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Mo. LLS Mittwoch, den 11. Juli 1871.

Kießener Wyeiger

AMize- unb Amtsblatt für de« Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen am 9. Juli 1877.

Betreffend: Die Ableistung des Verfafsungseides vom II. Quartal 1877.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allertshausen, Kesselbach, Lauter, Lonvorf, Odenhausen, RüddingShausen, Saasen, Stangenrod und Weitershain.

Unter Hinweis auf unsere Verfügung vom 29. December 1874, Anzeiger No. 5 von 1875, sehen wir Ihrer umgehenden Berichts-Erstattung entgegen.

v. Röder. ___________________

Beireffend: Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1877. Gießen, den 10. Juli 1877.

Der Civilvorsttzende -er Ersahcornmisswn -es Aushebungsbesirtrs Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Alten-Buseck, Annerod, Beltershain, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Gießen, Grünberg, Harbach, Heuchelheim, Kesselbach, Lauter, Londorf, Lumda, Odenhausen, Oppenrod, Queckborn, Reiskirchen, Rödgen, Stangenrod, Staufenberg, Stockhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Weitershain und Wieseck.

Die umgehende Einsendung der Bescheinigungen über Zustellung der Ladungen (Bekanntmachung vom 2. Juni d. I. in No. 140, 147 und 151 des Gießener Anzeigers) wird hiermit in Erinnerung gebracht.

Dr. Hoffmann, Regierungsrath.

No. 29 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. v. M., enthält:

(No. 1203). Verordnung, betreffend die Einrichtung, das Verfahren und den Geschäftsgang des Patentamts. Vom 18. Juni 1877.

No. 30 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. v. M., enthält:

(No. 1204). Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Niederlanden, betreffend die Verbindung des niederländischen Kanalnetzcs mit den Kanälen links der Ems aus preußischem Gebiete. Vom 12. Oktober 1876.

No. 31 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 4 l. M., enthält:

(No. 1205). Verordnung, betreffend die Tagegelder und Fuhrkosten von Beamten der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung. Vom 29. Juni 1877.

No. 32 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 8. l. M., enthält:

(No. 1206). Verbot, betreffend das Verbot der Ausfuhr von Pferden. Vom 7. Juli 1877.

Gießen am 9. Juli 1877.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

U-kilisch

Deutschland.

Berlin, 7. Juli. Graf Herbert v. Bismarck, der älteste Sohn M\ Fürsten Bismarck, reist heute Abend nach St. Moritz ab. Die Familie des Frusten soll sich später nach Gastein begeben.

Berlin, 9. Juli. Hier vorliegenden informatorischen Mittheilungen aus Petersburg vom 7. d. Mts. zufolge sind die Nückwärts-Bewegungen der drei russischen Truppen-Abtheilungen in Armenien keineswegs die Folge des im Wesentlichen niedergeworfenen Aufstandes im Kaukasus-Gebirge, vielmehr der militärischen Erkenntniß zuzuschreiben, daß die betr. drei Colonnen der Wider­standskraft des Feindes gegenüber, welche man unterschätzt hatte, zu schwach sind. Die Generale Tergukasoff und Oklobschio operirten mit acht bis zehn, General Loris Melikoff mit etwa zwölf Bataillonen. Der Zwischenfall Wellesley hat für alle Theile einen vollkommen befriedigenden Abschluß gefun­den. Die Erndte-Aussichten sind durchweg befriedigend. Justiz Minister Pahlen wird von einer Jnspections-Reise demnächst zurückerwartet. Die übri­gen Minister, ausgenommen die Minister des Aeußern und des Unterrichts, sind für die Dauer des Sommers in Petersburg geblieben.

DerReichs-Anz." publicirt eine kaiserliche Verordnung vom 7. Juli, welche die Pferde-Aussuhr an sämmtlichen Grenzen gegen das Ausland bis auf Weiteres verbietet. Das Reichskanzler-Amt ist ermächtigt, Ausnahmen vom Verbote zu gestatten und etwaige Control-Maßregeln zu treffen. Die Verord­nung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft.

DerReichs-Anz." publicirt die Ernennung des Präsidenten des Ober-Kirchenraths, Herrmann, zum wirklichen Geheimen Rath mit dem Prä­dicat: Excellenz.

