Fo «6«. Samstag, den 10. November 1877.
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Astseigk- Md Amtsblatt fit den Kreis Gießen.
Erscheint tLgttch mit Ausnahme deS Montag-. GrpsdttiBnr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher HHeit.
Gießen, am 7. November 1877.
Das Großherzogliche Rentamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Rentamtsbezirks Gießen.
Die Berichtigung der Martinitag l. Js. fälligen Pacht- und Loosholzgelder, sowie der Beiträge zu den Forstdienerbesoldungen, hat bis zum 25.1. Mts. — bei Meidung der Mahnung — anher zu geschehen.
Sie wollen dies auf ortsübliche Weise zur Kenntniß Ihrer Gemeindenangehörigen bringen.
S ch l i e p h a k e. _____
B e k a n n t in n ch n n g,
bie gesetzlichen Forderungen an Studirende aus dem Sommer Semester 1877 detrestend.
Die in diesem Sommer entstandenen gesetzlichen Forderungen an Studirende müssen bis zum 29. September d. I. mittelst specisicirter Rechnungen -nr Anzeige gebracht und längstens bis zum 10. November d. I. geltend gemacht werden, widrigenfalls dieselben den ihnen durch Art. 136 der Statuten zugewiesenen Vorzug verlieren.
Gießen, den 15. August 1877.
Großherzogliches Universitäts-Gericht.
Hab er körn.
welche Monate lang an
entschließen.
— In einem Leitartikel der „Nordd. Allg. Ztg.", welcher die veränderte Lage Frankreichs behandelt, wird ausgeführt, daß ein Umschlag in Frankreich von allen Freunden des allgemeinen Friedens mit Genugthuung willkommen geheißen werden würde. Sodann wird aus die Gefahren der fortdauernden klerikalen Agitation htngewiesen, welche gleichzeitig im Orient, In Polen, am Rhein, in Tessin und in Irland, namentlich aber in Frankreich im Auftrage des Vaticans das Terrain für den allgemeinen Zusammenbruch vorzubereiten habe. Aber an diesem bedrohten Punkte scheine in Frankreich der Sturm abgeschlagen zu sein, das Jnteresie der Civilisation und des Völkcrfriedens wieder in seine Rechte zu treten. Der Marschall-Präsident könne die schwarze Wolke,
Nerttschland.
Werkin, 6. November. Gemäß eines Beschlußes, den der Bundesrath am 8. v. Mts. gefaßt hat, ist angeorduet worden, daß im amtlichen Verkehre, sowie beim Unterrichte in öffentlichen Lehranstalten die abgekürzten Bezeichnungen der Maße und Gewichte, unter Beobachtung der beigefügten Regeln ausschließlich zur Anwendung kommen. Sie erstrecken sich auf Längen-, Flächen-, Körpermaße und Gewichte und sind früher schon mitgetheilt (z. B- Km. für Kilometer, m für Meter, cm für Ccntimeter, hl für Hecloliter, kg für Kilogramm, mg für Milligramm u. s. w.). Den Buchstaben werden keine Schlußpunkte beigefügt, die Buchstaben werden ferner an das Ende der vollständigen Zahlenausdrücke, nicht über das Decimalkomma derselben, also 5,37 m — nicht 5 m 37 und nicht 5 m 37 cm. — Zur Trennung der Einer- von den Decimalstellen dient das Komma, nicht der Punkt. Sonst ist das Komma bei Maß- und Gewichtszahlen nicht anzuwenden, insbesondere nicht zur Abtheilung mehrstelliger Zahlenausdrücke. Solche Abtheilung ist durch Anordnung ter Zahlen in Gruppen zu je drei Ziffern, vom Komma aus gerechnet, mit ange- meffenem Zwischenraum zwischen den Gruppen zu bewirken.
Berlin, 7. November. In einem längeren Artikel über den deutsch- österreichischen Handels-Vertrag bezeichnet die „Prov.-Corresp." die grundsätzlich verschiedene Richtung der beiderseitigen Bestrebungen als die Ursache des Scheiterns der Verhandlungen über den Vertrag. Deutschland habe varan festgehalten. daß die im Jahre 1868 gewährten Verkehrs - Erleichterungen nicht nur bestehen bleiben, sondern noch ausgedehnt werden sollten, namentlich für solche Gegenstände, welche bei der deutschen Ausfuhr nach Oesterreich eine bedeutende Rolle spielen. Jedenfalls, so fährt die Correspondenz fort, wollte man deutscherseits in dem neuen Vertrage nicht schlechter gestellt sein, als nach dem Vertrage von 1868. In anderer Richtung bewegten sich die österreichischen Vorschläge; zunächst betreffs der beabsichtigten Einführung eines Appretur- Zolles, sodann hinsichtlich der durch den neuen österreichisch-ungarischen Tarif veranlaßten Erhöhung der Tarifsätze für eine Reihe deutscher Erzeugnisse, wozu noch die beabsichtigte Erhebung der Eingangs-Zölle in Gold kam. Gleichzeitig machte Oesterreich-Ungarn hinstchtlich seiner Erzeugniffe Wünsche geltend, welche über das Maß der 1868 gewährten Erleichterungen hinausgingen. Wenn nun auch im Laufe der Verhandlungen manche Forderungen, wie z. B. der Appretur- Zoll, fallen gelaffen wurden, in anderen Punkten eine gewisse Annäherung stattfand, so wäre doch auf Grund der letzten, als äußerstes Maß der österreichischen Zugeständniffe bezeichneten Vorschläge nur ein Vertrag möglich gewesen, der den billigen Anforderungen Deutschlands nicht genügt und seinen Jnteresien weniger entsprochen hätte, als der Vertrag von 1868. Dazu die Hand zu bieten, konnte sich die Regierung des Kaisers, so sehr sie auch das Scheitern der Verhandlungen mit dem befreundeten Nachbarlande bedauert, nicht
wenn er der französischen Nation das Recht freier Selbstbestimmung wieder zurückgegebkn haben werde.
