London, 31. März. Die „London Gazette" meldet, daß in Rio de Janeiro das gelbe Fieber ausgebrochen sei.
London, 1. April. Dem „Observer" zufolge erfolgte bte Unterzelch nung des Protokolls Samstag Nachmittag. ,
London, 2. April. Nach Unterzeichnung deS Protokolls durch die Der treter der sechs Großmächte fand eine Besprechung der hier accreditirten Bot- schafter der Mächte im Hotel der französischen Botschaft statt. Die heutigen Moraenblätter äußern sich von ihren verschiedenen L-landpunkten aus über den Fortschritt, der durch Unterzeichnung des Protokoll- erreicht sei. Die „Times" erkennt in derselben einen beträchtlichen diplomatischen Erfolg Englands. Dir Morning Post" gibt der Hoffnung Ausdruck, Rußland werde seine Friedensliebe noch in weiter gehender Weise, als durch bloße Deconcentration seiner Armee, bethätigen. — Der hiesige französische Botschafter Marquis d'Harcourr hat sich heute nach Paris begeben.
— Die Abreise eines Abgesandten der Pforte nach Petersburg, um die bei Unterzeichnung des Protokolls in Aussicht genommenen Verhandlungen daselbst zu führen, wird als nahe bevorstehend bezeichnet.
— Wie dem „Reuterlchen Bureau" aus Washington telegraphirt wird, hätte die Regierung die Bundes-Truppen angewiesen, daS Staats-Gebäude zu Columbia in Süd-Earolina zu räumen.
Belgien.
Brüssel, 30. März. Eine Pariser Depesche der „Jndöp." versichert aus das Bestimmteste, daß das Protokoll morgen in London werde unterzeichnet werden.
Brüssel, 2. April. Nach Pariser Nachrichten der „Jndsp." stellen Depeschen aus Konstantinopel und London den Beitritt der Pforte zum Pro tokoll in Aussicht. Rußland soll für diesen Fall England gegenüber die erforderliche Entwaffnung zugesagt haben.
Italien
Nom. Der Papst ist neuerlich leicht unwohl. Alle Nuncien berichteten über den Eindruck der Ällocution auf Regierung und Publikum; beinahe sämmtliche Mächte nahmen die Ällocution mit Deferenz auf, drückten jedoch die Befürchtung aus, dieselbe möchte Leidenschaften entfeffeln, was nicht geduldet werden könne. Augenblicklich findet ein reger Meinungsaustausch zwischen dem Pariser Nuncius und dem päpstlichen Stuhle statt. Die durch die päpstliche Ällocution in Frankreich hervorgerufene Agitation veranlaßte die Regierung, die guten Dieuste der Nunciatur anzurufen, damit dieselbe nicht innere oder internationale Schwierigkeiten schaffe. Der Nuncius erbat Instructionen.
Rußland.
P-terSlmrg, 30. März. Wie die „Agence Ruffe" vernimmt, soll das Protokoll morgen in London unterzeichnet werden. — Hiesige Zeitungen melden, daß in Diarbekir (asiatische Türkei) ein Aufstand ausgebrochen sei, indem die dortige Bevölkerung sich der Recrutirung widersetze.
— Obschon die Thatsache der formellen Unterzeichnung des Protokolls noch nicht perfect ist, so ist doch alle Aussicht vorhanden, daß dieselbe unmittelbar bevorsieht.
Petersburg, 1. April. Nach hierher gelangten Meldungen hat die Unterzeichnung des Protokolls gestern in London stattgefunden. Die Notifica- tion deffelben an die Pforte wird alsbald erfolgen.
Petersburg, 2. April. Der ..Golos" erblickt in der Unterzeichnung des Protokolls das Einverständniß der Mächte darüber, daß die Pforte ver- pflichtet sei, die von der Conferenz zu Konstantinopel gestellten Forderungen auszuführen, sowie die Anerkennung der Berechtigung Rußland- zur Ergreifung von Zwangsmaßregeln, falls die Pforte die Bedingungen nicht erfüllen sollte, die Rußland für nothwendig erachte, um seine Truppen von der türkischen Grenze zurückziehen zu können. Der Ausgang, zu welchem jetzt die orientalische Frage gelange, sei den energischen und uneigennützigen Bemühungen der russischen Regierung zu danken.
Türkei.
Konstantinopel, 30. März Morgen findet wiederum eine Conferenz der montenegrinischen Delegirten mit Savfet Pascha statt.