Arankreich.

Paris, 8. Juli. Gambetta empfing eine republikanische Deputation und sprach sich dabei rühmend über Thiers aus, der bei vollständiger Gesund­heit, klarem Geist und von seltener Scharfsichtigkeit sei.

England

London, 7. Juli.Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum vom 6. d. Mts-, Abends: Der rechte türkische Flügel stehe dem linken russischen Flü­gel bet Utschkilijsa, Faik Pascha 12,000 Russen bei Ardahan gegenüber. Die Avantgarde Mukhtar Pascha's befinde stch noch 14 Meilen von Kars entfernt.

Belgien.

Brüssel, 7. Jnl«. Die Deputirten-Kammer nahm mit 73 gegen 22 Stimmen den Gesetz-Entwurf, betr. die Abstellung der Mißstände bet den

er Hh ei 1'.

Wahlen, welche ihr vom Senate nochmals zugegangen war, an und vertagte sich sodann aus unbestimmte Zeit. Fünf Deputirte hatten sich der Abstimmung enthalten.

Brüssel, 9. Juni. General Grant und Familie sind heute Morgen nach Köln abgereist, von dem Flügel-Adjutanten des Königs und den Mitglie­dern der amerikanischen Gesandtschaft an den Bahnhof begleitet.

Statte«

Rom. Als das Testament des Cardinals Antonelli neulich vor dem Civilgericht zur Untersuchung gelangte, stellte sich die Gräfin Lauretta Lambertini als natürliche Tochter des Verstorbenen vor, indem sie behauptete, daß das Testament des Verstorbenen ungültig, sei und das gesammte Vermögen, da ehe­liche Kinder nicht vorhanden seien, ihr allein zukomme. Der Richter setzte daraufhin die Verhandlungen einige Tage aus, nachdem er die Hebamme, welche bei der Geburt der Gräfin Dienste geleistet hatte, den ältesten der Diener des Cardinals und den Erzpriester Venditti als Zeugen vorgeladen hatte.

Rom, 5. Juli. In dem Befinden Pius' IX. ist seit gestern wieder eine gewiße Befferung eingetreten, aber es geben sich nun auch die bisher glau­bens- und hcffnungsseligsten Prälaten in der Umgebung des Papstes keiner Täuschung mehr darüber hin, daß die Lebensuhr des greisen Pontifex im raschen Ablauf begriffen sei. Wohl läßt es sich der heil. Vater auch jetzt noch nicht nehmen, bei nicht wenigen öffentlichen Empfängen, wie erst jüngst dem­jenigen einer Anzahl der früheren päpstlichen Armee angehöriger Personen, seine beliebten, bald längeren, bald kürzeren politisch-religiösen Reden an den Mann zu bringen; aber man darf sich nicht über die Bedeutung dieser Acte täuschen, welche eine Lebenskraft, die man dem gebrechlichen Greise sonst nicht zumuthen möchte, zu bekunden scheinen. Sie sind dem zeitweiligen Auffiackern einer zu Ende brennenden Kerze zu vergleichen und aus das hellere Licht folgt stets eine tiefere Dunkelheit, auf die höhere Kraftanstrengung eine größere Erschöpfung, bis daß zuletzt noch einmal das Lebenslichtletn im strahlendsten Glanze auf­leuchtet, um dann für immer zu verlöschen. Es hängt denn auch der Papst selbst keiner falschen Hoffnung nach, und er und sein Staatssecretär, der Car­dinal Simeont, erörtern eifrig die Frage des künftigen Conclaves. Als neue­sten Beitrag kann ich Ihnen mittheilen, daß mit dem Cardinal de Angells Verhandlungen angeknüpft worden sind, um denselben zum Verzicht auf den von ihm bekleideten Posten eines Kämmerers der heiligen römischen Kirche zu veranlaßen. Dem Inhaber dieser Würde liegen beim Ableben des PapAs viele schwierige Pflichten ob, und es begreift sich, daß der am 16. April 1792 geborene und demnach Pius IX. im Alter noch um 27 Tage übertreffende Erzbischof von Fermo nicht die geeignetste Persönlichkeit ist, um* die endlosen Ceremonieen, bei denen er eine so hervorragende Rolle spielen wurde, auszu-