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Samstag, den 5. Mai

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A»Mk- mi AmiBlalt für heil Kreis Gieße».

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlohn.

Expedition r Schulstraße, Lit. 8. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher I ö e i L Bekanntmachun g.

Durchschnittspreise im Monat April 1877.

Hafer «X 20,25, Heu 11,50 und Stroh JL. 11,34 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 3. Mai 1877.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. R ö d e r. .........

Bingenheim, am 27. April 1877.

Betreffend: Die Abhaltung der Zahltage bei Großh. Rentamt Nidda.

Das Großherzogliche Rentamt Nidda

an die Großherzocstichen Bürgermeistereien des Rentamts-Bezirks.

Wir ersuchen Sie, in Ihren Gemeinden und im Jntereffe der Gemeindemitglieder durch die Scbelle ortsüblich und hinreichend bekannt machen zu lassen, daß vom 1. Juni l. I. ab die Zahltage nicht wie seither Freitags und Samstags, sondern Mittwochs und SamstagS abgehalten werden. _______ Rübe.

Nolitisch

Deutschland.

Berlin, 2. Mai. Sitzung des Reichstags. Erste Berathung der Gesetz­vorlage über den Ankauf des Decker'schen Grundstücks nebst der Hofbuchdruckerei und eines zweiten Grundstücks in Berlin für das Reich. Der Präsident des Reichskanzler-Amts, Hofmann, befürwortet die Vorlage. Richter (Hagen) spricht dagegen, Fürst Hohenlohe dafür, Brockhaus, Schorlemer - Alst dagegen, baß der Staat für seine Zwecke eine Buchdruckerei betreibe. Lucius dafür; Bamberger aus finanziellen Gründen gegen die bedingungslose Annahme der Vorlage. Die Angemessenheit des Kaufpreises sei nicht nachgewiesen; eine Be- rathung in der Commission sei Angesichts des bevorstehenden Sessionsschlusses unthunlich. Es bleibe daher nur übrig, die Vorlage abzulehmn. General- Poftdirector Stephan vertheidigt und befürwortet nochmals die Vorlage. Bei der darauf sofort vorgenommenen zweiten Lesung begründet Reichensperger einen Zusatzautrag, dahin gehend, die endgültige Bestimmung über die Verwendung der Grundstücke bis dahin vorzubehalten, wo über den Bauplatz für das Reichstags-Gebäude entschieden worden. Wehrenpfennig mottvirt einen Zusatz- Antrag, wonach die definitive Verwendung der Grundstücke der Zustimmung des Reichstags bedürfe und der Umfang des Buchdruckerei-Betriebes durch die Regierung im nächsten Etat gesetzlich festzustellen wäre. Reichskanzler-Amts- Präsident Hofmann gegen beide Anträge. Nach einer weiteren von Stauffen­berg, Schröder, Lasker geführten Debatte wird § 1 mit den Zusatz - Anträgen Reichensperger's und Wehrenpfennig's, hierauf die übrigen Paragraphen in zweiter Lesung genehmigt. Es folgen hiernächst Wahlprüsungen. Die Wahl Spangenberg's wird für ungültig erklärt; die Wahl Beseler's, Berger's, Gleinas, Pfeiffer's, Bürklin's und Nathustus' werden beanstandet; alle übrigen Wahlen sür gültig erklärt.

DieProv.-Corr.", auknüpfend an die Rede des Feldmarschalls Moltke, constatirt, daß in Frankreich die lebhafte Beunruhigung einer ruhigeren und rich­tigeren Beurtheiluug gewichen sei. Um so mehr aber sei zugleich die wirklich hohe Bedeutung dieser Aeußcrungen als ernste Friedens-Mahnung zur Geltung gebracht worden. Nicht wegen einer augenblicklichen parlamentarischen Wirkung habe der sonst so zurückhaltende Feldherr die Rede gehalten. Als er das Wort »ahm, wußte bereits Jedermann, daß die betr. Budget-Forderung ohne weitere Anstrengung bewilligt werden würde. Wenn Graf Moltke trotzdem an diese Mehrforderung anknüpfte, um einen Blick auf die militärische Lage zu werfen, so geschah es offenbar, um Deutschland und Europa bestimmt und klar auf Thatsachen hinzuweisen, welche uns ungeachtet der unzweifelhaften Friedens- Tendenzen unserer Politik doch fortwährend zu der größten militärischen Wach­samkeit und Vorsicht auffordern. Die Thatsachen, welche er anführte, sind von keiner Seite bestritten, vielmehr durch mannigfache zuverlässige Angaben bestä- tiflt worden. Die Bedeutung derselben zutreffend zu würdigen, ist unbestritten Niemand berufener als Feldmarschall Moltke. Wenn er vor Europa der Uebcrzeugung Ausdruck gibt, daß ausgleichende Maßregeln früher oder später geboten sind, so kann es nicht fehlen, daß diese Ankündigung gerade in ihrer Bedeutung für die europäische Friedens-Politik die richtige Beurtheiluug und die gebührende Beachtung findet.

