Ausgabe 
7.12.1877
 
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Freitag, den 7. Decembcr

1877.

Meßener MnMger

Anzcigk- uiib

iir iitu Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Püst bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

i\ m tlicher e li e i L

Gießen am 3. December 1877.

Anzeigers.

Dr. B 0 e k m a n n.

Betreffend: Die Taubstummen-Statistik im Großherzogthum Hessen. r

Das Großhcrzogllchk Krcisamt Güßen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch (in Rückstände sind, an die Erledigung unserer Auflage vom 28. Oeiober l. I. in Nr. 254 de«

Gießen, am 4. December 1877.

Betreffend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1853, die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr und die Vergütung der Brandschäden. r ,

Das Großherzogliche Kmsamt Gießen

an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir fordern Sie auf, alSbalb unter Zuziehung des Gemeinderaths die vorgeschriebene jährliche Revision der Brandkataster vorzunehmen und da» Ergebniß binnen 14 Tagen vorzulegen.

Dr. Boekmann.

politischer H i) e i l.

weder die Rechte der Exekutivgewalt noch die Prärogative des Senats schmä­lern lassen könne.

Paris, 2. December. Die in der heutigen Versammlung von großen

Kaufleuten und Fabrikanten beschlossene Adresse an den Präsidenten der Republik

Deutschland.

Darmstadt, 3. December. Der Cassationshos hat heute nach einer ungewöhnlich langen Verhandlung eine höchst wichtige und folgenschwere Ent­scheidung getroffen, indem er den wegen unbefugter Ausübung eines geistlichen Amt^S beschuldigten lutherischen Pastor Lucius zu Ulfa im Gegensatz zu den Vorder-Jnstanzen freisprach, weil er davon ausgii g, daß nur die unbefugte Uebernahme eines geistlichen Amtes, nicht aber die hieraus Wetter entspringen­den geistlichen Functionen als eine nach den hessischen Kirchengesetzen strafbare Handlung zu betrachten sei, eine Auffassung, die selbst die Staatsbehörde theilte.

Darmstadt, 5. December. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 11. Novbr. den Lehrer an dem Progymnasium zu Laubach, Hermann Rahn, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Worms zu ernennen.

Berlin, 4. December. DieNordd. Allg. Ztg." bespricht die jüngste Rede Lord Derby's und sagt: In hiesigen politischen Kreisen erkenne man darin den nunmehr feststehenden Entschluß der englischen Politik, in Ueberein- stimmung mit dem Strome der öffentlichen Meinung Englands von einer In­tervention in dem russisch - türkischen Streit abzusehen und dem muthmaßlich unter der Aegide des Drei-Kaiser-Bundes herbeizusührenden Frieden nichts in den Weg zu legen. Die Punkte, welche Lord Derby sür die britischen In­teressen als unantastbar erklärt, würden durch einen Frieden, wie er sich vor­bereite, keinesfalls in Frage kommen.

DieNat.-Ztg." bestätigt, daß der Präsident des Oberkirchenraths, Dr. Herrmann, ein Entlassungs-Gesuch bet dem Kaiser etngeretcht habe, und bemerkt, daffelbe liege bereits geraume Zeit zur Entscheidung vor und dürfte gerade aus diesem Umstande die Hoffnung entnommen werden, daß die Bei­legung der diesem Schritte zu Grunde liegenden Differenzen nicht ohne Aus­sicht sei.

Hesterreich.

Wien, 4. December. DiePoltt. Corresp." meldet aus Belgrad von beute: Fürst Milan hielt eine Ansprache an die ausmarschtrenden Truppen, in welcher er die sichere Aussicht auf beffere Erfolge im nächsten Feldzuge Ser­biens betonte, welches wieder, jedoch besser gerüstet und auf einen mächtigen Alliirten gestützt, in den Krieg ziehen müsse. Eine britische Note an das serbische Cabinet räth Serbien, unter dem Vorwurf der Illoyalität, von der Theilnahme am Kriege ab und droht mit dem Verluste der Garantie der au­tonomen Stellung Serbiens. Wie verlautet, will Rtstic die britische Note un­beantwortet laffen.

Arankreich.

Paris, 4. December. DieAgence Havas" veröffentlicht eine Note, welche besagt: Die öffentliche Meinung, mit Recht erregt über die Krise, welche wir durchmachen, hat mit großem Jntereffe die Versuche verfolgt, die der Präsident der Republik aus den Rath des gegenwärtigen Cabinets gemacht hat, um zur Bildung eines aus dem Echooße des Parlaments genommenen Ministeriums der Versöhnung zu gelangen. Vis jetzt sind diese Versuche auf- gehalten worden durch die Vorbedingung, welche man dem Präsidenten der Republik aufnöthigen möchte, nämlich den Cvngreß zu berufen, welcher berathen solle über den Artikel der Verfassungs-Gesetze, welcher der Executivgewalt er­laubt, die Kammer mit Zustimmung des Senats aufzulösen. Der Präsident der Republik hat gemeint, daß diese Bedingung unannehmbar sei und daß er

Herr Präsident! Die unterzeichneten Fabrikanten und Kaufleute richten Angesichts des wachsenden Unbehagens, unter welchem das Land leidet, einen neuen und dringlichen Aufruf an den Patriotismus des Präsidenten der Re­publik. Die Lage wird so ernst, daß Arbeitseinstellung und Ruin heute alle Kewerbszweige bedrohen und das internationale Werk der allgemeinen Ans­tellung gefährden. Tie Wahlen vom 14. October sind der neueste Ausdruck des WillenS des Landes. Möge der Präsident der Republik nicht zögern, dem Wunsche des Vaterlandes nachzugeben, in die constitutionellen Bahnen zurück- zukehren und durch seine Handlin gen seine wohlgesprochenen Worte zu bekräf­tigen. Das Gesetz der Mehrheiten ist die Regel der parlamentarischen Regie­rung. (Folgen 500 Unterschriften).

Außerdem beschloß die Versammlung, ähnliche Adreffen in ganz Frankreich hervorzurufen.

Die CorrespondenzHavas" berichtet:Die Lage ist immer dieselbe geblieben und die einzig mögliche Lösung der Krisis, der Ausgleich, ist um keinen Schritt näher gerückt. DerConstttutionnel" fragt, ob man nicht auf den Marschall die Worte Cotmille's anwenden könne:Sie haben hier keinen Feind als sich selbst. Sie sind gerettet, wenn Sie nicht untergehen wollen I" Nicht nur der Marschall allein, wir würden mit ihm gerettet werden."

Versailles, 4. December. Sitzung der Deputirten-Kammer. Jules Ferry verlas eine Erklärung der Budget-Commission, welche besagt, daß sie die vier Steuern nur einem parlamentarischen Ministerium bewilligen werde. Wenn das Budget vor dem 1. Januar nicht votirt sei, so falle die Verantwortung auf Diejenigen, welche die Krise ungebührlich verlängerten. Die Budget-Com- Mission werde in Folge dessen bis auf neue Ordre keinen Bericht erstatten. Baragnon und Nouher erachten die Erklärung, welche Ferry verlesen hat, als einen Bericht der Budget-Commission, welcher die Verweigerung des Budgets enthalte. Sie beantragen, die Dtscussion darüber aus Donnerstag anzusetzen. Gambetta erwidert, die Budget-Commission sei der Ausdruck der Mehrheit, sie handle als Mandatar dieser Majorität gesetzlich und parlamentarisch. Gam­betta hält die Unterscheidung zwischen einer Erklärung und einem Bericht auf­recht. Nächsten Donnerstag würden alle Berichte der Commission etngebracht werden; dann werde die Commission zum Lande sprechen: Wir sind fertig; aber wir werden euer Geld nur überliefern, wenn man sich vor dem am 14. Octbr. kundgegebenen Willen verneigt haben wird. (Beifall auf der Linken). Rouher bringt eine Resolution ein, durch welche die Commission ersucht wird, die Berichte schleunigst vorzulegen, unter Festsetzung der Discnsston auf Don- nerstag. Präsident Grevy macht Einwendungen und sagt, diese Resolution ist der Geschäfts-Ordnung entgegen, aber die Minorität wird Genugthuung erhal­ten, denn am Donnerstag wird die Kammer in die Lage versetzt werden, zu sagen, ob sie das Budget discuttren will oder nicht. Nouher verlangt die Dringlichkeit für seine Resolution. Die Dringlichkeit wird aber mit 328 gegen 197 Stimmen abgelehnt. Der Senat wählte heute zu uirabsetzbaren Sena- tonn den Legitimisten Larcy mit 146 und den Bonapartisten Ferdinand Darrot mit 142 Stimmen. Die absolute Majorität war 141 Stimmen. Leon Re­nault verlangt Aufschluß über die von derAgence Havas" veröffentlichte Note. Er behauptete kein Mitglied der Linken habe die Mission erhalten, die in der Note erwähnten Bedingungen zu discutiren. Er hofft, die Minister würden am Donnerstag sagen, ob sie die Verantwortlichkeit für die Wote übernehmen.

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