— Die „Montags-Revue" tritt der Anschauung entgegen, daß der den Parlamenten beider Reichs-Hälften vorzulezende Zoll-Tarif schutzMnerisch sein werde, und theilt ferner mit, daß Oie ciSleithanischen Minister aus Pesth ganz liche Zoll-Freiheit für Getreide und Mehl an der ganzen österreichisch ungarischen Grenze mitbringen. Den Gang der Verhandlungen mit Deutschland resumirt die „Montags - Pevue" folgendermaßen: Die deutschen Bevollmächtigten hätten zuerst einen Vertrag mit Einräumung der meistbegünstigten Nation gefordert, jedoch die von Oesterreich-Ungarn aufgestellten Gegenbedingungen abgelehnt. Offchon sodann auch der von deutscher Seite aus gemachte Vorschlag, den bestehenden Vertrag um ein Jahr zu verlängern, von Oesterreich Ungarn abgelehnt worden sei, hätte sich letzterer Staat doch vorbehalten, die Verhandlungen über einen Vertrag auf der Basis der meistbegünstigten Nation zu gelegener Zeit wieder aufzunehmen, welche Verhandlungen aus dem gewöhnlichen diplomatischen Wege geführt werden würden. — Dasselbe Organ bezeichnet die Nachricht, daß der Coupon der ungarisch-galizischen Eisenbahn verkürzt werden solle, als vollständig unbegründet.
Pesth, 3. November. Abgeordnetenhaus. In Beantwortung der Interpellation Apponyi's über den Handels-Vertrag mit Deutschland constatirt der Minister-Präsident Tisza: Allerdings seien die Unterhandlungen wegen eines Tarif-Vertrags derzeit abgebrochen, aber die Regierung habe mit dem Wunsche, daß kein außervertragsmäßiges Verhältniß zu Deutschland hervorgerusen werde, die nöthigen Schritte gethan, um Deutschland zum Abschlüsse eines Vertrags auf dem Fuße der meistbegünstigten Nation zu vermögen bis zu dem Zeitpunkte, wo es möglich wäre, einen Tarif-Vertrag abzuschließen. Andererseits hält die Regierung die Vorlage eines Zoll-Tariss jur nothwendig und dürfte dieselbe Ende nächster Woche erfolgen. Tisza rechtfertigt die Nothwendigkeit einer Tarif-Vorlage damit, daß kein Staat die Lage acceptiren könne, bezüglich innerer Beschlüsse von dem Willen eines anderen Staates abzuhängen und weil, wenn auch ein Vertrag aus dem Fuße der meistbegünstigten Nation abgeschlossen werde, mit dem Deutschen Reiche dennoch ein besonderer Tarif festgestellt werden müsse. Noch nothwendiger sei eine Tarifs-Vorlage, weil, wenn der Vertrags Abschluß nicht gelänge, der allgemeine Zoll-Tarif von 1853 in's Leben träte, dessen vollständig schutzzöllnerlsche Natur die ungarischen Handels-Interessen wesentlich schädigen würde. Der Interpellant Graf Apponyi erwiderte, er behalte sich vor, die Frage wegen der Ursache des Abbruches der Zollverhandlungen seiner Zeit zu wiederholen. Die Vorlage eines allgemeinen Zoll-Tarifes halte er nicht für dringend. Redner fordert die Regierung auf, mit den anderen europäischen Staaten Verträge abzuschließen. Die Antwort Tisza's wurde zur Kenntniß genommen.
Ara»kreich.
Paris, 3. November. Der „Agentur Havas" wird aus Konstantinopel gemeldet, daß russische Truppen-Abtheilungen von der Jantra nach Plewna marschirt seien. Bestätigung dieser Nachricht liegt nicht vor.
— Ter „Moniteur" gibt Mac Mabon den Rath, Gambetta mit der Cabinets-Bildung zu betrauen, um zu prüfen, ob die republikanische Majorität eine Regierungs-Majorität werden könne.
— Calmon hat in der Versammlung der Fractionen der Linken des Senats eine Rede gehalten, in welcher er die Handlungen der Regierung lebhaft kritisirte und jeden Vergleich für unmöglich erklärte.
