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Tiflis nach Petersburg abgereist. General Tscheruajeff, welcher augenblicklich in Rostow weilt, sollte morgen zur Kaukasus-Armee aufbrechen.

Wien, 8. August. Einem Telegramm desTageblatts" aus Varna zufolge räumen die Russen vollständig die Gegend südlich vom Balkan und haben den Rückzug durch den Schipka-Paß angetreten.

Die in der Dobrudscha stehenden russischen Truppen das 14. Corps Unter General Zimmermann haben schwer unter Krankheiten zu leiden, welche das abscheuliche Klima jenes Landstrichs erzeugt. Dabei waren die krie­gerischen Leistungen jenes Corps bisher bekanntlich durchaus geringe. Dasielbe war niemals weit den Trajanswall hinaus vorgedrungen; eine Abtheilung ver­suchte es zwar, längs der Donau gegen Silistria vorzudringen, ist aber niemals dorthin gelangt. Jetzt befindet sich bekanntlich General Zimmermann auf dem Rückzug aus der südlichen Dobrudscha; der egyptische Prinz Hassan folgt ihm auf dem. Fuße nach, auch bedrohen türkische Kriegsschiffe Küstendsche. In etwa zwei Wochen könnte das 14. Corps bei der Haupt-Armee an der Jantra, zu deren Verstärkung es bestimmt sein soll, eintreffen.

Wien, 8. August. Die Russen räumen den Balkan; General Gurko marschirt nordwärts vom Schipka-Paß ab. Suleiman Pascha rückt ihm nach. Letzterer erhält fortwährend Verstärkungen, seine Truppenmacht soll bereits 60,000 Mann erreichen. Er hat die Aufgabe, den Balkan hermetisch abzu­schließen und später gelegentliche Vorstöße zu machen. Osman Pascha befindet fich in Plewna, Mehemed Ali in Rasgrad in einer furchtbar verschanzten Flügel-Stellung.

Krakau, 8. August. In Russisch-Polen werden Vorkehrungen zurOrga- nisirung des Landsturms getroffen; die Dors-Richter sind beauftragt, Verzeich- niffe der waffenfähigen Männer von 18 bis 45 Iahren aufzunehmen.

Konstantinopel, 8. August. DerLevant Herald" meldet: Die türkischen Truppen haben Sukum-Kale verlaffen. Die aufständische Bevölke­rung dieser Gegend des Kaukasus wird auf türkisches Gebiet gebracht werden.

Wien, 8. August. Ein Telegramm derPolit. Corresp." aus Belgrad meldet: Eine bosnische Deputation überreichte dem Ezaren in Bjela ein Memo­randum, in welchem die Vereinigung Bosniens mit Serbien verlangt wird. Die Antwort des Czaren hatte gelautet, er werde die Wünsche und Bedürf­nisse der bosnischen Christen in Berücksichtigung ziehen.

Konstantinopel, 8. August. Die Pforte hat den englischen Bot­schafter Layard benachrichtigt, sie werde die Befestigungen Gallipolis vervoll- ständigen und die Garnison verstärken, um den Platz selbst vertheidigen zu können.

Konstantinopel, 8. August, Abends. Das Kriegs-Gesetz wird aus die aufständischen Bulgaren und die Städte Thraciens, welche von den Türken wiederbesetzt wurden, namentlich aus Kasanlyk, Kaloser, Carlova und Jenitzagra, angewendet. In Bulgarien steht eine große Schlacht bevor. Aus Asien wer­den belanglose Kämpfe bei Bajazid, Kars und Ardahan signalisirt.

Nachts. Ein Telegramm Osman Pascha's meldet: Gestern fand eine neue Schlacht bei Lowtscha statt. Die Russen, deren Verlust 300 Todte und 700 Verwundete betrug, wurden zurückgeworfen. Die Verluste der Türken waren gering. Ein Telegramm Suleiman Pascha's vom 7. d. meldet, er habe durch muselmännische Bewohner Kasanlyks, welche kürzlich befreit wurden und in Karabunar eintrafen, erfahren, daß nach der russischen Niederlage bei Eski­sagra der dort befindliche Großfürst Nicolaus eiligst die Flucht ergreifen mußte und 14 Kanonen nach Schipka bringen ließ. Nach demselben Telegramme haben sich die Russen gegen Heinboghaz zurückgezogen.

Wien, 9. August. Meldungen desTageblatts" : Eskisagra, 8. Aug. Suleiman Pascha dringt unanfgehalten vor und langte bereits bei dem Schipka- Passe an, in welchen das russische Corps unter General Gurko sich zurückzog. Bukarest, 8. Aug. Gestern versuchte türkische Kavallerie die befestigte Stellung der Russen östlich von Plewna zu durchbrechen. Der Angriff wurde angeblich von den Russen zurückgewiesen. In Änotreceni hat heute eine Pulver- Explosion stattgefunden.

