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Amtlicher H h e i l.

Gießen, am 2. Februar 1877.

»«treffend: Da« Erfatzgefchäft für 1877.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoqlichen ^ürqermeistereim des Kreises.

Wir fordern Sie auf, nunmehr mit der Aufstellung der Stammrollen sofort zu beginnen und dieselben mit denjenigen für 1875 und 1876 säumt an uns einzusenden.

3* D. 0. St.:

Dr. Hoffmann, Regierungsrath.

Gießen, den 5. Februar 1877.

Betreffe nd' Die Löschung der Feuersbrünste, hier die Verpflichtung der benachbarten Gemeinden zur Hülfeleistung.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen

«n die Großherzoglichen Bürgermeistereien Grünberg, ßumta, Weitershain, Stangenrod, Beltershain, Stockhausen und Rüddingshausen.

Von Großherzoglichcm Kreisamt Alsfeld ist uns die Mittheilung gemacht worden, daß die nachstehend genannten Gemeinden des dortigen Kreises den neben anaefügten Orten des Kreises Gießen bei einem Brandausbruch in letzterm mit den dabei angegebenen Löschgerathschaften und Mannschaften zu Hülfe eilen würden und der Wunsch um Mittheilung ausgesprochen worden, ob und in welchem Maße die Alsfelder Gemeinden auf gegenseitige Hülfeleistung xedjnen fßmtkm Ihrem z^richte entgegen, wie viel Mannschaft und mit welchen GerLthschaften In der Regel die betreffenden Gemeinden unseres

Kreises nach den anderen genannten Gemeinden abzusenden, in der Lage sein dürften.

v. R ö d e r.

1. Atzenhain

mit Spritze 12 Eimer und 25 Mann nach

Grünberg, Lumda, Weitershain, Stangenrod und Beltershain.

2. Bernsfeld

H ff 12 H 25

Weitershain.

3. Flensungen

n ,/ 12 11 23

Grünberg, Stockhausen.

4. Höingen

5. Ilsdorf

12 n 25

mit Spritze 12 12

Rüddingshausen.

Grünberg, Stockhausen.

6. Lehnheim

7. Schadenbach

it 12 * 10

Grünberg, Beltershain, Stockhausen. Rüddingshausen, Weitershain.

politisch

Deutschland.

Darmstadt, 2. Februar. In der heutigen Sitzung der zweiten Kam­mer wurde zunächst das Gesetz über die Volks - Schullehrer * Gehalte in erster Lesung beendigt und die zweite Lesung auf nächsten Montag bestimmt. Sodann wurde bezüglich der Eingabe mehrerer katholischer Ortsbürger der Gemeinde HeimerSheim wegen Erhaltung der kleinen katholischen Eonsessions-Schule gegen­über dem willfährigen Beschlüsse der ersten Kammer aus dem früheren ableh­nenden Beschluste beharrt. In gleicher Weise wurde ein Gesuch von Dorn- Dürkheim abgelehnt. Bezüglich des Antrages Schröder, die Aufhebung der den Standes-Herren rc. zustehenden Patronats- und Präsentations-Rechte bei Besetzung von Pfarreien und Schulstellen betr., wurde gegenüber dem ableh­nenden Beschluste der ersten Kammer auf dem früheren Beschlüsse beharrt. Aus Veranlassung einer Petition israelitischer Bewohner von Bad Nauheim wird beschlosten, die Regierung um schleunigste Revision der Verordnung vom 2. November 1841, die Bildung der Vorstände der israelitischen Religions- Gemeinden betr., oder, wenn diese Revision nicht sofort vollzogen werden könne, um provisorische Abhülfe durch einstweilige Einführung jener Verordnung in dem fraglichen vormals kurhessischen Orte zu ersuchen. Nach Erledigung einzelner Petitionen von weniger allgemeinem Jntereste ward vom Abg. Hirsch­horn Bericht über den Antrag v. Rabenau und Schröder, betr. Reform der Eisenbahn-Tarife, erstattet und nach erkannter Dringlichkeit in die Berathung eingetreten. Diese endete damit, daß der von den Antragstellern genehmigte Ausschuß Antrag angenommen ward, dahin gehend, die Regierung zu ersuchen, wenn irgend thunlich, nur nach Anhören der Vertreter der Handelskammern, sowie der größeren industriellen und landwirthschaftlichen Corporationen über alle wesentlichen Fragen zur definitiven Einführung zu schreiten.

