Konstantinopel, 2. Mai. Die amtliche Zeitung behauptet, es habe keinerlei bedeurender Kamps auf dem asiatischen Kriegsschauplatz stattgefunden; es seien nur russische Vorposten vor Datum erschienen.
London, 3. Mai. Einer Konstantinopeler Depesche von Lloyds zufolge stände die Ankündigung des Blokadezustandcs für die Küsten des Schwarzen Meeres unmittelbar bevor. - Ein russisches mit Salz beladenes Fahrzeug wurde auf der Fahrt nach Konstantinopel von den Türken aufgebracht.
— Im Unterhause erklärte der Schatzkanzler Nortbcote auf eine Anfrage: England würde die Neutralisirung des Suez-Canals oder einem Abkommen, durch welches das Durchpassiren von Kriegsschiffen in Kriegszeiten gehindert würde, nicht zustimmen, denn damit wäre das Passiren von Schiffen mit Truppen von oder nach Ostindien unmöglich. Die Regierung werde Maßregeln ergreifen, um die Schifffahrt durch den Canal zu schützen. Unterstaatssecretär Bourke erklärte auf eine Anfrage, es gebe keine internationale Vereinbarung darüber, welche Artikel zur Kriegs-Contrebaude gehörten; auch sei es nicht opportun, die kriegführenden Parteien zur Specification der unter die Kriegs-Contrebaude zu rechnenden Artikel aufzufordern. Aegypten sei durch den Firman über sein Vasallen Verhälmiß zur Stellung eines Contingentes von 30,000 Mann für die Türkei verpflichtet, in Kriegszeiten könnte diese Zahl erhöht werden. Die Zahlung von Tribut stehe zur Stellung des Contingentes in keiner Beziehung.
Petersburg, 3. Mai. Aus Tiflis vom 2. d. M. wird gemeldet: Am 28., 29. und 30. April hat die russische Cavallerie die Gegend südwärts von Kars durchstreift. Einzelne Abtheilungen sind bis Litschagirt vorgerückt, wo sie Telegravhen-Leitungen in der Länge von 10 Werst zerstörten. Acht türkische Bataillone sind vor der russischen Cavallerie geflüchtet und ließen Munition in deren Händen. Am 30. April hat ein Gefecht zwischen der russischen Artillerie und Cavallerie und einer aus Kars mars chirenden Abtheilung Türken stattgefunden. Die Bevölkerung empfängt die Truppen freundlich. Einzelne E-n.vohner haben sich gemeldet, in den russischen Dienst einzutreten.
M oSkau, 3. Mai. Für den Empfang des Kaisers werden hier großartige Vorbereitungen getroffen. Neben den Spenden der Stadt kommen auch ans Privatkreisen zahlreiche und bedeutende Gaben für die Verwundeten.
Bukarest, 3. Mai. Heute gegen 10 Uhr Vormittags wurde zwischen den russischen Batterien bei Braila und drei türkischen Monitors das Feuer eröffnet. Die Türken bombardirten, während die Monitors sich der Stadt näherten, diese selbst wurden jedoch gegen Mittag gezwungen, sich vor dem russischen Feuer zurückzuziehen. Wie viel Einwohner getödtet und wie viel Häuser tu Bra >d geschossen sind, ist zur Zeit noch unbekannt.
Kairo, 3. Mai. Der Ausschuß der Nokabeln-Versammlung hat eine außerordentliche Kriegssteuer im Betrage von 12 Mill. Frcs. vorgeschlagen. In Folge dessen telegiaphirte der Khedive nach Konstantinopel, daß die gegenwärtig in einer Stärke von 9000 Mann befindliche ägyptische Division auf 12 000 Mann completirt werden, der Rest des ägyptischen Contingents aber in Aegypten bleiben solle, um den Suez-Canal zu schützen.
London, 4. Mai. Im Unterhause theilt Lord Elcho mit, er werde ein Amendement zur Resolution Gladstones Vorschlägen, worin die Intervention einer fremdherrlichen Armee in der Türkei gemißbilligt und erklärt wird, daß das Haus einverstanden ist, daß die Regierung die Neutralität aufrechterhalte, so lange die englischen Jntereffen unberührt bleiben, daß sie aber nicht 'verseh len werde, Maßregeln zu ergreifen, um nö'higenfalls prompt die englischen Jntereffen und das englische Kaiserreich im Orient zu schützen.
— „Renter's Bnreau" meldet aus Erzerum vom 2. Mai: Der Sohn Schamyl's übernimmt den Oberbefehl über die Tschrkeffen; doch ist es bisher noch nicht gelungen dieselben militärisch zu organisiren. Die Armee Mukhtar Paschas steht bei Zenikoy, 40 Meilen westlich von Kars. Eine russische Co- lonne marschirt gegen dieselbe.
Petersburg, 4. Mai. Zahlreiche Anerbietungen deutscher, französischer und italienischer Aerzte für den Sanitätsdienst in der russischen Armee find von dem Kriegs Minister vorläufig zurückgelegt. Derselbe hat sich dankend ein späteres Zurückkommen auf dieselben Vorbehalten, falls sich ein Bedürfniß herausstelle.
Bukarest, 4. Mai. Das Amtsblatt veröffentlicht die Genehmigung der Convention mit Rußland. Die Kammer nahm die Tbron-Adreffe nach dem Entwürfe an. Heute findet deren Ueberreichung statt. — Gestern Abend soll das Bombardement von Braila und Barbosch neuerdings begonnen haben.
Eingesandt.
Wir erlauben uns auf die Vorstellungen fred Herrn Prof. Tischer aufmerksam zu machen, indem auswärtige Zeitungsbe» ichle sich sehr lobend über die Leistungen aussprechen. Unter anderem schreibt die Straßburger Zeitung folgendes: Die Vor stellunqen des Prof. Tischer sind als sehr gediegene zu bezeichnen, die Gewandtheit und Fingerfertigkeit be8 Künstlers sind geradezu ftaunenenegenb. Auch hatte der Künstler die Ehre sich vor mehreren Fürsten zu probucircn, unter anderen vor Sr. Ho heil dem Herzog von Meiningen i;n großen Kurhaussaale in Bad Lievenslein, wo der Künstler mit vielem Beifall überschüttet wurde; Sr. Hoheit dem Erbgroßberzog von Sachsen Weimar, im Officier Casino daselbst und wußte der Künstler die Anwesenden durch seine Fertiakeir so zu überraschen, daß Se. Königl. Hoheit ausrief: Wie haben Sie denn dos aeii' cht re- re.
ganbel und Verkehr.
Gießen, 5. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Ps t JL 30 Hühnereier, per Stück 4 u. 5 4 Gä rseeier, per Stück 12 H, Enteneir per Stück 6 Käse, per Stück 8 H, Käsematie. per St. 3 H Erbsen, 1 Liter ~ Linsen, 1 Liter 22 H, Tauben, das Paar 75 Hühner, per Stuck 1 JL, Hahnen, n Stück 1 JL Kartoffeln, 100 Kilo 8 JL
Fried berg, 3. Mii. (Fruchtbericht.) Die Getreide-P.eise hoben sich auch dieser Woche und wird wohl an einen Rückgang vorerst nicht gedacht werden fönm da gute Waare, besonders rn Weizen, sehr knapp <u sein scheint. Auch Haier war et.o gesuchter, als seither. Die kalte Witterung bleibt auf Futt-raitike! r icht ohne Eir.fiui indem das Grünfutter noch sehr zurück ist: Wir notiren: Weizen JL 30—30.25, Roa,- X 23-23.50, Gerste JL 21, Hafer X 16-19.50.
Auszug aus den Standesamtsregiltern brr Stadt Gießer
Vom 29. April bis 5. Mcii 1877.
Aufgebote.
28. April. Schlosser Karl Wilbelm Schuhmann von Herborn mit Eliiabkt: Friederike Weißmüller von Gießen. 28. April. Kaufmann Franz Alexander KirLn!- oon Frankfurt a. M mit Mathilde Karoline Johanna Jughardt von Gießen- 1. M Oer Großherzogliche Prsseffor Ur. He nrich Ludwig Egidius Noack von Gießen m- Amalie Philippine Re iner von Friedberg. — Karl Heinrich Wilhelm Ditzel, Loconoli: führer an der Main-Weser-Bahn, von Kassel, mit Johanna Karoltne Schwalb o? Gießen.
Eheschließungen.
2. Mai. Kaminfeger Christian Friedrich Kießltch von Ober-Cunewalde mit Hr: riette Apollonia Kornmann von Wetzlar. — Schneider Georg Wack von Sichertshau>> M't Elisabetbe Pauline Löb von H.-rborn. — Fuhrmann Georg Konrad Ockel o • Gießen mit Johannette Euler von Gießen. 4. Mai. Kupfersch nied Johann Äonra: Ludwig Vellmetc von Sondershausen mit Louise Schmidt von Naunheim.
