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die Türken In der Defensive halten und kehrten die Recognoscirungs - Truppen am näcbsten Morgen nach Kadikioi zurück. Die Russen verloren bei dieser Affüre 2000 Mann. D<r türkische Verlnst beträgt 216 Mann an Todten (darunter 8 Officiere) und 649 Mann Verwundete (darunter 43 Osficiere). Zur selben Zelt griff eine gegen Pyrgos entsendete Recognoscirungs-Abtheilung die Rnssen an, vertrieb dieselben aus den Fortificationen von Pyrgos biS Metschka und brachte denselben große Verluste bei. Dieselbe zog sich, nachdem die Russen Verstä kungen erhalten hatten, wieder zurück. Hierbei verloren die Türken 74 Todte und 205 Verwundete.

Konstantinopel, 29. November. Die britische Flotte, welche die Besika-Dry verlaffen tollte, um bei Smyrna oder Malta zu überwintern, ist jetzt angewiesen worden, in der Besika-Bay zu verbleiben.

Konstantinopel, 30. November. Der zum Commandeur der Reserve- Armee ernannte Reus Pascha soll in Adrianopel angekommen und mit Her­stellung eineS Lagers von 50,000 Mann beschäftigt sein. Ejub Pascha bat das Commando am Schipka-Paß übernommen. Der Schneefall im Balkan ist stärker geworden.

Petersburg, 30. November. Ein Telegramm aus Pora'dim meldet: Tie Türken haben von Rustschuk aus am Montag lebhaft Slobosia und Giur- gewo bombardirt, doch wurden schließlich die türkischen Geschütze durch die russischen Batterien zum Schweigen gebracht. Ein Seitens des Ministers der öffentlichen Arbeiten bekannt gemachter Bericht über Maßregeln zur Er­leichterung des Eisenbahn-Verkehrs enthält folgende Angaben: daS rollende Material wurde bis zum 1. October vermehrt um 228 Locomotiven und 4834 W iggons. Außerdem wurden bestellt und sind bis zum 1. Mai 1878 abzu­liefern : 416 Locomottven und 9400 Waggons. Ferner erwarb die Große Russische Eisenbahn-Gesellschaft 100 Locomotiven und 3000 Waggons, und die Odeffa-Eisenbahn 67 Locomotiven und 1380 Waggons. DaS Ministerium hat Vorschriften erlaffen, um die Maaren beim Eisenbahn-TranSport vor Näffe zu schützen.

Petersburg, 30. November. Amtlich wird aus Bogot vom 29. d. gemeldet: Am 27. und 28. d. fanden beim Rustschuker Detachement unbedeu­tende Vorposten-Gefechte statt. Am 27. b. wurde auf Batterie 13 in Giur- gewo durch einen von Fort Ejun kommenden türkischen Schuß ein Pulverkeller mit 60 Geschossen und 50 Kartätschen zur Explosion gebracht, wobei 1 Traverse und 2 Plattformen zerstört wurden; ein Kanonier ward vollständig mit Erde überschüttet, jedoch sogleich wieder herauSgegraben. Am Schipka-Paß fand gestern bei klarem Wetter lebhaftes Geplänkel statt. Heute ist es daselbst sehr windig und eisig kalt. Ein englischer Arzt mit 7 barmherzigen Schwestern, welche den Wunsch ausdrückten, vornehmlich russische Verwundete zu pflegen, st hier eingetroffen.

Lokal-Notiz.

