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laben. Morgen 10 Uhr ist nochmals Sitzung zur Vornahme von Wahl- Prüfungen.

Berlin, 3. März. Es ist wahrscheinlich, daß sich der Bundesrath in Sachen des Berlin-Dresdener Bahn-Streites für nicht competent erklären wird.

Berlin, 3. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden bezüglich der Prüfung von Wahlen folgende Beschlüsse gefaßt: Für den neunten Wahlkreis des Regierungs-Bezirks Liegnitz die Vornahme einer Neu­wahl zu veranlassen, die Wahlen von Dohrn (Regierungs-Bezirk Stettin) und Graf Königsmark (Nauen) für ungültig zu erklären und die Wahl Denicke's (Diepholz) vorläufig zu beanstanden. Nachdem hierauf der Präsident des Hauses, v. Bennigsen, die übliche Uebersicht der Geschäfte vorgetragen und die Versammlung auf den Antrag von Bonin's durch Erheben von den Sitzen dem Präsidenten für seine Geschäftsleitung gedankt hatte, schloß Letzterer die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und König.

In der gemeinschaftlichen Sitzung beider Häuser des Landtages unter dem Vorsitze des Präsidenten des Herrenhauses, Herzog v. Ratibor, welche im Abgeordneteuhause stattfand, verlas Minister Camphausen, der von Graf Eulen bürg, Leonhardt, Friedenthal, Falk und Achenbach begleitet ivar, die königliche Gibinelsordre bezüglich der Sessions-Schließung. Der Minister erklärte aus Grund derselben die Session für geschlossen, woraus der Herzog v. Ratibor ein dreifaches Hoch auf den Kaiser und König ausbrachte, in welches die Ver­sammlung lebhaft einstimmte.

Straßburg, 3. März. Der Landes-Ausschuß wurde heute Mittag durch eine Rede des Oberpräsidenten geschlossen, in welcher derselbe für die wirksame Theilnahme an der gedeihlichen Entwicklung der Landes-Verhältnisse dankte und die Hoffnung auf ein Wiedersehen unter günstigen Auspicten auö- sprach. In seiner Erwiderungs-Rede wies der Präsident des Landes-Ausschusses auf deii Ablauf des Mandats der Ausschuß-Mitglieder hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Nachfolger auf dem Wege praktischer Arbeit verbleiben und sich nicht durch Eingehen auf Fragen der hohen Politik von dem Arbeits- selbe der reichsländischen Interessen ablenken lassen würden.

Hcfterreich.

Wien, 2. März. DiePolit. Corresp." berichtet, in Bestätigung an­derweitiger Nachrichten, nach einem Telegramm aus Cattaro von heute: Der ganze Stamm der Miriditen hat die Waffen ergriffen und belagert das auf der Straße nach Pripren belegene türkische Fort Puka. Derwisch Pascha hat von Skutari Truppen entsendet, nm Puka zu entsetzen. Auch von Pripren her sind türkische Truppen im Anmarsche, um die Erhebung der Miriditen zu bewältigen.

DieWiener Abendpost" schreibt: Der Abschluß der Friedens-Ver­handlungen zwischen der Pforte und Serbien wird allseitig als eine wichtige, wenn ai,ch noch nicht schlechthin entscheidende Bürgschaft für die Möglichkeit der Erhaltung des Friedens betrachtet.

Arankreich.

Paris, 2. März. DasXIX. Siocle" erfährt, daß General Jgnatieff demnächst in Parts eintreffen werde.

Versailles, 2. März. Die Deputirten-Kammer hat mit 324 gegen 134 Stimmen einen Antrag Beaussire's (Linke) angenommen, wodurch gewisse Commissionen der Kammer ermächtigt werden, in Paris demnächst Sitzung zu ' halten. Die Commission für den Antrag Leisaut (Herabsetzung der Militärischen Dienstzeit auf drei Jahre) hat Thiers zum Vorsitzenden gewählt. Die Com­mission für das neu zu erlassende Preßgesetz hat trotz des Widerspruches des Minister-Präsidenten beschlossen, die Aburtheilung von durch die Presse began­genen Beleidigungen des Präsidenten der Republik und fremder Souveraine vor die Geschworenen und nicht an die Zucht-Polizeigerichte zu verweisen.