Geborene.
28. Aprtl. Heinrich, Sohn von Taglöher Johann Heinrich Eisenbrand. — W Helm, ein außereheliches Kind von hier. 25. April. Wilhelm Christian, Sohn oc- Schreinermeister Johannes Lenz. 26 April. Anna Louise Pauline Emilie, Tochtr von Schuhmacher Karl Orth. 30. Ap il. Friedrich Albert, Sohn von Mechams Johann Kail Hatz. 2. Mai. Karl. Sohn von Feldwebel Wilhelm Melior. 29. Apn! Johanna Marie, Tochter von Schuhmacher Theodor Stohr. 1. Mai. Balthasar Philip: Karl, Sohn von Gastwirth Louis Lenz. 28 April. Marie, ein außereheliches K n) von Auswärts. 30. April. Katharine, ein außereheliches Kind von Auswärts. 1 -Uh: Wilhelm, ein außereheliches K<nd von Auswärts. 2. Mai. Elisabeth, ein aafeerHi liches Kind von Auswärts. 28. April. Wilhelm Konrad Karl, ein außereheliche- Kind von hier.
Gestorbene.
29. April. Eisenbahnarbeiter Simon Swttalsky, 29 Jahre alt, von Rokossow: (im academischen Hospital gestorben ) — Diwcrd Friederike Gilson, 47 Jahre 1 Monat alt, Ehefrau des Directors am Gießener Braunsteinbergwerk Peter Wilson - Elisabethe Viehmann, 12 Jahre alt, von Großrechtendach, (im academischen HospiN. gestorben ) 1. Mai. Katharine, 4 Monate 27 Tage alt, ein außereheliches Kind oor Auswärts. 4 Mai. Georg, 17 Tage alt, Sohn von Schaftenmacher August Lang 5. Mai. Schuhmachermeister Jacob Ramspeck, 69 Jahre 9 Monate 11 Tage alt.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 29. April. August Bick, Schreiner dahier, des TaglöhnerS Friedrich $i.j in Hohensolms, ehel. Sohn; und Marte Julie Struth, des Der ft. Schreiners öaltnii: Struth in Lauterbach, ehe! Tochter.
Denselben. Philipp Albach, Schuhmacher dahier; und Elisabeth Euler, des Der. Schäfers in Beuern, Johann Heinrich Euler, ehel. Tochter.
Den 2. Mai. Georg Konrad Ockel, Oeconom dahier, des verst. Bürgers ur: Geißgerbers, Christian Ockel, ehel. -sohn; und Johannette Euler, des Bürger? uni) Oeconomen, Philipp Euler, ehel. Tochter.
Getaufte.
Den 28. April. Dem Heizer an der Main-Weser Bahn, Ferdinand Schul, eir Tochter, Elisabeth Jakobrne Karoline, geb- den 24. März.
Den 29. Ap rl. Dem Dienstknecht Balthasar Schupp, ein Sohn, Friedrich W>( Helm, geb- den 7. April.
Denselben. Dem am 26. Februar 1877 oerft. Wagner Ludwig Geißler, tu Sohn, Ludwig, geb den 18 April.
Denselben- Dem Kutscher Heinrich Stühler, eine Tochter, Anna Elisabeth, gö den 10. April-
Dens lben. Dem Locomotivführer Georg Frölig, ein Sohn, Wilhelm Ar! Georg, geb. den 10. April-
Denselben. Dem Schuhmacher Ludwig Mohr, ein Sohn, Wilhelm, geb- tr 4. April.
Denselben. Dem Gastwirth Jakob Kahl, ein Sohn, Georg Ludwig, geb- b: 18. Febr.
Den 1. Mai. Dem Hautboisten Gottlieb Richter, eine Tochter, Karoline, geben 20. Febr.
Den 2. Mai. Dem Schaftenmacher August Lang, ein Sohn, Georg, geb. feie. Aprtl.
Denselben. Dem Hilfsführer an der Matn-Weser-Bahn, Wilhelm Noll, n Tochter, Emma Friederike, geb. fren II. April
Beerdigte.
Den 2. Mar. Friederike Wilson, geb. Thesen, Ehefrau des Bergwerksdirektoi P te'- Wi'son, alt 47 I. 1 M, ne-t den 29 Avril.
Behufs Verminderung von Schreibereien und Jiicaffokosten r suchen wir die geehrten Inserenten dringend, kleinere I» fetale bei der Aufgabe gefälligst baar bezahlen zu wollen.
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