Gießen, 2. Decbr. In dem ersten Blatte der Nr. 281 des Gießener Anzeigers ist eine Eorrespondenz enthalten, aus welcher entnommen «erden muß. daß die ver­spätete Ankunft des Herrn Musikdirektors Parlow mit seiner Gesellschaft dem Um stände zuzuschreiben ist, daß derselbe für seine Reife von Erfurt nach Gießen die Route über Fulda, statt über GunterShausen, gewählt hat

Inwieweit dies richtig ist, dürfte aus Nachfolgendem hervorgehen:

Nach dem und vorliegenden von Herrn Parlow in Bebra aufgegebenen Tele­gramm hat derselbe ab Erfurt einen Personenzug gewählt, welcher ihm für Gießen weKer über Guntersbausen noch über Fulda einen Anschluß bot Ueber GunterShausen konnte er erst Abends 11 Uhr 31 Minuten, über Fulda erst Abends 10 Uhr 30 Minuten noch Gießen gelangen. Hätte Herr Parlow in Erfurt statt des Morgens 9 Uhr 20 Minuten abgehenden Personenzugs, den Morgens 10 Uhr 21 Minuten abgehenden, auch 3ie Klasse führenden Schnellzug gewählt, so wäre er über Fulda 4 Uhr 29 Mi Tuten, über GunterShausen 7 Ubu 1 Minute Abendv nach Gießen aelangt. So, wie d Gcs.llschast die Reise gemacht Hot, ist es nicht zu verwundern, daß dieselbe in Fulda bocken ' geblieben ist.

Gießen, 3. Decbr. Das erste Parlow'sche Concert am Gestrigen erfüllte die Erwariungen btt Besucher hinsichtlich der V<tftung<n der Crpelle in vollstem Maße. Em feines Programm wurde meisterhaft herunter gespielt und lebhafter Apples ve» lohnte die Künstler. Dis Publikum hatte stch recht zahlreich etngefunben Hoffen wir, daß der heutige Abend uns wiederum ein schönes Programm bringen möge und wir qulltiren Herrn Parlow recht gerne seine verzögerte «r.funft in unserer Stadt, bei Schluß des Blattes wird uns die Mittheilung, daß Herr Parlow sich hcrzugelassen out, noch ein drittes Concert mit ermäßigtem Entröe zu geben Gleichzeitig soll Bier tm GlaS oerzapfl werden, und ist dies gewiß Manchem erwünscht, bufe Künstlerge- scUschast nochmals zu hören.

Vermischtes.

Petersburg. (Türkische Grausamkeit) Der GeneralstadS-Oberstlieulenart Woinow theils demGolos" aus dem Lager von Karajal, d. d. 12. November, Folgen» des mit: Gestern hatte ich Gelegenheit, auf der eben von den Türken oerlaffemn Po fition Kisil-Tepe anwesend zu fein, an besten Fuß am 30. Oktober ein heißer Kampf ftattfanb. Obwohl bieser Kampf zur Folge hatte, da« bte Türken schleunigst auf ihre Befestigungen auf ber Höhe des Kistl-Tepe zurückwichen, fo machte es doch die an- brechenoe Dunkelheit unmöglich, einige unserer verwundeten in einer Gegend zu finden, die von tiefen felsigen Schluchten durchzogen ist. Als die Umstände des Kampfes cs möglich machten, einen Theil unserer Truppen aus dem Feuer zu ziehen, blieben zwischen uns und den Türken zwei unserer verwundeten und ein To)tcr liegen. AIS ich nun gestern von ber Position K fil-Tepe zurückkehrte, sah ich mit Erstaunen auf dem vodrn einer Schlucht einen Leichnam, den Rücken nach oben gekehrt, ohne Kops, und ohne Haut. Nur auf den Füßen war die Haut gelosten. Auf den Leichnam waren große Steine geworfen. Man muß annehmen, daß der Unglückliche erst nach dem Tode heran verstümmelt worden ist, da die Türken nur Getödteten den Kopf abzuschneiden pflegen- 'Nachdem ich die Schlucht verlaffen hatte, sah ich bet der türkischen Batterie zwei nahe bei einander liegende Leichname, dem Einen war oer Kops abgeschnitten und der voll­ständige hautlose Schädel, an dem einige schwarz gewordene Hautstückchen hingen, lag Daneben. Der Leichnam war mit Erde beworfen, aus der die Finger und ein Knochen herausiaglen. Der andere dort liegende Leichnam machte auf mich einen erschütternden Eindruck. Er lag auf dem weichen Boden einer Wiefe und war mit Steinen bew rrfen, die eigens dazu etwa zwanzig Schritt weit geholt waren. Der Schädel war vollständig zerschmetiert, die Augen, allem Anschein nach sorgfältig herauSgeschnitten und die Haut vom ganzen Kölper abgezogen. Nur auf den Händen war die Haut gelassen, so daß ich anfangs glaubte, der Leichnam habe Handschuhe. Das ring« um den Leichnam ge­ronnene Blut biente als unwiderleglicher Beweis, daß ber Unglückliche noch lebend ge­häutet und nach dieser unmenschlichen Operation gesteinigt worden war. Ist es -.atz solchen Thatsacheu möglich zu glauben, daß die Türken Dir Gesellschaft des ,,Rota n Kreuzes" unter der Devise deSRothen Halbmondes" beigetreten sind? Ich habe nur das beschrieben, waS ich selbst gesehen. Nach jeder Schlacht erfahre ich von Verstüm­melungen an unseren nach dem Kampf gesammelten Todten.

