Türkei.
Konstantinopel, 8. Jun?- Nack' Z-''t'.m?s-Meldunzen hat die Finanz- Commission der Kammer das Project einer Zwangs-Anleihe von 5 Mill. Pfund durch Ausgabe eines amortistrbaren und verzinslichen Papiers angenommen. Davon sollen 3 Mill, durch Verdoppelung der Grundsteuer, zwei durch Redu- cirung der Beamten-Gehalte gesichert werden.
Rumänien
Bukarest, 8. Juni. Der Kaiser von Rußland wurde bei seiner Ankunft vom Fürsten und deffen Gemahlin am Bahnhofe empfangen. Straßen und Häuser waren festlich geschmückt. Die Volksmenge begleitete den Kaiser mit Zurufen. Sogleich nach Erstattung des Besuches beim Fürsten kehrte der Kaiser nach Plojesti zurück. Fürst Gortschakoff befand sich in seiner Begleitung. — Die Russen haben Ardanusch besetzt.
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Vergebung von Freistellen an der Realschule.
Aufstellung der Schulgeldltsten.
Die Thttlung der vierten Klasse der Stadtknabenschule.
Die Rechtssache der Stadt Gießen contra H einr ich Becker I von Roda.n
Das Gesetz über den Unterstützungswohnsitz. oonRodg.n.
Die Bleichleihen betr.
Ä!"eAment der Straße zwischen Gartfeld und Asterweg.
Die Pflasterung der Trottoirs vor dem Wallthor.
Verbesserung des Wegs in der Lichtenau am f. g. Felsen.
Die Brücke über den Bruchgraben betr.
Gesuch des Chr. Wallenfels HL wegen Anlegung einer Ueberfahrt.
Austüllung der Ludwigsftraße vor dem Platze für das neue Unioersitäts-
Anlegung einer Ueberfahrt Seitens des Fuhrmanns Johannes Schleu- Schiffenberger Weg. w
Kostendecreturen.
Gesuche um Erlaß von Communalsteuern.
Gesuch um Rückvergütung von Octroi.
„Meine Damen und Herren!
Tie Scenen beim Brande des Southern Hotels in St. Louis sind Ihnen Allen sicher noch frisch im Gedächtniß! . . . Seit der Kunde von jener Schreckensnacht bin ich unaufhörlich bedacht gewesen, alle Maßregeln zur Verhütung ähnlicher Schrcckens- Scenen in meinem Hotel zu treffen und ibnen auf die beste Weise vorzubeugen. Zu diesem Zwecke habe ich alle meine Angestellten, vom Oberbuchhalter bis zum Messer und Gadelputzer, einexercirt, so daß jeder Eine weiß, was er beim Ausbrechen von Feuer zu tbun hat. Daß sie tüchtig einexercirt sind und ihre Pflichten innehaben, habe ich Ihnen soeben deutlich genug bewiesen. 4 Minuten und 38 Sekunden nachdem ich das Alarmcorps der Stiefelputzer und Zimmerkellner über das ganze Haus gejagt hatte, ist der letzte der Gäste — der fette Gentleman von Nr. 327, im Unterhemd und Bettlaken — die Treppe herabgekugelt worden. Ich sehe, daß kein Bewohner des Hotels fehlt, — Sie sind alle hier versammelt, Keiner von Ihnen ist beschädigt, Alles ist ohne Confussion und Contusion abgegangen. Meine Damen und Herren! Ich danke Ihnen vom Grunde meines Herzens und bitte Sie, wenn wirklich einmal Feuer ausbrechen sollte, sich eben so kaltblütig und besonnen zu benehmen, wie bet dieser Probe; dann
türkischer Salomo. Von dem Präsidenten des türkischen Parlaments, Achmed Vesik Effendi, erzählen die Blätter folgende Anekdote: Zur Zett als derselbe als außerordentlicher Commtssär in Kleinasien fungtrte, wohnten bei Brussa in zwei benachbarten Gehöften ein Türke und em Armenier. Der Erstere jagt eine« Tages zu Pl/rd auf Hasen, das Pferd stürzt und schleift dann den Reiter, dessen einer Fuß im Steigbügel hangen geblieben ist, über die Stoppeln. Der Armenier, der diesem Vor fall von ferne zufchaut, schießt, um den Türken zu retten, auf das Pferd und tobtet «®,n m£nat.e darauf kommt Achmed Vesik als außerordentlicher Commtssär nach Brussa. Der Türke verklagt bet ihm den Armenier, weil derselbe ihm das Pferd er- 'Zo en habe. Achmed Vesik läßt den Armenier ctttren „Hast Du das Pferd erschossen?" fragte er. — „Ja, aber nur um dem Reiter das Leben zu retten." — „Ewet ^0. Du zahlst ihm 50 Lire." — Der Armenier kratzt sich hinter den Ohren, zahlt und schleicht fort. Am andern Tage wird der Türke citirt. „Hat er Dir das Leben gerettet?" fragte Achmed Vesik wieder. — „Ja." - So bist Du sein Leibeigener und losest Dich mit 20,000 Piastern von ihm los." - Der Türke jammert und heult, es nützt nichts. Er muß die Summe seinem Lebensretter zahlen.
