1899
Sonntag, den 6. Mai
Erstes Blatt
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Der Vorstand.
des solle darauf gehen, sich vor Kriegsschaden zu bewahren. Die mit Rußland abgeschlossene Convention verschaffe dem Lande Ruhe, Sicherung seiner politischen Individualität und Respectirung seiner Grenzen. Die Kammer spreche der Regierung ihre volle Zustimmung aus, indem flc auf deren Patriotismus und Klugheit vertraue, damit Conflicte mir sämmtlichen Nachbarstaaten vermieden würden. Zur Landesvertheidigung und Bewahrung vor grausamer Behandlung durch eine uudisciplinirte Armee würden alle Mittel bewilligt werden.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Es wird hiermit unter Hinweisung auf das Reglement vom 14. Juli 1854 (Nr. 25 des Regierungsblatts) zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß ter Großherzogliche Bürgermeister Köhler zu Langsdorf als Amtstaxator für den Wildschadensbezirk Hungen bestellt und verpflichtet worden ist.
Gießen, den 2. Mai 1877.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder. _____________________
Die Adresse schließt mit Versicherungen der Ergebenheit gegenüber dem Fürsten. Wien, 3. Mai. Nach einem Schreiben der „Politischen Correspondenz"
aus Pesth wird bte Antwort der Regierung auf die Interpellation betreffs der orientalischen Frage morgen in Pesth und Wien gleichzeitig ertheilt werden. Dieselbe wird geltend machen, Oesterreich-Ungarn werde seiner europäischen Aufgabe und seinen eigenen Jntereffen am Besten genügen, wenn es Alles auf- btete, um die Loealifirung des Krieges und dadurch die Möglichkeit einer baldigen Friedens-Vermittlung zu sichern. Tie formelle diplomatische Neutralitäts-Erklärung Oesterreich-Ungarns werde sofort erfolgen. — Bukarester Nachrichten derselben Correspondenz vom 3.Mai melden, daß vor Braila nur ein türkischer Monitor erschienen sei, welcher, nachdem er blos zweimal gefeuert, durch russische Batterien in Brand gesetzt und zum Rückzug gezwungen worden sei. Das Gerücht, die rumänische Regierung habe die Ausfuhr von Cerealien verboten, sei gänzlich unbegründet.
Das Großherzogliche Steuer-Commissariat Gießen
an die Großherzoql. Bürgermeistereien des Bezirks.
In den, zur Bescheinigung anher vorzulegenden, Verzeichnissen der Stimmberechtigten bei der Gemeinderathswahl wollen Sie bei den nicht Wählbaren die erforderliche Bemerkung nicht versäumen.
Nach diesen Verzeichnissen, in welchen wir die Höchstbesteuerten in Columne „Oidnungs'Nummer" durch einen Strich bezeichnen werden, wollen Sie
Arankreich.
Paris, 4. Mai. Die Mehrzahl der republikanischen Journale kritisiren die Simon'sche Erklärung als zu nachgiebig für die Bischöfe; sie verlangen neue Erklärungen, welche die Politik der Regierung gegen den Klerikalismus zu betonen hätten.
Versailles, 3. Mai. In der Depntirtenkammer begründete Leblond seine gegen die klerikalen Umtriebe gerichtete Interpellation und beantragte deren unnachsichtliche Unterdrückung. Der Conseils-Präsident Simsn erklärte, bte Regierung achte ausrichtig ble Religion, sei aber fest entschloffen, ben Klerus über seine religiösen Befugnisse nicht binübergreisen zu lasten. Die Regierung werbe namentlich Angriffe gegen ein benachbartes Land zu verhinbern und die Beobachtung der Landesgesetze durch Jedermann zu sichern wissen. Die weitere Debatte wurde nach Gambetta's Antrag aus morgen vertagt.
Fiumänien
Bukarest, 3. Mai. Minister Bratiano ist gestern Abend nach Ktscheneff abgereist. Der Senat hat eine Motion angenommen, welche die Zustimmung zu allen bisherigen Handlungen des Ministeriums ausspricht. In der Depu- tirtenkammer ist eine Interpellation angemeldet: ob die Regierung gegen die in dem Manifest der Pforte gebrauchten Ausdrücke, wodurch Rumänien zu den Provinzen der Türkei gezählt werde, protestirt habe.
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sucht. Wo? sagt die M sodann das Verzeichniß des höchstbesteuerten Dritttheils der Wählbaren aufstellen und beide Verzeichniste nochmals anher einsenden.
Gießen, ben 1. Mai 1877.