(Mönche und Soldaten.) Zn dem maronitischen Kloster Bitscherry im Libanon waltete dis vor Kurzem ein Abt Namens Ephraim, ber sich viele Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen ließ, in Folge dessen der maronitische Patriarch vom Papste dessen Absetzung verlangte, die auch sogleich zugestanden wurde. Diesmal jedoch hatte oer Patriarch die Rechnung ohne die Mönche gemacht, denn als der von ihm ernannte Nachfolger dieses Abtes im Kloster eiidjien, wollten dessen Bewohner nichts von ihm wissen und warfen ihn einfach zur TbÜr hinaus. Der Gouverneur deS Libanon, Rusten Pascha, ließ nun achtzehn von diesen ungehorsamen Mönchen verhaften und vor st h bringen, um Üoer sie zu Gericht zu sitzen. Kaum hatte man aber dieselben in den G.- aichtssaal gebracht, so stürzten sich auch schon fünfzig ihrer Kollegen, alle mit Knütteln bewaffnet, m den Saal und begannen die hier anwesenden Soldaten des Pascha tüch­tig zu durchwalkeii. Letztere blieben naiü lich die Antwort auf diese Herausforderung nicht lange schuldig, und so prügelten sich nun Mönche und Soldaten gegenseitig recht wacker durch. Erst nachdem der Pascha Cerftäifangen erhalten hatte, konnte man an -ne Wiederm istelluna der Rabe in dnu Gerichtssaale denken._________________________

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 1. Dec. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war sehr gut be­fahren. Heu kostete je nach Qual, per Ctr. JL 2.503.20, Stroh per Etr. JL 2 302.59. Butter im Großen das Pfund 1. Qual. JL 1.1520, 2. Qualität 1.10, im Detail 1 Qual. 1.40, 2. Qual. JL 1.30. Eier, das Hundert JL 67.80. Weißkraut da« Hundert JL 1215. Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 26-28 Jt. ganze Erbsen 22 bis 24, Bohnen 2834 Linsen 30 36 JL Fleischpreise: Ochsenfleisch per P> >. 75,$, Rindfleisch 5560 H, Kuhfleisch 5054 Hammelfleisch 5563 H, Schassteifch 4550 Kalbfleisch 6070 H, Schweinefleisch 7580 H

6556) Es glebt wenig Bücher, welche für alle Glieder des Hauses, für Jung und AU gleich brauchbar und passend sind; zu ihnen gehört der Daheimkalender.

Allgemeiner Anzeiger.

B e f a n n t m a ch u n g.

Die Schulgelder für die Realschulvorschule, sowie für die übrigen ftädt. Schiileu pro III. Quartal er. können in den nächsten acht Tagen, an den Zahl­tagen: Dienstag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zur

hicsigen Stadtkaffe bezahlt werden.