Italien

Ro«, 3. März. DieItalienischen Nachrichten" enthalten die Be- stimmungen des heiligen Collegiums der Cardinäle betreffs des zukünftigen Conclave. Danach hätte das Collegium beschlossen, an der herkömmlichen Zu­sammensetzung des Conclave nichts zu ändern Bezüglich des Ortes des Zusammentrittes des Conclave hätte das Collegium mit allen gegen die Stimmen zweier Cardinäle beschlossen, dasselbe in Rom zu halten, wofern nicht besondere Ereignisse die Vereinigung daselbst unmöglich machten. Die beiden differentirenden Cardinäle waren der Ansicht gewesen, das Conclave solle im Auslande zusammen­treten. Von den Cardinälen seien darauf alle bis jetzt in Bezug auf das Con- clave erlassenen päpstlichen Bullen einer eingehenden Prüfung unterzogen und an deren Stelle eine neue Fassung vereinbart worden, durch welche sämmtliche früheren bezüglichen Bestimmungen aufgehoben würden. Es sei nunmehr be­schlossen, daß sofort nach dem Tode des Papstes alle Cardinäle zum Conclave einzuladen seien und die Ankunft der nichtitalienischen Cardinäle hierzu abge­wartet werden solle. Ferner sei bestimmt, daß das Conclave im Vatikan zu fammentr<te und als Wahllocal die sixtinische Capelle biene. Auch seien besondere Bestimmungen über die örtlichen Einrichtungen im Vatikan und strenge Maßregeln zur Verhütung jedes Verkehrs nach außen hin vereinbart. Falls die Zeitnmstände den Zusammentritt des Conclave im Auslande räthlich er­scheinen lassen würden, so sei der Cardinal-Camerlengo gehalten, allen Mit­gliedern des heiligen Collegiums den Ort des Zusammentrittes anzuzeizen. Alle diese dtirch das heilige Collegium getroffenen Bestimmungen sollen in Form einer Bulle allen Cardinälen mitgetheilt werden.

TürLet.

Konstantinopel, 2. März. Der Minister des Auswärtigen hat den diplomatischen Vertretern bei den auswärtigen Regierungen von der geschehenenI

Gründung einer bürgerlichen Administrations-Schule in Konstantinopel M'lthei lung gemacht, welche für Muhamedaner und Andersgläubige ohne Unterschied be­stimmt ist; in derselben sollen Beamte für alle Zweige der Staats-Verwaltung, and) für die diplomatische Laufbahn, heraugebildet werden. Es heißt sodann m der betr. Mittheilung: Diese Gründung beweist die feste Absicht des Sul­tans, nickt blos das Ziel für die Ausbildung der Beamten höher zu stecken, sondern namentlich auch zwischen Türken und Christen keinen Unterschied und den Anspruch auf die Staats-Äemler allein von der persönlichen Würdigkeit ab­hängig machen.

Lokal'Notiz.

Gießen, 5. März. Jagdfreunden dürfte es von Interesse sein zu hören, daß gestern von drei hiesigen Jägern ein ca. 200 Pfd. schweres Wildschwein (Keuler) im Distrikt Hcrrnwald erlegt worden ist.

