Lehrcursus für freiwillige Krankenpflege.
— Die „Presse" meldet aus Galatz von gestern Abend: Bei Sulina wurde ein türkischer Dampfer nach mehrstündigem Kampfe in die Luft gesprengt.
Pesth, 9. October. Das Journal „Hon" bezeichnet die Gerüchte über eine neue Stockung der Zoll-Verhandlungen mit Deutschland als unbegründet. Der gegenwärtige Stand dieser Angelegenheit ist folgender: Nachdem sämmt- liche Zollsätze durchberathen seien, hätten die deutschen Bevollmächtigten einige Zollsätze ad refercndum genommen; Haffelbach begebe sich deshalb am 9. d. nach Berlin. Die Frage des Appretur-Verfahrens sei bereits erledigt. Schwierigkeiten biete nicht sowohl die Normirung des Lederzolls, sondern der Weinzoll, welchen die deutschen Delegirten nicht zum Satze des Vertrags machen wollten. Finanz-Zölle kämen Deutschland gegenüber nicht zur Geltung. Gänzlich abgestreift sei jeder schutzzöllnerische Charakter, so daß die in Aussicht genommenen Zollsätze günstiger erschienen, als in der englischen Zusatz-Convention; dieselben seien kaum höher, als in der Convention von 1869. Die Sache stehe weder schlecht noch bedenklich, vorausgesetzt, daß keine ungünstige Wendung eintrete. Daß eine solche von den contrahtrenden Theilen jetzt nicht befürchtet werde, beweise der Umstand, daß von einem Provisorium keine Rede sei; nur von einigen Zeitungen seien solche Nachrichten in Umlauf gesetzt.
Ararrkreich.
Pari-, 10. October. Bei der gestrigen im Circus am Chateau d'Eau-Platze stattgehabte Wahl-Versammlung hob Gambetta hervor, daß die Existenz des allgemeinen Stimmrechts bedroht sei; daß ohne das allgemeine Stimmrecht die Ordnung gefährdet und eine starke Regierung unmöglich, andererseits mit demselben die Revolution unmöglich sei. Gambetta bezeichnete ferner Grövy als den Nachfolger Thiers'. Er selbst habe keinen anderen Ehrgeiz , als Vertreter der Demokratie zu bleiben. Die höchste Gewalt anlangend, so trachte er allerdings in den Besitz derselben zu gelangen, wenn man ihn derselben für würdig erachte. Gambetta bekämpfte sodann energisch den Bona partismus und den Klerikalismus und gab der Zuversicht Ausdruck, daß 400 Republikaner in die.Kammer zurückkehren würden. Er schloß mit dem Satze, daß Frankreich nach den Wahleu muffe beweisen können, daß der Klerikalismus niedergeworfen sei. Die Versammlung nahm die Rede mit Beifall auf.
— Die radicale Partei in Lyon stellt den wegen Beschimpfung des Präsidenten Mac Mahon kürzlich zu Gefäng-'ißstrase verurthetlten Bonnet-Duverdier als Candidaten für die Kammer auf.
Paris, 10. October. In der Versammlung der Conservativen widerlegte der Herzog v. Broglie die Beschuldigungen gegen das Cabinet und wies darauf hin, daß die Frage eigentlich nur die sei, ob das conservative Princip oder der Radikalismus, ob Marschall Mac Mahon oder Gambetta regieren solle. Ebenso wandte er sich gegen den wider das Cabinet erhobenen Vorwurf hinsichtlich des Klerikalismus und sprach von den ausgezeichneten Beziehungen Frankreichs zu allen übrigen Mächten. Trotzdem sei er darauf gefaßt, allerlei Journal-Artikel oder Depeschen, die von Paris ausgehend nach Rom, Berlin und London gesandt würden, wieder nach Paris zurückgelangen zu sehen, um die Börse zu erschrecken. Schließlich glaubte der Herzog noch alle Ehrlichen und Einsichtigen zum Voraus auf die öffentlichen Wahlmanöver aufmerksam machen zu muffen, die noch in letzter Stunde in's Werk gefetzt werden würden.