Berlin, 7. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." begleitet die gestrige Aeußerung des österreichischen Handelsministers Chlumecki im Abgeoidneten- hause bezüglich der von Seiten Deutschlands geschehenen Anregung eine« Vertrages auf Grund der Meistbegünstigung mit folgender Bemerkung: „Unferes Mistens ist ein solcher Porschlag nur im ersten Stadium der Handelsvertrags- Verhandlungen zur Sprache gekommen und wird gegenwärtig schwerlich mehr als zeitgemäß und sachgemäß aufgefaßt werden können."
— Die „Kreuz-Ztg." erfährt, daß die Nachricht verschiedener Blätter, General Werder habe um seinen Abschied nachgesucht, unbegründet sei.
Berlin, 8. November- Wie aus London berichtet wird, haben die Botschafter Deutschlands, Italiens und Rußlands die Einladung zum Lordmayor- Bankett abgelehnt, die der Türkei und Oesterreichs dagegen dieselbe angenommen. — Der Ministerrath hat den Gesetz-Entwurf über die städtischen Stevern end- giltig festgestellt, die Städte-Ordnung durchgreifend umgearbeitet und dabei die Erweiterung des Communal-Wahliechts beseitigt.
München, 6. November. Der hiesige Magistrat hat in Anbetracht der sich immer noch häufenden Lebensmittelfälschungen einen wichtigen Beschluß gefaßt, indem das Collegium einem von der königl. Staatsanwaltschaft gestellten Antrag einstimmig beitrat, wonach das Anbieten und das Verkaufen wisientlich gefälschter Lebensmittel nicht mehr als einfache Polizeiübertretung zu behandeln, sondern mit der schweren Strafe des Betruges zu beahnden ist.
ArarrLretch.
Paris, 7. November. Das „Journal osficiel" meldet: Auf Wunsch des Marschall-Präsidenten haben die Minister ihre Demissions-Gesuche zurück- gezogen, nicht ohne dabei zu beharren, daß sie, indem sie die Geschäfte fortführen, künftigen Entschließungen des Staats-Chefs nicht präjudiciren.
— Neber die gescheiterte Combination der Cabinets-Bildung wird gemeldet, daß das Cabtnet Pouyer- Quertier am 5. November, Abends, vollständig zusammengesetzt war, daß aber heute Morgen Alles wieder rückgängig wurde, weil eine Anzahl Mitglieder von der Majorität des Senats Pouyer-Ouertier die Mittheilung machte, daß sein Cabtnet keinenfalls auf ihre Unterstützung rechnen könne.
Paris, 7. November. Glais-Bizoin, ftüher Minister der Regierung der Vaterlands-Vertheidigung, ist gestorben.
— Bei dem Zusammentritt der neuen Kammer wurde die Rede des Alters-Präsidenten Desseaux auf Thiers, die Republik und den Frieden enthusiastisch ausgenommen. Grevy wurde zum provisorischen Präsidenten gewählt. Die Krisis ist noch nicht gelöst; der Rücktritt Mac Mahons aber sehr wahrscheinlich.
Paris, 7. November. Die erste Sitzung des Senats verlief ohne er- hebliches Jntereste. — Die Deputirten-Kammer wählte Grevy mit 390 gegen 170 Stimmzettel, die unbeschrieben abgegeben wurden, zum provisorischen Präsidenten.
— Die Vorstände der verschiedenen Gruppen der Linken in der Kammer beschlossen, in den Sitzungen der verschiedenen Gruppen vorzuschlagen, einen zehngltedrigen Ausschuß zu ernennen, welcher während der ganzen Dauer der Krisis die Berathungen führen und Beschlüsse fasten soll Namens der Linken, welche, diesem Ausschuß jede Initiative und jede Entscheidung überlastend, sich
nicht vereinigen wird.
. wer Maricyau-Pragoeue ... - Eine Botschaft des Marschall-Präsidenten an biefcflammern wird für
unserem westlichen Horizonte gehangen habe, zerstreuen,!unwahrscheinlich gehalten.


