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Kretschmer.
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Agzeigk- md Amtsblatt sir Lea Kreis Gicht«.________________
Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Aus Anlaß der Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs ist das unterzeichnet« Gericht Mittwoch den 12. Septbr. d. Js. geschlossen.
Gießen. 6. September 1877.
Großherzogliches Landgericht Gießen.
Erdmann.
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E«n Geldtäschchen, 2 Sonnenschirme, L. M., 1 desgl., gez. E. H.
Gießen, am 6. September 1877.
Ge fundene Gegenstände:
1 schwarze Lustresctürze, 1 Spannkette, 1 Portemonnaie, 1 Stock, 1 Knabenmütze, 1 weißes Taschentuch, gez-
Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius.
politisch
t Louis Adolphe Thiers.
Inmitten des großen politischen Kampfes, den das republikanische Frankreich gegenwärtig gegen die alten Mächte der monarchischen und klerikalen Reaction kämpft, hat das französische Volk einen Perlust erlitten, der, wenn auch kein unerwarteter zu nennen, doch gerade in ditsem Augenblicke durch seme Plötzlichkeit die Spannung der Geister zu erhöhen geeignet ist und auf die augenblickliche politische Constellation nicht ohne tiefen Einfliiß bleiben kann. Thiers ist nicht mehr unter den Lebenden. In St. Germain en Laye verschied der achtzigjährige Greis tn Folge eines Schlaganfalles. Frankreich hat in dem Hingelchiedeneu seinen bedeutendsten Staatsmann, einen seiner hervorragendsten Kammer-Redner und Gelehrten, einen der größten Geschichtsschreiber der Neuheit zu beklagen, einen Mann, der mehr denn einmal in seiner laugen Laufbahn die Geschicke seines Landes als Minister gelenkt und stets sich als einen warmen Patrioten erwiesen, dessen aufopfernde Thätigkeit für sein Land sich durch den mannigfaltigen Wechsel der Regierungen und der politischen Strömungen, die dasselbe erfahren und die auch Thiers" politische Anschauungen oft modificirt haben, niemals verläugnet hat. Als größtes Verdienst wird dem Hingeschiedenen von seinen Landsleuten stets eine unermüdliche und erfolgreiche Thätigkeit für die Erhebung und Regenerirung Frankreichs nach den Schlägen des letzten Krieges angerechnet werden, insbesondere die Befreiung des Territoriums von der fremden Occupation, die prompte und erstaunlich rasche Aufbringung des Miüiarden-Lösegelds und vor allem seine umsichtigen, eifrigen und besonnenen Bemühungen sür die Erhaltung der republikanischen Staatsform, die Thiers als eine historische Nothwendigkeit begriff und die er sowohl in seiner Stellung als Chef der Executivgewalt bis zu seinem von der conserva- tiven Jntrigue erzwungenen Rücktritt, als auch nachher in seiner allen Parteien imponirenden Rolle als nicht osficieller Staatsmann bis zu seinem soeben erfolgten Tode vertheidigte. Kein Zweifel, daß dieser, trotz des Hoheit Alters des Verstorbenen, von der ganzen republikanischen Partei, ja von zahlreichen couser- vativen Gruppen als ein herber Verlust empfunden wird. Thiers war der vorgeschobene Posten der vereinigten Linken, der längst erkorene Gegen-Caudidat für die eventuell neu zu besetzende Präsidentschaft. Nach seinem Hinscheiden kann nur Gambetta sein unbestrittener Nachfolger sein, und es tritt jetzt der durch den soeben eingeleiteten Proceß verschärfte Gegensatz zwischen Gambetta gnd dem Präsidenten Mac Mahon in noch markirterer und, wenn man so sagen darf, demaskirterer Weise hervor. .
Was Thiers' politisch-wissenschaftliche Vergangenheit betrifft, so beschranken wir uns auf wenige Angaben. Louis Adolphe Thiers war am 16. Marz 1797 in Marseille als Sohn eines in der Revolution zu Grunde gegangenen Tuchhändlers geboren. Frühzeitig widmete er sich den Wissenschaften, unter denen ihn bald Philosophie und Geschichte am meisten anzogen. 1820 wurde er Advocat; doch verließ er diese Laufbahn bald, um (im September 1821) nach Paris zu gehen, wo er literarisch thätig war und seine Talente durch seine Mitarbeiterschaft am „Constitutionnel" und an den „lablettes histo- riques“ bemerkbar machte. dieser Zeit wurde er mehr und mehr m den Salons der Opposition bekannt, bis sein großes Erstlings-Geschichtswerk ,.Geschichte der französischen Revolution von 1789 bis zum 18. Brumawe (das 1823 bis 1827 erschien) den Grund zu seiner Berühmtheit legte. Zm .,National" bekämpfte er als Vertheidiger der Charte seit 1- Januar 1830 Die Polignac'sche Regierung, arbeitete an der Erhebung des Herzogs von Orleans und wurde am 4. November 1830 Unter-Staatssecretär unter dem Minister Lafitte. 1831 nach dem Sturze Lafitte's zum Deputaten gewählt, begann er die Opposition zu bekämpfen. 1832 nahm er als Minister des Innern im Cabinet vom 11. October Platz. Die Einmischung in die belgischen Handel und die Einnahme der Citadelle von Antwerpen erfolgte auf sein Betreiben. 1848, nach dem Sturze der Juli-Dynastie, zeigte er sich dem Bonapartismus ergeben, trotz seines famosen Wortes, das er vor dem Staatsstreich gesprochen: „L’empire est fait.“ Er wurde zwar nach dem 2. December 1851 verbannt
er HHeil.