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Straßburg, 2. Mai. Abends. Die Anrede, mit welcher der Reichs- lagö-Abgeorditete Bergmann Se. Majestät den Kaiser gestern am Bahnhofe empfing, lautet wie folgt: „Kaiserlrche Majestät bewillkommnen und begrüßen wir ehifurchlsvoll und unterthänigst bei AUerhöchstihrem Eintritt in die Mauern der Stadt Straßburg. Wir hoffen, daß DaS, was unsere Stadt während Ew. Majestät Aufenthalt in unserer Mitte zu bieten im Stande ist, deren Erwartungen mijprechen möge und wünschen ebenfalls, daß sich an diesen huldvollen Besuch für unsere Stadt stets befriedigende, heilvolle Erinnerungen knüpfen mögen. Mü tiefster Ehrfurcht heiße ich Namens der Stadt Ew. kaiserliche Majestät willkommen." — Der Kaiser erwiderte hierauf: Er freue sich auf den Aufenthalt in der altehrwürdigen Stadt, die er auch früher, aber nur als Reisender, besucht, nun aber auch noch besser kennen zu lernen hoffe. Die Herren, welche ihn schon beim ersten Eintritt so freundlich begrüßt, hoffe er während seines Aufenthaltes noch öfter zu sehen. Bei der Vorstellung der Vertreter der Universität richtete der Kaiser folgende Worte an dieselben: „Ihre Ausgabe hier im Lande ist eine große; allein ich zweifle nicht daran, daß die Universität derselben gewachsen sein wird. Die Aufgabe wird um so sicherer gelöst werden, Henn der Wechsel im Professoren-Collegium weniger häufig sein wird, als dies bisher der Fall war, obgleich ich weiß, daß der Ersatz stets em erwünschter .a « ® gewesen ist. Ich hoffe, daß die anwesenden Herren standhafter sein werden" " Zu den Vertretern der Schulen wendete sich Se. Majestät mit den Worten: »en- „Sie haben eine schwere, doch dankbare Ausgabe in diesem Lande, in welchem
irir zur Besprechung ein. Mgen Jahrhunderte lang nach Westen zu sehen sich gewöhnt haben. Nach a- TTorställcL bmi aber das Land wieder mit dem alten Vaterlande vereinigt worden, tritt ' an Sie auch die besondere Aufgabe heran, milde und versöhnend auf die Ge- w'uher zu wirken, aber auch bei der Heranwachsenden Generation die Gestn- .mugen zu wecken und zu befestigen, welche das große Vaterland erwarten muß.
<. ^rauf aufmerksam, W ^hle dabei auf die Thätigkeit der Herren!"
?EnlltÜ>ern, Straßburg, 3. Mai, Abends. Morgen Mittag kommen die Kaiserin ."schönste und BW" und die Großherzogin von Baden hierher, um der Fest-Vorstellung im Theater (254b btizuwohnen, und werden am Samstag früh wieder abreisen.
Straßburg, 3. Mai. Der Kaiser und der Kronprinz haben heute Bvrmittag das Fort „Fransecki" besichtigt. Ueberall auf dem Wege waren Ehrenpforten errichtet. Ueberall begrüßten die Gemeinde, Schule und Reserve- Mannschaften den Kaiser. Ebenso hatten sich 102 Bürgermeister der Ortschaften dis Kreises zur Begrüßung ausgestellt. 250 berittene Bauern geleiteten den u-- Ner auf der Fahrt. Dieser war sichtlich erfreut. Mittags wird der Groß-
^tizog Baden erwartet. Am heutigen Abend finden Aufzuge der Turner-, Ewiger- und Krieger-Vereine, sowie Beleuchtung des Munsters statt.
6 ®al ,n D8a,a Hesterreich.
ltlL fl.: rthXj* Wien, 3. Mai. Die „Presse" enthält folgendes Telegramm aus Bu-
r^en Serben ^ie Deputirtenkammer hat als Erwiderung aus bie Thronrede eine
ili um,m& »reffe angenommen, in welcher es heißt: Die Kammer folgt dem Rufe des
2 "ul W Kisten und legt Zeugniß ab für die Größe und Unverganglichkeit der natio- ptt 3unflr nölen Souveränetät. Die Kammer bedauert, daß der Krieg unvermeidlich gc- ,.r,er für bk/5 loorben und erkennt die Bemühungen der Regierung für die Sicherung der SM' - ( SHeulralitat an. Die Adresse spricht sich ferner mißbilligend darüber aus, daß
us bie Pforte Rumänien stets Schwierigkeiten bereitet und die Befürwortung von
btsskn Neutralität bei der Conferenz zu Konstantinopel verweigert habe. Eö . toirb sodann der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Rumänien nicht der Schan- W4 platz des seinerseits Nicht provocirten Krieges werde. Das Bestrebeti des Lau-
Amerika.
Washington, 2. Mai. Die Einberufung des Congresses ist für den 15. Juni in Anssicht genommen.
Der orientalische Krieg.
Kischeneff, 2. Mai. Amtliche Meldung des Ober-Befehlshabers: Wir setzen unseren Vormarsch ungehindert fort. Die Einwohner bezeugen uns ihre Sympathien. Die Türken bleiben gegenüber unseren Truppen, welche bie Küstenpunkte an der unteren Donau besetzen, utttbätig. Soweit wie bisher bekannt, treffen d e Türken nirgends Vorbereitungen für einen Donau-Uebergan.g.