— Eine interessante Ordre vom Jahre 1624 gibt den zu einer Erzherzoglichen Tafel geladenen Junkern, tungsten Offizieren und Fähnrichen folgende Verhaltung- - maßregeln: „Sintemalen Ihre K. H. K- Hoheit geruheten, mehre Offiziers an höchlt, dero Tisch zu inoitiren, item ich allotewetlen in Okkasion bin gewesen, mit männtg- ltcher Kenntnis; und Persuasion wie sich allemalen die der meisten Offiziers als Cava- liers ritterlich uno manierlich untereinander und manniglich traktiren thun und co"- tentiren, alsdann muß ich doch vorweg den Junkern, so nicht ordentlich gehobelt sind, aufmerksam machen auf die mensure regulaire als:
1) Item mit blankem Zeuge, säubern Rock und Stiefeln, und nicht angetrunken Ihre K. K- Hoheit zu incomplimentiren.
2) Item bet der Tafel den Stuhl nicht wackeln und die Füße nicht lang aus- . spreizen.
3) Item nicht nach jedem Bissem trinken, alsdann man zu frühe voll wird, den Humpen aber nach jeder Speis ein Mal Halbert ausleeren, vornhinein ab r den Schnauzbart und das Maul sauber abwischen.
4) Mit der Hand nicht in die Vorlegeschüssel langen oder die abgekieferten Beine zurück oder hinter den Tisch werfen.
5) Item nicht an den Fingern mit der Zunge schlecken, auf das Teller spellen oder in das Tischtuch schneitzen.
6) Item zu Letzterem nicht zu vielfach viehisch humptren, daß man vom Stuhl fallt oder item nicht mehren gradweg gehen kann.
— Bald nach dem Brande deö Southern Hotels kam dem Besitzer eines Chicagoer Hotels der Gedanke, daß er unverzüglich Schritte thun müsse, sein gesammles Hauspersonal für eine etwa entstehende Feuersgefahr etnzuexerciren, so daß im i^alle eine solche eintrete, auch nicht eine Minute durch Verwirrung verloren gehe und o >ß jeder Angestellte sofort wisse, was er bei ausgebrochenem Feuer zu thun habe. Er begann also damit, erst die Buchhalter, Oberkellner, den Steward rc. mit den entsprechenden Instruktionen zu versedei.. — Jeder erhielt eine bestimmte Thätigkeit angewiesen oder einen Post.ii, an bdi er bei Ausbruch eines Feuers im Hause eilen und das ihm Aufgetragene thun solle. Nachdem das obere Personal seine Instruktionen erhalten hatte, nahm der Wirth die Kellnerschaar, die Hausknechte, Stiefelputzer, Laufburschen, die Stubenmädchen, Scheuer- und Waschfrauen, die Büglerinnen und Küchenrnäochen vor und Allen wurde gesagt, was sie thun müssen, wenn einmal im Hotel Feuer entstehe. Mehrere Tage lang wiederholte er ihnen diese Instruktionen und als er glaubte, daß sie dieselben genügend begriffen und vollständig im Kopf hätten, schritt er zu einer Generalprobe, um sich zu überzeugen, wie das Ding arbeiten würde, wenn einmal wirklich die Nothwendtgkett eines Alarms eintrete.
Der orientalische Krieg.
Wien, 9. Juni. Nach einer Meldung des „Tageblatts" aus Bukarest haben die türkischen Batterien von Rustschuk heute früh Madarosch bei Giur- gewo zu beschießen begonnen. Bis jetzt ist dieser Kampf indeß resultatlos geblieben.
— Ein Telegramm der „Neuen Fr. Pr." meldet aus Bukarest vom 9. d. Mts.: Eine rumänische Batterie in Beket beschoß einen Truppen transpor- tirenden türkischen Dampfer, welchem ein Monitor zu Hülfe kam. Letzterer, von den türkischen Ufer-Batterien unterstützt, nahm den Kampf auf und das Feuer der rumänischen Batterien vermochte nicht, den Truppen-Transport zu hindern. In dem Kampfe, der zwei Stunden dauerte, wurden 200 Schüsse gewechselt. Die Donau fällt.
Serbien.
Belgrad, 9. Juni. Die serbische Regierung macht im Auslande Waffen-Einkäufe. In der nächsten Skuptschina wird voraussichtlich die Kriegspartei die Majorität besitzen. Man befürchtet, daß in den Kreisen Jagodina und Alexinatz wegen der gegen das Ministerium herrschenden Mißstimmung eine Erhebung stattfinden werde.
Lokal, Notiz.
_ . 9un^- Nachdem der Werth freiwilliger Feuerwehren auch auf dem
Lande zu Bcanff gekommen, war Lollar nächst Wieseck die erste Ortschaft unserer Pro.
d^ren thatkraftige ;unge Bürgerschaft den Gedanken auch zur Ausführung brachte. Nächsten Sonntag den 17 l. M. wird nun diese Feuerwehr zur Feier ihres ersten Stiftungsfestes in öffentlicher Hebung zeigen, wie weit sie geschult iit. Die Hebung beginnt Nachmittags 3 Hhr. Untere frei®, städt. Feuerwehr, welche bei Gründung der benachbarten Kameradschaft mitgewirkt bat, ist eingeladen der Hebung und dem Feste betzuwohnen. Es tst zu wünschen, daß sie sich in angemessener Zahl betheilige.
Gießen, 12. Juni. Wir lassen nachstehend die Taa e s ord nung für dte Stadt- veroroneten-Sitzung am Donnerstag den 14. Juni 1877, Nachmittags 4 Uhr,
— Die „Neue Fr. Pr." veröffentlicht ein Telegramm ihres Special- Correspondenten im türkischen Hauptquartier bei Zewin (in Armenien) vom 8. d. Mts., wonach daselbst die türkische Hauptmacht in conccntrirter, günstiger und entsprechend befestigter Stellung steht, den Straßen Knoten von Zewin beherrschend und bereit, nach allen Seiten anzugreifen. Mobile Colonnen sind von Erzerum, Zewin und Bardez gegen die russische Avantgarde bei Olti vorgegangen.
— Ein Telegramm des „Neuen Wiener Tagebl." aus Canea meldet: Eine Versammlung hervorragender Cretenser in Omalo hat beschlossen, Waffen- Depots zu errichten und Lehrer zur militärischen Ausbildung der Jugend anzu- stellen. Der Vali von Canea sandte drei Bataillone nach Omalo.
Konstantinopel, 9. Juni. Eine Depesche Mukhtar Pascha's vom Mittwoch meldet: Die russische Abteilung, welche Olti besetzt hatte, hat sich nach Penek zurückgezogen. Nach einer Depesche des Gouverneurs von Erzerum von gleichem Tage haben in Alasehgirt, Kars und Wan keinerlei Ereigniß von Bedeutung stattgesunden. — Ali Saib Pascha meldet, daß ein Geschützkampf mit den Montenegrinern im Districte Piperi stattgehabt habe.
Konstantinopel, 9. Juni. Neuere Depeschen aus Erzerum constati- ren das Vorrücken der Rusten. Mukhtar Pascha hat sich Erzerum genähert, wo eine Schlacht zu bevorstehen scheint. — Hobart Pascha, welcher aus dem Schwarzen Meere zurückkehrte, brachte drei mit Getreide beladene griechische Schiffe mit, die wegen Blokadebruchs confiscirt worden.
Wien, 9. Juni. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cattaro vom heutigen Tage: Bei Korjenitz wird seit gestern gekämpft. Die Türken treffen Anstalten, Niksic von Krstac und Muratovic aus zu verproviantiren. Aus Bukarest vom 9. d. Mts. : In dem Städtchen Dorobana in der Moldau fand am 5. d. eine heftige Judenhetze statt. Viele Juden wurden getödtet, die Häuser geplündert. Desgleichen wurde in Jasty Nachts das Judenviertel in Brand gesteckt, wobei 14 Häuser verbrannten. Die Regierung hat eine strenge Untersuchung angeordnet.
Alexandrien, 10. Juni. Die zur Ueberführung des ägytischen Trup- pen-Contiligentes nach der Türkei bestimmten türkischen Kriegsschiffe sind hier eingetroffen; wie verlautet, sollen die Truppen unverzüglich eingeschifft werden.
