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So. 188. . Donnerstag, den -7. Juni 1899.
Kießemr Anzeiger
Anffige- und AmisdinN für den Krris Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hyeil. Bekanntmachung.
In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden, werden hiermit nachstehende Durchschnitksmarktpreise vom Monat Mai veröffentlicht.
Hafer 20 Jl., Heu 11,66 «A Stroh 11,34 per 100 Kilogramm.
Gießen, den 4. Juni 1877.
GroßherzogUches Kreisamt Gießen, v. Röder.
No. 23 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. Mai, enthält:
(No. 1191). Gesetz, betreffend die Kontrole des Reichshaushalts für die Rechnungsperiode vom 1. Januar 1876 bis Ende März 1877 und des Laudeshaushalts von Elsaß-Lothringen für das Jahr 1876. Vom 22. Mai 1877.
(No. 1192). Gesetz, betreffend die Erwerbung von zwei in Berlin gelegenen Grundstücken für das Reich. Vom 23. Mai 1877.
(No. 1193). Patentgesetz. Vom 25. Mai 1877.
No. 24 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 29. Mai, enthält:
(No. 1194). Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von 10,000,000 JL Vom 27. Mai 1877.
Gießen, den 5. Juni 1877.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Aolitischer Hheil.
Deutschland.
Darmstadt, 5. Juni. Nach längere Zeit vorausgegangenem leichten Unwohlsein ist bei Sr. König!. Hoheit dem Großherzog gestern eine wesentliche Verschlimmerung in deffen Befinden eingetreten, so daß Allerhöchstderselbe in Folge hohen Schwächezustandes im Bett zu bleiben genöthlgt ist.
Seeheim, 5. Juni 1877.
Dr. Göring, Leibarzt.
Berlin, 4. Juni. Schuwaloff, welcher heute von Petersburg abreist, überbringt eine halbosficielle Note an Lord Derby, welche nach erfolgter Billigung der darin enthaltenen Ziele den übrigen Mächten mitgetheilt werden soll. Die Erklärungen des Staats-Secretärs Croß sind als Unterlage der russischen Mittheilungen angenommen. England wird darüber beruhigt, daß Rußland mchl britische Interessen durchkreuzt. Die Note enthält die Möglichkeit einer zvitw.itigen Besetzung Konstantinopels behufs Erzwingung des Friedens. Ernst haste Verhandlungen hierüber stehen bevor.
Berlin, 4. Juni. Das Reichs-Gesundheitsamt hat daraus Hinweisen lasten, daß in neuerer Zeit Gummifiguren als Kinderspielzeug im Handel vor- lommen, welche in beträchtlicher Menge Zinkoxyd und, soweit sie bunt bemalt sind, auch Blei und Kupfer enthalten. Dieserhalb möge auf die große Gefährlichkeit dieses Spielzeuges hiugewiesen werden. Dieselbe Behörde stellt fest, daß unter den Todesursachen in Deutschland sich eine Wiederzunahme der Krankbeiten der Athmungsorgane bemerkbar macht. Bei den meisten Jnfections- .rtraukheiten zeigt sich dagegen eine Abnahme, nur die Todesfälle an Diphtherie haben eine Zunahme erfahren. Aus Schlesien werden nur zwei Fälle an Blut- Typhns gemeldet; an Scharlach verloren Burg, Elbing, Danzig und Bremen; an Diphtherie Burg. Dortmund und Kiel; die meisten Fälle an Keuchhusten Darmstadt. Der Ausbruch wirklicher Pest-Erkrankungen in Rescht am kaspi- schen Miere unterliegt, nach übereinstimmenden Nachrichten, keinem Zweifel mehr. Bei der bedeutsamen Lage dieser Stadt erregt das dortige Auftreten der gefürchteten Krankheit begreiflicher Weise große Unruhe.
Berlin, 5. Juni. Die „Kreuz-Ztg." erwähnt ein in diplomatischen Kreisen circultrendes Gerücht, wonach angeblich ein Besuch des britischen Botschafters, Lord Ruffell, bei dem Fürsten Bismarck zu Kissingen in naher Aussicht stünde. Zuverlässiges darüber sei der Zeitung bisher nicht bekannt geworden.
Hesterreich.
Wien, 4. Juni. Das „Tageblatt" meldet aus Prag vom Heutigen: Die Alt- und Jung-Tschechen errichteten heute Nacht Scheiterhaufen am Ziska- Berge, verbrannten das Bildniß des Papstes und deffen anti-russische Allocution unter dem Absingen von Nalional-Liedern. Es wurden bei dieser Gelegenheit mehrere tschechische Studenten verhaftet.
