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Sonntag, den 9. September
1899.
ichener "Anzeiger
Anreize- unb Aultsdlntt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mü Ausnahme des MontchgS. Srpsditionr Schulstraße, Ltt. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 9 »ort 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Politisch
Wochenübersicht.
Unser Kaiser hat sich, nachdem er kurz vorher den Adjutanten des Marschalls Mac Mahon, General d'Abzac, in Audienz empfangen, zu den großen Manövern des 7. und 8. Armee»Corps nach dem Rhein begeben und dort seine ersten Schritte charakteristischer Weise nach Esten zur Besichtigung des großartigen Krupp'schen Etablistements gelenkt. Seine Reise ist diesmal besonders feierlich, indem er nicht blos die Prinzen seines Hauses, verschiedene deutsche Fürsten, die General-Feldmarschälle Graf Moltke und v. Manteuffel unb ein Gefolge, in dem fast alle europäischen Armeen vertreten sind, sondern auch die Kaiserin und die Kronprinzessin in seiner Begleitung hat. Der Kronprinz, welcher während der vergangenen Woche die bayerischen Truppen inspi- cut hatte, schloß sich seinem kaiserlichen Vater in Schloß Benrarh an. Der enthusiastische Empfang, welcher dem Heldengreise Seitens der zu vielen Tausenden zusammengeströmteu Bevölkerung überall, wo er erschien, zu Theil wurde, bewies. daß die Liebe zu Kaiser und Reich, aller Hetzereien der ultramontanen Presse ungeachtet, in den Herzen der Rheinländer heute noch ebenso warm glüht wie zuvor.
Die Feier des Sedantages ist in ganz Deutschland unter regster Betheiligung aller Volksschichten begangen worden und stellt es außer Zweifel, daß dtkser Tag, allen Gegenarbeiten der Reichsfeinde zum Trotz, immer mehr zu einem allgemeinen Nationalsesttage wird. Was der Feier diesmal eine besonders gehobene Stimmung verlieh, war das Gefühl, daß das neue Deutsche Reich durch seine ruhige, feste Haltung inmitten aller Wirren die Erhaltung des Weltfriedens sichert und die Kraft in sich trägt, erwaigen Versuchen zur Störung des Friedens, mögen dieselben nun von Osten oder von Westen her kommen, mit Erfolg entgegenzutreten. Bei allem nationalen Selbstgefühl blieb der Feststimmung indeß jede Selbstüberhebung fern. Die Feier wurde überall in erster Linie von der Jugend begangen. In manchen Gegenden, wie z. B. an der Bergstraße und im Württembergischen, leuchteten Freudenfeuer zur Feier von den Bergen in's Land hinein. An einigen Orten, wie in Bonn, Magdeburg und Karlsruhe, wurde die Feier des Tages mit einer Einweihung der Denkmäler verbunden, welche zu Ehren der im Feldzuge von 1870/71 gefallenen Krieger errichtet worden waren. In Crefeld fand zugleich die feierliche Enthüllung des dem Componisten der „Wacht am Rhein", Karl Wilhelm, dort gesetzten Denkmals statt.
Fürst Bismarck weilt in Gastein. Daß er dort aber nicht blos seiner Gesundheit lebt, sondern sich auch um Amtsgeschäfte bekümmert, geht aus ter Thatsache hervor, daß er bald nach seiner Ankunft die deutschen Botschafter in Wien und Rom, den Grasen Stolberg und den Freiherr» v. Keudell, empfangen hat. Soll doch auch der Leiter der österreichischen Politik, Graf An- draffy, eine Zusammenkunft mit dem deutschen Reichskanzler in Aussicht genom men haben. Der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe, hat sich zu einem längeren Urlaub nach Bayern begeben. Der neue bayerische Gesandte in Berlin, v. Rudhart, hat dem Kaiser in Gegenwart des Staatssekretärs v. Bülow sein Beglaubigungs-Schreiben überreicht und sich einer sehr zuvorkommenden Aufnahme zu erfreuen gehabt.
