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Freitag, den 10. August
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Anxeiße- und Amtsdlatt fit den Kreis Gießen
Preis vierteljährlich 2 $lart 20 Pf. mit Brintzerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS (^rpebitionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
politischer Hheiü
Gesammtheil veranlaßt fand, einen energischen Protest an die Verwaltung zu richten. Es verlangt, daß der alte Besoldungsmodus beibehalten werde und erklärt, daß es sich als entlasten betrachtete, wenn bis zum 10. August der alte Taris nicht wieder eingeführt sei. Maschinenpersonal, d. h. Maschinisten und Heizer, haben sich dem Vorgehen des anderen Personals noch nicht angeschlosten, ihr Beitritt wird aber erwartet. (Jedenfalls wird der Strike, falls er zum Ausbruch käme, nicht von den Gewaltthätigkeiten begleitet sein, wie man sie in der amerikanischen Republik zu beklagen hatte).
AranKreich.
Deutschland.
Berlin, 7. August. Die Einnahmen des deutschen Reiches an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchs-Steuern, sowie die Einnahmen der Post- und Telegraphen-Verwaltung und der Reichseisenbahn-Verwaltung, sowie die Einnahmen aus der Wechselstempel-Steuer haben im ersten Vierteljahre des laufenden Etatsjahres, also in der Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni zusammen 81,790,634 Mk. betragen. Sie sind gegen die Einnahmen deffelben Vierteljahres im Vorjahre um 3,395,435 Mk. zurückgeblieben. Am ungünstigsten gestalteten sich die Einnahmen aus den Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchs- Steuern ; denn sie weisen einen Minderbetrag von 3,869,696 Mk. auf, und hierzu kommt die Minder-Einnahme der Reichseisenbahn-Verwaltung mit 315,150 Mk. Dieser Gejammt-Ausfall von 4,184,846 Mk. wird indeß um die Summe von 789,411 Mk. verringert; denn die letztere repräsentirt die Mehr-Einnahmen aus der Wechselstempel-Steuer und die Mehr-Einnahmen der Post- und Telegraphen-Verwaltung.
Berlin, 7. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." erkennt die großen Schlappen der Rusten ganz an und knüpft daran folgende Bemerkung: „Nur kurzsichtige Politiker können der Annahme zuneigen, daß dieser Verlaus der Dinge die russischen Staatslenker einem Friedensschluste geeigneter machen werde. Das gerade Gegentheil ist der Fall und die heutigen Petersburger Nachrichten, welche die Mobilmachung und den bevorstehenden Abmarsch des russischen Garde- Eorps, sowie anderer Heerestheile melden, liefern bereits den ohnehin wohl kaum nöthigen Beleg, daß Rußland gewillt ist, für das einmal in Aussicht genommene Ziel mit Ausbietung, wenn es sein muß, aller Kräfte einzuftehen. In einem Kriege mit europäischen Großmächten wäre für Rußland nach militärischen Mißerfolgen ein Friedensabschluß möglich, in einem Türkenkriege aber, der obendrein ausdrücklich für den oben bezeichneten Zweck unternommen worden, nicht. Man darf annehmen, daß fortan die russische Staats- und Kriegsleitung die militärischen Rücksichten in erster Reihe, wenn nicht ausschließlich, maßgebend ft in lassen und demgemäß die Anordnungen für die Fortsetzung des Krieges in einer Weise getroffen werden, welche die unter allen Umständen gefährliche Unterschätzung der Kraft und Leistungsfähigkeit des Gegners nicht nur aus- schließt, sondern die russische Armee derselben in jeder Hinsicht gewachsen sein läßt.
Berlin, 8. August. Der „Reichs-Anz." veröffentlicht bte Ernennung des Ministerial-Directors Homeyer zum Unter-Staatssecretär im Staats- Ministerium.
HeKerreich.
