nur eine Maske oder Ernst sei. Der Sultan ernannte heute Suleiman Pascha an Stelle Mukhtar Paschas zum Ober-Commandanten der Truppen in der Herzegowina.
Wien, 5. Januar. Diplomatische Kreise haben friedlichere Nachrichten aus Konstantinopel. Rußland sei zu weiteren Concessionen geneigt, wenn di» Pforte die Garantie-Forderung principiell und tas Statut für Bulgarien annimmt. Die Conferenz entwirft für Montag ein neues gemäßigteres Programm. Die Occupatron durch fremde Truppen wird angeblich ganz wegsalle».
— Die „Polit. Co^resp." meldet telegraphisch aus Konstantinopel: Das von Savfet Pascha in der gestrigen Conferenz verlesene Expose betont nament lich die Unmöglichkeit der Annahme der Forderungen betreffs Einsetzung der internationalen Ueberwachungs-Commijsion, Errichtung einer gemischten ©engt/ar merie und des Modus der Ernennung der Gouverneure in den aufständischen Provinzen. Nach der Erklärung Savfet Paschas kam es abermals zu einer Besprechung über die Vorschläge der Mächte, welche aber keinen officiellen Charakter hatte.
KraaLreich.
Paris, 5. Januar. Man sucht in Konstantinopel Zeit zu gewinnen. Die Mächte haben ihr Project in drei Hauptpunkten verändert. Den Vorschlag der Gensd'armerie hat man nahezu fallen lasten, die Machtvollkommenheit der Ueberwackungs-Commission ist abgeändert und Rußland verzichtet darauf, die Bulgarei in zwei Thelle zu theilen. Die Türkei hat dieses Programm nicht angenommen, aber dastelbe als Grundlage weiterer Erörterung acceptirt.
Paris, 5. Januar. Der „Moniteur" schreibt, die gestrige Conferenz laste wenig Hoffnung aus Verständigung, wenn die Situation sich nicht ändere, sei der Conferenz-Versuch schon jetzt als gescheitert anzuseben. Die Haltung der Türkei sei unbegreiflich, da man jetzt für die europäischen Christen nur Zugeständnisse fordere, die sie schon vor 12 Jahren den asiatischen Christen bewilligte.
Paris, 6. Januar. Das „Journal officiel" publicirt die Verabschiedung von acht und die Ernennung von sechs neuen Präfekten, sowie die Begnadigung von 54 wegen des Commune-Aufstandes Verurtheilten.
-NgklUl-.
London, 5. Januar. Auf Montag ist ein Cabinets-Conseil anberaumt. — Die „Gazette" meldet aus Teheraii: In Folge der Besorgniß vor einer Hungersnorh wurde ein Verbot für Getreide-Ausfuhr aus den Häsen des persischen Golfes erlassen.
ILelgierr.
Brüssel, 6. Januar. Das Urtbeil des Handels-GeriLtShofes erklärt die Gesellschaft der Bassins houillers für fallit. Es wird Beschlag auf die selbe gelegt. Das Besitzthum Philippart's wird versiegelt. — In Paris sollen mehrere Verhaftungen vorgenommen worden sein.
^pcinun.
Madrid, 6. Januar. Die Session der Cortes ist mit einer Ansprache des Minister-Präsidenten geschloffen, worin erklärt wird, das Ministerium werde fortf ihren, fein? Versöhnungs-Politik zu befolgen.
Kurland.
Petersburg, 5. Januar. Die gestrige Conferrnz-Sitzung hat hierher gelangten Berichten zufolge keine Entscheidung herbeigeführt; es sind die Verhandlungen der nächsten Woche abzuwarten, ehe sich die Sachlage h bestimm terer Gestalt hervorbebt. Letzteres hängt davon ab, ob die Pforte den Br- schlüffen der Bevollmächtigten der Großmächte im Princip nicht entgegentritt, bezw. nur die detaillirte Erörterung einzelner specieller Punkte sich vorbebält. oder d.iS entgegengesetzte Verfahren einschlägt. Dem bereits gemeldeten Artikel des „Golos" ist eine besondere Beziehung auf die Verhandlungen zu Konstantinopel nicht beizulegen.
