1. Die bei der Parzellenoermlssung in der Gemarkung Gießen zur Absteinun- der Grundstücke erforderlichen Steine fallen bei der Gemeinde Staufenberg für den Preis vo.i 15 H pro Stück an gekauft werden.
2. Auf oas wiederholte Gesuch des Gastwirths Christian Jungblut um Belastung Der Durchfuhrt zwischen dem Eisenbahudamm und dem ThorhauS nach dem Zromenadehaus hin ist bejchlossen worden, demselben unter den noch festzustellenden Bedingungen statlzugeden.
3. Wegen Ueberfüllung der 2., 3. u. 4. Klasse der höheren Mädchenschule ist deren Theilung, sowie die Anstellung eines academ. gebildeten Lehrers und von 2 seminaristisch gebildeten Lehrern genehmigt worden.
4. Nachdem b;e Theilung der 2. Klasse der Stadtmädchenschule bestimmt und wegen der hierdurch zu bes.tzendcn neuen Stelle Concurrenz ausgeschrieben worden mar, wurde mit Rücksicht auf das dem Stadtvorstand nach A>t- 40,2 des neuen Schulgesetzes zustehende Recht beschlossen, von den ausgetretenen Bewerbern, den Herrn Lehrer Kalbfleisch in Oder-Moos für diese neue stelle in Vorschlag zu bringen.
5. Nach Antrag der Baudeputatton wurde die Erweiterung des Spielplatzes bet der alten Realschule und die Bepflanzung desselben mit Bäumen beschlossen.
6 Ber den vorgelegten Bauplänen der Herren Gustas Bergen, Karl Flett, Ludwig Klinket, M- Scheel und Christian Zimmer fand sich kein Grund für Beai.flandung und eS soll die Genehmigung des dessallsigen Gesuchs beantragt werde».
7. ebenso sollen die Baugesuche von Herrn Io h s. B e cke r IV., welcher auf das Gartfeld und der Fran PH. Schmal! Wtttwe, welche auf eine Wiese am s. g. alten Stetnweg zu bauen beabsichtigen, unter der Bedingung zur Genehmigung empfohlen worden, daß von den Bittstellern auf Herstellung von Straßen, Beleuchtung, Canalt- sirung u. s. w verzichtet werden n.üffe.
8. Es wurde sich gegen die Gewährung des Gesuchs von Herrn L. Süß ausgesprochen, welche die Erlaubniß zur Erbauung einer Waschküche an der Weltergasse : bezweckt.
9. Die Belassung des von Fräulein Johannette Lein an ihrem Hausgarten hergertchteten Spaliers, welches noch mit einem Oela.rstrich zu versehen sei, wurde genehmig!.
10. Herr Bauunternehmer L. Kauf will an die Stelle des abzubrechenden ehemals Rolhmberger'schen Hauses in der Kaplansgasse einen N-ubau aufführen und hierbei toll Die von der Bauoeputation vorgeschlagene Baultnie eingehalten werden. Für Gelände, welches hierdurch in Die Straße fällt sollen zwei Mark Vergütung pro lüFuß
geleistet werden- „ t,
II. Dem Herrn Wiesenwärter Ludwig Zinßer wurde die Bedienung der städtischen Schleußen übertragen. Als Vergütung für die damit verbundene Arbeit erhält derselbe pro Jahr 50 X baare Vergütung und außerdem ift demselben die unentgeltliche Benutzung des Geländes bei der Schanze eingeräumt töoroen. Die zur ehemals Pipp'schen Schanze gehörig-n Gebäude sollen nirdergelegt werden.
12 Zu dem Ankauf detz erforderlichen Klee- und Grassamens für die städtischen Wiesen auS der Hand wurde Ermächtigung eriheilt.
Gießen, 4. Mai. Die seiner Zeit gegen einige hiesig Metzger von Seiten der Polizeiverwaltung wegen Verkaufs durch Stärkemehl verfälschter Wurst an das Gericht abgegebene Untersuchung hat nunmehr dadurch ihre Erledigung gesunden, daß die angezeigten 8 Metzger jeder in eine Geldstrafe von 20 X und zu 18 der Kosten rechts' kräftig verurtheilt worden sind.
Die sachverständige Untersuchung der beschlagnahmten Würste hatte einen Gehalt derselben an Stärkemehl von 5 bis 180/0 ergeben und hat das erkennende Gericht die Wü'ste für verfälscht erklärt, weil denselben ein an sich nicht in dieselbe gehöriger Stoff, der überdies die Eigenschaft besitzt, das Mehrfache seines Umfangs an Wasser und Fett zu binden, in solcher Menge zugesetzt worden sei, daß dadurch Qualität, «erkauf- und NahrungSwertb der Würste sehr erheblich beeinträchtigt worden sei. Vie den Würsten zugesetzte Stärke bestand thetls in Erbsen- und Bohnenmehl, theilS in Kartoffel-, Roggen-, Weizen- und Stärkemehl. _
Türkei.
Bagdad, 2. Mai. In vergangener Woche sind hier 254 Personen an der Pest gestorben; auch in Teheran ist dieselbe noch im Zunehmen.
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 1. Mai. Der Ober - Befehlhaber der türkischen Donau-Armee erhielt Instructionen, wonach nöthigenfalls die Schifffahrt zu verbieten sei und Schiffe zu requiriren wären. — Nach einer Depesche aus Batum bat am Sonntag ein unbedeutendes Gefecht stattgefundev.
Petersburg, 2. Mai. Aus Tiflis vom 1. d. Mts. wird telegraphirt: : Gestern früh beim Erscheinen der Avantgarde der Eriwan - Abtheilung vor Bayazid zog sich die türkische Garnison, 1700 Mann stark, auf die Höhen des Allada-Gebirges zurück, indem sie eine große Menge Munition zurückließ. Die Ruffen besetzten Stadt und Citadelle.
London, 2. Mu. Der britische Consul in Galatz hat dem auswärtigen Amte die amtliche Anzeige gemacht, daß auf Befehl des Oberst-Comman- direnden der russischen Armee die Donanschiffsahrt geschlossen ift.
Konstantinopel, 2. Mai. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Pforte diejenigen russischen Unterthanen, welche sich den türkischen Gesetzen nicht unterordnen wollen, binnen 14 Tagen aus Konstantinopel und binnen 21 Tagen aus den türkischen Provinzen auszuweisen. Der Postdienst über Varna ist wieder ausgenommen.
Bukarest, 2. Mai. Durch fürstliches Decret wird bestimmt, daß jeder Bezirk des Landes die Cadres zu einem Miliz-Bataillon aufzustellen hat. Die Stadt Bukarest formirt ebenfalls ein Miliz-Bataillon. Die Nachricht, daß außer der Convention vom 16. April und ihren Annexen noch ein anderer Vertrag zwischen Rußland und Rumänien exiftire. wird regierungsseitig als unbegründet bezeichnet. Die General-Kaffe in Galatz ist angewiesen, rumänische Münze an Zahlungsstatt anzunehmen. Vor der Mündung des Sereth ist ein rumänisches"Kriegsschiff ftationirt. Eine große Anzahl christlicher Familien aus der Türkei flüchtet auf russisches Gebiet.
Bukarest, 2. Mai. Der von den Kammern vorgelegte Gesetz-Entwurf, bett, die Einführung eines Moratoriums, bezieht sich auf die Verfallzeit von Handels-Effecten, Vorladungen vor Gericht, Pfändungen von Personen, die unter den Waffen stehen, Snspendirung, Verjährung und Ungültigwerden von Ctvilklagen.
Wien, 3. Mai. Das „Fremdenblatt" enthält eine Darlegung, wonach die vorübergehende Hemmung der Schifffahrt auf dem außerhalb der Monarchie liegenden Laufe der Donau für Oesterreich-Ungarn keinen Grund zu Beschwerden abgeben könne. Ein solcher^ Zustand möge wohl sehr unangenehm und schädlich sein, aber der Krieg brauche nicht nach der Bequemlichkeit der Neutralen und mit der äußersten Schonung von deren Jntereffen geführt zu werden. Die Hauptsache sei, daß die Grenzen der Neutralen respectirt würden.
London, 3. Mai. Ein Telegramm an „Lloyds" aus Sulina vom 30. April meldet: Die Donau ift unterhalb der Pruth Mündung durch Torpedos gesperrt, alle donauaufwärts gehenden Fahrzeuge werden peremptorisch zurückgewiesen. Der Sulina-Hafen ist frei.
bejahendenfalls, ob die Regierung so auf Grundlage von Garantieen handle, , welche die österreichisch ungarischen Jntereffen gegen alle Eventualitäten zu wahren geeignet seien; und ferner: welche Schritte geschehen oder beabsichtigt seien, um die Freiheit des Handels auf der unteren Donau anfrechtzuerhalten und das handeltreibende ungarische Publikum vor den durch V rhinderung des Handels entstehenden Verlusten zu bewahren. Somsich führte zur Begründun.i seiner Interpellation aus: Rußland sei zu kriegerischen Zwecken in das neutrale Gebiet der durch Europa garant-.rten Donau-Fürstenthümer eingerückt. Der bisher freie Handel an der unteren Donau sei in der von russischer. Seite erfolgten Besetzung der strategischen Punkte auf dem linken Donau Ufer factisch gehindert. Schließlich lasse die riesige Anzahl der in das Feld rückenden Truppen die Grenze der von Rußland angestrebten Ziele nicht einmal ahnen.
Frankreich.
Paris, 2. Mai. In der gestrigen Vorlesung des Profeffors St. Rens Taillandier kamen abermals antiklerikale Kundgebungen der Studirenden der Sorbonne vor. Dieselben riefen: „Nieder mit den Jesuiten! Nieder mit Dupanloup 1"
L o k a l. N o tiz.
Gießen, 4. Mai. Wir lassen nachstehend das Protokoll der Tagesordnung der Stadtverordnetensitzung vom 20. April folgen:
England
London, 3. Mai. Den „Daily News" zufolge hätten die Mitglieder des vormaligen liberalen Cabinets in einer gestern gehaltenen Confereuz be- schloffen, die von Gladstone am 30. April vorgeschlagenen Resolutionen nicht zu unterstützen, sondern für den Antrag Lubbock's auf Stellung der Vorfrage stimmen. Die Conservativen werden jenen Resolutionen durch ein directes Vertrauens-Votum für das Ministerium entgegentreten.
Statten
Nom, 2. Mai. Die katholischen Blätter veröffentlichen die Rede, die der Papst gestern bei dem Empfang der savoyischen Pilger hielt. Der Papst sagte: In diesem Augenblick hat eine irrgläubige Macht zahlreiche Armeen in Bewegung gesetzt, um eine ungläubige Macht zu züchtigen, indem sie dieselbe anklagt, ungerecht regiert und viele ihrer, derselben heterodoxen Religion angehörigen Untertanen unterdrückt zu haben. Der Kampf hat bereits begonnen. Ich weiß nicht, welche von beiden Mächten siegreich sein wird, allein ich weif daß aus der einen dieser Mächte, welche sich orthodox nennt, aber schismatisch ist, schwer die ?>and der Gerechtigkeit Gottes lastet wegen unmenschlicher Verfolgungen gegen Katholiken, welche sie seit so vielen Jahren begonnen und auch heute noch nicht eingestellt hat.
Ftußland.
Kischeneff, 2. Mai. Der Kaiser ist gestern Abend 11 Uhr von hier nach Bender abgereist.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 1. Mai. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner X 470-6.50, Stroh per Centner X bis 5. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qualität X 1 20 2‘PUk = im Kleinhandel 1- Qual. X 1 40, 2. Qual. X 30. Eier, gewöhnlich- das Hundert X 4-4.50, italienische X 5.50-6. Kartoffeln per 100 Kilogr. 7.50-8 Erbs - n, o.fchälte (per 100 Kilogr ) 30-32 x, ganze Erbsen Sp^ise^Sohnen
26 X; Linsen 32-40 x Ochsenfleisch per Psd. 70 H, Rindfleisch 55-60 Schwcttie- fleifch 75 H, Kalbfleisch 55—65H, Hammelfleisch 46-63 H.
Mainz, 2. Mai. Weizen per Mai 28.20. Roggen per Mai 19 80. Hafer P<t Mai 17.80, Rüböl per Mai 35.20.
Vermischtes.
Krofdorf, 2. Mai. Heute Vormittag wurde auf der Berlin Coblenzer Bahn einem Arbeiter beim Anhängen eines Rollwagens an die Maschine ein Bein zerquetscht. Derselbe ist in die Klinik nach Gießen gebracht worden, wo ihm daS Bein sofort ad- genommen wurde.
Stettin. Die LebenS-VersicherungS-Actien-Gesellschaft „Germania" in Stettin hat nach ihrem jetzt festgestellten GcschäftSabschlusse im Jahre 1876 günstige Erfolge und eine wesentliche Steigerung ihres Geschäftes erzielt- In Folge des bedeutenden Zuganges von neuen Versicherungen verblieb nach Abzug aller durch Tod und auS änderen Ursachen erloschenen Versicherungen Ende 1876 für die Veisicherungewvon Kapitalien ein Bestand von X 215,952,951. Unter diesem Bestände waren 57,212 729 gegen eine JahieSprämie von X 1,986,591.74 mit Anspruch auf Dividenden versichert Die Prämien-Einnahme erreichte 1876 X 6,937,001.58, flieg also gegen X 368 893.04. An Zinsen wurden vereinnahmt X 1 307,828.39, also X I57,sbb_zb mehr alS im vorhergehenden I ihre. Für Si>rdefälle des JahreS 1876 jpurben gezahlt X 2 689 174.45, für bei Lebzeiten der Versicherten im Jahre 1876 fällig gewordene Versicherungsbeträge X 481,366.66 und alS Schäden-Reseroe zurückgestelll X 13b,293.80. Die Sterblichkeit unter den Versicherten war für die Gesellschaft günflig; die Ausgaben für Sterbefälle haben 1876 die zu diesem Zwecke ooihandenen rechnungSmatzigen DeckungSmittel nicht erreicht. Die Prämien-Ueberträge und Prämien-Reserven stiegen 1876 um X 2,473 041.30, so daß Ende 1876 mit Einschluß der Pramien-Reseroe der Rückversicherungs Gesellschaften X 26,710.307 99 zwückgestellt waren. AuS dem nach Deckung aller Ausgaben und Verbindlichkeiten und nach Bewirkung der erforderlichen Abschi eibungen verbleibenden Ueberschuß erhalten, nachdem die Kapital-Reserve mit dem statutenmäßigen Betrage von X 87,580 64 dotirt und hierdurch auf die L>umme von X 176,168.32 erhöht ist, in Gemägheit der statutarischen Bestimmungen die Actionare eine Dividende von 12<>/0 ihrer auf die Aktien geleisteten Einzahlungen mit 216 000 und die mit Anspruch auf Theilnahme am Gewinne des Geschäftes Versicherten 24 » ihrer 1876 gez ihlten Prämien mit X 476,782.02 als Dividende, welche ihnen lm Jahre 1878 durch Abrechnung auf die von ihnen zu zahlenden Prämien vergütet wird- Die P'ämien-Reseroe, die Kapital-Reserve und die Extra Reserve (die letztere wurde 187b um X 41,253.21 aus dem Jahres Ueberschusse erhöht) zusammen beliefen sich Ende 1876 auf X 27,244,257.53. Die gesammten Actioa der Gesellschaft betragen Ende I87d X 37,609,570.19 Unter den Actioen sind die mit Festhaltung vupillartscher Sicherhei bewirkten Ausleihungen in Hypotheken um X 2,641,303 im 3<*hre 1876 gestiegen aui X 24,735,464. Der ausführliche Rechenschaftsbericht wird erst nach der Ende Mat er stuttfindenden General-Versammlung erscheinen können.
' Otto Hübner's stat.stlscho Tafel Derlag °°n Mh. Rommel In Fr°nNurt c. ffl.) Ist in neuer (26.) Auflaa- -rschien-n. Di- Rl-s-ntaf-i. -in Er,ebntß niuh-°°ll- Arbeit, ist ein Bedürfnitz für All- geworden, die Studien oder Geschäfte betreiben, uni jede neue Auflage erscheint als ein neues Werk buid) die in sie y*,Oen°mm<n<,n änderuugen und Zusätze. Die außerordentliche stets znn-bmend- Verbreitung b-we'ft. daß das Schriftcken jedem Gebildeten als unentbehrlicher Berather zur raschen Ortern tinnig über alle Theile der cioiliftrten Welt geworden ist mpnnifrruna
Gerade jetzt in Kriegszeiten, wo so manche Frage über Statistik der Bevölkerung, ber Heere, der Kriegsschiffe, ber Staatsschulden re in Gast- und Kaffeehäusern im Ge- spräche aufgeworfen wird, wird man dieses schätzbare Ausklarungsmittel, welches nur 50 Pfennige kostet, gern bei ber Hand haben._____________
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