Berlin, 3. Februar. In der heutigen Sitzung deS Abgeordnetenhauses wurde zunächst die Vorlage über Abänderung der Grund-, Elasten- und Ein­kommen-Steuer an die Budget-Commission verwiesen. Hinsichtlich des Nach­weise-, betr. den für den Etat der Eisenbahn-Verwaltung im Jahre 1875 aus­gesetzten DispositionS-Fond- von 10 Millionen, ertheilte das Haus auf den Bericht der Budget-Commission Decharge, und genehmigte sodann nach längerer Debatte in zweiter Lesung unverändert den Etat des landwirthschaftlichen Mini­sterium-. Auf erhobene Anfrage wurde vom Minister Friedenthal die Förde­rung der Canal-Bauten in der Provinz Hannover zugesichert und dabei zugleich erklärt, daß die Verhandlungen mir Holland wegen Anschluß des holländischen Eanal-Systems an das deutsche dem Abschluste nahe seien. Der Antrag des Abg. Kräh wegen Bethülfe des Staates zu den Deichbauten auf der Wilster

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Marsch wurde an die Budget-Commission verwiesen. Nach Erledigung des von letzterer Commission erstatteten Berichtes über die Rechenschafts-Ablage be­züglich der Consolihation von Staats-Anleihen genehmigte das Haus in Fort- etzung der zweiten Lesung des Staatshaushalts-Entwurfes die Etats der Porzellan-Manufactur, des Herren- und Abgeordnetenhauses unverändert. Bei dem Etat der allgemeinen Finanz-Verwaltung wurde auf Antrag Walcher's nach längerer Debatte beschlosten, die Position, betr. die Wohnungs-Geld-Zu- chüste für die bei den Ober-Präsidien angestellten Beamten, an die Budget- Commission zu verweisen. Gegenüber Ausführungen des Abg. v. Heereman äußerte sich der Minister des Innern dahin, die Regierung müsse sich bei Durchführung des Culturkampfes aller ihr zu Gebote stehenden Mittel bedie­nen; ob dabei immer geschickt verfahren werde, laste sich hier nicht entscheiden. Schließlich wurden noch die Etats der allgemeinen Finanz-Verwaltung und de- Ministeriums deS Innern, letzterer bis einschließlich des Titels über die Ver­waltung der Straf-Anstalten, nach unerheblicher Debatte angenommen, gort» etzung der Berathung am Dienstag.

Berlin, 4. Februar. Die Proteste gegen dieReichsglocke haben nach derTribüne" mit der Verurtheilung der beiden Sitz-Redacteure Talchau und Schellenberg zu U/2 resp. zu 3 Jahren Gefängniß noch nicht ihr Ende erreicht, vielmehr find auch gegen den Redacteur Joachim Gehlsen, den Lega- tions-Secretär v. Loe und den Legationsrath a. D- Hermann v. Arnim (die sich sämmtlich im Auslande befinden) als Verfaster verschiedener, in derReichs­glocke" veröffentlichter strafbarer Artikel Anklagen erhoben worden. Die gericht­liche Verhandlung steht für den nächsten Monat bevor.

Berlin, 5. Februar. Die mündliche Verhandlung in der UntersuchungS- sache gegen den Dr. Rudolph Meyer wegen Beleidigung deS Fürsten Bismarck findet am 14. Februar, Vormittags 11 Uhr, statt. Als Zeugen sind vorgela­den v. Kardorff, v. Bethmann-Hollweg, v. Bleichröder und General-Landschasts- rath v. Blanckenburg. r , . - .

Straßburg, 5. Februar. Der Landes-Ausschuß ist soeben durch den Bezirks. Präsidenten Ledderhose mit einer Rede eröffnet worden, in welcher nach Erwähnung der Krankheit des Oberpräsidenten v. Möller, der indeß noch im Laufe der Session erscheinen zu können hoffe, außer dem Etat unter anderen Gesetz-Entwürfen auch solche über die Abänderung des Weinsteuer-GesetzeS und die Errichtung von Apotheken angekündigt «erden. In seiner Erwiderungsrede gab der Alterspräsident seinem lebhaften und tiefen Bedauern über die Krank­heit des Oberprästdenten Ausdruck; trotz desten Abwesenheit begegne man hier aber wiederum den VersöhnungS-Prineipien, zu denen jener sich bekenne und in die sich die Anwesenden hineingelebt hätten. Redner gedachte ferner der in dem