In Bayern hat sich ein Organ der „Extremen", der Münchener „Volksfreund", allen Ernstes dafür ausgesprochen, die Thesen deS päpstlichen Syllabus zum Programm der ultramontanen Partei zu machen. Von Stuttgart ist ein Sanitätszug von 19 Wagen nach dem russischen Kregsschauplatz abgegangen. Der badische Städtetag hat an den Bundesrath eine Petition um Ablehnung einer Aenderung des Unterstützungs-Wohnsitzgesetzes gerichtet, in welcher er sich besonders energisch gegen eine Aendemng mit der Wirkung einer größeren Belastung der Städte erklärt. Der u n t e r e l s ä s s i s ch e Bezirkstag hat einstimmig einen Beitrag von 500,000 Mk. zu dm Kosten des Universitätsbaues in Straßburg bewilligt.
Im Canton Tessin herrscht noch immer eine Hochgrad ge Spannung zwischen Ultramontanen und Liberalen- Die ultrawontane Regierung hatte aus Anlaß eines Consiictes zwischen Gensd'armen und Bürgern die Besetzung der Stadt Lugano durch Militär angeordnet; der liberale Gemeirderath wandte sich indeß mit einem Protest gegen diese Maßregel an die Bundesregierung und diese hat nunmehr die militärische Besetzung Luganos rückgängig gemacht.
Die österreichische Regierung hat mit dem galizischen Landtag, der ihr durch polensreundliche Kundgebungen Verlegenheiten zu Breiten drohte, kurzen Prozeß gemacht, indem sie denselben unmittelbar vor d.'m Beginn der Adreßdebatte, in welcher die Polen ihren Wünschen für die Diederherstellung Polens Ausdruck geben wollten, ausgelöst hat. Merkwürdig ist, daß der päpstliche Nuntius am Wiener Hof, in dem die ultramontanen Polm ihren Führer verehren, kurz vorher nach Krakau gereist war. Ohne Zweifel hat derselbe die „unglücklichen" Polen zur Vorsicht gemahnt und auf bessere Zeiten verO-ostet. Ter Umstand, daß der „Volkssreund", das einzige katholische blatt in Oesterreich, welches den Jesuiten noch einigen Widerstand zu leisten suchte und deshalb von der Berliner „Germania" mit Todfeindschaft behrt wurde, am 1. Septen ber aufgehört hat zu erscheinen, beweist, daß aich in Oesterreich nachgerade Alles mehr und mehr nach der Pfeife der Jesnten tanzen muß.
er Hheil.
Aus Pesth kommen günstige Nachrichten über den Verlauf der Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Handelsvertrag: auf den Antrag des Minister- Präsidenten Tisza wurden nämlich die Berathungen des ungarischen Zollaus- schuffes bis zu der demnächst zu erwartenden Vorlegung des Handelsvertrages mit Deutschland suspendirt.
In England herrscht vollständige politische Stille, die nur zuweilen durch Partei-Versammlungen für oder gegen Rußland, die aber ohne tiefere Bedeutung sind, gestört wird.
In Frankreich ist der plötzliche Tod des greisen Thiers das wichtigste Tagesereigniß, vor dem alle übrigen an Bedeutung zusammenschrumpsen. Für die „Regierung des Kampfes", als welche sich das Ministerium des Marschalls Mac Mahon hinstellte, konnte, nachdem sie sich durch zahlreiche Ausschreitungen die öffentliche Meinung mehr und mehr entfremdet hatte, Nichts erwünschter kommen, als der Tod desjenigen Staatsmannes, welcher von den Republikanern einstimmig als Gegen-Candidat Mac Mahon"s auf den Schild gehoben woiden war und am meisten dazu beigetragen hatte, die Bewegung gegen bie Regierung in ben Schranken bes Gesetzes zu halten. Denn nunmehr tritt ber weit rabicalere Gambetta, ber sich bisher absichtlich hinter Thiers zu- rückgestellt hatte, an bie Spitze ber republikanischen Partei, unb ba es sich in bem bevorstehenden Wahlkampf von nun an nur um die Wahl zwischen ihm und Mac Mahon handelt, so werden sich alle Freunde der Ruhe und Ordnung um so entschiedener in das Lager der gegenwärtigen Negierung getrieben fühlen. Die Aussichten auf einen günstigen Ausfall der Wahlen sind daher in Folge von Thiers" Tod für den Marschall bedeutend gestiegen, damit freilich aber auch die Gefahr, daß Letzterer sich für den Fall des Sieges von den ihn stützenden klerikalen Elementen zu verhängnißvollen Entschlüssen weiter treiben läßt, für len Fall der Niederlage aber noch weniger vor Gewaltmaßregeln zurück- schrecken wird als bisher.