Gießen, 5. März. Gestern, am 4. März, wurde in dem Städtchen Allendorf a/Lda. eine freiwillige Feuerwehr gegründet. In einer Nachmittags im Nein'schen Hallhause adgehaltenen Versammlung, welcher eia Thetl des Vorstandes der hiesigen frei», städt. Feuerwehr, sowie Herr Büraermeifter lieber und mehrere Gemeinderäihe von Allendorf beiwohnten, constituirte sich das Corps und erwählte einen proo. Vor­hand. Der Herr Bürgermeister, welcher dem Unternehmen, als nur im Interesse der Gemeinde liegend, sehr zugethan ist, versprach mit seinem Willen und Fürsprache das Institut zu fördern und Hal sich dadurch um den Dank der Gemeinde sehr »erdirnt gemacht. Dasselbe gilt ebenso von Herrn Kaufmann H. W- Moll. Möze das junge Corps kräftig aedeihen zum Segen der Gemeinde im Ganzen, sowtt jeden einzelnen Einwohners. Ehre aber auch dem Stadtvorsiande, der in gereckter Würdigung seiner Pflichten, einem Unternehmen seine Unterstützuv. verleiht, welches doch nur zun Wohl >er Gemeinde besteht. Allen größeren Gemeinden unseres Kreises dürfte die Gemeinde Allendorf a/Lva. zum Vordilde dienen.

--Gestern Mittag wurde die Leiche des verstorbenen Rectors unserer Univer­sität vom Sterbehause auf dem mit 6 Pferden bespannten Trauerwaftcn und unter Musikbegleitung nach dem Bahnhofe geleitet, von wo dieselbe nach München übergefüDrt worden ist.

Mittheilungen aus dem Gewerbeverein.

lieber ,,Bauschäden" batte, wie bereits in unserem vorigen Artikel erwähnt, Herr Stadtbaumeister Stief am 31. Jan. einen sehr dankenSwerthen Vortrag .rehalten. Orgleich sih dazu ein großer HörerkreiS eingefunden, so dürfte eine kurze öffentliche Besprechung dieses zeitgemäßen Vortrags für unsere baulust-gen Mitbürger doch von besonderem Interesse sein. Der Redner besprach für heut- abgesehen von der Güte des Baumaterials diejenigen von ihm beobachteten Bauschädcn, welche durch fehlerhafte Constructionen, Leichtfertigkeit und Unachtsamkeit bei vielen mit der Ausführung eines Baues verbun­denen Arbeiten, und nicht zum geringsten Theile gerade in unserer Vaterstadt zum öftern vorgekomme» und noch Vorkommen.

Zunächst rügte der Vortragende mit Schärfe die leichtfertige Art des Fundamen- tirens mittelst nur trockenen Aufeinanderwerfens der Bruchsteine für die untere Schicht der Fundamentmauer. Das nachherige Uebergießen einer solchen höheren Stetnschicht mit einigen Kübeln Mörtel ersetzt doch wahrlich nicht eine regelrechte Maurerarbeit- Bet diesem- Verfahren zahlreich bhibenbe Lücken zwilchen den Steinen erleichtern dem Master die Unterwühlung des Fundamentes und da« Aufsteigen der Grunderde zwischen die Steinschichte; ein Rach sink n ber oberen Mauer ist dann mioermei-ckich-' Fstg-. (td muß unter der Bodenlinie von der Fundamentsohle aus mindestens ebensogut gemauert werden wie über derselben. Ja m Baden ist es üblich, mit einer fetten SpeiSschichte zu ^mauern" lagerhaften Fundamentsteine einzusetzen und dann regelrecht weiter

Eine weitere Rüge wurde dem Aufmauern auf sehr verschiedene Schichthöhe an einem und demselben Baue zu Theil- Hierdurch entsteht ungleicher Druck auf die unteren Partieen uub infolge dessen die Trennnna der Mauer.

Anstatt rvn Baugrund rechtzeitig an das aufgcführte Fundamentmaucrwcrk beim- ullen und abzudmnmen, um das Wasser abzuhalten, bleibt d.r Grunb mitunter wochen­lang bei Seite liegen und der Fun>aM;ntgraden offen; e5 bilden sich dann förmliche Wasserbehälter rings um das Mauerwerk mit seinem noch frischen Mörtel, welcher da da« Regenwasser hübsch zugeführt und beibebalten wird, auf diese Weise 'aus den Fugen herausgespült werden muß. Um so leichter geschieht dieses «z-rstorunaswe f wenn es infolge ber oben beschriebe«« schlechten Ausführung ber untersten Schichten nickt an Lücken zwischen den Steinen fehlt; Folge: Reißen, Sinken, ober gar Ein­stürzen der Mauern;

Auch die O-ewölbe-Lchabloncu «erben meist nicht sorgfältig genug her^estellt- an­statt genaue Kreisbogen mittelst ner 5a«e auszuschneid-n, werden d e Segmente' roh mit dem Handbeil gezimmert. Die Ftgen der Gewölbsteine kommen b<i solchem Mach­werke nicht radial zu laufen, das Bevölbe erhält dadurch keine Tragfähigkeit und die weiteren Folgen bleiben nicht aus.