und bis nach Frankfurt a. M. außer Laudes begleitet, doch bald darauf wieder zurückgerufen. Mit 1863 gehörte Thiers der Opposition an, was sich bet verschiedenen Gelegenheiten, besonders aber bei Ausbruch des Krieges, den er bekanntlich widerrieth, zeigte.
Deutschland.
Berlin, 6. September. In Bremen sollen fortan die Wanderlager besteuert werden. Es liegt ein vom Senat schon gutgeheißener Gesetz-Entwurf vor, nach welchem die Steuer monatlich 1 bis 30 Mk. betragen und der spe- cielle Satz von der hiesigen Polizeidirection, dem Amte zu Bremerhaven oder dem Amte zu Vegesack bestimmt werden wird.
Berlin, 6. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt von compe- tenter Seite, daß über die Besetzung des Ober-Präsidiums der zukünftigen. Provinz Westpreußeu amtliche Erwägungen überhaupt noch nicht stattgefunden haben, insbesondere aber die Gerüchte über die Versetzung des Polizei-Präsidenten v. Madai auf jenen Posten ohne jeden Grund und Anhalt sind.
— Während Kaiser Alexander die Cooperation der Rumänen unter demü- thigenden Bedingungen (Fürst Karl hat sich das Ober-Commando über einen Theil der russisch-rumänischen Armee ausbedungen und wurde zum Befehlshaber des „Westdetachements" vor Plewna ernannt und ihm als eigentlicher Com- mandeur G.-L. Sotoff in der Eigenschaft eines Generalstabs-Chefs beigegeben) erwirkt hat, spricht sich der „GoloS" über die serbische Hülfe (nebenbei auch über die rumänische) in einer Weise aus, von der man in Belgrad wenig erbaut sein dürste. Er schreibt: Nachdem sich die Armee Osman Pascha's von Wibdtn nach Plewna gezogen hat, ist jetzt jede Theilnahme Serbiens am Kriege nutzlos; darum haben alle Gerüchte über eine eventuelle Action Serbiens gar keine Bedeutung. Sollte das Fürstenthum trotz aller gegentheiligen Behauptungen sich einmischen, so wird dadurch die Beendigung des Feldzuges gar nicht beschleunigt. Was die Leistungsfähigkeit der serbischen Truppen anbelangt, so können und dürfen wir nicht behaupten, daß dieselbe höher als jene Oer rumänischen angeschlagen werden dürste. Solche „Verbündete" denken nicht an die wahre Kriegösühnmg, sondern lediglich an die Unterbreitung ihrer Forderungen nach dem beendeten Kriege. Die Theilnahme Serbiens und Rumäniens ist der Natur der Dinge gemäß so wenig belangreich, daß es nicht der Mühe werth sein kann, sich den nachherigen politischen Scherereien zu unterziehen. Bisher haben wir auch ohne Verbündete, Kriege geführt und Rußland soll sich auch jetzt nur aus seine eigene Macht stützen."
Arankreich.
Paris, 5. September. Der Marschall Mac Mahon traf diesen Morgen um 9 Uhr wieder in Paris ein und wohnte dem Ministerrathe an , in welchem Thiers' Todtenfeier aus Samstag 12y2 Uhr Mittags im Juvaliden- Dome der bisher nur Militärs offen stand, auf Staatskosten beschlossen wurde.. Die Leiche soll hieraus nach dem Kirchhose Pere Lachaise gebracht werden. - Gambetta und der Gerant der „Räpubl. Fran?aise" werden nächsten Dienstag wegen Beleidigung gegen Mac Mahon und dessen Minister vor das Zuchtpolizeigericht geladen. Die „Gazette des Tribunaux" weist auf das Gesetz von 1849 hin, das die Veröffentlichung von Berichten über die Verhandlungen untersagt.
Rußland.
Petersburg, 6. Sept. Der „Regierungs-Bote" veröffentlicht eine Verordnung des Ministers des Innern, welche dem „Golos" wegen emerCorre- spondenz aus Gorni-Studen in Nummer 189 und eines Leitartikels in Nr. 192 eine erste Verwarnung ertheilt.
Türkei.
Konstantinopel, 6. September. Effad Bey ist zum Gesandten in