Petersburg, 6. Januar. Der „Golos" schreibt, die orientalische Frage sei jetzt nicht blos auf die Balkan-Halbinsel beschränkt, sondern erstrecke sich auch auf das englisch-indische Reich und Mittel-Asien. Die Erfolge Rußlands in Mittel-Asien seien die Ursache der Politik Disraeli's, der durch die Veranstaltung der Reise des Prinzen von Wales nach Indien und di? Annahme des Kaiserin-Titels Seitens der Königin Victoria den Völkerschaften Ostindiens zu imponiren suchte. Ebenso sei die entschiedene Protection der Türkei von Seiten Disraeli's eine Folge deffelben Princips, welches darauf berechnet sei, zii zngen, daß England die erste muselmännische Macht und Rußland der Feind des JSlam sei. Rußland habe aber kein Interesse, mit den Mohameda- nern in Zusammenstoß zu gerathen, und hege keine Feindseligkeit gegen die Tü-kei, sondern fordere blos, was der Humanität entspreche.
Petersburg, 6. Januar. Die „Intern. Telegr.-Agentur" meldet aus Semlin vom 5. Januar: Nack Meldungen beim russischen Commando betragen die Verluste bei dem Ueberfall von Kladowa 35 Kosaken und 111 Türk n. Kladowa wird befestigt, da ein neuer Ueberfall befürchtet wird. Die Auswechslung der serbischen gegen die türkischen Gefangenen soll bevorstehen. — Die Meldung des „Journals", daß General Nikitin ails Serbien abberufen sei. ist bisher unbegründet.
Hürüei.
Äonftantiiwpel, 4 Januar. Midhat geht nur langsam mit den Veränderungen im Ministerium voran, weil im Palast eine starke ReactionS- partei gegen ihn arbeitet, hat aber die Armee nnb das Vo'.k für sich. Er schlägt für die Ministerien des Handels und der öffentlichen Arbeiten zwei christliche Minister vor, deren Ernennung der Sultan verweigerte: für die Finanzen will er weder Christen noch Moslem, sondern ein europäisches Finanz mite. Der Jung-^ürke Zia Bah, zum Gouverneur von Shnen ernannt, wirb wahrscheinlich in Konstantinopel bleiben. Midhat versuchte bei einem «estriqen Besuch dem dcntscheu Botschafter ,n soudireu. sprach versöbulich er- klaete aber, die wichtigsten Coufercnz-Punkte nicht annehmeu ,u können, ohne seinen Sturz hcrbeizufübrcu. Er wies aus den Fanatismus der Bevölkeruna bin. Don den Machten schein, Oesterreich sich der Solidarität mit Rußland entziehen zu wollen und selbst die ?lblehuun>z der Vorschläge nicht als Grund der Abreise seiiies Botschafters zu betrachten. In, russischen Palais wcrdei.
Vorkehrungen zur Abreise gettoffen und die Equipagen schon verkauft, — Don Carlos ist b er angekommen.
Konstantinopel, 6. Januar. Der Gerichtshof für Proteste zwischen Ottomanen und Ausländern ist reorganisirt und Gabriel Effendi zum Präsidenten ernannt worden — Dem Vernehmen nach werden die Bevollmä.l'tigten in der Mont.-gs-Sitzung die unter sich vereinbarte Antwort auf d^s Donnerstag verlesene Memorandum der Pforte oiittBeilen.