DieNeue Fr. Pr." meldet aus Schumla vom 8. d.: Zwei russische Kavallerie-Regimenter und ein Bataillon Infanterie griffen heute das von den Türken besetzte Jslar an. Der Angriff wurde abgewiesen, aber nach dem Ein­treffen russischer Verstärkungen von Popkoi wieder erneuert und sand von 1 bis 3 Uhr ein blutiger Kampf statt, der mit dem Rückzug der Russen endete. Rens Pascha wird, von Jenitzagra kommend, heute hier erwartet.

Konstantinopel, 9. August. Die amtliche Depesche Osman Pascha's ans Plewna vom 8. d. über das Treffen bei Lowtscha besagt im Wesentlichen Folgendes: 8 Bataillone und 8 Escadrons Russen, welche von der Straße Sistowa-^-elwi debouchirten, haben Lowtscha angegriffen, wurden jedoch durch die Garnison dieser Stadt, welche aus 5 Bataillonen Infanterie nebst von Plewna her detachirter Kavallerie bestand, zurückgeschlagen. Die Russen erlitten bei diesem 9 Stunden dauernden Kampfe einen Verlust von 300 Todten und der doppelten Anzahl Verwundeter.

Ein Telegramm Mehemet Ali Pascha's aus Schumla vom 7. August weiß von einem für die Türken günstiges Gefecht bei Ayazler zu berichten. Laut Meldung des Gouverneurs von Bosnien würden die Gebiete von Bihac und Banjalnka demnächst von Aufständischen gesäubert sein. Die Mon­tenegriner wurden bei einem wiederholten Angriff von Kolaschin zurückge­worfen.

Utber das Blutbad von Lowtscha berichtet der Korrespondent der Wiener« Presse' aus Twnorwo 31. Juli, Folgendes:

Das Blutbad, das die Türken vergangenen Freitag in Lowtscha angerichtet haben, war ärger als eine Bartholomäusnacht. Tag und Nacht hindurch dauerte das L'.ordtu, so lange noch eine christliche Seele in Lowtscha war, und nicht nur die Ein- wohner uo:i Lowtscha traf das entsetzliche Schicksal, die armen Bauern von Setowa und Novoselo, die sich unter den Schutz der Mauern von Lowtscha begeben hatten, th^lltn da gleiche Geschick. Heute vermag man die Zahl der ermordeten Männer, 2be<ber um- äinb£r noch nicht zu zählen, denn kein Christ wagt sich dahin. Lowtscha horte üdei 500 bulgarische Häuser, die beiden genannten Dörfer über 700, so daß man me ärmliche Bevölkerung von über 4000 auf dies drei Orte rechnen kann, und was an o.uchllmgen nach Sclvi und Tirnowa kam, erreichte dre Ziffer von 300 nicht. Es moqen wo bi "och Etliche in den Wäldern versteckt sein und wenn sie nicht wilden Ty eren oder Türken zum Opfer fallen, so droht ihnen der Hungertod, denn dieFlücht- lin/.e konnten nur das mitnehmen, sie am Leibe hatten. Wie es die Türken nur au halten tonnen, in einer Stadt zu leben, wo so viele unbestattete Leichen der Ver- weumg preisgegebei! werden, das begreife, wer es kann. Für das Land selbst entsteht ? oUV2C ?efahr einer furchtbaren Epidemie. Mit Raffinement suchten die Türken in Lowtscha das arme Volk auch an der Flucht zu verhindern. In Folge der Schil­derungen, die mir von mehreren Flüchtlingen gegeben wurden, wurde Freitag 1 Uhr

Morgens nach türkischer, 7 Uhr nach christlicher Zeitrechnung der Ruf laut:Die surfen km men!" In gräßlicher Veiwirrung lief Alles aus den Häusern und man sah In der Thal türkische Kavallerie (Tscherkessen) aus der Ferne heransprengen. In der Stadl waren 200 Kosaken mit zwei Kanonen. Diese warfen sich sofort dem Feinde entgegen. Sie sahen zwar, daß sie in der Minderzahl seien, aber der Feind war noch ziemlich weit und durch eine Attaque konnten sie der Bevölkerung eine Spanne Zeit verschaffen, damit sich diese zur Flucht wenden könne. Die Bewohner säumten nwht. Aber welche Flucht war das! Jeder dachte an das eigene Leben. Nur die kleinen Kinder nahmen die Väter und die Mütter auf die Arme oder auf den Rücken und Jeder lief, so viel er konnte, ohne auf den zu achten, der neben ihm lief. So wurden Eltern von Kindern getrennt, Mann und Frau geriethen auseinander, der Bruder sah die Schwester nicht, nicht Freunde, nicht Verwandte konnten einander die Hände reichen zur gegen­seitigen Unterstützung. Einige Männer waren muthig genug, auch Waffen zur Hand zu nehmen, doch die Mehrzahl hatte diese Entschlossenheit nicht. Vielleicht hätten mehr dem Blutbad entrinnen können, wenn nur ein wenig besonnener Widerstand von einer Seite geleistet worden wäre; allein wo Alles planlos ausetnanderlief, konnte ein Ein­zelner durch seine Abwehr nur die Wuth des Feindes reizen. Während auf der einen £>eitc die jtofafen mit den Tscherkessen kämpften und den Bulgaren den Rückzug zu decken bemüht waren, brachen auf einer andern Sette der Stadt Baschi-Bozuks ein unb ehe noch die Bewohner sich hatten retten können, waren sie umzingelt.

