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empfehlende Erinnerung
*• Euler.
Mo. »07. Freitag, den 7. September 1877.
Amige- unb Amisbktl für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS 5?tontags. Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Brinaerlohn.
Srps-itio:»r Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
K m i k i ch e r H 6 e i k.
Gießen, am 5. September 1877.
Betreffend: Die Herbstübungen in 1877.
Das Grvßherzvgliche Kreisamt Gießen
an die Grosiberzoglichen Büraermeistereien.
Nach Mittheilung der Intendantur der 21. Division sind nunmehr die Vergütungssätze für die — außer Marschtagen —, an die Truppen zu verabreichende Mundverpflegung festgestellt und betragen dieselben, soweit sie im Kreise Gießen in Betracht kommen:
an dem Ruhetage 6. September.................47,3
an den Detachements-Uebungstagen (Cantonnements-Quartiere) 7.—10. September 66,3 „
Dr. Boekmann.
uminose.
Maisstärke,
Maliena,
\ Fuder,
\ Gelatine, \ condensirte F \ ».
8 Mdermrsk
y 8 Benedictine,
1 Pepsinliqueur 1 sowie alle sonstige " Spiri tuoltn
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inner und k»!w in Dosen.
und Eto-Caviar.
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MotiLisch
Deutschland.
Darmstadt, 5. Septbr. Die Nr. 40 des Großherzoglichen Regierungsblatts hat folgenden Inhalt:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 12. Juni l. Js. ge- rieth der 8jährige Sohn des Lehrers Diehl, Julius Diehl, zu Kelsterbach Beim Vaden im Main an eine tiefe Stelle, wo ihn die Strömung faßte und mit sich fortriß, so daß er in Gefahr kam zu ertrinken. Aus den Hülferuf in der Nähe befindlicher Personen eilte Friedrich Reuter II. von Kelsterbach herbei, sprang in seinen Kleidern in den Fluß und faßte den Knaben, wurde aber, da der letztere sich fest an ihn anklammerte und ihn hierdurch am Schwimmen hinderte, voraussichtlich ebenfalls ertrunken sein, wenn nicht Karl Börner von Kelsterbach in das Wasser gesprungen wäre und die Beiden glücklich an das Ufer gebracht hätte.
In Gemäßheit Allerhöchster Entschließung Se. Königl. Hoheit des Großherzogs wird diese muthvolle, mit eigener Lebensgefahr verbundene That des Friedrich Reuter II. und Karl Börner, neben erfolgter Bewilligung von Geldprämien, hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
2. Verzeichniß der Vorlesungen, Uebungen und Practica, welche im Studienjahre 1877—78 in den fünf Fachabtheiluugen der Großh. polytechnischen Schule zu Darmstadt gehalten werden.
3. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
4. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: der Schulamts-Aspirantin Amalie Gutfletsch aus Eudorf die erledigte sechste evang. Schulstelle zu Lampertheim zu übertragen; den Landge- stütsbeiknecht Hermann Breitwieser aus Ober-Ramstadt zum Landgestütsdiener zu ernennen; den auf die Gemeinde-Schulstelle zu Einartshausen präsentirten Schullehrer Peter Diehl zu Kelsterbach zu bestätigen ; den Gymnasial- und Realschullehramts-Aspiranten Dr. Edm. Körner aus Unterpreißen, im Kgr. Preußen, zum Lehrer an der höheren Mädchenschule zu Darmstadt zu ernennen; dem Lehrer an der zweiten evang. Schule zu Habitzheim, Friedrich Werner, die zweite Ge- meiude-Schulstelle zu Büttelborn, dem Lehrer an der ersten Schulstelle zu Messel, Ferdinand Hof. den Schulamts-Aspiranten Fortunatus Beck aus Griesheim und Philipp Epfenbach aus Eberstadt Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Pfungstadt zu übertragen; den auf die Gemeinde-Schulstelle zu Freienseen präsentinen Schullehrer Heinrich Katzeubach zu Merlau zu bestätigen; die Bediensteten des früheren Prinzlichen Marstalls, Leibkutscher Andreas Feldpusch zum Großh. Leibkutscher, die Kutscher Joseph Winter und Johannes Fischer zu Hoskutschern zu ernennen; dem Schulamts-Aspiranten Johann Heinrich Schäfer aus Hattenrod die erste Gemeinde-Schulstelle zu Ulrichstein, dem evang. Pfarrer Ludwig Fischer von Busenborn, dermalen zu Hainchen, die evang. Pfarrstelle zu Eichelsdorf, dem Schulamts-Aspiranten Anton Weil aus Rockenberg die fünfte Gemeinde-Schulstelle zu Bürgel, dem Schulamts-Aspiranten Christian Söllner aus Nieder Erlenbach die Gemeinde-Schulstelle zu Vadenrod zu übertragen ; den auf die erledigte dritte Gemeinde-Schulstelle zu Grütberg präsentirten Schullehrer Theoder Hof zu Grünberg zu bestätigen.
Am 21. Juli wurde dem Johannes Stumpf zu Lauterbach das Patent als Geometer 2. Klasse für den Kreis Lauterbach ertheilt.
5. Charakterertheilung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 26. März dem evang. Pfarrer und Dekan Georg Marx zu Echzell, im Dekanate Nidda, den Charakter als „Kirchenrath" zu erthetlen.
6. Dienstentlaffung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: den Conducteur bei der Main-Neckar-Etsenbahn Wilh. Karle II. ZU Frankfurt a. M. auf sein Nachsuchen zu entlasten.
7. Versetzungen in den Ruhestand. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hoben allergnädigst geruht: am 31. Juli den Leibkammerdiener des Höchstseligen Großherzogs Ludwig III., Jacob Fleck, unter dankbarer Anerkennung seiner mehr als fünfzigjährigen Dienste, den Hofofficianten Friedrich Balzer, die Hof- weißzeug-Verwolterin Margarethe Schiffler, den Hofmarschallamts-Kanzleidiener Johannes Heinrich Rausch, die Leiblaquaien Ludwig Desor und Johannes Wachtel, den Hofküchengehülfen Christoph Arnheiter, unter Anerkennung ihrer langjährigen Dienste, den Hofsilberverwalter Johannes Jöckel, den Hofzimmer-
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Wärter Christian Griebel, den Schullehrer an der katholischen Schule zu Lampertheim Johannes Böhmelmann, auf sein Nachsuchen, den Forstwarten der Forstwartei Nieder-Ohmen Heinrich Keber, auf fein Nachsuchen, in den Ruhestand zu versetzen.
8. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Eschollbrücken mit einem Gehalt von 771 43 ; eine mit einer Lehrerin
zu besetzende Stelle an der kath. Schule zu Bingen mit einem Ansangsgehalt von 1114^. 29 H; die evang. Pfarrstelle zu Freienseen mit einem dotations- mäßigen Gehalt von 1258 JL. Das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grafen zu Solms-Laubach zu.
9. Sterbefälle. Gestorben sind: am 28. April der Werkmeister i. P. Nicolaus Wamboldt zu Rockenberg; am 9. Juli der Schullehrer Georg Kraus zu Abenheim; am 24. Juli der evang. Pfarrer Justus Otto zu Neunkirchen; am 5. August der Gymnasiallehrer Professor Dr. Adolf Hüffell zu Darmstadt; am 8. August der Gymnasialdirector Dr. Joh. Baptist Geyer zu Bensheim; am 16. August der Landgerichtsactuar i. P. Ludwig Born zu Wald-Michelbach.
Darmstadt. Während der Kavallerie-Manöver werden Se. Majestät Kaiser Wilhelm Wohnung in den Assemblee-Zimmern des alten Resideuzschloffes nehmen, Se. K. K. Hoheit der Kronprinz des deutschen Reiches werden bei Allerhöchst Ihrem Schwager unserm Großherzog im neuen Palais am Wilhel- minenplatz absteigen und Se. Köntgl. Hoheit Prinz Friedrich Karl im Palais am Louisenplatz wohnen; in letzterem ist die Balcon-Etage für die Affemblöe der Allerhöchsten Herrschaften zur Besichtigung des Feuerwerks reservirt.
— Voraussichtlich wird die zweite Ständekammer gegen Ende September zusammentreten. Ihr zweiter Ausschuß ist zur Berathung der ihm überwiesenen Gesetz-Entwürfe wegen Austritt aus einer Kirche oder Religionsgemeinschaft und wegen des Erziehungsrechts der Eltern in Bezug auf die Religion ihrer Kinder auf Samstag den 8. l. Mts., Vormittags, einberufen.
Benrath, 5. September. Der Kaiser empfing heute Mittag 24 Vertreter der evangelischen Geistlichkeit des Regierungsbezirks Düffeldorf; auf die durch den General-Superintendenten gehaltene Ansprache erwiderte der Kaiser: Er könne nur wiederholen, was er bereits in den Erlassen an den Oberkirchen- rath und das brandenburgische Consistorium als seine Ueberzeugung, an welcher er ftstznhalten gedenke, und als das Fundament ausgesprochen habe, auf welch cm er in seinem Wirken und Handeln nach wie vor beharren werde.
Arankreich.
Paris, 4. Septtmber. Der Marschall Mac Mahon, der nach der Loire zu den Manövern abgereist ist, kehrt morgen noch Paris zurück, um den neuen nordamerikantschen Gesandten zu begrüßen und dann am Donnerstag nach Bordeaux zu gehen. Der Gemeinderath von Tours hat die Gelder für den Empfang des Marschalls verweigert. — Der Untersuchungsrichter von Cherbourg hat die Klage gegen die drei Personen, welche bei der Abfahrt des Marschalls riefen : „Es lebe die Republik I" abgewiesen.
Paris, 5. September. In den officiellen türkischen Kreisen wird erzählt, daß Suleiman Pascha es oufgegtben habe, den Schipka-Paß zu nehmen; dagegen wird in den nächsten Tagen eine Schlacht erwartet.,
Paris, 4. September. Nach weiteren Berichten über das Ableben Thiers' war derselbe bis nach Beendigung seines Dejeneurs vollständig wohl. Gegen 121/2 Uhr Mittags wurde Thiers von einem schweren Schlaganfall getroffen und dadurch der Sprache beraubt. Nach 20 Minuten trat vollkommene Erschlaffung ein, welche bis zum Tode anbauerte. Mac Mahon sandte der Gemahlin Thiers' ein Beiletds-Telegramm. Die Begräbniß-Feierlichkeiten sollen auf Staatskosten stattfinden. Es verlautet, Thiers solle im Jnvaliden-Dom beigesetzt werden, wenn seine Familie nicht widerspricht. Sämmtliche Zeitungen drücken das lebhafteste Bedauern über das Ableben Thiers' aus. Dem „Moniteur" zufolge dürfte die Reife Mac Mahon's nach dem Eüdosten wegen der Leichen-Feierlichkeit um einige Tage verschoben werden.
— Marschall Mac Mahon wohnte heute den militärischen Uebungen an der Loire bei und wird morgen hier zurückerwartet. — Der Ministerrath beschließt morgen definitiv über die Feierlichkeiten, welche bei dem Begräbnisse Thiers' stattfinden sollen.


