Frankreich.
Eine Botschaft des Fürsten, welche heute in bei« löst den Senat auf und schließt die Session der
Bukarest, 4. April, den Häusern verlesen wurde, Deputirten-Kammer.
Falk und dergleichen Dinge mehr, Oie man hoffentlich noch kaum zu dementiren braucht. Auch in der Leitung des Reichskanzler - Amts wird zunächst Mu Wechsel eintretcn; Angaben über Unterhandlungen mit Delbrück erhalten sich und haben insofern etwas für sich, als derselbe mit Bismarck in den freundschaftlichsten Beziehungen geblieben ist und sein Wiedereintritt in den Re-chs- dienst in keiner Weise einen demonstrativen Charakter haben würde. Eine solche Berufung soll namentlich in den ausgesprochenen Wünschen einiger gewichtigen Bundes-Regierungen liegen: Schon vor etlichen Jahren war davon die Rede, dem Reichskanzler einen Stellvertreter in demselben Lerhältniß an die Seite zu stellen, wie man cs mit dem Vice-Präsidenten des Staats-Ministeriums neben dem Minister-Präsidenten in Preußen gelhau hat. Schon damals war Delbrück für eine solche Stellung in Aussicht genommen. Es wird indeffen in allernächster Zeit kaum ein endgültiger Beschluß zu erwarten fein. Uebrigens liegen bereits telegraphische Berichte über den Eindruck des Ercigniffcs im Auslande vor. In Frankreich herrscht Heller Jubel, der nur dadurch beeinträchtigt wird, daß man d'.e Nachricht für nicht glaubhaft hält. In England wirkt der Vorgang befremdend; man tröstet sich damit, daß er die beste Gewähr für die friedliche Signatur der europäischen Politik sei. Auch in Wien begrüßen gewisse Kreise, natürlich nicht die Freunde Preußens und die Anhänger Andrassy's, den Rücktritt Bismarck's mit unverhohlenem Jubel. Dem gegenüber wird uns verbürgt versichert, daß, wie die Dinge jetzt stehen, jede ernsthafte Verwicklung mit dem Auslande Bismarck sofort wieder an die Spitze der Geschäfte zurück führen würde. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß nach dieser Richtung hin feste Abreden getroffen und Zusicherungen von höchster Stelle gewünscht und gegeben worden sind. Insofern erscheint der Zweifel, der den Jubel des feindseligen Auslandes beeinträchtigt, nicht ohne Berechtigung.
Berlin, 5. April. Bismarck empfahl außer Camphausen zu seinem Vertreter auch Herrn v. Bennigsen. Die Entscheidung ist verschoben bis nach der Rückkehr des Kronprinzen von Hannover.
— Hinsichtlich des Urlaubs-Gesuchs des Fürsten Bismarck ist die Sachlage unverändert. Alle Gerüchte über seinen Rücktritt werden wiederholt auf das Entschiedenste für unbegründet erklärt. Es handelt sich nur um die kaiserliche Entschießung über die Stellvertretung des Reichskanzlers während der Dauer seines Urlaubes.
zum Kaiser und trug sein Gesuch mündlich vor. Seine Majestät wollte höchstens von einem längeren Urlaube hören und behielt sich die Entscheidung vor. Am 1. April, am Geburtstage des Fürsten, gratulirte der Kaiser in Person, es kam aber in Gegenwart Anderer zu keiner geschäftlichen Erörterung. Bis gestern Morgen war die kaiserliche Entscheidung noch nicht erfolgt. Fürst Bismarck ist sehr ungeduldig und will jedenfalls vor Wiedereröffnung d<s Reichstages nach Varzin abreisen. Damit stimmt folgende Mittheilung der „Tribüne" : „Indem der Fürst sich auf die immer dringenderen Vorschriften seiner ärztlichen "Rathgeber beruft, die ihm Ruhe und Enthaltung auserlegen, soll ti zugleich die bestimmte Erklärung abgegeben haben, daß er sich bei s.inem rügen blicklichen Körperbefinden außer Stande fühle, auch nur einer einzigen parlamentarischen Sitzung noch beizuwohnen. In seiner Absicht liegt es, sich in nächster Zeit auf fein Gut Varzin zu begeben, wobei es dahingestellt bleibt, ob er nach ärztlichem Rath im Mai die gewöhnliche Kur in Klssingen brauchen oder nach dem Wunsche seiner Familie sich zu einer längeren Reise, vielleicht nach England, entschließen wird." Vorläufig wird an nichts anderes gedacht, als die Person des leitenden Staatsmannes durch diejenigen Reflortchess za ersetzen, deren Dienstzweige den engeren Wirkungskreis des Reichskanzlers umschließen. So wird die Vertretung deffelben an der Spitze des preußischen Staats-Ministeriums der Vice-Präsident des letzteren, Herr Camphausen, übernehmen. Im Reiche fällt die Stellvertretung für das Reffort des Auswärtigen dem Staats-Secretär v. Bülow und im Uebrigen dem Präsidenten des Reichskanzler-Amts, Hofmann, zu, der gestern Vormittag vom Kaiser in länge rer Audienz empfangen wurde. — Aus Petersburg liegen hier Nachrichten vor, wonach für jetzt die Friedenspartei entschieden die Oberhand hat.