Pera, 4. Januar. In der heutigen fünften Sitzung verlasen die Tücken ein umfangreiches Memorandum, worin sie die Conferenz-Projekte einschließlich der Grenzberichtigung für Serbien und Montenegro, als mit der nationalen Ehre unvereinbar, rundweg ablehnten. Die Vertreter der sechs Mächte hoben erstaunt die Sitzung auf und hielten eine Specialberathung über gemeinsam zu thuende Schritte. Die Abreise der Botschafter ist nicht unwahrscheinlich ; mit derselben aber hört zwischen den Rusten und Engländern die Gemeinschaft der Jntereflen auf. - Sir Henry Elliot geht in einigen Tagen auf Urlaub, Lord Salisbury will vor dem 15. d. Mts. heimkebren. Oesterreichs Stellung ist zweifelhaft; es sucht sich einer weiter gehenden Solidarität mit Rußland zu entziehen, obgleich Jgnatieff bemüht bleibt, die Anderen in den Vordergrund zu schieben. Ueber die neue Sitzung ist nichts bestimmt' man spricht von Montag oder Dienstag. Im gestrigen Ministerrath wurde beschlosten, keinen neuen Gegenvorschlag, wie beabsichtigt war, aufzustellen, sondern an dem alten und an der Verfastung festzubalten. Die Minister sind überzeugt, daß im Kriegsfälle die Mächte strenge Neutralität beobachten würden.
Serbien.
Belgrad, 5. Januar. Das „Amtsblatt" wird morgen ein Decret des Fürsten M'lan veröffentlichen, das die Skupschtina zum 11. Januar zu einer ordentlichen Session einberuft.
Rumänien.
Bukarest, 5. Januar. Der Senat hat mit 27 gegen 12 Stimmen folgende Motion angenommen: Der Senat wünscht, daß alle Rechte Rumäniens, welche durch den Pariser Vertrag anerkannt und verbürgt sind, sowie die politischen Acte, welche seitdem vollzogen wurden, krast der Souveränctät des Landes respectirt und unangetastet bleiben, und daß die Regierung diese Politik in würdiger Weise aufrecht erhalte.
Lokal - Ätotit«
Gießen, 8. Januar. Es geht uns der Rechenschaftsbericht der städtischen Verwaltung pro 1875p erstattet von Herrn Büraermetster Bramm zu. Bei der hohen Wichtigkeit der städt. Interessen verfehlen wir nicht unseren Lesern denselben, excl. ter tabellarischen Nachweise, hiermit zu bringen. Derselbe lautet:
Gießen, den 25. August 1876. Bett.: Die Rechnung der Pcovinzialhauptstadt Gießen für das Jahr 1875, bter die Verwaltungsrechenschaft. Hochgeehrte Stadtv ero rd neten - Versammln ng! D-r Beginn des Jahres 1875, über welches die vo.liegende Verwaltungsrechenschast gesetzlicher Vorschrift zusolae abgelegt wird, fällt zusammen mit der Umgestaltung der städtischen Vertretung und Verwaltung wie solche durch das Gesetz vom 13. Juni 1874 hie Städ:e-Ordnuna iür das Groß- berzogthum Hessen betr. für die in Artikel 1 daselbst bezeichneten Städte des Groß- berzogthums eingesührt worden ist und dürste es deßhalb am Platze sein, zunächst die Organe der städtischen Vertretung und Verwaltung, wie solche auf Grund des citii ten Gesetzes constituirt worden sind und ihre Thätigkeit kurz zn skizziren.
Nachdem bn den im Jahre 1874 stattgehabten Wahlen dte Herren Hof-erichts- Advocat Batst, Hofgerickts-Advocat Diery, Buchhändler Ferber, Fabrikant Gr arg Ferdinand Ga r l, Fabrikant H a nste t n, Bauunternehmer H o ch, Fabrikant :Jt. £> o m« beraer, Bauunternehmer Kauf, Buchdruckereibesitzer Keller, Rechner Körber, Buchbinder und O tsgerichisvorsteher Lüdeking, Schintedmcister Ray, Fabrikant ^do'ph N oll, Bäckermeister August Noll Kaufmann S ch ee l, Kaufmann S ch m a l l, Schreinermeister Schönbach, Kaufmann W enz e l, durch das ehrende Vertr'.uen ihrer Mitbürger zur Hebern ibme der Pflichten in es Stadtverordneten berufen worben waren, wurde durch deren Beschluß vom 7. Novnnber 1874 dem ergebenst Unterze.ch- neten hie Ehr zu Lherl, an re Spitze der städtischen Verwaltung und Vertretung ue- rusen zu werden, worauf nach eingeyolter landesherrlicher Bestätigung am 4. Januar 1875 seine Beeidi.,ung und Einführung in das Amt durch den Herrn Provinzral-Director Feiherrn v o n Röder in Gegenwart der Herren Stadtverordneten erfolgte. Am 14 desselben Monats fand die Wah! und am 11. Februar 1875 die Verpflichtung der beid-en Beigeordneten d-s Herrn Buchdruckererbesitz-r Wilbelm Keller und Gasfabrikanten August Heß statt. An dem .-rstgenannten Tage und am 21. Jan ar erfolgte aus Gru-'d dc, Art- 52 her Städte-Ordnung die "Bildung städtischer Depu- lationen für einzelne Verwaltungszwerge. Zu Mitgliedern dieser Deputationen, in welchen der Unterzeichnete den Vorsitz fühlt, wurden folgende Stadtverordneten gewählt:
1. für da- Armenwesen: die Herren Körber und August Noll. Als ständige Mitglieder gehören dieser Deputation weiter an: die zwei protestanttfchen Stadtpfarrer, der katholische Pfarrer, der Rabbiner, der Ehef der Polizeiverwalt :rg und der Armen-Arzt.
2. für das Bauwesen: die Herren G a t l, H och. Kauf, Lüdeking. Die Mitglieder dieser Deputation btlben zugleich die Friedhofs-Commi-sion, welcher in Gemäßheit der erneuerten Friedhofsordnung vom April 1875 die Aufsicht über den Friedhof übertragen ist.
3 für das Finanzwesen: die Herren Diery, Homberger, Adolph Noll, Scheel.
für da- Schulwesen: die Herren Bai st, Ferber, Homberaer, Wenzel.
Außer diesen ständigen Deputationen wurden im Lause bei Jahres noch oe- sondere Commisstonen gebildet, namentlich:
I. für die projectirte Quellwafser-Lettung: Mitglieder dieser Commission sind die Herren De georoneken Heß, Stadtverordneten Gail und die Mitali-ier der Finanz-Deputation, außeidem die Henen Professor Dr. Streng und Berganrks- Direclor B a n sa
2. für daS Feuerlöschwesen r Dieser Commission, in welcher Herr Beigeordneter Heß den Po, sitz füh>t, getören an die Herren StadtoerordNkten Ga l, Hoch, Kaut, M a y Wenzel
3. für daS Turnwescn, bereu Mitglieder die Herren Stabtoerorbmten Baist, Hannein August Noll und Wenzel sind.
4. für daS Einquartierungswesen, welcher die Herren Stadtverordn.tcn Hanstcin, Homberger, Adolph Noll und Scho p dach uugehören.
Die Thätigk it der Stadlverordnetcn-Vei sammlung im Jahre 1875 bocumentirt sich in 52 Sitzungen. Dte Aimen-Depuiation hielt 2u, die Bau Deputation außer mehrfachen gemeinschaf i cheu Sitzungen mit ande, en Deputat-onen 35 S tzungen. weicken häufig Augenschemseinnahmen vorausgingen oder nachfolgtln. Ebenso waren die Mit'-likder der Finanz- und der ^ebuUEeuMtaton öf-e veranlaßt, entweder einzeln oder mitemandcr refp. mit der Baudeputation vereint, zu Sttzungeu -usammenzutreten. Dasselbe JU von den besondere« Commissionen.
Zum Gontroleuv m ^emäßhert des Art. 88 der Städte-Ordnung wurde Herr Stadiveroidintts Kauf gewählt. Dac-> Personal der ßefammten städtischen Vermal- tuna und her mit b'rc’.btn verbundenen resp von ihr bepenbirenben Anstalten und Institute blieb im Uebrigen unnranbert, insbrsonder-- wurhe der seitderuze Protokollführer Wi lh elm D emuth auf Grund des Wit. 38 der Städte Ordnung wieder gewählt. *