Das Schulgeld beträgt für jedes Kind: JC. H

1. für die Realschulvorschule........5 14

2. für die höhere Mädchenschule:

bei Schulinspeetor Vigelius.......11 25

bei Mitprediger Dr. Buchhold, Fräulein Frank, Lehrer Ebeling, Fräulein Lasch 6 und Lehrer

Curschmann............10 50

bei Lehrer Schmidt, Felsing, Anbei und

Brücher..............7 50

3. für die Stadtknaben- und Stadtmädchenschule je . 1

Gießen, am 1. Dceember 1877.

Der Stadtrentmeister: ______________________________Enders._________________________(6757

Bekanntmachung.

Ich mache hiermit bekannt, daß ich das seither betriebene Privat­fuhrwerk zwischen Londorf und Gietzen auch nach dem 1. December d. I. weiter führen werde.

Das Fuhrwerk erhält vom 1. December ab folgenden Gang:

aus Londorf 5 Uhr Votmittags,

6706) in Gießen 8

auS Gießen 4 Nachmittags, in Londorf 7

Die Haltestelle in Gießen ist nach wie vor an derStadt Cassel". Londorf, am 30. November 1877.

Carl Kammer.

6789) Dos Gr. Hess Regierungsblatt unb das RcickSgesehblatt bis 1876, voll stävbig in ca. 60 Bänden sind zusamme für 90 jf. zu ve> kaufen. Näheres in der Exped. d. BltiS.

Korbwtibensttckhosi

der 6 besten Serien k Mille 3 verkauft fH 35655.J Naffanger bet Hochstädt, 6772) Oberfranken.

Dem, welcher in Nr. 277 dieses Blattes sich als einen bezeichnet. ber gerne Wohlthätigkeit übt, hier auf seine Frage zur Antwort: Wenn er in meiner dringenden Bitte an dem Ausdruck christliche Barmherzigkeit Anstoß genommen, er dann doch von mir, einem ev.-luth. Pfarrer, ja nicht erwarten möge, daß ich ihm zur Liebe das Prädicat:christlich" revociren werde, vielmehr daffelbe hier nochmals ausdrücklich und besonders betonen müffe, ohne jedoch dadurch seinem Wohlthätigkeits-Sinn Schranken setzen zu können und zu wollen.

Reiskirchen, den 30. November 1877.

______________________________Hermann Strack, ev.-luth. Pfarrer.

Vorschutz Verein in Lich.

(Eingetragene Genoffenschaft).

6775) Nach dem Geschästs-Ergebniß für 1876 beträgt der Reingewinn 1333 v4L 63 H. Hiervon werden nach Beschluß der Generalversammlung 724 JL auf das Guthaben der Mitglieder, welches 7248 JC. beträgt, gut­geschrieben resp. baar ausbezahlt ( 10% vom Guthaben) und der Rest mit 609 JL ist dem Reservefond, welcher einschließlich dieser Summe 2873 JL beträgt, überwiesen worden.

Weiter wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß alle neue Einlagen von jetzt ab mit 4,/2°/0 verzinst werden und für die älteren mit dem 1. Januar 1878 ein gleicher Zinsfuß eintritt. Es werden Einlagen zu jeder Größe angenommen.

Lich, den 1. December 1877.

______________________________Der Vorstand.

Als paffende

Urilmaclils-Geschenke Ihr Kinder

empfehle

WachspuppkN mit und ohne Haar, in allen Größen, von 20 H an, dauerhafte Puppengestelle : Porcellan- und Wachs-Pup^enköpfe, Arme, Beine, Schuhe und Strumpfe.

Ferner mache auf eine Partie vorjähriger Däustinge mit feinen Wachs­köpfen aufmerksam und verkaufe solche, um damit zu räumen, unter Ein­kaufspreisen.

6519) «Z. H. .Fieler, Sonnenstraße 104.