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Paris, 5. Januar. Aus Konstantinopel wird demNational" tele- graphirt: Der preußische Gesandte in Athen, Radowitz, ist hier im Auftrage Bismarck's eingetroffen. Salisbury verlangte Aufklärung betreffs indirecter Vorschläge Jgnatiefffs an die Pforte.

Knglaud.

London, 5. Januar.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: In der gestrigen Sitzung der Conferenz verlas Savfet Pascha ein Exposä, weiches die Motive der von der Pforte gemachten Gegenanträge enthält und die Einsprüche einzeln begründet, welche die Delegirten der Pforte in der letzten Sitzung der Conferenz gegen die Vorschläge der Mächte erhoben In den Motiven wurde ausgeführt, die Forderungen der Bevollmächtigten verletzten die Integrität und Unabhängigkeit der Türkei, insbesondere geschehe dies durch die verlangte Einsetzung christlicher Gouverneure in den aufständischen Provinzen. Die nächste Sitzung findet Montag statt. Falls die Mächte ein Ultimatum überreichen, würde die Pforte einen großen Ministerrath berufen.

Ueber die gestrige Conferenz-Sitzung in Konstantinopel verbreitet Reuter's Bureau" einige Einzelheiten. Danach hätten die Vertreter der MachteE auf den Einwand der Delegirten der Türkei, die Pforte könne die Vorschläge zur Bildung einer Gensd'armerie und zur Einsetzung einer inter- nationalenCommission nicht annehmen, weil die Unabhängigkeit der Türkei da­durch verletzt werden würde, erwidert, daß die Pforte gegen das in der Note Andrassy's vom 30. December 1875 verkörperte Princip (Einsetzung einer in­ternationalen Commission) ihrerseits keine principiellen Bedenken erhoben habe. Savfet Pascha hob hierauf hervor, die Note hätte einen speciellen Bezug au Bulgarien gehabt.

Nußland.

stimmungen nicht verträglich, nicht berücksichtigt werden, dagegen wurde auf ein weiteres Gesuch, dem ^Nachsuchenden das bereits fällige Schulgeld erlassen uud chm auch Be­freiuni des Schulgeldes für's 1 Semester 1877 bewilligt.

4. ES kamen verschiedene Rechnungen zur Vorlage, wegen welcher zur Anweisung der betreffendem Beträge auf die Sladtkasse Ermächtigung ertheilt und der erforderliche Credit bewilligt wurde.

5. Genehmigt wurde die von der Baudeputation vorgeschlagene Aufstellung einer Gaslaterne in der Schwarzlach an der Stückrath'schen Hofraithe.

6 An den städtischen Thorhäusern sollen Kandeln angebracht werden und c8 wurde für die zu 660 Mark veranschlagten Kosten Credit ertheilt.

7. Den mit der Aufnahme des Verkehrs auf den V^cinalstrißm in der Ge­markung Gießen beauftragten Personen, welche dieses Geschäft auf höhere Anordnung ein Jahr lang an jedem 1. und 14 des Monats von Morgens 5 bis Abends 10 Uhr iu besorgen haben, ist eine Vergütung von drei Mark pro Tag bewilligt worden.

8 Durch die Arbeiten an der Eingerinnschleußc wurde auch eine Reparatur deS Durchlasses der Main-Weser-Bahn bei Kilometer 132,3-big. Die hierdurch ent­standenen 39 Mark 20 Pf. Kosten sollen auf die Stadtkasse übernommen werden.

9. Bei der von Herrn Joh. Wagner projecttrten Stellung seines am Hammweg zu erbauenden Hauses wurde nichts zu beanstanden gefunden.

10. Auf das Gesuch des Herrn Philipp Valentin um Verbesserung eines WegS im Neustädter Feld konnte kein willfähriger Beschluß gefaßt werden.

11. Dem Herrn Löb Stern II. und Herrn Maurer Mel chior M an k, beide von Wieseck, wurde die Anlegung von Abfahrten nach ihren Grundstücken am Wiesecker bezw. L'chtenauweg Gießener Gemarkung widerruflich gestattet

12. Zur Benutzung bei Wegschaffung des Straßenabraums sollen zwei Karren auf Kosten der Stadt angeschafft und ist die vollständige Lieferung derselben dem Wagner H einri ch Müh li ch für den geforderten Betrag von 66 Mark pro Karre über­tragen worden.

13. Für die widerrufliche Gestattung zur Anlage einer Sandgrube von Herrn Johannes Schmidt von Rödgen in der Gemarkung Gießen wurde sich ausgesprochen.