Wien, 11. Juni. Meldung des „Tageblatts: Skutari: Die türkischen Truppen erlitten bei Martinice eine Schlappe, räumten Plana und con- centrirten sich bei Spuz. — Rustschuk, 9. Juni: Aarifi Pascha degagirte gestern zwei im Matschtn-Canal eingeschloffene Panzerschiffe und stieß darauf wieder zur Escadre. Suleiman Bey focht bei Ialomnitzn gegen eine russische Batterie und demontirte drei feindliche Geschütze. Die Ruffen begannen heute Vormittag 15 Kilometer donauabwärts bei Giurgewo den Bau einer Batterie. Das Fort Maratin zerstörte in einer dreistündigen Kanonade die russische Arbeit und zwang den Feind zum Rückzüge. Am Abend wurde die Kanonade wieder ausgenommen ; der Feind schweigt aber. — Belgrad: Im Santschak von Bihac wurde ein siegendes Jnsnrgenten-Corps gebildet, in welchem viele Fremde dienen; der Oesterreicher Watic ist Chef dieses Corps.
— Die „Presse" meldet aus Plojesti: Der Czar hat verfügt, daß die rumänischen Truppen den Uebergang über die Donau nicht mitmachen. — Nach der heutigen Kirchen-Parade verlas der Czar vor den Generalen eine vom asiatischen Kriegsschauplätze eingetroffene Depesche über die vollständige Umzingelung von Kars. — Der Fürst, die Fürstin und der ganze rumänische Hofstaat wurden zur kaiserlichen Hoftafel geladen.
In her Nacht vom 4. auf 5. Mat, Morgens gegen 2 Hhr, ward plötzlich der Alarm im Hotel gegeben, daß es darin brenne. Die Stiefelputzer und Zimmerkellner I stürmten in alle Corridore und schlugen an alle Thüren, um die Gälte aus dem Schlafe zu wecken; die Pottier waren im Nu im Gepäckzimmer und warfen alle Koffer heraus; die Buchhalter stürzten mit den Geschäftsbüchern und den Fremdenregtstern aus dem Hause, der Kassirer räumte den Geldschrank aus und oben an der Haupttreppe stand der Oberkellner und trieb die in ihren Nachtgewändern von allen Seiten herdeiftrö- menden Gäste zur Eile an und die Treppen hinunter. Als Alle — Herren, Domen und Kinder — in der großen Halle, zu ebener Erde, versammelt waren, sprang der Besitzer des Hotels, mit seiner Hhr in der Hand, auf die Marmorplatte in der Office und sagte:
Vermischtes.
, r r.-U"®e[en' Arches jetzt thatsächlich, besonders auf dem platten Lande Topfbinder, Kesselflicker, Händler mit Drahtwaaren und ähnlichen Gegen- standen, ^genannte Slowaken alt und jung, im Hmherziehen den angeblichen Gewerbe- belrieb ausüben und eine wirkliche Landplage bilden, wird jetzt voraussichtlich nach und nach ein Ende gemacht werden, indem nach Nr. 2 der vom Bundesrath erlassenen Bestimmungen über den Gewerbebetrieb der Ausländer im Hmherziehen vom 7. Marz d. I. Ausländer zu dem vorgenannten Gewerbebetrieb nur dann einen LegitimationS- schein erhalten sollen, wenn sie einen solchen im nächst vorangeganaenen Kalenderiabre für das Gewerbe erhalten haben. Nr. 3 und 4 bestimmen sodann, daß Ausländer uuter 21 Jahren niemals, auch nicht als Begleiter von Inländern, selbst wenn sie im re vorher einen Legitimationsschein besessen haben, fernerhin zugelaffe« werden sollen. Hiermit stehen die Slowaken auf dem Aussterbe-Etat.
Haß lach, 6. Juni. Die unselige Leidenschaft des Wilderns hat dem jungen Hllmer von hier nicht nur lebenslängliche Zuchthausstrafe, sondern auch die Einbuße ,C/2eJ ^mögens eingetragen, so daß er, wenn er je begnadigt werden sollte, gar nichts mehr besitzt. Das Bezirksgericht Frankenthal hat nämlich den Wittwen der ge- todteten Waldhüter Handrich und Scholl Entschävigungen aus dem Vermögen deS oer- urtheilten UUmer, und zwar der Erstgenannten 6000 jü, der Anderen 4000 Jt »uge- >prochen. Außerdem fordert der Staat noch 1600 für die Hntersuchung und Verhandlung So kostete also em Hase zwei Menschenleben, lebenslängliche Zuchthaus-


