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Leitung des Hofstalls der Großh. Major ä la suite der Kavallerie Freiherr von Nordeck zur Rabenau beauftragt worden.

Darmstadt, 3. August. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben durch Allerhöchste Entschließung vom 31. Juli den seitherigen Hossekretär Karl Ackermann zum Cabinetscassier mit dem AmtstitelRechnungsrath" mit Wir­kung vom 1. August d. I. ernannt.

Hesterreich.

Pesth, 2. August. Minister-Präsident v. Tisza empfing heute die Depu­tation der kürzlich hier gehaltenen Volks-Versammlung, an deren Spitze Franz Pulszky erschien. Nach Verlesung der von der Versammlung gefaßten Resolu­tionen erklärte der Minister Folgendes: Eine dauernde Abhülfe gegenüber den verurtheilten Greuelthaten sei erst nach Herstellung des Friedens möglich. Die unberufene Einmischung einer einzelnen Macht könnte die Dimensionen des Krieges nur vergrößern. Er hoffe, die Zeit sei nicht fern, in welcher den euro­päischen Mächten die Gelegenheit geboten sei, den Greueln dauernd ein Ende zu machen. Die Regierung betrachte den Schutz der österreichisch-ungarischen Interessen als ihre Aufgabe, müffe jedoch hierbei Gut und Blut der Nation möglichst schonen. Es ist nothwendig, unter Besiegung selbst der berechtigtsten Gefühle die Eretgniffe nüchtern abzuwägen, die Lage und Stimmung Europas bei jedem Schritte zu berücksichtigen und nur als Ziel im Auge zu behalten, daß die Jntereffen der Monarchie den zukünftigen Ereignissen gegenüber unver« letzt gewahrt blieben. Die Regierung werde zu der geeigneten Zeit nicht zögern, die geeigneten Mittel zu ergreifen, sich aber vor jeder Uebereilung hüten.

England

London, 2. August. Unterhaus. Northcote antwortete auf eine An­frage Whalley's, er habe von Setten der russischen Regierung niemals eine Mittheilung erhalten, in welcher dieselbe sich geäußert habe, England müßte, um die Verletzung seiner Interessen in Aegypten zu verhindern, seinen Einfluß dahin geltend machen, daß Rußland nicht durch offene Feindseligkeiten Aegyptens gezwungen sei, sich seinerseits durch einen Angriff zu schützen.

Spanien.

Madrid, 2. August. DieGaceta" veröffentlicht den Plan der spa­nischen Armee-Organisation. Danach besteht die Armee in Kriegszeiten aus 243,000 Mann Infanterie, 30,000 Pferden und 206 Geschützen. Das Trup- pen-Contingent wird in Friedenszeiten nach den Bedürfnissen des Budgets vermindert.

Amerika.

New-Uork, 2. August. Die hiesigen Bürger haben ein Sicherheits- Comit6 gebildet. In Scranton wurden gestern Ruhestörer gewaltsam zerstreut. Bei Wilkesbarre wurden von strikenden Arbeitern Eisenbahnzüge angehalten; auch an mehreren anderen Orten sanden aiifständtsche Zusammenrottungen statt. Nach der Grafschaft Luzerne sind 2000 Milizen zur Wiederherstellung der Ord- nung abgesendet worden.__________________________________

Der orientalische Krieg.

Konstantinopel, 2. August. Ueber den Kamps der türkischen Corps unter Reuf Pascha mit den Ruffen wird noch weiter gemeldet: Am Dienstag griffen die Ruffen dieses Corps bei Eskisagra an; dasselbe zog sich nach sieben­stündigem Kampfe auf Karabuna zurück. Am selben Tage nahm Suleiman Pascha den Kampf wieder auf, schlug die Ruffen zurück und nahm Eskisagra wieder ein. Der russische Verlust ist bedeutend.

Wien, 2. August. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 1. August: Die Schlacht bet Plewua begann am 29. Juli um 9 Uhr Mor­gens und dauerte ohne Unterbrechung bis 30. Juli um 2 Uhr Morgens. Die türkische Armee, durch Corps von Niksic, Sofia und Widdin verstärkt, zählte 80,000 Mann und nahm eine außerordentlich feste Stellung auf der den Wid- fluß dominirenden Hügelkette ein. Die russischen Armeen, bestehend aus dem Corps Krüdener, der Division Schachowsky und der Kosaken-Brigade Skobeleff, griff die beiden Flanken des Feindes an. Die Division Schachowsky vertrieb durch einen vehementen Bajonnet-Angriff die Türken aus drei Positionen, konnte sich jedoch wegen des Feuers von höheren Punkten nicht behaupten. Im Cen­trum gelang es einem russischen Bataillon, sich auf kurze Zeit Plewnas zu be mächtigen, daffelbe mußte sich aber in Folge eines Kreuzfeuers alsbald unter empfindlichem Verlust wieder zurückziehen. Die Verluste waren auf beiden Setten bedeutend. Der Verlust der Ruffen beziffert sich auf 2000 Todte und 4000 Verwundete. Die rumänische Armee eröffnete heute an mehreren Punk­ten des Donau-Ufers ein heftiges Bombardement.

Wien, 3. August. Ein Telegramm derNeuen Fr. Pr." meldet aus Bukarest vom 1. August: Osman Pascha, welcher augenblicklich über 60,000 Mann commandirt, zieht Verstärkungen heran. Seine Armee rückt gegen Si- stowa vor. Die Division Manu hat Nikopolis verlassen und wurde mit einem russischen Corps nach Plewna dirigirt. An deren Stelle hat die Division Angelescu Nikopolis besetzt.

Lokal-Notiz.

Gießen, 4. August. Leider machen es die höheren Zweck«? der Staatsverwaltung nicht immer möglich, daß Verwaltungsbeamte in Kreisen, In welchen sie segensreich ge­wirkt und sich das Vertrauen der Bevölkerung erworben haben, entsprechend gar vielen Wünschen belassen werden, so ungern sie auch selbst aus den ihnen ltebge- wordenen Verhältnissen sich trennen und so wenig allzuhäufiger Wechsel für den be­treffenden Kreis von Vortheil sein mag.

Die allgemeine Anerkennung ihrer Wirksamkeit auch seitens der Kreisangehörigen mag ihnen dann das Scheiden aus den lieb gewordenen Verhältnissen in etwas er­leichtern.

Der Kreis Gießen und die Provinz Oberhessen verliert durch die neuesten Ver­setzungen in den höheren Verwaltungsstellen seinen bisherigen Kretsrath und Pro­vinztaldirektor Freiherrn Röder von Diersburg und in wie hohem Grade der aanze Kreis, in dem er seit Errichtung des neuen deutschen Reiches segensreich wirf.;, fein Scheiden bedauert, davon gaben zwei in den letzten Tagen ihm zu Ehren gegebene Abschiedsessen lebhaften Ausdruck.

Am 25. Juli waren sämmtliche Bürgermeister des Kreises Gießen im Gasthaus zum Einhorn versammelt, um ihrem bisherigen Kreisrath Lebewohl zu sagen und am 28. hatte sich eine größere Versammlung, bestehend aus Mitgliedern der VnwaltungS-, Gerichts- und Militärbehörden, der städtischen Vertretung, der Universität und einer großen Zahl von Einwohnern der Stadt und Umgegend, in Wenzel's Saal vereinigt, um den Gefühlen der Anerkennung für sein Wirken und des Bedauerns über sein Scheiden Ausdruck zu geben.

Die tiefe Bewegung bei den herzlichen Worten, mit welchen Herr v. Röder bei beiden Gelegenheiten von den Theilnehmern der Fcstoelsammlungen, wie schon slüher von der Kreis- und Provinzialvertretung, Abschied nahm, war untrüglicher Ausdruck, daß er ebenso mit schmerzlichem Bedauern den Kreis seiner bisherigen Wirksamkeit und seine bisherigen Mitarbeiter verläßt, wie diese dem ebenso freundlich wohlwollen­den und anspruchslosen wie gerechten und eifrigen Beamten ein dauerndes Andenken be­wahren werden.

Wir zweifeln nicht, daß auch in dem neuen Kreise seiner Wirksamkeit, dem Kreise Mainz, der ja auch seinen bisherigen verdienten Beamten sehr ungern verlor, ihm das Vertrauen der Angehörigen des Kreises und der Provinz ebenso entgegenkommen wird wie hier und ihm dadurch eine segensreiche Wirksamkeit erleichtert wird.

Vermischtes.

Durch die Blätter geht eine Anzeige, überschrieben ,,Zur Beachtung für Alle!* Ein schönes Geheimnitz sehr stark zu rotrben", und unterzeichnetM. L. Müller in Erfurt", worin gesagt wird, daß man für 1 JL das Gehermniß erfahre, allgemeine Kraft und Stärke zu erlangen. Ein Kölner Einwohner sandte, wie dieK. Z" mittheilt, die verlangte Summe an den rc. Müller und erhielt dafür m einem unfrunfirttn Cou­vert folgenden gedruckten Zettel:Um stark zu werden! Man nehme eine Flasche guten Rothwetn, vergrabe den Wein in die Erde in einen Ameisenh rufen und lasse den Wein ein ganzes Jahr darin. Dann nehme man den Wein wieder heraus und trinke zuweilen etwas davon, so wird man Kräfte bekommen, die mit Verwunderung zu­nehmen. M. L. Müller in Erfurt." Der Betrüger hat diesen Wisch noch mit der An­merkungNachdruck verboten" versehen.

