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Der Vorstand.

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No, 79. Samstag, den 7. April 1877.

Aiyeigk- eai AmtsM fit tai Kreis Sichen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags» P^eis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18. £l Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

B e k a n n t m a ch u n g.

Durchschnittspreise im Monat Marz 1877.

Hafer Jt. 19,75, Heu «X 11,38 und Stroh JC. 11,38 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 5. April 1877.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. x I. V. d. K.

Dr. Hoffmann, Regierungsrath.

Ermordung

eines unbekannten Frauenzimmers.

Vor 1112 Jahren verlor ein unbekanntes Frauenzimmer in dem Rheingau bei der Eisenbahnstation Oestrich-Winckel eine Tasche mit Geld.

Das Frauenzimmer wird beschrieben als frisch, blühend, schön, nicht sehr groß, kräftig gebaut, zwischen 2436 Jahre alt, dunkelblondes Haar ge­flochten, in ein Netz zusammengelegt, es trug kleines rundes Hütchen mit schwarzem Schleier, schwarz seidenes Kleid mit Garnirungen, schwarz seidene mit Spitzen besetzte Mantille, auf dem Arm eine gewirkte Doppel-Shwal.

Die verlorene Tasche wird beschrieben als ein wunderschönes Perlentäschchen mit vergoldetem Schlößchen.

In demselben soll sich eine sehr große Geldsumme, Papiergeld, große Scheine, in verschiedene mit rothen Bändchen umbundene Päcke geordnet, sowie auch Gold, vielleicht auch eine goldene Damenuhr mit Kette befunden haben.

Es wird auch angegeben, dieses Perlentäschchen hätte wieder in einer Ledertasche gesteckt, an welcher sich ein Stahlkettchen zum Tragen befand, und der Verlust der Tasche sei dadurch verursacht worden, daß dieses Kettchen sich unbemerkt ausgehängt habe.

Das Frauenzimmer sprach gut deutsch und wird nach einem allgemeinen Gerücht alsGouvernante oder Kammerjunger" einer englischen Familie be­zeichnet, welcher das Geld von ihrer Herrschaft anvertraut gewesen sei.

Es ist auch angegeben, aber bis jetzt nicht bestätigt, sie habe Jenny v. Wolff geheißen, eine Stelle bei einer gräflichen Herrschaft gehabt und sei von dieser allein von London aus nach Frankfurt a. M. geschickt worden um dort bei einer Bank Geld zu holen, mit dem empfangenen Gelde habe sie die Rückreise durch das Rheingau gemacht, sei zu Hattenheim aus dem Eifenbahnzuge ausgestiegen und zu Fuß, um sich die Gegend anzusehen, bis an den jetzigen Bahnhof von Oestrich-Winckel gegangen. Auch alsEngländerin" und alsDame von Frankfurt" wird sie bezeichnet.

Dieses unbekannte Frauenzimmer verschwand damals spurlos und es ging das Gerücht, sie habe sich im Rheine ertränkt.

Auch ist einmal behauptet worden, ein Graf sei wegen ihres Verschwindens zu Coblenz oder einem anderen mehr rheinabwärts gelegenen Orte in Untersuchung und Haft gewesen.

Am 10. Mai 1876 wurde aber zu Oestrich das Scelett einer weiblichen Leiche aufgefunden und sind nach ärztlichem Gutachten mindestens 10 Jahre seit dem Tode der Person verflossen. Dieselbe ist durch einen Sckuß in den Kopf getödtet und die Untersuchung ergiebt den dringenden Verdacht, daß die Leiche diejenige des erwähnten Frauenzimmers und daß dieses von dem Finder des Geldes ermordet worden sei.

Wir ersuchen um gefällige Nachricht, falls Jemand über die Person der Verschwundenen oder überhaupt in dieser Sache Auskunft zu geben vermag. Gießen, am 5. April 1877.

Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Ge f u n d e n e G e g e « st a n d e:

Eine Uhrkette, 1 Holzaxt, 1 Schürze, 1 Messer, 1 Peitsche, 1 Cigarrenetuis, 1 Zwanzigmarkschein (vor mehreren Monaten gefunden, seither Gegen­stand einer anhängig gewesenen Untersuchung).

Gießen, den 4. April 1877.

Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

e Fresenius.

Pfarr-Conferenz.

Mittwoch den 11. April, Morgens 10 Uhr.

Lang-Göns, den 5. April 1877.

Strack, Decan.

politisch

Deutschland.

Berlin, 4. April. Wie dieProv.-Corresp." meldet, hat Fürst Bis­marck, besten Gesundheit in Folge der anstrengenden und aufreibenden Thätig- Ieit in letzter Zeit neuerdings schwer angegriffen ist, dem Kaiser den dringenden Wunsch zu erkennen gegeben, von seiner amtlichen Stellung im Reich und Preußen entbunden zu werden. Bis jetzt ist eine endgültige Beschlußnahme Seitens des Kaisers noch nicht erfolgt; es dürfte jedoch aller Voraussicht nach dem Reichskanzler ein längerer Urlaub, unter vollständiger Entbindung aller Betheiligung an den Geschäften, ertheilt werden. In Folge besten wird eine volle Vertretung einerseits für die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, andererseits für die Oberleitung der inneren Reichs-Angelegenheiten in Verbin­dung mit der preußischen Staatsregierung angeordnet werden. Bismarck begibt sich voraussichtlich baldigst nach Laueuburg. DieProv.-Corresp." bestätigt, daß der Kaiser dem am 24. April stattfindenden Jubiläum des Groß- Herzogs von Baden beiwohnen wird.

DieProv.-Corresp." erwähnt die Unterzeichnung des Londoner Protokolls, das unverweilt der Pforte mitgetheilt wurde, und knüpft daran die Hoffnung, daß diese feierliche Kundgebung des Einverständnistes aller Mächte die Pforte nunmehr bestimmen werde, volle Garantieen für die berechtigten Forderungen Europas zu geben und dadurch die bisher drohende Kriegsgefahr zm beseitigen. Deutschland habe sich auch in den neuesten Verhandlungen die Förderung des Einvernehmens zwischen den Mächten, und namentlich zwischen

er Hh eif.

England und Rußland, im Jntereffe des europäischen Friedens nach jeder Rich­tung hin angelegen sein lasten.

Berlin, 4. April. Auch nach Unterzeichnung des Protokolls führen die russischen Blätter noch eine sehr übermüthige Sprache. So schreibt die Russische Welt" :Wir leihen selbstverständlich den ausländischen Telegram­men über die vermeintliche Bereitwilligkeit Rußlands, abzurüsten, gar keinen Glauben." DasJournal de St. Petersbourg" schreibt geradezu:Bei dem Gange derparlamentarischen" Debatten in Konstantinopel muß man unglück­licher Weise einen friedlichen Ausgang der begonnenen Verhandlungen bezwei­feln." Das Protokoll erklären die russischen Blätter für einen Sieg der russi­schen Diplomatie und geben ihm eine Deutung, die mit den westeuropäischen Nachrichten nicht übereinstimmt. Judesten mehren sich doch die Nachrichten, die für den Frieden günstig lauten. Wenn es sich bestätigen sollte, daß Rußland in Cettinje mäßigend einwirkt, so wäre das allerdings ein friedliches An­zeichen mehr.

Die Nachrichten der Morgenblätter über die Kanzlerfrage find größ- tentheils unverbürgt unrichtig. Die beglaubigtste derselben ist folgende: Fürst Bismarck gab seinen Entschluß, seine Entlastung zu nehmen oder sich wenigstens auf ein Jahr von allen Staatsgeschäften zurückzuziehen, in bestimmter Weise zuerst am vorigen Donnerstag zu erkennen. In einer Sitzung des Minister­raths, die vor Ostern abgehalten wurde, erklärte der Fürst, dies werde wohl das letzte Mal fein, daß er dem Ministerrathe beiwohne, seine Arbeitskraft sei erschöpft und er bedürfe der Ruhe. Nach dem Ministerrathe begab er sich