Wien, 5. Juni. Während der Anwesenheit des Czars bei der Donau- Armee werden sich Vertreter der Großmächte in Bukarest vereinigen. — Italien soll den Bey von Tunis bestimmt haben, die Absendung eines Hülfs-Corps für die Pforte zu unterlassen. — Serbien hat eine scharfe Protest-Note wegen der Besitznahme der Donau-Ufer bei Bujuklije durch die Türken nach Konstantinopel gerichtet. — Laut amtlicher Meldung aus Hermannstadt sind jenseits des Rothenthurm-Paffes 230 Mann russische Pioniere mit der Anfertigung von Pontons beschäftigt.
Pefth, 5. Juni. „Pesti Naplo" meldet: Die Garnison von Orsowa ist durch Honveds verstärkt worden.
Wien. Die Hoffnungen, welche die Türken auf ihre staatliche Donau- Flottille setzten, erfüllt sich nicht. Bereits zwei ihrer besten Schiffe sind vernichtet und wenn auch bei dem ersten der Zufall mehr als die Ueberlegenheit der Russen mitspielte, so zeigte jedoch der neueste, daß letztere mit größtem cri.zuerkennendcm E.fer durch Anlage von Ufer-Batterieen und Legung von Torpedos die ganze tmkische Flottille sammt den unbezwinglichen Monitors in eine Sackgasse zu drängen, oder zu vernichten auf dem besten Wege sind. Ueber- Haupt ist es nicht zu läugnen, daß die Russen sich die Erfahrungen aus dem deutsch-französischen Kriege sehr zu nutz gemacht haben.
— Wenn man die zu Ende gehende Bewegung der russischen Armee mit ihrem kolossalen Train noch einmal in>s Auge faßt, muß man anerkennen, daß sich dieselbe mit großer Präcision vollzog und Zeugniß von einer ebenso intrlli- genten, als vorsichtigen Leitung gibt. Die Türken sehen dem Allen in behaglicher Ruhe zu und unternehmen nichts, was den Gegner in seinen Bewegungen hindern, seine klar zu Tage liegenden Absichten durchkreuzen könnte, sondern warten gemüthlich ab, bis das Kismet an sie herantritt.
Arankreich.
Paris, 3. Juni. In Folge der Untersuchung über die bei einer in St. Denis abgehaltenen Versammlung gesprochenen Worte wurde Bonnet Duver-Dier, Präsident des Pariser Gemeinderathes, gestern Abend verhaftet.
Paris, 4. Juni. Decazes stattete dem russischen Botschafter, Fürsten Orloff, einen Besuch ab, um sein Bedauern über die Angriffe auszudrücken, welche die gouvernementalen Journale wegen seines angeblichen Zusammentreffens mit Gambetta bei Thiers gegen ihn richteten.
Paris, 4. Juni. Der Conseils-Präsident, Herzog v. Broglie, erklärte bei dem Empfang der Mitglieder des Handels-Tribunals: der Cabinets-Wechsel hatte nur den Zweck, die Ordnung im Lande sicherzustellen; die Regierung wünscht nicht nur den Frieden, sondern wird auch Alles aufbieten, die Aufrechterhaltung deffelben zu sichern.
Iielgien.
Brüffel, 4. Juni. Bei dem Feste zu Lüttich wies der König in seiner Antwort-Rede an den Bürgermeister auf die ernste Lage Europas und die Verpflichtung Belgiens Hin, für neue militärische Ausgaben die Bewilligung der Kammer nachzusuchen; ferner sprach er Fröre Orban gegenüber die Hoffnung auf deffen Mitwirkung bei den betr. Regierungs-Vorlagen aus.
Brüffel, 4. Juni. In einer Correfpondenz des „Nord" aus Petersburg heißt es: Wenn Rußland nach dem Uebergang über die Donau fein Programm durchführen könnte, wenn ferner die feste Haltung der europäischen Mächte gegenüber der Pforte die letzteren durch die russischen Waffen erthellten Lehren vervollständigen würde, so könne ein billiger und angemeffener Frieden geschloffen werben, ohne daß es nothwendig sei, den Krieg bis zum Aeußersten fortzusetzen.
Italien
Nom, 3. Juni. Der Papst wird im nächsten Consistorium vor den Cardinälen eine geheime Allocution verlesen, welche man mit Spannung erwartet, weil dieselbe Instructionen übe^ die Zukunft des Papstthums und des Cardinal-Collegiums enthalten solle. Sichere Candidaten zum Cardinalat sind die Erzbischöfe von Wien, Agram und Bologna. Rücksichtlich zweier andern sind die Unterhandlungen noch nicht beendet und es findet deren Ernennung deshalb entweder in petto oder erst zur Weihnachtszeit statt.