Berlin, 2. Mai. Nach derNat.-Ztg." haben Prinz Renß und seine Gemahlin Weimar am 30. April verlassen und sich nach der Neumark begeben Dieselben dürften Ende der Woche über Wien und Triest, wo sie sich am 10. oder 12. Mai einzuschiffen gedenken, nach Konstantinopel sich begeben.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Unmittelbar nachdem die vom Grafen Moltke vor Kurzem im Reichstag gehaltene Rede dem Fürsten Bis inarck mitgetheilt war, gab dieser dem Feldmarschall seine volle Uebereinftim- NiiHfl mit dessen Aeußerungen zu erkennen. Die von Moltke in Aussicht ge

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iiommencn Ausgleichungs-Maßregeln betreffend, ist anzunehmen, daß die Reise des Kaisers nach Elsaß-Lothringeu mit der schließ^chen Feststellung derselben in Zusammenhang steht. Am 7. Mai wird in Wilhelmshafen und Kiel die Indienststellung der PanzerschiffeKaiser",Deutschland" undPreußen", sowie des AvisoFalke" erfolgen; dieselben bilden nebst demFriedrich Karl" das in diesem Jahre in Dienst zu stellende Panzer-Geschwader unter dem Commando des Contre-Admirals Bätsch. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge würde das­selbe in der Nord- und Ostsee Uebungsfahrten machen.

Karlsruhe, 2. Mai. Der Trinkspruch, deu der Kaiser bei der Fest­tafel zur Feier des Regierungs-Jubiläums des Großherzogs an diesen richtete, lautete wörtlich folgendermaßen:Ew. königliche Hoheit blicken heute mit großer Genugthung auf ein Viertel Jahrhundert Ihrer Regierung zurück. Die Wege der Monarchen sind nicht immer geebnete. Ew. Hoheit ist aber vergönnt gewesen, in diesem Zeitraum Ihr schönes Land und dessen Volk fortschreitend zu heben und auf die großen Ereigniffe hinzuweisen, die sich nun vollendet haben. Ew. Hoheit haben selbst stets das Vorgefühl von Dem gehabt, was sich einst vollbringen mußte, haben Ihre Handlungen darauf gerichtet und sind somit ein mächtiger Hebel zu dem Standpunkte geworden, der mich berechtigt, so zu Ihnen sprechen zu können. Als der unerwartete Krieg hereinbrach, haben Sie inmitten Ihrer braven Truppen sich den Gefahren deffelben ausgesetzt und ihnen das schönste Beispiel gegeben, ja, ein Prinz Ihres Hauses hat ruhmreich sein Blut in diesem Kampfe vergossen. Wir Alle sind heute Zeugen, wie treu Ihr Volk Ew. Hoheit tiefgefühlte Dankbarkeit darbringt, aber nicht nur in dem engeren und weiteren Vaterland spricht sich dieses Gefühl der Theilnahme aus, sondern auch weit über deffen Grenzen hinaus zeigt sich die Anerkennung für Ew. Hoheit glückliche Regierung. Wir Aeltern dürfen hoffen, daß es der Groß­herzogin gelingen werde, wie bisher in edler Gesinnung Ew. Hoheit zur Seite zu stehen. So erheben wir unser Glas, um auf das fernere Wohl und eine noch lange, gesegnete Regierung Ew. Hoheit, sowie auf das Wohl des ganzen Großherzoglichen Hauses zu trinken."

Straßburg, 2. Mai. Die Parade der Truppen vor dem Kaiser ver­lief bei schönstem Wetter äußerst glänzend. Die Kopf an Kopf gedrängte Menschenmenge empfing den Kaiser, der nach der Parade den Münster und die Universität besuchte, überall mit gesteigerten, ununterbrochenen Jubelrufen.

Straßburg, 3. Mai. Um 2 Uhr ist der Großherzog von Baden bei dem Kaiser hier zum Besuche eingetroffen und wird bis spät Abends hier verweilen.

Hesterreich.

Wien, 2. Mai. In Betreff der Besetzung des Botschafter-Postens in Konstantinopel bört diePresse", daß man hier wie in Berlin Werth darauf legt, daß die Botschafter Deutschlands und Oesterreichs gleichzeitig in Kon­stantinopel erscheinen. Graf Zichy dürfte demnach nicht eher seine Reise an­treten, bis auch Prinz Reuß beordert wird. Beharre die Pforte aber auf dem Entschluffe, die russischen Unterthanen ausylweisen, so könnte die Wiederbesetzung des deutschen Botschafterpostens rückgängig gemacht werden.

Pesth, 1. Mai. Im Abgeordnetenhause richtete Trangi an den Mini­ster-Präsidenten die Interpellation, ob er geneigt sei, die wesentlichen aus die orientalische Frage bezüglichen Aktenstücke, namentlich die Note vom December 1875, das Berliner Memorandum, das Protokoll der Conferenz zu Constan- tinopel und das Londoner Protokoll dem Hause vorzulegen. Auch Paul Somsich meldete eine Interpellation hinsichtlich bet orientalischen Frage an.

Pesth, 2. Mai. Im Abgeordnetenhause brachte beute Somsich seine Interpellation ein ; dieselbe stellt folgende Fragen an die Regierung: ob die­selbe dem Vorrücken der russischen Truppen gleichgültig zuzusehen gedenke, und