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Mittwoch, den 6. Juni
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Kichener Htnzeiger
Anfligk- iai AmIsIilM flr ist« Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Expedition r Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Ißeil.
L e h r e r - C o n f e r e n z der Conserenz-Bezirke Lich-Hnngen.
Montag den 11. Juni, Anfang 10 Uhr, in Lich.
Gießen, den 4. Juni 1877.
Büchner, Kreisschulinspector. _______________________________
Bekanntmachung.
Die von ortsfremden hier in Arbeit stehenden Gesellen und Dienstboten vom 1. Januar d. I. an zur Klinikkasse zu leistenden Beiträge werden nicht mehr von hiesigen Polizeidienern, sondern von dem Sparkassendiener Johannes Neeh dahier gegen Behändigung der von dem Verwalter des akademischen Hospitals unterschriebenen Quittungen erhoben, was wir hiermit zur Kenntniß der Betheiligten bringen.
Gießen am 30. Mai 1877.
Großherzogliche akademische Administrations-Commission.
politisch
Deutschland.
Aus dem Großherzogthurn Hessen, 2. Juni. Zum Präsidenten des Ober-Consisloriums ist gutem Vernehmen nach Geheimerath, Provin- zial-Director Dr. Goldmann in Mainz, in Aussicht genommen. Für die evang. Landeskirche dürfte sein Einfluß versöhnlich und ausgleichend wirken.
Darmstadt, 1. Juni. Die lange schwebende Frage der Wasserversorgung unserer Stadt wurde gestern in der Sitzung der Stadtverordneten- Versammluug endgültig dahin entschieden, daß der von Bürgermeister Dr. Ohly gestellte Antrag einstimmig angenommen wurde, wonach die Stadtverordneten- Versammlung die Dringlichkeit einer Wasserversorgung von Darmstadt anerkannt, deren Errichtung sür Rechnung der Stadt aus der Rheinebene, und zwar aus dem fiskalischen Griesheimer Eichwäldchen, genehmigt und zum Zwecke der durch weitere detaillirte Vorlage festzustellenden Ausführung in der redu cirten Gestalt, daß für den Anfang 1500 bis 3500 Cubikmeter Wasser per Tag in die Stadt gefördert werden können, einen durch eine Anleihe zu deckenden außerordentlichen Credit bis zu 1,20,000 Mk bewilligt. Die Inangriffnahme des Werkes soll zu Anfang des Herbstes beginnen und verspricht man sich namentlich von dem gegenwärtig günstigen Stand der Arbeitslöhne und der Materialienpreise nicht unwesentliche Vortheile bei raschem Vorgehen. Zum Schluß der Sitzung folgte die gesetzlich vorgeschriebene Ausloosung eines Drittels der Stadtverordneten, bei welcher Gelegenheit sich der Bürgermeister entschieden für die Beibehaltung der Bezirkswahlen aussprach.
Berlin, 2. Juni. Der verhaftete Redakteur der hiesigen „Freien Presse" wurde heute wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten in neunzehn Fällen zu einer Gefängnißstrase von 9 Monaten verurtheilt.
— Gegenüber den Meldungen verschiedener Zeitungen, wonach die Trup- pen-Dislocationen in Elsaß-Lothringen nur der erste Theil der projectirten Ausgleichsmaßregeln seien und sogar Maßregeln vorbereitet würden, welche der Genehmigung des dieserhalb im Laufe des Herbstes zusammentretenden Reichstages bedürften, ist die „Nordd. Allg. Ztg." in der Lage, auf das Bestimmteste zu versichern, daß durchaus keine weiteren Maßregeln in Aussicht genommen seien und von einer Inanspruchnahme des Reichstages niemals die Rede gewesen sei.
Berlin, 2. Juni. Laut eines am 23. v. Mts. ergangenen Bescheides der obersten Postbehörde entspricht es den gegebenen Vorschriften, wenn bisher, wie im Jnlande so auch im Verkehr mit anderen Ländern, Manuskripte bei der Beförderung mit der Post nur dann gegen die ermäßigte Taxe für Drucksachen zugelassen wurden, wenn deren Versendung in Gemeinschaft mit den betr. gedruckten Probebogen geschah. Nachdem jedoch im Vereinsverkehre sogenannte Geschäftspapiere unter Band gegen die ermäßigte Taxe sür Drucksachen zuge- laffen worden sind, wird von jetzt ab auch die gleiche Vergünstigung den für den Druck bestimmten Manuskripten ohne Rücksicht darauf eingeräumt werden, ob sie in Verbindung mit gedruckten Sachen oder sür sich allein versandt werden.