Dav so unscheinbare Baugerüst kann nicht ausmerksam genug behandelt werden B^.n dessen sel-irige Verspannaig srch genannte Wmdstreben unterbleibt wenn Wagen voller Steine wider dasselbe geworfen werden, bann kann das Gelüste mit seinen Schnurk-rben unmötzliv in Oonung bleiben; Folge: Trotz der «mvennl-ig des Senkel- werden die Manern doch nist geradel

Die übermäßige ^Belastung ein-Iner Theile des Neu'mneS durch Anhäufung von Baumaterial an einer Stelle, ber Mngel an geeigneten Heb- und Bersehvorrichtungen und die dadurch verursachte häufige Zcschädigung roeitmücr Hausteine fanden eben­falls ihre eingehende Erörterung.

Auch wu.de erläutert, an weben Stelle:: die Maueranker anzubringen u.id wie dieselben za conftruircn seien, wenn ie ihren Zweck gehörig erfüllen sollen.

Dann besprach der Redner nch eine Rc.he der wichtigsten Arbeiten des Bau- Handwerkers, u. a. über TbürPfoNe, Riegclwünde, Sticken ber Decken, über Dächer Schornsteine, Dachkandeln u. s. w., welve G.-genstände wir aber, um mit ber Inan' spruchnah^e dieses Blattes nicht unlscheiden zn erschemen, weiter nicht besprechen wollen. Nur das eine möchten wir noch b vorheben, daß es nämlich sehr wichtig ist, alle Deckenbalken vo» ganz genauer Läze abzu'chneiden, und dieselben nicht einzumöue.n. Durch die nicht gänzl'ch zu nermeimbe, wenn auch noch so geringe, Bewegung solcher eingemauerten Balken, wird es enözlicht, ganze Partieen des Mauerwerks zu »er.- rütteln.

Wer an den vorgeführten ?nschäden die Schuld trage, wurde nicht unerörtert fldaffen. Dieselbe sollte zuvördersden die Leitung des Baues fübrenben Architekten bezw. den cusführenden Handwe-rnttster treff n: zu einer constructionswidrigen Aus- führung, welcher Art sie auch sei, >enn eine solche vom Bauherrn angesonnen werden sollte, dürften erstere schlechterdiugmicht die Hand bieten!

Der Redner halie c5 verlndtN, aad? dem N'chtsachverständigen seine Beleh­rungen recht einleuchtend zu mach und wurde datz Verstärdniß des Vortrags duich größere Handzeichnungen, die dselbe an der Tafel entwarfen, erleichtert.

Die zahlreich versammelte Zuhörer nahmen diesen Vortrag au6 welchem ganz besonders zu ersehen, ein w nützliches Institut ein tbätiqer G-werbeverem fern kann dankbar entgegen; schat daß d'e Mehrzahl unserer Herren Bauhanbwerk-- ! Meister an beat Besuch desselbenerhindert gewesen zu sein schienen! 0. B.

Allgemeiner Anzeig r.

Bekamttumchnug.

1218) Es wird bekannt gemackt, daß die Landgestütsbeschäler für die Landgestütssiationett Berstadt und Grünberg bereits abgegange» sind.

Gießen, den 3. März 1877.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.

B e k al n t m a ch u n g.

1154) Die Straßeb au pläne über die Schießgärten, den Krof- dorferweg und deren Umzebtz liegen zu Jedermanns Einsicht 14 Tage lang dahtcr offen.

Gießen, den 28. Febru 1877.

Großherzliche Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm.