über den Oberkörper ging. Die Zeugenaussagen fielen nun absolut zu Ungunst.n der Angeklagten aus und ließen gar keinen Zweifel darüber zu, daß der Ermordete, als ihn die scheußliche Unihat traf, im Bette gelegen, daß die Frau gar nicht gewaschen, sondern das Waschgefäß nur zum Schein hingestellt habe und daß die Asche auf dem Gesicht nicht von den zur Laugenbereitung brauchbaren Holzkohlen, sondern von Steinkohlen herrührte und augenscheinlich mit einer Kelle aus dem eisernen Ofen genommen worden war. Einen tiefen Eindruck auf das Auditorium und auf die Angeklagte machte das Verhör der beiden Kinder, die beide sich jetzt im Armenhause befinden und in höchster Sauberkeit erschienen. Der ältere, 13jährtge Knabe kann sich nur auf Krücken sortbewegen- Beide Kinder gaben auf die väterlichen Anfragen des Präsidenten nach dm Geboten „Du sollst Vater und Mutter ehren" und „Du sollst nicht falsch Zeugniß reden" offene und präctse Antworten und zeigten sich überhaupt als zwei sehr geweckte Kinder, die unter Thränen gezwungen waren, die Angeklagte, ihre Stiefmutter, Lügen zu strafen. Nach dem Ergebniß des Zeugenverhörs war die Verurthetlung der Angeklagten zum Tode kaum zweifelhaft und die Geschworenen hatten sich bereits zur Be- rathung zurückgezogen, als ein unerwarteter Zwischenfall die Situation zu Gunsten der Angeklagten noch im letzten Augenblick änderte. Es ließ sich nämlich der Pfarrer des dortigen Krankenhauses anmelden und bekundete, daß ihm der Verstorbene auf dem Krankenbette zugegeben, daß er an jenem Abend, im Bette liegend, allerdings einen ganz unwesentlichen Wortwechsel mit seiner Frau gehabt, worauf diese auf ihn zugestürzt sei und ihn so furchtbar zugerichtet habe. Hiernach sprachen die Geschworenen das Schuldig wegen schwerer Körperverletzung mit tödtlichem Erfolge aus und der Gerichtshof verurthetlte die Angeklagte mit Rücksicht auf die unmenschliche Brutalität zu 10 Jahren Zuchthaus.
— Nachdem der Koloradokäfer leider Gottes von reblausähnlicher Bedeutsam
keit für Deutschland zu werden droht, dürfte ein curriculum vitae dieses „Burschen" nicht ohne Interesse sein. Im Jahre 1859 war dieser aus dem Felsengebirge Nord- amerika's stammende Käfer noch 100 Meilen westlich von Omahe in Uebraska entfernt- 1865 überschritt er den Mississippi und brach in Illinois ein, 1870 hatte er sich bereits in Indiana, Ohio, Pmnsyloanien, Massachusetts und im Staate New-York etngeniftet; 1871 bedeckten Schwärme desselben den Dotovit-Rloio in Michigan und begannen ihre Verwüstungen zwischen den Flüssm St Clair und Niagara. Dieser Käfer vernichtet die grünen oberirdischen Theile der Kartoffel und damit mehr oder weniger die ganze Ernte. Ein schmutziges, rohem Leder vergleichbares Gelb bildet die Grundfarbe deS Käfers. Außerdem ist jede Flügeldecke mit 5 schwarzen Längsstriemen verziert; dieselben bilden mit alleiniger Ausnahme des unvollkommensten Aeußeren, in der Oberansicht nicht bemerkbaren Streifens von je zwei unregelmäßigen Rethen tieferer Punkte eingefaßt, deren einzelne sich, namentlich in der Außenhälfte der Deckschilde, in die gelben Zwischenräume verlaufen. Die feiste, fleischige Larve ist dem Baue nach den heimischen Chrysomelen vollkommen ähnlich, stark glänzend, von Farbe schmutziggelb, am Kopfe, dem Hinterrande des Halskragens und den Beinen pechschwarz. Außerdem ziehen an den Seiten zwei Reihen schwarzer runder Flecken entlang, welche am zweiten und dritten Ring merklich kleiner sind, wenn sie nicht ganz oder theilweise fehlen. Hoffent- lich sind die zu seiner Vertilgung getroffenen energischen Maßregeln von bestem Erfolg.
Handel und Verkehr.
Grün berg, 7. Juli. (Fruchtpretse.) Wetzen 13 37, Korn 11.24, Gerste 9.52, Hafer X 7.88, Erbsen JL 9.72, Saamen JL 15.50, Kartoffeln JL 4.83. (Alles per 50 Kilo oder 1 Ctr.)
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Impfung.
3887) Von Großherzoglichem Kretsgesundheitsamt Gießen ist Termin zur Revisiion der am 9. d. Mts. geimpften Kinder auf
Montag den 16. Juli, Nachmittags 3 Uhr, festgesetzt und als Local hierfür der Rathhaussaal auf dem Marktplatz bestimmt worden.
Wir bringen dies zur Kenntniß der betreffenden Eltern mit der Aufforderung, ihre Kinder in dem erwähnten Termin und Local vorzustellen.
Gießen, am 10. Juli 1877.
Großherzogliche Bürgermeisterei Giehen.
I. V.: ____________________________Keller, Beigeordneter.____________________________
Bekanntmachung.
Betr.: Die Vergebung der Zinsen des Vermächtniffes des Christian Gerhard Hast für das Jahr 1877.
3813) Anmeldungen wegen Berücksichtigung bei Vergebung der oben bezeichneten Zinsen haben bis zum 14. d. Mts. einschließlich auf dem Bürger- meisterei-Bureau zu geschehen.
Gießen, am 2. Juli 1877.
Eroßherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm.
Oberhessische Eisenbahnen.
Bekanntmachung.
Betr.: Ausnahmetarif für die Beförderung von Steinkohlen rc. von Stationen der Rheinischen Eisenbahn.
3893) Mit dem 10. b. MtS. gelangt ein Ausnahmetarif für die directe Beförderung von Steinkohlen rc. von Stationen der Rheinischen Bahn nach diesseitigen Stationen zur Einführung.
Näheres hierüber ist bei allen GütereWe- ditionen zu erfahren.
Gießen, den 9. Juli 1877.
Großherzogliche Direction.
___________Mohn.___________
Brunnenanlage.
Dienstag den 17. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, soll dahier die Anlage eines Brunnens in Jtrofborf und eines solchen in LaunSbach, bestehend in Abteufung und Ausmauerung des Brunnenschachtes, vergeben werden.
Crofdorf, den 10. Juli 1877.
Der Bürgermeister: 3894)Colnot
Versteigerung.
Holz-Versteigerung
im Gießener Stadtwalde. Montag den 16. Jul, 1877, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, in den Districten Unterwald, Steinertswald und Bannwald — Forstwartet Fernewald — nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
Nadel Eichen Aspen Birken
A. Brennholz:
Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter Wellen 141,1 458,1 263,9 10050
— 4 — —
4,6 26,8 8 —
— 3 — —
B. Bau-, Werk- und Nutzholz:
700 Kiefern- und Fichten-Stämme bis zu 33 Ctmtr Durchmesser und 18 Meter Länge mit 222,92 Fstmtr.
5 Eichen-Stämme mit 1,07 Fstmtr.
8 Birken-Stämme mit 1,71 Fstmtr.
602 Kiefern - und Fichtenstangen mit 41,75 Fstmtr.
Ein großer Theil deS Kiefernholzes eignet sich zum Bergbau.
Die Zusammenkunft ist an der StrangS- wiese.
Gießen, den 11. Juli 1877.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. V. d. B.:
3886) Keller, Beigeordneter.
Neilgeöotenes.
3888) Eine neue Zither (noch sehr wenig gebraucht), mit Mechanik, und Zitherkasten ist zu »erkaufen. Wo? sagt die Exped d. Bltts.________________________________________
3659) Feuerfeste diebssichere Greld-, Bücher- unv
Documentenschränlxe bester und solidester Construction, prämiirt in Caffel, Wien u. Büdingen, mehrfach bewährt bei Brand und in Diebsgefahr, empfehle zu billigen aber festen Preisen in schöner Auswahl.
Weidengasse P. 92, Gießen.
___Rudolph Wolff»
3882) Ein Haufen Mist ist zu verkaufen bet Bäcker Kuhn, __auf dem Kreuz.
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Flößholz,
Fichtenstämme von 12—42 Ctm. Durchmesser und bis 23 Meter Länge, zu 20—28«/#. per Kubikmeter;
Beschlagenes Bauholz,
Fichten und Kiefern, kantig in Stärken von 10—27 Ctm., zu 25—35 JL per Kubikmeter;
Das Holz lagert i/2 bis 1 Stunde von hiesiger Eisenbahnstation und theilweise unmittelbar an chaussirten Straßen.
Lich, den 12. März 1877.
Fürstliche Oberförsterei Lich.
2727)______________ Wimmenauer.__
Seltersweg C. 194, gegenüber Herrn Buchbinder Lüdeking: Nur noch bis zum 18. d. Mts.:
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Warme Bäder.
Erlaube mir, meine Bade Anstalt in empfehlende Erinnerung zu bringen.
87)____________iwrfr. Euler.
Vollmacht.
3726) Meinem Sohne Philipp ist hiermit die Vollmacht ertheilt, Geschäftssachen abzuwickeln, sowie Geld einzutreiben.
Gießen, am 3. Juli 1877.
PH. Größer.