Wien, 7. August. Die „Polst. Corresp." meldet aus Belgrad: Di- Skupschtina votirte vor ihrer Vertagung sämmtliche Finanz-Vorlagen und sprach sich aus die Befürwortung des Minister-Präsidenten Ristic für die weitere Zäh- lung des Tributs an die Pforte aus. — Ristic geht in den nächsten Tagen nach Wien. — Die Nachricht, daß Serbien 40,000 Mann mobilisire, ist falsch. Die Redaction der „Polit. Corresp." bemerkt hierzu: Von anderer Seite wird uns aus Belgrad gemeldet, daß gerade in der jüngsten Zeit die militärischen Vorbereitungen Seitens der serbischen Regierung, wenn auch nicht in bedeutendem Umfange, fortgesetzt werden.
Ischl, 7. August. Der Kaiser von Oesterreich fährt morgen dem deutschen Kaiser nach Strobel entgegen. Die Ankunft der beiden Monarchen in Ischl findet morgen Mittag statt, woselbst Nachmittags ein Ausflug nach Hallstadt unternommen wird.
Bad Gastein, 7. August. Kaiser Wilhelm ist um 3 Uhr Nachmittags unter stürmischem Hochrufen der zahlreich versammelten Kurgäste nach Salzburg abgereist. Der Kaiser sagte dem Bürgermeister beim Abschiede: „Er hoffe im nächsten Jahre, wenn es Gottes Wille sei, wieder zu kommen".
Salzburg, 7. August. Der deutsche Kaiser ist heute Abend 7y2 Uhr hier eingetroffen; auf dem Bahnhofe waren im Auftrage des Kaisers Franz Joseph zum Empfange anwesend: Flügel-Adjutant Oberst-Lieutenant Spinetti, Statthalter Graf Thun, Landes-Hauptmann v. Lamberg und Platz-Commandaut Graf Grünne. Von dem zahlreich versammelten Publikum wurde der Kaiser sympathisch begrüßt. _
Salzburg, 8. August. Kaiser Wilhelm ist um 8 Uhr Morgens nach Ischl abgereist. Der Monarch verabschiedete sich freundlichst von dem Statthalter Grafen Thun und dem Landes-Hauptmann von Lamberg.
Pesth, 6. August. In Kroatien ist die Agitation für eine Annexion türkischer Provinzen und gegen die ungarische Grenzbahn-Vorlage im Wachsen begriffen. Sämmtliche Gemeinden des Grenzgebiets entsenden Delegirte zu der Versammlung, die am 13. August stattfinden soll. — Mollinary beharrt auf seinem Entlaffungsgesuche.
Schweiz.
Aus der Schweiz. In Zürich steht ein großer Eisenbahnstrike Aussicht. Herr Coutin, der technische Betriebs-Director der Nordostbahn, h eine Revision des Besoldungs-Tarifs vorgenommen und dabei so erheblich Lohnreductionen angesetzt, daß sich das Zug- und Beamten-Personal fast in seiner
Paris, 6. August. Frankreich macht jetzt eine Periode durch, in der e ne kleinliche Clique sich in Nadelstichen erschöpft, um die Massen wild zu machen und dann zur „Rettung der Gesellschaft" mit starken Mitteln, mit Stahl und Eisen, vorgehen zu können. Daher hat jetzt gerade das Kleine, das vorgeht, seine Bedeutung, und die „Eorresp. Havas" zeigt den richtigen Takt, wenn sie bemerkt, die Nachrichten aus der Provinz gestalteten sich mehr und mehr zu einer förmlichen gerichtlichen Berichterstattung. Ihr heutiges Bulletin lautet: „Processe gegen Exporteure und Zeitungen nehmen üb°rall eine große Ausdehnung, obgleich die Resultate sehr verschieden sind. Viele Proceffe endigen mit Freisprechung, wenn es sich um Eolporteure und Buchhändler handelt. Die Proceffe gegen die Präfekten wegen Schadenersatzes für Herbot von Zeitungen endigen gewöhnlich mit der Jncompetenz-Erklärung der Richter. Die Zeitungen werden im Allgemeinen mehr oder minder stark betraft." Es folgt die Angabe einer Reihe der neuesten Vermtheilungen, unter denen sich besonders durch Strenge die des algerischen Reveil wegen Beleidi- gllug der Bischöfe auszeichnet. Ein höchst ausgiebiges