Berlin, 3. Juni. Der Reichstags-Abgeordnete Bebel wird sich am 12. d. Mts. vor der 7. Deputation des hiesigen Criminalgerichts in Folge seiner Schrift „Parlamentarische Thätigkeit" zu verantworten haben. Die An klage stützt sich auf Vergehen gegen den § 131 des Strafgesetzbuchs (wissentliche Verbreitung falscher Thatsachen behufs Verächtlichmachung staatlicher Einrichtungen) und auf eine Beleidigung des Reichskanzlers. Auch der Reichstags-Abgeordnete Liebknecht hat vor derselben Gerichts-Deputation, und zwar an demselben Tage, zu erscheinen und sich wegen Preßvergehens zu verantworten.
Hesterreich.
Wien, 3., Juni. Die ungarische Negnikolar-Deputation hat sich, nach
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dem zuvor lange über die Steuer-Restitution debattirt worden, unter gewisien Voraussetzungen für die Annahme des Regierungsvorschlages ausgesprochen.
— Die „Montags-Revue" ist in der Lage, den Gerüchten von österreichischen Militär-Aufstellungen auf das Entschiedenste zu widersprechen. — Demselben Organ zufolge beabsichtigt der Handels-Minister die Rudolfs-Bahn und die Franz-Josephs-Bahn für den Staat zu erwerben. — Ueber das Wiedereintreffen der deutschen Abgesandten für den Abschluß des Handels-Vertrages wäre derselben Quelle zufolge noch keine Nachricht in Wien eingetroffen.
Ilrankreich.
Paris, 2. Juni. In Folge der eingeleiteten Untersuchung über die von dem Präsidenten des Pariser Gemeinderaths Bonnet - Duverdier in einer Versammlung zu St. Denis gehaltene Ansprache ist derselbe gestern Abend verhaftet worden.
— Von unterrichteter Seite werden alle umlaufenden Gerüchte über eine bevorstehende Aenderuug in der Zusammensetzung des Cabinets als unbegründet bezeichnet. — Es heißt, die Republikaner würden nach dem Zusammentritt der Kammern, falls nicht eine sofortige neue Vertagung eintritt, den Erlaß einer Adreffe als Antwort auf die Botschaft des Präsidenten beantragen.
Paris, 3. Juni. Der Minister-Präsident, Herzog v. Broglie, wird beim Zusammentreten der Kammern am 16. Juni die sofortige Berathung des Budgets beantragen. Für den Fall, daß diese abgelehnt würde, wird das Ministerium dem Vernehmen nach vom Senat die Beschlußfaffung bezüglich Auflösung der Deputirten-Kammern fordern.
England
London. Der römische Correspondent der „Times" telegraphirt unterm 26. Mai: „Die deutschen Bischöfe, welche, von den Pilgerfahrten Nutzen ziehend, sich in Rom versammelt haben, um sich über ihr künftiges Verhalten schlüssig zu machen, haben Berichte erhalten, aus denen erhellt, daß die deutsche Regierung vorbereitet ist, den Kampf bis zum Aeußersten zu treiben, wenn sie (die Bischöfe) die mindeste Neigung bekunden sollten, eine noch feindseligere Politik gegen dieselbe einzuschlagen, als sie bisher verfolgt. Die Entschlüffe, welche sie gefaßt hatten, sollen folglich in nochmalige Erwägung gezogen werden.
London, 2. Juni. Die „Amts-Ztg." veröffentlicht die Ernennung der Generale Rowan, Ijorke und Strathnatrn zu Feldmarschällen.
London, 3. Juni. Ein Special - Correspondent des „Reuter'schen Bureaus" meldet aus Syra vom 2. Juni über die gegenwärtige Situation Folgendes: Unter den türkischen Beamten herrsche große Entmuthigung; man sehe ein, daß die Türkei nicht im Stande sei, Rußland zu widerstehen. Die Hoffnung, daß die Einnahme von Sukhum-Kale zur Jnsurgirung des Kaukasus führen könne, sei aufgegeben, da die Tscherkessen von allzugroßer Furcht vor den Ruffen erfüllt seien und die Waffen wieder niederlegten. Die Türkei befinde sich in einem Zustand materieller Ohnmacht; eine Verlängerung des Widerstandes sei ohne Alliirte äußerst schwierig. Die moralische Schwäche der Türkei zeige sich in dem Mangel an guten Truppenführern, in der Langsamkeit der Kriegs-Operationen und dem Zwiespalt im Innern. An der Spitze der Kriegs-Partei stünden Redif und Mahmud Pascha; an der Spitze der Partei, die nach den ersten entscheidenden Schlägen vermitteln wolle, Edhem und Savfet Pascha. Der britische Botschafter Layard habe sich von der Zeit seiner Ankunft an bemüht, den Einfluß Redif's und Mahmud's zu beseitigen, und formell deren Entfernung anzurathen. Auch die Softas seien gegen Redif. Admiral Hobart Pascha sei gestern nach dem Schwarzen Meere abgegangen.
Kolland.
Haag, 3. Juni. Die Königin ist heute Vormittag 11% Uhr gestorben; sämmtllche Familien-Mitglieder waren hier versammelt.


