Einzelbild herunterladen

1879.

Anzeige- ob AMM fit den Kreis Gießen.

Amtlicher Hheit. Bekanntmachun g.

Wir hoben «geordnet, daß das Schwemmen der Pferde in der Lahn nur an dem durch ein Piakai bezeichneten Orte und zwar oberhalb der dort in der Lahn angebrachten Barriere stattfinden darf. Indem wir dieses zu öffentlichen Kenntniß bringen, machen wir zugleich daraus aufmerksam, daß Ueber- tretungen dieser polizeilichen Anordnung nach Art. 296 des Polizeistrafgesetzes mit 1 bis 5,14 bestraft werden.

Gießen, am 3. August 1877. . .

Großherzogliche Polizeiverwaltung der Provmzml-Hauptstadt Gießen.

Fresenius.

era

Herzform, verschiedene Schlüssel.

Gießen am 2. August 1877.

geordnet.

Die hessische Regierung ist wegen der interimistischen Verwaltung der Diöcese Mainz, zu welcher auch mehrere preußische Kirchspiele gehören, mit der preußischen Regierung in Verhandlung getreten; das Mainzer Domkapitel hat bekanntlich den Domkapitular Dr. Moufang, einen der eifrigsten ultramontanen Agitatoren, zum Bisthumsverweser gewählt. Für die inneren Verhältnisse der ultramontanen Partei in Bayern ist es charakteristisch, daß das Haupt des Vereins der deutschen Katholiken", Fürst Karl zu Löwenstein, in dem Kampfe desFränk. Volksbl." gegen dieBavaria" offen für das erstgenannte Organ, also für Dr. Sigl Partei ergriffen hat; dieser Schritt eines Mannes, der um bedingter auf ein päpstliches Gebot hört und mehr für den Papst gethan hat, als irgend ein anderer deutscher Aristokrat, deutet darauf hin, daß die ultra­montane Partei im Begriff steht, ihre Kampfweise zu ändern und jeder Trans­actton in politischer wie kirchlicher Beziehung den Krieg zu erklären gedenkt.

In Oesterreich-Ungarn war das öffentliche Interesse ausschließlich den orientalischen Angelegenheiten zugewandt. In Pesth fand eine türkenfreund- ltche Volksversammlung statt, welche eine Resolution annahm, durch welche die Ausbreitung der Macht Rußlands für unvereinbar mit den Interessen Oester­reichs erklärt und die Regierung aufgefordert wurde, auf Beendigung der in­humanen Kriegsführung hinzuwtrken. Die Regierung scheint indeß, wenn sie auch eine verstärkte Kriegsbereitschaft in's Auge gefaßt hat, noch immer nicht geneigt, aus ihrer bisherigen Neutralität herauszurreten.

Auch in England schreit man viel über die von den russischen Truppen verübten Greuelthaten, die Regierung hat sogar dem Unterhause ein besonderes Blaubuch mit Berichten über dieselben vorgelegt. Darum aber, daß man an die eigene Brust schlüge und einen Thetl der Schuld an den angeblichen Grenel- thaten aus eigene Rechnung schriebe, weil man den Ausbruch des Krieges durch mißtrauische Opposition gegen die Vorschläge des Drei-Kaiser-Bündniffes zur Verbesserung des Schicksals der Christen befördert hat, ist keine Rede. Uebri gens hat die Truppenverschiffung nach Malta keine Partei befriedigt. Die Torys" tadeln die Halbheit der Maßregel und verlangen eine offene Action gegen Rußland, die Liberalen verurtheilen die Maßregel als inopportun. John

Kaiser Wilhelm erfreute sich in Gastein sordauernd des besten Wohlseins und nahm täglich amtliche Vorträge entgegen. Es gilt nunmehr als ausgemacht, daß derselbe auf seiner Rückreise eine Zusammenkunft mit dem Kaiser Franz Joseph haben wird. Der Kronprinz, der sich mit seiner Ge­mahlin im Seebad Ostende aufhält, hat seine Anwesenheit in Belgien u. A. dazu'benutzt, die Sehenswürdigkeiten Antwerpens, insonderheit die Befestigungs- werke dieser Stadt zu besichtigen; bei dieser Gelegenheit trat das vertrauliche Verhältniß zur belgischen Königsfamilie, welche das Kronprinzen-Paar überall hin begleitete, in bemerkenswerther Weise hervor.

Fürst Bismarck weilt noch immer in Varzin. Daß er dort aber nicht blos seiner Gesundheit lebt, beweist der rege telegraphische Verkehr, der zwischen Varzin und Berlin herrschte; die neueste Entwickelung der orientalischen Frage hat ihm ohne Zweifel genug zu thun gegeben. ,

Während die Wiederaufnahme der Unterhandlungen über Abschluß eines Haiidelsvertrags mit Oesterreich bis vor Kurzem weiter als je in die Ferne gerückt schien, haben die deutschen Unterhändler nun endlich Weisung be­kommen , sich für die nächsten Tage zur Abreise nach Wien bereit zu halten. Die Fertigstellung der nicht weniger als 80 Meilen langen unterirdi s ch e n Telegraphenleitung zwischen Berlin, Leipzig, Frankfurt und Mainz, der ersten von dieser großen Ausdehnung auf der ganzen Erde, wurde vom General- Postmeister Stephan mit Recht als ein bedeutsamer Fortschritt auf der Bahn der Culturentwickelung gepriesen. Gegen den Coloradokäfer, der tu bet Gegend von Mülheim a. Rh. von Neuem aufgetreten ist, hat das landwirth- schastliche Ministerium sofort wiederum energische Vertilgungsmaßregeln an-

Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius.

Bright hielt in Bradford eine Rede, in der er sich entschieden gegen jeden Ver­such. Rußland am Vordringen auf Konstantinopel zu verhinderu, aussprach, und in demselben Sinne äußerte sich Lord Hartington bei dem Fischhandler-Banket in der City. Der Marine-Minister Ward Hunt ist in dem deutschen Badeorte Homburg nach längerer Krankheit gestorben.

Die griechische Regierung hat der französischen angezeigt, daß sie die für 1878 projectirte Weltausstellung der politischen Lage wegen nicht beschicken könne, und zugleich die Schließung der Deputaten Kammer, welche dieser Tage erfolgen sollte, aus Mitte September verschoben. Dies deutet daraus hin, daß Griechenland nunmehr endlich entschlossen ist, in die Action gegen die Türkei einzutreten, um bei der bevorstehenden Liquidation des osmanischen Reiches nicht zu kurz zu kommen. Die geheimen griechischen Comites in den verschiedenen türkischen Provinzen werden unter den Augen der Regierung von einem Ccntral-Comitü in Athen geleitet. Schon sollen griechische Freiwillige

Gefundene Gegenstände: ,

Ein Teppich, 4 Regenschirme, 3 Portemonnaies, 1 carrirtes seidenes Halstuch, 1 blaues gehäkeltes Halstuch, 1 gtune Knabenmutze, 1 Medaillon m

die thessalische Grenze überichritten haben. m l

In Frankreich bildete die Reise des Marschall-Prasidenten nach Bourges und die Rede, welche der sonst so schweigsame Mann dort als Erwidern,ig auf eine Ansprache des Maire gehalten hat, bas wichtigste Tagesereignlß. Er er­klärte, daß er entschlossen sei, nach Außen den Frieden zu erhalten, >m Innern durch fortgesetzte Bekämpfung des Radicalismus das System der moralischen Ordnung dnrchzuführen, unter allen Umständen aber auf seinem Posten zu bleiben. Er hat damit indeß nichts Neues gesagt und auch feine Partei be­friedigt. Bei der fortdauerndeii Uneinigkeit der monarchischen Parteien und dem engen Zusammenhalten der Republikaner wird es nachgerade aller Manö­ver der Regierung ungeachtet, immer nnwahrschemlicher, daß die Neuwahlen dem Marschall Männer zusühren werden, welche seine Politik unterstützen wollen. Die Zukunft Frankreichs bietet daher noch immer recht trübe Aussichten. (ommen roicber Nachrichten über die unveränderte und unver­söhnliche Gesinnung des Paticans. Die officiöse» Organe desselben dementtren nämlich ans das Nachdrücklichste die Gerüchte über die angebliche Neigung des Papstes, sich mit der italienischen Regierung auszusöhnen, und bestehen zugleich auf der Nothwendigkeit, die Grundsätze des Syllabus und des vatikanischen Coucils überall streng durchzusühren. Daß der Kreuzzugzur W'edkrherstellung der weltlichen und zur Verstärkung der geistlichen Macht des Papst-s u, Zu­kunst mit noch größerer Energie betrieben werden soll als bisher, beweist die Gründung einerinternationalen katholischen Liga", deren Plan der Papst ge> nebmiat hat, mit dem Sitz in Rom- Mittlerweile nimmt der Scandalproceß über die Erbschast des Cardinals Antonelli seinen Fortgang l di«^ Entscheidung des Gerichtshofes für Zulassung der Zeugenvernehmung sprich dafür , daß der Äusgang für die natürliche Tochter des Cardinals günstig ausfallen wird. Der Kriegs-Minister Mezzacapo geht mit dem Plane um, Rommit

werken zu umgeben, um die Hauptstadt gegen einen feindlichen Handstreich iU ^7' den Vereinigten Staaten Nordamerikas ist Pie Situation be- ruhigter geworden. Jedenfalls scheint sich der plötzlich so rechend ^geschwollene Strom des Eisenbahn-Aufruhrs in den östlichen Staaten langfan »u »erfaufen, wenn er sich auch im Westen und Sudwesten, wo die staatlichen Machtmitel verhältnißmäßig schwach sind, noch einigermaßen behauptet.

Deutschland.

Darmstadt, 2. August. Se. König!. Hoheit der Grobherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 19. v. Mts. bem ®efu$e Stallmeisters Fre,Herrn van der Capellen van Berkenwoube um Versetzung den Ruhestand mit Wirkung vom 1. August ab zu willfahren geruht.

Mit der Führung der Geschäfte des Oberst-Stallmeisteramts ist d Großh. General-Adjutant, General der Kavallerie Freiherr von Trotha, mit de