Gie ßen, 6. Januar. In der nächsten Woche werden vor dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen vom I. Quartal l. I. nachoerzeichnete Anklagesachen zur Ver­handlung bezw. Aburthestung kommen, nämlich:

Moskau, 2. Januar. Das slavische Comit6 hat 120,000 Rubel in Gold nach Ragusa für die Nothleidenden in Montenegro gesandt. Staatsrath Ionin hat das Geld dem Fürsten Nikolaus persönlich zu übergeben. Die Geld­sendungen nach Serbien sind seit lange eingestellt, und es werden keine mehr erfolgen, bis die Rechnungslegung von Seiten Tschernajeff's geschehen sein wird.

Türkei.

Konstantinopel, 4. Januar. Heute unterzeichneten die Delegirten ein Protokoll, worin sich die Großmächte betreffs der Vor-Conferenz-Beschlüffe für solidarisch verbunden und die Pforte für den Friedens-Schluß verantwort­lich erklären.

Konstantinopel, 5. Januar. Hobart Pascha und Oberst Baker in- spiciren Burgas, das die letzte Wehrlinie bilden soll, wenn die Ruffen die Balkan-Päffe forcirt haben.

Men.

Bombay, 5. Januar. Aus Shanghai wird gemeldet, daß der dortige spanische Gesandte die Beziehungen zu der chinesischen Regierung abgebrochen und die spanische Flotte Befehl erhalten habe, sich nach China zu begeben. Die Ursache des Bruches sei noch nicht bekannt, doch glaube man, daß die Nichterfüllung gewiffer von Spanien gestellter Forderungen die Veranlaffung dazu gegeben habe.

Amerika.

New-Uork, 4. Januar. Van der Bilt ist gestorben.

Zu den Wahlen.

Den 8. Januar, Vormittaas V210 Uhr, gegen Konrad Eichelmann von Münzm- berg, wegen Urkundenfälschung; V?rtheid.: Gr. Hofger.-Advocat Dr. Schwarz.

Denselben, Nachmittags 2 Uhr, gegen Nikolaus Nagellchmi)t von WeningS, wegen Diebstahls und Unterschlagung; Vertheid.: Gr. Hofger.-Advocat W et d t g.

Den 9. Januar, Vormittags 9/2 Uhr, gegen Schuhmacher Konrad Spamer von Dortelweil, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Vertheid.: Gr. Hofa.-Advocat Dr. E ckst e t n.

Den 11. Januar, Vormittags V210 Uhr, gegen Theodor Wlld von Brettach, König!. Württewbergischen Amtsgerichts Neckar-Ulm, wegen Diebstahls; Vertheid.: Gr. Hofger.-Advo cnt Dr. Gutfleisch.

Denselben, Nach mittags 2 Uhr, gegen Louis Petermann von Nidda, wegen Versuchs der Nothzuckt, refp. Beleidigung; Vertheid.: Gr. Hofger.-Advocat Dr. M uh l.

Den 12. Januar, Vormittags 9 Uhr, gegen Gemeinde-Einnehmer Heinrich Hartmann von ReichloS, wegen Verbrechen und Vergehen im Amte; Vertheid.: Gr. Hofger.-Advocat Dr. Dittmar.

Denselben, Nachmittags 2 Uhr, gegen Johannes Schneider III. von Geiß- Nidda, wegen Urkundenfälschung; Vertbeid.: Gr. Hofgerichts-Advocat Metz.

Den 13. Januar, Vormittags 9 Uhr, gegen Philipp Ratz und Karl Weißbeck's Ehefrau von Schlitz, wegen Diebstahls und Hehlerei; Vertheid.: für Ersteren: Gr. Hofger.-Advocat Dr. Reatz, für Letztere Gr. Hofger.-Advocat Batst.

Dritter Bericht über die Balfersche Stiftung, Hospital für Augenkranken, Krebs- und Knochenkranke. Gießen, Wtlhelmstraßc.

Zur Beurtheilung des steigenden Wachtzthums der Anstült ist eine Uebersicht des Krankenstandes der elften drei Jahre des Bestehens der Balserschen Stiftung hier nebeneinander gestellt :

Im Jahre 1874 wurden behandelt 595 Patienten,

, 1875 782

, 1876 , 1086

Zusammen in 3 Jahren 2463 Patienten.

Die Zahl der in der Anstalt Verpflegten war in dem ersten Jahre 82 mit 2249 VerpflegStagen und betrug im Jahre 1876 112 während 2213 Verpflegstagen.

Die Zahl der größeren Operationen stieg von 21 im Jahre 1874 auf 45 im Jahre 1876.

Die Gesammtzahl der im Jahre 1876 in der Balserischen Stiftung behandelten Kranken beträgt 1086,

(Zur Notiz aus dem Reichsstrafgesetzbuche.)

§ 107. Wer einen Deutschen durch Gewalt oder durch Bedrohung mit einer strafbaren Handlung verhindert, in Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte zu wählen oder zu stimmen, wird mit Gefängniß nicht unter 6 Mona­ten oder mit Festungshaft bis zu 5 Jahren bestraft.

Der Versuch ist strafbar.