London, 10. October. „Reuter s Bureau" meldet aus New-Iork: Die Demokraten siegten in der Wahl in Ohio mit sehr bedeutender Majorität. In Iowa siegten die Republikaner mit verminderter Majorität.
~ Das „Reuter'sche Bureau" meldet: Wie verlautet, hat die Regierung die Reductio» der Garnison von Malta beschloffen. — Der „Times" wirb auö Belgrad vom 9. d. berichtet, daß die kriegerische Action beschloffen sei, jedoch erst im November beginnen dürfte-
Der orientalische Krieg.
. , EAen, 10. October. Meldungen des „Neuen Wiener Tagebl." : Varna. Hobart Pascha hat Befehl erhalten, die Donau-Mündung zu forciren und die drmnn1 ^"^^'Hinderniffe zu beseitigen. Belgrad. Serbien verpflichtete sich, , Kombattanten in's Feld zu stellen. Die Hauplkräfte sollen gegen Nisch virig^t werben. Die Grenz-Brigaden sind bereits abmarschirt. Die Belgra- , llchl am 15. d. nach Alexinatz ab. Dem Vernehmen nach soll «cymev lsjud Pascha die Truppen in Alt-Serbien, Mehemed Alt Pascha bei comniftnbiren. Eine hier eingegangene Note der Pforte verlangt Aufklä- rung über dle serbischen Rüstungen und über Serbiens Verhandlungen mit Ruß- land-Numänten, sowie über die Anwesenheit des russischen Consul« Persiani in ®ei "L$u«funft ber serbischen Regierung unbefriedigend, so werde x na » ?ßfl’n“,8 ihrer SuzeränitätSrechte einen Special-Commiffär
22,7. e ^ab senden. — Die Pforte bereitet auch eine Beschwerbe-Note an bie ch e vor, weil Rußlanb sich bemühe, Serbien unb Griechenland mit in bie «chon zu verwickeln.
, 10. October. Die „Presse" meldet auS Turn-Magurelli: Vor Plewna liegt zollhoher Schnee. Die Türken versuchten in ber Nacht einen «uvsau.
... ^vustantinopel, 9. October. Mukhtar Pascha signalisirt feit dem letzten ^uiaminenftöSp mit b#tn - <x.. aa.. r , - -; - -
verhindert schlechtes Wetter die Operationen- Im Schipka-Paß liegt viel Schnee- Von Plewna liegt gar keine Nachricht vor. — Der erste Dragoman der österreichisch-ungarischen Botschaft reist morgen nach Abrianopel, um über das gegen die bulgarischen Jnsurgenien befolgte Verfahren Erkundigungen em- zuziehen.
Bukarest, 9. October. Das Regiment Moskau und die zweite aus 8 Batterien bestehende Garde-Artillerie-Brigade wurde heute von dem Cvmman- deur der Arriere-Garde, General Drentelen, besichtigt.
Petersburg, 10. October. Amtlich wird aus Karajal, 9. Oelbr., gemeldet: In Folge der Operationen vom 2. und 3. d., sowie der Besetzung neuer Positionen durch die rumänischen Truppen, haben die Türken heute Nacht die meisten der von ihnen besetzt gewesenen Positionen verlassen, darunter Kisil- tepe, und den Rückzug angetreten. Die Ruffen haben sich zu energischer Verfolgung in Marsch gesetzt und Nachts die Linie Chadschivali»Subotan Kulwer- dan besetzt.__________________________________________________________'
Vermischtes.