Konstantinopel, 30. März. Die Deputaten Kammer hat schließlich nahezu einstimmig die Adresse zur Beantwortung der Thronrede angenommen; in dem Passus bezüglich der Verhandlungen mit Montenegro wird der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck geaeben, die Regierung werde in dieser Ange
legenheit den Interessen und der Würde des Landes entsprechend handeln. Weiterhin wird in der Adresse die Verwerfung der Vorschläge der Conferenz gebilligt.
Konstantinopel, 31. März. Die montenegrinischen Delegirten hatten heute eine Unterredung mit dem Minister deS Aeußern, Savfet Pascha. Die Montenegriner halten ihre zuletzt gestelllen Forderungen aufrecht. Savfet Pascha erklärt, die Pforte werde demnächst definitiven Beschluß fassen und den Delegirten bekannt geben. Die Unterzeichnung deS Londoner Protokolls macht eui Einverständniß weniger unwahrscheinlich. — Der Generalissimus Abdul Kerim Pascha wird unverzüglich zur Jnspicirung der Donau-Armee abreisen. Es wird versichert, Sadullah Bey werbe zum Botschafter in Berlin ernannt werden. — General Klapka ist abgereist.
Griechenland.
Athen, 30. März. Tie Deputlrten-Kammer hat den Gesetz-Entwurf, betr. die Aufnahme von 10 Mill. Drachmen für militärische Zwecke, in dritter Berathung angenommen, worauf der Minister-Präsident Deligeorgis die Session für geschlossen erklärte.
Amerika.
Washington, 31. März. Das Cabinet hat gestern über die Darlegungen beralhen, welche die beiden sich gegenseitig bekämpfenden Gouverneure von Südcarolina an den Präsidenten Hayes gerichtet haben und setzt heute die Berathung fort. Es heißt, die Majorität des Cabinets würde sich für Zurückziehung der Bundestruppen aus Charleston aussprechen.
Lokal-Notiz.
Gießen, 4. April. Die am 9. April beginnende Schwurgerichtssession wird erst im Laufe der dritten Woche zu Ende geben. Es kommen unter Anderem mehrere Fälle wegen Meineids, Verbrechen -egen die Sittlichkeit, Körperverlttzung mit tädtlichem Er- folg, schwere Diebstähle mit Hehlerei u. s. w. zur Verhandlung.
Gießen, 3. April. Wir lassen nachstehend die Tage ü ordnung für die außerordentliche Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 3. April 1877, folgen:
1. Herstellung einer unterirdischen Telegraphenleitung von Berlin über Halle, Cassel, Frankfurt nach Mainz.
1. Gesuch um Er'.atz von Communalsteuer.
3. Ubböschung der Wieseckufer.
Vermischtes.
Darmstadt, 28. März. Der Appellhof bat heute über die bekannte Streitfrage entschieden, ob die s. g. sch-rrfen Studenten-Schläger zu den tödtlichen Waffen gehören, oder nichts Am 9. März v. I. waren von Studiosen der hiesigen polytechnischen Schule auf dem Dippelshofe fünf s a. Bestimmungs-Mensuren abgchalten worden, indem von den Senioren 6er Corps Hasst« und Rhenunia je fünf Mitglieder gewühlt wurden, um gegen einander auf bic Mensur zu treten, ohne bafe gegenseitige Beleidi-ungen und Hersurforderung stattLefunden hätten. Dabei wurden die gewöhn- l'chen Binden und Bandagen angelegt, die Mützen jedoch nach dem ersten Gange entfernt. Nach dem Gutachten eines Arztes wirb dadurch die Gefahr eines tödtliche» Aufganges deS Duells zwar sehr vermindert, aber doch keinesfalls gänzlich ausge- geschlossen, indem auch abgesebeu von eintretenden Zufälligkeiten, wie Abspringen von Klingen u. s. w. eine, wenn auch ntchl sofort tinrnter.be tödtliche Verletzung auf dein Kopfe, und auch eine Verblutung in Folge der Durchdauung der artoria temporalis (am der Schläfe) erfolgen fa*n. Der Appellbof nahm hiernach und gestützt auf die C.s^hrung, t,ub büid) Schläger, toeun auch nur sehr selten, tödtliche Verletzungen beigebracht wurden, an, daß der ^chläc-er au sich eine tödtliche Waffe im Sinne des Gesetzes sei, und die Anwendung der jetzt »blichen Vorsichtsmatzregeln als ein blotz subjektives Moment nur auf die Abmessung der Strafe von Einfluh sein könne.
Darmstadt, 28. März. Das Grotzh. Polizeiamt erläßt folgende Bekanntmachung: „jßir waren veranlaßt in jüngster Zeit in hiesigen Specerei- und Colonial- «aarenhandlungen eine größere Anzahl Proben der daselbst feilgebotenen Gewürze er« heben und auf ihre Besiandtheile chemisch prüfen zu lassen. Es bat sich hierbei ergeben, daß 46 pCt. derselben mit mineralischen Substanzen, sowie mit organischen Ein mengungen zum Theil in bedeutendem Matze verfälscht waren und fanden sich Zusätz: von Schwarzmebl, Hülsenfrüchten und deren Schalen, Quarzstückchen und Stärkemehl; in zahlreichen Fällen blieb bei der Untersuchung Eisenoxyd (Oder als Hauptbestand- theil zurück Viele der Verkäufer beziehen die feilgebotenen Gewürze bereits in gemahlenem Zustande und wollen wir deßbalb, in der Unterstellung, datz sie selbst die Zusammensetzung der geprüfte» Waare nicht kannten, obgleich dieser Umstand ihre Strafbarkeit nicht auf'jebt, vorerst von gerichtlicher Untersuchung absehen. Bei Publikation des obigen Resultats empfehlen wir indessen allen betheiligten Kaufleuten eindringlich, nicht nur jede durch Beimengung fremder Substanzen vollzogene Verfälschung ihrer Waaren zu unterlasse», sondern auch beim Bezug für den Detailhandel bereits zube- mtder Specereicn sich die Uebcrzeugung zu verschaffen, datz dieselbe» nicht verfälscht sind, da die im Interesse des consumirenden Publikums wie der reellen Verkäufer ein« geführte strenge Lebensrnittel Controle mit Nachdruck weiter geübt, jede Verfehlung zur Bestrafung notirt werden wird und Unbekanntschafl mit den Bestandtheilen der abgegebenen Waaren auf Setten des Verkäufers in feinem Falle mehr alS Entschuldigungs- gründ dienen kann."
Allgemein Bekanntmachung.
1620) Die Obligationen zu dem Anleben von 600000 2D?arF h Proeent sind nunmehr fertig gestellt und können die betreffenden Stücke gegen Rückgabe d«e tzsttevmSquittungen bei der Stadtkasse in Empfang genommen werden. Ebendaselbst werden weitere Einzahlungen auf dieses Anlehen entgegengenommen.
Gießen, den 23 März 1e77
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm.
vorbereilimgs^nMil in fließen-
Planmäßige und gründliche Vorbereitung für alle Arten Militär-, spe- cielle Finanz- und Geometer-Examina, für den kaufmännischen Beruf, sowie behufs Aufnahme in polytechnische und sonstige höhere Schulen.
Für Geschäftsleute, welche sich für ihren Beruf ober ein Examen vorbereiten wollen, an den gewöhnlichen Cursusstunden theilzunehmen aber behindert sind, ist ein Abend-Cursus eingerichtet.
Beginn des Sommer-Semesters am 15. April.
Der Vovlteljer: Dr. Kübel, 1696) Reichensand-Bahnhosstraße Nr. 93,6.
er Anzeiger.
Oeffentliche Aufforderung.
Die nachverzeichneten Parcellen sollen als:
„DaS Großherzogliche Haus" „Familien- Eigenthum"
in die betreffenden Grundbücher und zwar — insoweit ein Erwerbtitel noch nicht beigeschrieben ist — mit dem Erwerbtitel „Ersitzung" eingetragen werben.
Einwendungen hiergegen sind binnen sechs Wochen, vom Erscheinen dieser Aufforderung an, bei dem unterzeichneten Gerichte anzumelden, als sonst obiger Eintrag erfolgt.
Gemarkung Staufenberg.
a. Auf den Namen „der Großherzogliche Cameralfitkus" eingetragen:
I. 2. 3. 4. 201/z. 21 43. 44. 122. V. 158,3. VII. 48. 50. 51. 52. 53. 54. 93. 163. 187. X. 38. 50. 74. 96. 285. 290 301. 57. XI. 179. 225. XII. 5. 51c. XIII. 24. XXI. 70.
b. Auf den Namen „der Großherzogliche ForstfiskuS" eingetragen:
1. 168. 169.
Gießen, den 11. März 1877.
Großyerzogliches Landgericht Gießen.
I. V. d. D.:
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