Feld der Verfolgung bietet die „Verbreitung falscher Nachrichten", da der Begriff von solchen, sehr weit ist und die wahrste der Wahrheiten zu Gefängniß- und Geldstrafen führen rynn, wenn sie unter die Loupe von eingenommenen oder augendienerischen Be- urtheilern kommt, wie es in solchen aufgeregten Zeiten nur zu häufig vorzukommen pflegt. Die Regierung aber will um jeden Preis einschüchtern ; die Folge wird lehren, ob ihr dies gelingt. Daß der 16. Mai in materieller Hin- icht ein Fluch für Frankreich ist, unterliegt keinem Zweifel mehr. Schon rüber hatte das „Journal des D^bats" bei Prüfung des Ergebniffes der Steuern für das erste Halbjahr nachgewiesen, daß der Ertrag derselben nach dem 16. Mai geringer geworden sei. Die letzte Nummer des statistischen Bulletins des Finanz-Ministeriums, in welchem der Ertrag nach Monaten und im Einzelnen aufgeführt wird, gibt jetzt der genannten Zeitung vollkommen Recht. „Im April", schreibt das „Journal des D6bats", „hatten wir einen Ueber- chuß von 2,706,000 Franken im Vergleich mit dem Voranschlag des Budgets. Der Ueberschuß beträgt 8,210,000 Franken für den Monat Mai, in Folge einer starken in diesem Monate verwirklichten Einfuhr von Waaren. Der Monat Juni ergibt ein Deficit von 555,000 Franken. Ein solches Ergebniß kam seit geraumer Zeit nicht vor. Man konnte den sichern Beweis der ganz bedauerlichen Geschäftsstockung nicht schneller haben, eine Stockung, die ihre Grenze noch nicht erreicht zu haben scheint. Beim Artikel der Bewegung der Renten- Eintragung beweist dieses Document, daß trotz der Hauffe, welche auf die Werthe an der Börse gemacht wurde, die wirklichen Operationen auf die Urkunden der öffentlichen Schuld nur in sehr bescheidenen Verhältnissen stattfan- den." Der „Temps" bringt heute eine Stelle aus einem Briefe aus der Provinz, worin die Thatsache besprochen wird, daß „das, was vom 16. Mai ausgeht und Anfangs enorm, unglaublich schien, jetzt ganz alltäglich erscheint" und man sich in der Provinz gar nicht mehr über die Pariser Depeschen wundert, „so sehr ist es dieselbe Geschichte jeden Tag: Mißbrauch des Buchstabens des Gesetzes, Gewaltthaten und Plackereien von Seiten der Verwaltung, Vertilgung des republikanischen, ja, einfach liberalen Elementes, endlich schonungslose Mißhandlung der besten Eigenschaften der Nation und des Jnstinctes der Sittlichkeit."
England
London, 7. August. Im Uuterhause richtete Kenealy die Anfrage an die Regierung, ob dieselbe über die Existenz eines Einvernehmens zwischen Rußland, Oesterreich und Deutschland bezüglich der Theilung der Türkei informirt sei. Schatzkanzler Northcote entgegnete, die Regierung habe keine bezügliche Information, welche sie mittheilen könnte, woraus Kenealy äußerte, diese Antwort sei wenig befriedigend ; er werde seine Frage wiederholen. Unter--L>taats- secretär Bourke theilte auf Veranlassung von Seiten Whitwell's mit, daß der Handelsvertrag zwischen Italien und Frankreich^unterzeichnet^sU^^^^E^^^
Der orientalische Krieg.
Wien, 7. Altgust. Die „Preffe" enthält folgende Meldungen: Belgrad. Die Rüstungen werden mit größter Beschleunigung betrieben. Dw Miliz-Brigaden von Semendria, Zagolira und Kragnjewatsch sind emfcerufen worden und sollen am 13. August an die Grenze rücken; die Officnre des stehenden Heeres erhielten den Befehl, binnen 48 Stunden sich bei ihren Regimentern einzufinden. — Konstantinopel. Suleiman Pascha wurde angewiesen, den Uebergang über den Balkan zu erzwingen, sein Corps soll das Centrum