Paris, 4. November. Es wird für wahrscheinlich gehalten, daß am Dienstag im Amtsblatt die Ernennung des neuen Cabinets, welches man als Geschäfts-Cabinet bezeichnet, verkündet werden wird; Pouyer-Quertier würde den Vorsitz desselben und Graf Vogu6 das Ministerium des Auswärtigen übernehmen. Hinsichtlich der übrigen Mitglieder des Ministeriums scheinen noch keine endgültigen Bestimmungen getroffen zu fein.
Paris, 4. November Das Journal „Le Fran^ais" dementirt die Meldung von dem Rücktritt des französischen Botschafters in Berlin, Vicomte de Goutaut-Biron. Der augenblickliche Aufenthalt desselben in Frankreich sei durch die Erkrankung seines Vaters veranlaßt. — Der „Agence Havas" zufolge werden der Präfekt des Nord-Departements, Welche, und die Senatoren Montgolfier, Clement und Delsol als Mitglieder des neuen Cabinets genannt.
Paris, 5. November, Morgens. Bis jetzt sind noch wenige General- raths-Wahlen bekannt. Der Herzog v. Broglie unterlag gegen Fouquet, Admiral La Ronciöre gegen den republikanischen Candidaten.
— Die bisher aus den Departements bekannt gewordenen Resultate der gestern vorgenommenen Generalraths-Wahlen betreffen hauptsächlich städtische Wahlbezirke; danach haben die Republikaner einige Sitze gewonnen.
Paris, 5. November. Die Republikaner haben die Mehrheit bei den Generalraths-Wahlen. Broglie wurde vom Bonapartisten Baron Rothschild, Prinz Wagram durch einen Republikaner geschlagen. Ein Cabinet Pouyer- Quertier ist unhaltbar.
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 3. November. Suleiman Pascha inspicirte die Positionen bei Eskidjuma. Admiral Hobart ist nach dem Schwarzen Meere abgegangen.
Petersburg, 3. November. Amtlich wird aus Bogot vom 2. Novbr. gemeldet: General Kanzeff berichtet, daß er Teterveu genommen habe, wo sich 7 große und 30 kleinere Befestigungen befinden; die Türken ließen über 100 Todte zurück. Der russische Verlust war unbedeutend. Große Vorräthe von Proviant, Schanzzeug, Patronen und Vieh wurden von den Russen erbeutet. Gestern besichtigte Großfürst Nikolaus die bei Gorni-Dubniak genommenen Positionen, v»n wo sich die Türken in der Nacht, Angesichts der sich am 31. Oct., Abends, annähernden Russen, nack Plewna zurückgezogen hatten. Auf diese Weise ging der genannte wichtige Punkt ohne Kampf in russische Hände über. Am selbigen Tage rückten die Russen von Gorni-Dubniak aus noch 2 Werst näher an Plewna heran; dieselben befestigten sich auch in den neuen Positionen nach der Richtung von Orkhanie. Die russische Infanterie besetzte Lukowitza, während die Kavallerie noch mehr vorwärts rückte. Chefket Pascha hat sich ohne Kampf gegen Orkhanie zurückgezogen.
Petersburg, 4. November. Aus Medowan wird officiell unterm 3. Novbr. gemeldet: 3000 bis 4000 Türken mit Gebirgs - Geschützen griffen am 2. Novbr. das Sewski'sche Infanterie-Regiment auf der ^Position Marian über Helena an, wurden aber nach einem Kampfe von drei Stunden zurückgeschlagen. Die Türken hatten viele Verwundete und Todte und ließen gegen
100 der Letzteren auf dem Kampfplätze zurück. Der Verlust der Russen ist unbedeutend. — Am 2. Novbr. erreichte eine Escadron des Leibzarde-Dragoner- Regiments, welche über Kornrrewo vorrückte, Dschuralowo am Ursprünge des Skitfluffes, wo sie ein Gffecht mit Tscherkeffen hatte. Die Escidron erbeutete 100 Wagen und vieles Vieh. Der Verlust der Russen betrug 2 Verwundete. General Ticherewm, mit der k luk isischen Kosaken Brigade das Dorf Poschterna links von der Chaussee nah Sofia besetzend, trat in Verbindung mit der Infanterie des Generals Karzew, welche Türky Jsoor besetzte. Eine Streiswache des Generals Tscherewin pasnrte bei Verfolgung der Türken den Engpiß von Jablonitza.