Berlin, 4. April. Fürst Bismarck hat seine sämmtlichen Geschäfte bereits abgegeben; er ist von jeder Arbeit frei und die Stellvertretung in Wirksamkeit. Der Tag der Abreise ist unbestimmt, der Entschluß darüber hängt vom Wetter ab. Der Fürst wollte schon gestern reisen, jedenfalls gehr er vor dem Wiederbeginn des Reichstages; dagegen hat er für seinen Sohn, den Grafen Herbert Bismarck, z. Z. Botschafts-Secretär in Wien, Urlaub erbeten, da dieser ihn zunächst nach Varzin, vielleicht auch auf seiner späteren Reise, begleiten soll. Der Eindruck des Ereignisses in allen Kreisen der Residenz ist außerordentlich. Die eingetretene Lücke gibt begreiflicher Weise zahllosen Gerüchten und Combinationen Raum, die indeffen alle sehr einfach auf die Empfindungen zurückzusühren sind, mit welchen der Rücktritt Bismarck's von den verschiedenen Seiten begleitet wird. Im ultramontanen Lager herrscht ungezügelter Jubel. Der unlängst schwer erkrankte Windthorst (Meppen) ist, wie feine Freunde erzählen, so weit in der Genesung vorgeschritten, um bald wieder an den parlamentarischen Arbeiten Theil nehmen zu können. Aus diesen Kreisen kommen bereits allerlei Gerüchte über den nahen Rücktritt des Cnltus-Miuisters
— Layard ist heute hier angekommen. — Der „Soir" will erfahren haben, die Direction der französischen Bank habe gestern im Princip die Herabsetzung des Disconls auf 2 pCt. beschlossen.
Italien
Rom, 4. April. Der italienische Botschafter in Paris, General Cial- dini, wurde vom König empfangen, der mit ihm eine längere Besprechung hatte. — Das Befinden des Papstes ist fortdauernd zufriedenstellend; derselbe hielt heute in der Galerie Raphael Empfang ab, ohne getragen werden zu müffen.
Türkei.
Konstantinopel, 4. April. Dem Vernehmen nach wird Seitens der Pforte das Protokoll, nachdem daffelbe ihr nokificirt sein wird, durch eine Depesche an ihre Vertreter bei den sechs Großmächten beantwortet werden.
Rumänien
Bukarest, 3. April. Die Deputirten-Kammer hat mit 49 gegen 17 Stimmen die Versetzung des ehemaligen Ministers Boeroscu in den Anklagestand beschlossen. Fünf Mitglieder der mit Verfolgung der Anklage gegen die ehemaligen Minister betrauten Commission sind aus derselben ausgeschieden, Rach ihrer Wiederergänzung wird die Commission die Anklage vor dem Caffa- lionshof vertreten.
— Anläßlich des Umstandes, daß sich in einigen Theilen des Donau- Vilajcte eine gewisse Aufregung bemerkbar gemacht hat, ermahnte der General- Gouverneiir Sadvk Pascha vermittelst Circulärs die Behörden aufls Strengste, jeden Conflict mit den christlichen Bewohnern zu vermeiden. Der englische Consul in Rnstschuk wird demnächst daS Innere Bulgariens bereisen.
Serbien.
Belgrad, 3. April. Vorgestern während d«s Zapfenstreiches wurden die Fenster des italienischen Conjulal-Gebäudes cingeschlagen; das Amtsblatt drückt heute das Bedauern der Regierung über diese unliebsame Störung aus, deren sich zwei fremdländische Knaben, jedoch ohne böswillige Absicht, schuldig gemacht hätten. — Zur Ausarbeitung des Entwurfes einer neuen Armee- Organisation ist eine besondere Commission eingesetzt.
Griechenland.
Athen, 3. April. Das Gesetz über die Armee-Reserve soll unverzüglich in Wirksamkeit treten. Drei Uebungslager werden zusammengezogen. Die Regierung hat sechs Batterien Krupp'sche Geschütze angekauft. Die Kammern sollen am 7. Mai zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten.
Amerika.
Washington, 2. April. Im Monat März hat sich die BundcS- Schuld um 2 4,107,000 Doll, vermindert, mit Inbegriff von t#,oo4,0uu ^oll. annullirter Bonds, welche behufs der nach dem Genfer Vertrage zu leistende Entschädigung ausgegeben waren. Im Bundes-Schatz befinden sich gegenwärtig 68,818,000 Doll, in Gold und 8,175,000 Doll, in Papiergeld.
Washington, 3. April. Aus Wunsch des republikanischen Gouver, neurs von Süd-Carolina, Chamberlain, hat der Präfident Hahes die Zurück- berufung der Bundes-Truppen bis auf Weiteres verschoben. Chamberlani motivirt sein Gesuch mit dem Hinweis auf die schwere Schädigung, welche den Republikanern hierdurch widerfahren würde, da dieselben keine weiter a Mittel hätten, den Demokraten zu widerstehen.
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Hauswirthschaftliches.
Mocca Sacca-Kaffec Die Expott-Dampf-K ffee-Rüsteret der Gebrüder S tenis in Magdeburg bringt seit unber Seit ein Kaffeesurrogat unter dem Namen S^ntenis Mocca-Sacca Kaffee" in bin Handel, welches vermöge seiner Besch ff nyeg und Billigkeit sich bereits in starkem Nwßc in den Haushaltungen Eingang verschalst hat- Dieser Mocca-Sacca-Kaffee ist nach dem Gutachten bebcutenber Chemiker bn« eiste Surrogat, welches bie wohlthätig anregende Wirkung und den Geschmack des Kaffees nicht deeintiächtigt, sondern benseldsn zu -inem Nahrungsmittel erhebt US rsüllt bie Bedingungen, den Kuffee wohlfeiler zu machen, ohne b ess en Selch mack w verändern ober den Kaffee selbst zu verdrängen und ergänzt bre Nährstoffe, soweit btjt bei der Bereitung des Kaffees gclöst werben. Die Analyse bes Sintenis Mocca-Sacca Kaffee erqiebt i en ^ehalt von 11 Procent plastischen und 69 Procent respiratoriichm Nährstoffen ein Vihältmß, bas bem natur em äßen MischungSverhaltlutz der mcnscy- licheri Nahrung am nächsten steht und den Kaffee durch den Zusatz dieses Fabrikats m einem normalen Nahrungsmittcl macht, war bet andern Surrogaten nicht der Kall tjt Der Sacca-Kaffec kommt nir in gemahlenem Zustande in den Handel und ist derselbe b-nn gemahlenen gebrannten Kaffee täuschend ädulich an Farbe, Körnung Geruch und Geschmack. Er wirb so angewendet, daß von der üblichen Menge Kaffeebohnen - weniger genommen und dieses durch den Sacc^K^ffce ersetzt wird io daß man allo iu 2/. Theilen Kaffee V3 Theil Sacca milcht. Das Preisoerhältniß stell, sich so, bah bei dem Verbrauch eines dulden Kilo Kaffee 70 Ä^efpart werden. Will m.n noch b- deutender sparen, so nimmt man noch weniger Kaffee und einen größeren Zusatz voi
PariO, 4. April. Der Rücktritt des Fürsten Bismarck ist das Ereig- niß des Tages; alle Blätter sind voll davon. Der Eindruck ist ein so gewaltiger, als hätte Frankreich einen großen Sieg gewonnen. Der „Moniteur" findet es ganz in der Ordnung, daß Bismarck nach fünfzehnjähriger Arbeit sich ermüdet fühle; da dem Organ des Herzogs Decazes aber jede Gelegenheit recht ist, um Simon einen Hieb zu versetzen, so bemerkt es, Simon, der dock sicherlich nicht die Last dcö Reichskanzler»- zu tragen habe, sei schon so erschöpft, daß er eine Erholungsreise «ach Italien angetreten habe. Das „Univcrs" zeigt heute an, es werde keine Veränderung in seiner Leitung erfolgen, sondern Louis Veuillot das einzige Haupt und der einzige Leiter des Blattes bleiben.
— Gestern Abend herrschte hier stille Freude, weil die Börsengerüchte den Abschied des Fürsten Bismarck als sicher hiustellten. Der „Figaro" meldet heute Morgen gar, der deutsche Botschafter habe gestern in einer Soiröe das Gerücht vom Abgänge des Reichskanzlers bestätigt, und er wie andere Quellen wiederholen eine umlaufende Erzählung, daß Für' Hohenlohe zum Nachfolger Bismarck's ausersehen sei. Der „Figaro" schreibt da mehr als er verantworten kann, und von der deutschen Botschaft aus sind diese unnützen Behauptungen schon heute dementirt worden. Der „Moniteur" warnt seine Leser vor übereilten Hoffnungen und hält ihnen vor, „daß eine dauernde Un- thätigkeit Bismarck's weder von ihm noch von dem Charakter des Deutschen Kaisers zu erwarten fei.*
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Frisch b äcker ; u Gießtn.
Sonntag b en 8. April 1877. Louis Keil in den Neuen-Büue». Emil Sauer auf bem Selterswea. Wilh. Lang in der Neustadt-
I Kirchliche Anzeigen
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Sonntag, den 8. April. Morgens: Pfarrvicar Schöner. Nachmittags: Pfarrverwalter Schlosser- Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 8. bis 14. April besorgt Pfarrvicar Schöner.
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