Die Mordlust der Baschi-Bozuks hatte keine Grenzen. Männer, Weiber und Kinder wurden mit Pistolen niederfleschoffen, mit Yatagans gespießt, dem der Kopf abgehauen, jenem ber Bauch aufgeschlteßt und mcht nur Blutgier, sondern auch Raublust trat her­vor. Die Baschi-Bozuks ließen sich Zeit die Gürtel abzuschneiden, um nach Selo zu suchen und wenn sie keines fanden, hieben sie mit erneuerter Wuth auf die Leiche los. Em Schullehrer lief mit seinem Kinde zur Stadt hinaus. Mit teuflischer Lust schoß ein Tsche! kesse dem Vater das Kind vom Arme und ließ den Mann laufen. Der Aermste ist hierher gekommen, in welchem geistigen Zustande, in welcher dem Wahnsinn nahen Aufregung, vermag ich nicht zu beschreiben. Ein Anderer sah, daß seine Schwester einem Tscherkessen zum Opfer fiel. Er hatte Muth genug, den Tscherkessen niederzu­schießen, das Mädchen aber war bereits tobt. Währenb bas in einer Straße geschah, hörte man plötzlich Glockengeläute. Viele, die bereits außer der Stadt waren und die freie Landstraße erreicht hatten, die von den Türken noch nicht besetzt war, glaubten in dem Glockenton das Zeichen des Sieges zu hören, sie veritrutheten, eS sei zur Feier der Niederwerfung oder Vertreibung der Angreifer geläutet worden. Sie hielten tn ihrer Flucht inne, sie wendeten sich der Stadt zu. Welch eine gräßliche Täuschung! Baschi- Bozuks hatten die Kirche besetzt und die Glockenstränge in Bewegung gesetzt, um den Flüchtlingen eine Falle zu bereiten. Die Bulgaren ließen sich vom Glockenton ver­leiten. hielten inne, kehrte» sogar zur Stadt zurück und das hatten die Baschi-Bozuks gewollt. Jetzt erst begannen die Baschi-Bozuks und nicht nur diese, sondern auch die Tscherkessen und die mzwischen herangekommenen türkischen Infanteristen auf die fliehen­den Bulgaren zu schießen, die Gefallenen ob tobt oder verwundet zu mißhandeln. Schritt für Schritt wichen die Kosaken und die wenigen Flüchtlinge, die hierher tarnen versicherten mit Bestimmtheit, daß nur auf jener Route, welche durch die Kosaken ge­deckt war, ein Entkommen möglich war; wer diese nicht eingeschlagen hatte, fiel dem erbarmungslosen Feinde in die Hände. Wohl versuchten noch einige Bulgaren auf die sie verfolgenden Feinde Schüsse abzugeben und es fielen auch einige Türken, aber an dem Schicksal der armen Bevölkerung von Lowtscha war nichts mehr zu ändern. Rettungslos war weitaus ber größte Theil der Einwohner den Türken zum Opfer ge­fallen und die Fliehenden hörten nur das Wehegeschrei derer, die lebend dem Feinde in die Hände gerathen waren. Wer mit den armen Flüchtlingen selbst gesprochen, ber kann nicht zweifeln, daß sie die Wahrheit berichten. Nicht Einer von ihnen konnte zu- sammenhängind sprechen, die Frauen fielen in Ohnmacht, wenn man von den Ereig­nissen sprach, die Kinder weinten; es waren ©eenen, die mir nie aus dem Gedächtnitz schwinden werden.

Aehnliches berichtet auch ein Correspondent derRat -Ztg.- aus Armenien. In­dessen meldet der Berichterstatter derTimes" aus dem Lager von Mukhtar Pascha vom 29. Juli:Mukhtar Pascha zeigt große Energie bei Unterdrückung der Grauel- thaten der Kurden. Die Leute, welche die russischen Tobten bei Seidi Kan ausgruben und verstümmelten, sind gefangen und zum Tode verurtheilt worden. Aehnliche Befehle sind in Betreff der Massacres in Bajazid gegeben. Zweiffellos ist dies eine Folge ber energischen Vorstellungen von Sir Arnold Kemball, welcher stets Mukhtar Pascha die Nothwendigkeit vorhält, die Irregulären einzuschränken". Ob das Todesurtheil auch ausgeführt worden, meldet der Bericht nicht.

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