Kanstantinopel, 5. November. Der Sultan begibt sich nach Adna- nopel behufs Untersuchung der Urtheils-Sprüche gegen die Bulgaren.
8 o f a bR p t i
Gießen, 7. Nov. Wir lassen nachftebend die Tagesordnung für die (Stabt* verordneten-Sitzung am Donnerstag den 8 November 1877, Nachmittags 4 Uhr, .im SitzungSsaale des alten Realschulgebäudes, folgen:
1. Gesuch des MaschinenschlOsserS Heinrich Baum II. um Erweiterung des Stadtbauplans in der Schwarzlach.
2. Gesuch mehrerer Bewohner der Schwarzlach um Straßeneröffnung u. s. w.
3. Tauschvertraa zwischen der Stadt Gießen und Bauunternehmer Adami.
4. Das Feuerlöschwesen betr.
5. Gesuche um Erlaß von Schulgeld.
6. Gesuche um Erlaß von Communalrückstäuden.
7. Friftgesuche auf Communalrückilände
8. Tauschvertrag zwischen der Stadt Gießen und Vauunternehmer Adami.
9. Die Untersuchung dcr öffentlichen Brunnen.
10. Das Standesamt betreffend.
11. Die Prüfung der Rechnung vom Jahre 1876.
Gießen, 7. Nov. (Auszug aus dem Jahresbericht der Handelskammer in Gießm für das Jahr 1876.) (Fortsetzung.)
Zu Rubrik DerkehrSanstalten bemerkt der Bericht:
») P o st w e s e n.
Ein Circularschreiben des Herrn Generalpostmeisters, welches auSfÜhrt, daß der Aufschwung, welchen der Postauftragsverkehr durch die Einziehung von Wechseln und durch das Verfahren der Einholung von Wechselaccepten im Wege des PoffauftragS genommen, der Reichspostverwaltung die Erwägung nahe gelegt habe, ob nicht daS Postauftragsverfahren zweckmäßig dahin zu erweitern sein mochte, daß auch die Pro- testirung der der Post zur Einziehung mittelst Postauftrags Übergebenen Wechsel durch Postbeamte stattfinde, wurde von uns auf Wunsch gutächtlich beantwortet und erklärt, daß diese Einrichtung einem wirklichen Bedürfnisse abzuhelfen geeignet sein würde, weil damit dem Geschäftsverkehr durch Abstellung mannigfacher Weiterungen und Kosten eine hochzuschätzende Förderung geschaffen würde.
Insbesondere waren wir auch mit der Ansicht vollkommen einverstanden, daß die Form der Protesterhebung wesentlich vereinfacht werden könne, jedoch müsse eG alS dringend wünschenswerth und nothwendig bezeichnet werden, daß die rechtzeitige Protesterhebung dem Auftraggeber gewährleistet würde.
An dieser Stelle müssen wir auch einer Zuschrift der Kaiserlichen Ober Post birection Darmstadt, die Einschränkung des PostdtensteS an Sonn- und Festtagen betreffend, erwähnen. Bet den Verhandlungen der evangelischen Landessynode für das Großherzogthum Hessen mir es gelegentlich eines Antrags auf strengere Handhabung der Sonntagsfeier als wünschenswerth bezeichnet worden, daß der Postdienft bei den Postanstalten des Grotzherzogthums angemessen eingeschränkt werde. Im Anschluß an dieses Schreiben der Ober-Postdirection gedachte das Kaiserliche Postamt dahier folgende Aenderungen an Sonn- und Festtagen eintreten zu lasten:
1) die Schließung der Annahme- und Ausgabeschalter bei dem Postamt, sowie bei der Zw.igstelle in der Stadt in der Zeit von 9 Uhr Vor- bis 5 Uhr Nachmittags, in Uebereinftimmung mit den Vorschriften des S 25 der Post- Ordnung und den bestehenden Einrichtungen bei den Postanstalten des deutschen Reichßpostgebiets außerhalb Hessens,
2) den Ausfall des dritten Bestellgangs der Briefträger (12</r Uhr Nachmittag-) und
3) den Wegfall des zweiten Bestellgangs der Packetbefteller (V/i Uhr Nachmittags).
Wir sprachen uns dahin aus, daß eS den Interessen unserer Stadt am meisten entsprechen würde, wenn der bisherige Dienst ohne jegliche B ffchränkung bestehen bliebe, weil die Post, welche ebensowohl wie der Telegraph und die Eisenbahnen dem öffentlichen Verkehr nach allen Richtungen hin dienen soll, zu keiner Tageszeit dem Publikum unzugänglich sein dürfte und daß wir in der Beschränkung des Dienstes bei der Post, aus den übrigen Verkehrsanstalten herausgehoben, nur eine Schädigung der Interessen des Handelsstandes auf diesem Gebiete erblicken könnten, zu welcher uns ein wirkliches Bedürsniß nicht vorzuliegen scheine.
Wenn übrigens die Postbehörde sich nicht veranlaßt fühlen sollte, unserer Ansicht beizutreten und Gießen die bestehenden Einrichtungen unverändert zu belassen, dann glaubten wir es doch als eine entschiedene Nothwendizkeit betrachten zu müssen, daß der Schalterdienst bei der Post ebenso wie der Telegraphendienst an Sonn- und Festtagen wenigstens an einer der beiden Poststellen, von welchen diejenige in bei Stadt jedenfalls vorzuziehen wäre, in der seitherigen Weise sottbestehen bliebe, wenn auch in diesem Falle der dritte Bestellgang der Briefträzer (12*/e Uhr Nachmittag-) und der zweite Bestellgang der Packetbesteller wegfallen sollten.
Unter thunlichster Berücksichtigung unserer Wünsche hat nun dir Ober-Postdirec- tion vom 1. December 1876 folgende Anordnungen getroffen:
„Die Brief-Annahme- und Ausgabestellen sowohl bei dem Haupt-Postamte, als auch bei der Zweig-Postanstalt in der Stadt werden an den gedachten Tagen auch fernerhin bet dem Haupt-Postamte von 8 Uhr Vormittag- (bezw. 7 Uhr fiüb während des Sommerhalbjahres) bis 9 Uhr Abend- und bei der Stadt-Postanstalt zu allen Jahreszeiten von 8 Uhr Vormittag- bi- 8 Uhr Abends für das Publikum geöffnet bleiben, dagegen kann vom 1. December ab das Aufgeben von Geld- und Packetsendungen an den Sonntagen nur bis 9 Uhr Vormittags und in der Zeit von 12 dis 1 Uhr Mittag- und 5 bi- 8 Uhr Nachmittags: an den nicht auf einen Sonntag fallenden Festtagen von 7 bezw. 8 Uhr bis 9 Uhr Vormittag-, 11 bi- 1 Uhr Mittag- und 4 bi« 8 Uhr Nachmittags erfolgen.
Die Orts-Brief- und Packetbestellung wird an den gedachten Tagen bi- 2 Uhr Nachmittags stattfinden, von da ab aber ruhen, zumal bisher schon nach den gemachten Erfahrungen Nachmittags der größte Thetl der Postsendungen alS unbestellbar zurückgeliefert worden ist."
Wir waren der Ansicht, daß zu einer Beanstandung dieser Aenderungen unserer- seitS kein Anlaß vorliege._________________________________________(Fortsetzung folgt).
Handel und Verkehr.
Gießen, 6. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. JL 1, Hühnereier, per Stück 7 Käse, per Stück 5—9 H, Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 16 H, Linsen, 1 Liter 18 H, Tauben, das Paar 50 Hübner, per Stück 70 H, Hahnen per St. 55 Enten JL 1 50, Kartoffeln 100 Kilo 6 JC 60
Frankfurt, 3. November. Der heutige Heu-und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qual, per Ctr. JL 2—3.40, Stroh per Ctr. X 2—2.40. Butter im Großen kostete das Pfund 1. Qual. X 1, 2. Qualität 90 im Detail 1. Qual. X 1.20—30, 2. Qual. X UO. Eier, da4 Hundert gewöhnliche X 6, italienische X 7.60. Kartoffeln 100 Kilogramm X 5—6. Weißkraut das Hundert X 15—24. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 75 H, Hammelfleisch 50—63 Kalbfleisch 65 diS 70 Schweinefleisch 75—80 H Erbsen, geschälte, (per 100 Kilogramm) 28-30 X, ganze Erbsen 21—29 x, weiße Bohnen 28—30 X, Linsen 30—34 X