Mannheim, 1. Oct. Ein Bild bestialticher Roheit und Niederträchtigkeit wie wohl selten Vorkommen dürfte, entrollte die heutige Schwurgerichtsoerhandlung. Angeklagt des Mordversuchs auf seine Frau durch Vergiftung und Beibringung gesundheitsgefährlicher Stoffe ist der 24jährige Maurer Alois BauSback aus Königheim, oerhei- rathet seit Juni 1875. Die Verhältnisse lagen für die Eheleme Anfangs günstig, die Frau, etwas beschränkten Verstandes, hatte einen sanft nülhigen gutmüthigen Charakter und war im Dorfe allgemein beliebt. Sie brachte ihrem Manne zudem etwa 7000 je Vermögen in die Ehe, welche trotzdem eine unglückliche war. Der dem Trünke ergebene Mann begegnete von Anfang an feiner ihm überall unterwürfigen Ehefrau in roher und brutaler Weise; er schlug und mißhandelte sie häufig und dies steigerte sich mit der Dauer der Ehe derart, daß die Nachbarn mit Anzeigen drohten. Zufolge dieser Verwarnung bekam die Frau ihre Schläge nicht mehr vor dem Hause und auf ber Straße, sondern hinter verschlossenen Thüren. Dabei schaffte ber Mann so wenig Lebensmittel an, daß die Frau oft bitteren Hunger leiden mußte. In grellem Widerspruche hiezu stand sein Treiben. Er unterhielt ein Lledesverhäitniß mit einer ledigen Frauensperson, lebte verschwenderisch und über seine Verhältnisse; große Zechgelage wurden in den Wirthshäusern auf leine Kosten abgehalten u. f. w. Bet dieser Lebensweise ging das Vermögen der Frau bald zur Neige. Je mehr BauSback in diese« Treiben hineingerieth, desto unangenehmer empfand er die Beschränkung, die ihm die Ehe auferlegte, desto lebhafter wurde der Wunsch, sich seiner Fra» zu entledigen. Diesem Gedanken, der schließlich fein ganzes Sinnen und Trachten erfüllte, gab er vielfach durch Acußerungen, die schon ins Jahr 1875 fallen, gegenüber von Bekannten und Nachbarn, Ausdruck. So ließ der Angeklagte un:er anderen die Worte fallen: „Das Luder ist nichts nütz, wenn ich sie nur los hätte, wenn ich ein Mittel wüßte, ich würde sie fortschaffen, ich würde mir fein Gewissen daraus machen; wenn meine Frau in'S Kindbett kommt, werde ich sie schon liefern; wenn man eine liefern will, darf man nur Branntwein, Schnupftabak und von den Nägeln Geschabtes zusammenmischen, dies gibt eine gute Kur." Von Wünschen ging Bausback allmählig zu Thaten über; den gefaßten Plan, seine Frau auS der Welt zu schaffen, begann er in zweifacher Weise zur Ausführung zu bringen; einmal durch Beibringung gesundheitsschädlicher Stoffe und sodann durch Entziehung der zur Dauer und Erhaltung des Lebens erforderlichen Nahrung. So ist anzunehmen, daß er seiner Frau in der letzten Zeit vor ihrem Tod stark abführende Pillen eingab; es ist erwiesen, daß er sie Spiritus zu trinken veranlaßte und weiter, daß er ihr Cigarrenasche unb abgeschabte Bestanbtheile der Fingernägel beibrachte; zuletzt ging er so weit, ihr Stoffe beizubringen, bie nach ber bestimmten Aussage der Gerichtsärzte daS Leben zu zerstören geeignet waren; er gab ihr nämlich zu wiederholten Malen Schnupftabak in Getränken, Kaffee, Spiritus und Branntwein, wobei es ihm um so leichter wurde, seine Frau zum Trinken zu bewegen, als sie bei ber andauernden Nahlungsbeschränkung den schlechten Geschmack bei dem ihr Darge- botenen außer Acht liefe, die Folgen dieser Behandlung waren andauerndes Abweichen und Erbrechen. Zu gleicher Zeit steigerte sich die Nahrungsentziehung von Selten des Mannes, bie Klagen ber Frau über Hunger berart, bafe in der Gemeinde das Gerede entstand, Bausback wolle sie durch Hunger aus ber Welt schaffen. Oft kam bie Frau zu den Nachbarn um ein Stück Brob, um einen Schluck Milch bettelnd und verschlang das ihr Dargereichte mit Heißhunger; sie klagte, daß sie Tage lang nichts zu essen bekomme und war zuletzt so schwach, daß sie sich kaum noch auf den Füßen aufrecht erhalten konnte. Am Pfingstsonntag den 20. Mai stellten sich Leibschmerzen, Erbrechen, Abweichen unb großer Durst ein; Frau Bausback ging noch einige Tage aus, bettelte auch während dieser Zeit bei Nachbarn um Brod unb andere Nahrungsmittel; bann mußte sie sich vor Schwäche legen unb verließ ihr Bett nicht mehr. Auch währenb der Krankheit hörte das wüste Treiben des Mannes nicht auf. Dte Zuhälterin machte ihm Besuche, er verliefe Tage lang das Haus unb liefe seine Frau hilflos zurück, indem er ihr sogar die Hülfe der Nachbarn dadurch abschnitt, bafe er die Thüre verschloß. Ein Arzt wurde nicht zugezogen. Am 5. Juni, Morgens um 4 Uhr, trat ber Tob ber Bausback's Ehefrau ein. Nach dem gerichtsärztlichen Befunb unb dem Endgutachten starb sie an Lungenentzündung, eine weitere Krankheit verhinderte die Vollendung des geplanten Verbrechens. Die Sektion ergab eine bedeutende Abmagerung des ganzen Körpers unb im Magen eine Menge schwarzer Körperchen, von benen in- deß bei der chemischen Untersuchung nicht zur Gewißheit festgestellt werben konnte, ob eS Tabakskörner waren. Der Angeklagte leugnet ben verbrecherischen Entschluß, er gibt nur eines zu, nämlich, bafe er feiner Frau Schnupftabak im SchnapS zu trinken gab, angeblich um ihr ben Hang zum <schnapstrinken zu nehmen. Die rohe Behand- lung ber Frau, die Nahrungsentziehung unb Beibringung schädlicher Stoffe ist durch eine Reihe von Zeugen theils direkt, theils indirekt erwiesen und wurde deshalb Ver- urtheilung wegen Mordversuchs und Vergiftung beantragt Die Verteidigung bestreitet, baß in ben bem Angeklagten zur Last gelegten Handlungen ber Thatbestanb bes Morbversuchs und der Vergiftung enthalten sei und beantragt, da solche auch nicht erwiesen, bie Freisprechung desselben. Dem Wahrspruche ber Geschworenen gemäß wurde ber Angeklagte wegen Mordversuchs zu einer Zuchthausstrafe von 7 Jahren oerurtbeilt und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt-
Die Emser Victoriaquelle ist unter ben dortigen Quellen nach der Analyse de« Prof. Fresenius bie reichste an Kohlensäure. Hierdurch außerordentlich haltbar, eignet sie sich vorzüglich -um Versandt selbst in die entferntesten Länder und in Folge dessen zum curmäßigen häuslichen Gebrauche. Ihre Heilwirkungen bet Kartarrhen des Magens und ber Athmungsorgane sinb burch ben enorm gestiegenen Versanbt dieses Wassers hinlänglich conftatirt-
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag, ben 14. October. Heinrich Faß am Kreuz Christian Noll Wittwe in ber Neustadt.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.
Sonntag, den 14. October. Morgens: Pfarrer Schlosser. (Verpflichtung der 40 neugewählten Mitglieder ber Gemeindevertretung.) Nachmittags: Pfarroicar Schöner.
(Sonntag ben 21. October soll bas h. Abenbmahl gefeiert werden.) Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Schlosser.