In Antwerpen ist vor einigen Tagen der fünfte Congreß der Gesellschaft für Reform und Codificirung des Völkerrechts zusammengetreten- Praktische Resultate hat derselbe indeß diesmal ebenso wenig wie früher zu Tage gefördert.
Die Mormonen am Salzsee haben in Brigham Ijoung ihr langjähriges Haupt verloren. y.d
Persien ist zum 1. September dem Allgemeinen Postverein beigetreten-
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Berlin. Unser Kronprinz dankte in Würzburg anläßlich, des ^ihmLge- brachten Fackelzuges, wie die „Würzb. Allg. Ztg." meldet, mit folgenden Worten : „Vor Allem gebührt Mein innigster Dank Sr. Maj. dem Kölligi Ludwig von Bayern. Ich fordere Sie auf, aus voller Brust mit Mir rinzustimmen in den Rufi Er lebe hoch!"
Rödelheim, 5. September. Das Unglaubliche wird geschehend Hun- gari wird im Auftrage des bischöflichen Ordinariats die Fllncttonfp als katholischer Seelsorger wieder ausnehmen! Am verflossenen Sonntag ist Hyngarr hier gewesen und hat erklärt, daß das Ordinariat ih silier am li September abgehaltenen Sitzung diesen Beschluß gefaßt habe, und daß er gegell'Ellde dieser Woche seinen Einzug dahier halten werde. Die VorhereitnnAen /des Kirchen-Vorstandes zeigen, daß es mit der Sache Ernst ist. Uebrigens durste das Bisthum doch nut falschen Faktoren rechnen. Das Ober^Präsidium zu Kassel hat den Polizei-Chef dahier beauftragt, sogleich zu berichten, wenn"Hun- gari wieder Amtshandlungen dahier vornehmen sollte. (Rh-
Oesterreich.
Wien, 7. September. Aus Konstantinopel wird gemeldet/: Die Pforte beabsichtigt, nach einem Waffeir-Erfolge Friedens-PoxMäge zu machen und die Vermittlung der Mächte anzurusen. — Wie aus Belgrad gechejdet wird, hat der Fürst von Serbien dem Czaren angezeigt, er werde 80,000 Mann aufbringen, wovon die eine Hälfte mit ben Russen zusammenwirken, die Ändere die serbischen Grenzen beschützen solle. — Der Fürst GckliAu, IdjutE Czaren, ist aus Bulgarien in Wien eingetroffen. Derselbe cohferqte raif, Ilo- wikoff; er wird auch den Grafen Andrassy besuchen und eine Audienz beim Kaiser nehmen. Seine etwaige Mission ist unbekannt.
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Arankreich.
Paris, 6. September. Da Madame Thiers die staatliche. Veranstaltung des Leichenbegängniffes ihres verstorbenen Gemahls nur unter der Bedingung anzunehmen erklärte, daß ihr selber die Anordnung des Lekchenzüges überlasten würde, während die Regierung andererseits von der AuKfLhMAlder Decrete, welche die Ordnung der Leichenzüge bei amtlichen CeremvMen/.regeln, nicht glaubte abgehen zu dürfen, so beschloß die letztere, das gestern publirirte Decret zu annulliren. Sonach wird eine amtliche Detheiligung atp Leichenbe- gängniß nur insofern ftattfinden, als der Leiche die miliiartschep^Eh^yhezeu- gungen erwiesen werden, welche dem Verstorbenen als Würdenträger.der Ehrenlegion und ehemaligem Staatsoberhaupte gebühren.