§ 108. Wer in einer öffentlichen Angelegenheit mit der Sammlung von Wahl- oder Stimm-Zetteln oder Zeichen oder mit der Führung der Beurkun­dungs-Verhandlung beauftragt, ein unrichtiges Ergebniß der Wahlhandlung vorsätzlich herbeisührt ober das Ergebniß verfälscht, wird mit Gefängniß von einer Woche bis zu 3 Jahren bestraft.

Wird die Handlung von Jemand begangen, welcher nicht mit der Samm­lung der Zettel oder Zeichen oder einer anderen Verrichtung bei dem Wahlge­schäfte beauftragt ist, so tritt Gefängnißstrafe bis zu 2 Jahren ein.

2lud> kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.

§ 109. Wer in einer öffentlichen Angelegenheit eine Wahlstimme kauft oder verkauft, wird mit Gefängniß von 1 Monat bis zu 2 Jahren bestraft auck kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. (B. V.)

Lokal-Notiz.

Gießen, 6. Januar. Auszug aus dem Citzungtzpiotokoll der Stadtver- ordneten-Veriammlung am 21. December 1876.

Festsetzung der diesigen Vieh- und Krämermärkte Besprech- **n9en iJ111 lnteiessirten und lachverstandtgen Persönlichkeiten ftattgefunben hatten lift b-schlossen worden, d»ß v-m Jahre 1878 au 11 Viehmärkte an zwei aufeinanderfolgen q Dienstag und Mittwoch - am zweiten Tag zugleich Krämermark. und

^.^hmarkte nur an einem Tag - Dienstags im Ganzen also 31 Viehmärkte und 11 c abgebalten werden sollen. Infolge dieses Beschlüsse wurden hierauf

von der für diese Angelegenheit erwählten Commission für das Jahr 1878 folaende Tage oorgeschlagen: v 1 Buc

nur Mittwochs.^' Krämermärkte - erstere Dienstags und Mittwochs, letztere Q und 20- 2 unb 3. April, 14. und 15., sowie 28. und. 29. Mai,

9. und 10. Juli, 6 und 7. August, 17. und 18. September 1 und 2 fnrwie 22. und 23. Oktober, 19. und 20 November und 10. und 11 December. '

II. als Viehmärkte:

Dienstag den 22. Januar, 19. Februar, 5. März, 30. April, 25. ^unf 23 ^uli 20. August, 3. September und 5. November.

.. Die in der Realschule nöthig werdende Bildung von Parallelklassen erfordert die Anschaffung von verschiedenen zu 881 Mk. veranschlagten Schulgeräth chaften, wo­zu Genehmigung ertheilt wurde. Ebenso ist die Beschaffung non 12 Schirmtrögen nach vorgelegtem Muster aus der Hand für den Preis non 8 Mk. pro Stück genehmigt worden. * u

r3l Ein Gesuch um Rückerstattung von Schulgeld, weil das betreffende Kind vor Ablauf des Quartals die Schule verlassen hat, fonnte als mit den vorliegenden ve-

hiervon wurden ambulatorisch behandelt blieben zur Behandlung in der Anstalt

974, 112

Summa

1086.

von den stationär Behandelten waren 88 augenkrank,

12 knochenkrank und

12 krebskrank.

Bon den 88 Aueenkranken wurden

geheilt entlassen

69

gebessert ....

13

ungebessert ....

2

bleibt in Behandlung

4

Summa

88

Von den 12 Knochenkranken wurden

geheilt entlassen

8

gebessert ....

2

ungebessert ....

1

bleibt in Behandlung

1

Summa

12

Von den 12 Krebskranken wurden

geheilt entlassen

9

gebessert ....

1

ungebessert ....

1

bleibt in Behandlung

1

Summa

12

Die Zahl der in diesem Jahre in der Anstalt überhaupt vorgenommenen Ope­rationen beträgt 54.

a. Augenoperationen 40, und zwar:

Staoroperationen ... 6

Künstliche Pupillenbildung . 10

Schieloperationen ... 11

Operation detz einwärts gestülpten LideS 4

Kleinere Operationen 9

Summa 40

b. Die Zahl der wegen erkrankter Knochen vorgenommenen Operationen be­tragt: 7 Resectwnen:

a. des clavicula in toto . . 1

b. des OberamkopfeS . . 1

c. d^s fibula ... 1

d. des malleolus externue . . 1

Sequestiotomieen . ..3

Summa 7

c. Entfernung von Krebsgeschwülsten 7

Brustkrebs .... 2

Lippenkrebs .... 4

Fibrom am Ohr . . . 1

Summa 7

verpflegt wurden in diesem Jahre 112 Kranke mit 2213 Verpflegungstagen. Die durchschnittliche Verpflegungsdauer eines Patienten betrug demnach 20 Tage und der durchschnittlich ständige Besuch der Anstalt 6 Kranke.