E n wichtiges diätetisches Mittel zur Abwehr resp Bekämpfung verschiedener Krankheiten bildet der Wein; namentlich sind es einzelne Weinsorten, wie Malaga, Portwein, Madeira, Ungarwein u. s. w. die zu Heilzwecken verwandt werden. Desto strafwürdiger aber erscheint die Verfälschung gerade dieser Weine, wie sie gegenwärtig in wahrhaft schamloser Weise betrieben wird. Wie man der N. A. Z. schreibt, hat dieser Tage nun eine an die Behörde erstattete Anzeige das Geheimniß der Fabrikation derselben in einer der größten Kunstwetnfabriken Berlins enthüllt. Von den großen Vorräthen des Kunstweinlagers ist je nach den EttquetteS eine Flasche mit Beschlag be­legt und chemisch untersucht worden, wobei sich ergab, daß sämmtliche Weine aus Spiritus, einer Zuckerauflösung und aus verschiedenen Medicamenten je ncd) dem Ge­schmack, den der Wein dem Etiquett entsprechend haben soll, bestehen. Namentlich ist viel Gewürz in der Flüssigkeit enthalten, dagegen auch nicht ein Tropfen natürlicher Wein. Um einen recht großen Absatz dieses der Gesundheit keineswegs zuträglichen Getränks zu erzielen, haben die Fabrikanten zu einem neuen Zugmittel ihre Zuflucht genommen. Sie haben nämlich in verschiedenen kleinen Städten Auctionen veran­staltet, auf denen ganz erhebliche Quantitäten verkauft worden sind. Ob die Unter­suchung auf Betrug oder auf Verfälschung von Getränken nach 8 367 Nr. 7 Str.-Ges -B- zu richten ist, wird sich aus dem Abschluß derselben ergeben.

Aus Teplttz gehen der Bohemia folgende Mittheilungen zu über eine soge­nanntereligiöse Secte", deren Treiben dieser Tage aufgedeckt wurde. Im nahen Eich­wald wurden schon seit längerer Zeit geheime Versammlungen abgehalten zum Zweck, eine neue religiöse Secte,Aposteloerein" zu gründen. DiePropheten" des neuen Glaubens, zwei Mitglieder ähnlicher Secten in Sachsen, fanden einen großen Anhang für ihre Lehren in den Arbeiterkreisen mehrerer Ortschaften der Umgegend, so daß die geheime Gemeinde schon an 300 Mitglieder zählte. Von jedem verdienten Gulden mußten die Arbeiter 10 Kreuzer in dieBrudercasse" abliefern. Freilich waren die Hauptsatzungen des neuen Glaubens auch solche, welche namentlich auf das geistrsbe- schränkte Proletariat eine besondere Anziehungskraft ausüben mußten. Wer Schulden hat, braucht dieselben nicht zu bezahlen. Wer Soldat ist, braucht nicht einzurücken. Eigenthum ist Diebstahl und alle außerhalb der Gemeinde stehenden Besitzenden müssen mit den Apostelbrüdern theilen. Klöster und Kirchen fallen der Bruderschaft zu. Auch der Deutsche Kaiser und der Papst seien Mitglieder des Vereins, letzterer jedoch nur in der Eigenschaft als Bischof und unter der Bedingung, daß er sich den Satzungen des Vereins unterordne, sonst werde er abgesetzt. Am letzten Sonntag überraschte die eichwalder Gendarmerie, die von dem geheinmtßvollen Treiben des ..Apostelvereins" Kunde erhalten hatte, dieBrüder undSchwestern", als sie just Im Eichwald ver­sammelt waren. Als der Leiter der Versammlung,Consistorialraih' genannt, ent­puppte sich ein czechischer Schneidergeselle, der einige Jahre in Sachsen lebte. Dian verhaftete denConsistorialrath" und nahm dasArchiv" des Vereins mit.

Der Coloradokäfer in Mülheim ftm Rhein.

Köln, 28. Juli. Leider ist der Wunsch, den wir in unserem Bericht über den in den Gemarkungen unserer Nachbarstadt Mülheim vorgenommenen Vertilgungsaet des Coloradokäfers ausgesprochen, daß der Nerbrennungsproceß der erste und zugleich der letzte in den Rheinlanden und in Deutschland sein möge, nickt in Erfüllung gegangen.

Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr machte einer der Leute, welche angestellt sind, um in den mülheimer Feldern nach Käfern und Larven des gefürchteten Feinves der Kartoffelpflanzungen Nachforschungen zu halten, dem Bürgermeister genannter Stavt Vie Anzeige, daß er neuerdings einige Larven des gefräßigen Jnsects aufgefunden habe, und zwar auf einem Kartoffelacker, welcher im Nordosten an dasjenige Terrain angränzt, das unlängst desinfieirt worden ist. Der Bürger­meister begab sich an Ort und Stelle unv fand die Mittheilung des Mannes bewahrheitet. Auf einer kleinen Fläche von wenigen Quadratmetern zeigten sich an den Karteffelsträuchem einige vierzig Larven in den verschiedensten Stadien des Wachsthums Sofort wurden Seitens der Behörden die schärfsten Maßregeln zur Vertilgung der Thiere getroffen. Nicht allem das betroffene, sondern auch die nebentiegenben S-ücke, an der -inen Seite bis zu einer breiten Straße hin, nach den beiten anderen bis zu Parzellen, die mit Küchenkräutern bepfi.nzt sind, wurden mit Gräben umzogen, mit Sägespänen bestreut und mit Steinkohlenbenzoyl getränkt. Auch in die Gräben goß man bedeutende Quantitäten dieses leicht brennbaren Oels. Dann begann man den Verbrennungsproceß; jedesmal behandelte man eine kleine Fläche und sckritt so auf dem zur Desinficirung bestimmten Terrain immer weiter. Heute Vormittag erfolgte die Fortsetzung des Vertilgungskrieges. Das Ausgießen des Benzovls in die gezogenen Gräben hatte den Zweck, daß diejenigen Larven, welche etwa vor der Feuersglut fliehen sollten, in den Gräben, in die sie unbedingt hineinfallen mußten, von dem Geruch des Oels betäubt und später durch das Feuer getödtet würden. Versuche, welche der Bürgermeister mit dem Benzovl angestellt, hatten nämlich ergeben, daß der Coloradokäfer und seine Larven, wenn man sie in die Nähe eines mit dieser Flüssigkeit getränkten Papiers brachte, sofort betäubt wurden. In diesem Zustande in die Sonne gelegt, kamen sie nach etwa 3/< Stunden wieder zu sich. Tauchte man dagegen die Thiere in die Flüssigkeit, so waren sie bald verendet. Heute Vormittag iah man eine ziemliche Anzahl von Leuten auf den abgebrannten Stellen den Boden mit Spaten umgraben und in diesem sorg­fältig nach Puppen forschen. Für den Nachmittag war die Fortsetzung dieser Durchsuchung des Bodens angeordnet. Nachdem diese beendigt sein wird, wird das ganze vesinsicirte Feld umge­pflügt, von Neuem mit Benzoyl übergossen und fo_ einer nochmaligen Durchbrennung, resp. Durchglühung ausgesetzt werden. Auf diese Weise hostt man die letzte Spur des gesährliichen Ungeziefers zu vernichten.

Don einem praktischen Arzte empfingen wir nachstehende Zuschrift, die wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen.

Gestützt auf meine mehrjährigen, vielseitig mündlich und schriftlich geführten Correspondenzen mit Blasen- und Geschlechtskranken und beseelt von dem Wunsche die ge­sammelten Erfahrungen (da die Medicin ja eine Erfahrungswissenschaft ist) auch einem weiteren Kreise zu Nutzen kommen zu lassen, bringe ich hiermit zur Veröffentlichung, daß ich die von dem Herrn Apotheker Dr. Tiedemann in Stralsund her iteten Pen- t*ao -Präparate gegen Geschlechtsschwäche, ganz besonders bei chronischen Bla« sevkatarrhen, Blasendlennorhoeen, hervorgegan-en aus früheren acuten Blasenkatarrhen, in zahlreichen Fällen angewendet habe, und daß dieselben von so vortreffl'cher Wirkung sich zeigten, daß ich in meiner vierzigjährigen Praxis kein besseres pharmaco-dynami­sches Heilmittel gegen diese Leiden kennen gelernt habe. Da auch der Preis für die­selben von 7 ein so geringer, wie der Heilwerth der Präparate ein gleich hoher, so kann ich dieselben jedem Hülfesuchenden in obigen Fällen aus innerster Ueberzeugung nur empfehlen.

Solingen, den 22. Juli 1877.

Dr. Padberg,

4300) Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer.