1877
Dienstag, den 4. December
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A«;eigk- unii Amtsblatt fit den Kreis Gichen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Deutschland.
Darmstadt, 2. Decbr. Die Nr. 46 des Großherzoglichen Regierungs- blatts hat folgenden Inhalt: - c CVMMort1 .t..,
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, abge- kürzte Maß- und Gewichtsbezeichnungen betreffend.
& 2. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, die Nichterhebung einer confessionellen Umlage in der Gemeinde Bermersheim betreffend.
3. Ordensverleihungen.
4. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
6. ®^ncmraenSffnun9en. Erledigt sind : di- kath. Schulst-ll° zu Groß Umstadt mit einem G-Halt von 942 Jt 86^; tote erste Gem-inde-Schulstelle in M-ss-l mit einem Gehalt von 901 X 8^; dte »w- te Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Grünberg mit einem Gehalt von 1371 «AL. bU ; die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Kelsterbach mit einem Gehalt von $54^. 46 ; die evang. Psarrstelle zu Raunheim. Dotatwnsmaßiger Gehalt
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Berlin, 30.- November. Die „Nvrdd. All«. Ztg." hebt bei Besprechung der deutsch-österreichischen Verhandlungen über den Handelsvertrag den unpolitischen Charakter der Frage hervor und spricht den Wunsch aus, daß die Beurtheilung der Schritte beider Regierungen eine gerechte und wohlwollende
bleibe Die Norddeutsche" bemerkt dann weiter: die deutsche Regierung habe den österreichischen Vorschlag wegen Abschluß eines Vertrages auf Basis der meistbegünstigten Nation darum ablehnen müssen, weil bte Zu sich erungen Oesterreichs fast ausschließlich im Interesse Oesterreich-Ungarns lagen. Nachdem die Wiedergabe der Erklärungen des österreichischen Handelsnnmsters v. Chlumetzky in der „Neuen Fr. Preffe" vom 25. Novemver als ganz unrichtig, jedenfalls als sehr ungenau bezeichnet ist, heißt es am Schluffe des Artikels der „Norddeutschen" : Nach der Eiklärung Oesterreichs, daß das äußerste Maß der österreichischen Zugeständnisse erreicht sei, standen die deutschen Comnuffare vor einem Ultimatum, wobei es sich um Ja oder Nein handelte, und im letzteren Falle um eine loyale Erklärung über die Motive dieser Entscheidung. Eine solche ist in der Schlußsitzung gegeben worden. , ,
— Eine vom „Reichs-Anz." veröffentlichte kaiserl. Verordnung beruft den elsaß-lothringischen Landes-Ausschuß auf den 8. December nach Straßburg. - Dem Abgeordnetenhause ist der Gesetz-Entwurf über die Umgestaltung der fad)’ fischen ^Estlfte^zuge gang Schriftsteller Rudolf Meyer, welcher be
schuldigt ist, durch die Broschüre: „Politische Gründe für die Corruptton in Deutschland", den Fürsten Bismarck beleidigt zu haben, verurtherlte heute die Criminal-Deputation des hiesigen Kreisgerichts den Angeklagten m contumaciam ju einem 3^v®e^9rU’@uifco Weiß erhobene Nichtigkeits-Beschwerde gegen das Urtheil des Kammergerichts, welches wegen Majestäts-Beleidigung auf drei Monate Festungs-Hast erkannt hatte, ist heule vom Obertribunal zuruckge-
Iur allgemeinen politischen Lage.
Die Gerüchte von Friedensvermittlungsversuchen sind mehr und mehr verstummt. Dem Beispiele Deutschlands folgend, hat auch Oesterreich tue Pforte für den Fall, daß sie den Frieden wünsche, direct an Kaiser Alexander verwiesen. Selbst der englische Botschafter in Konstantinopel will angewiesen sein, nicht den ersten Schritt zu einer Friedensvermittlung zu thun, sondern deren Beantragung abzuwarten. Nachdem Kaiser Alexander über die FrredenS- gerüchte geäußert, die Zeit sei doch wohl zu ernst, um Scherze zu machen, würden freilich auch Vermittlungsversuche wenig Aussicht auf Erfolg haben. Andererseits fühlt die Pforte das Messer noch nicht nahe genug an der Kehle, um schon jetzt um Frieden .zu bitten. Der Krieg wird a so wohl noch eine Zeit lang sortwüthen. Trotzdem beschäftigt fid) bic öffenthcbe jd)on
angelegentlich mit den Bedingungen des zukünftigen Friedens. Man gewohnt sich immer mehr an den Gedanken, daß die orientalische Frage jetz ch einmal gründlich zu erledigen und Rußland durch di- Erwerbung Armeniens und di- Erschließung des Mtttelmeers für seine Opfer zu entschädigen sei. In England empfindet man freilich bei dem Gedanken an eine derartige Ausdehnung der russischen Macht einen nicht geringen Schauder. Aber man suhlt doch zugleich, daß man allein Nichts auszurichten vermag und, Ms Oesterreich und Italien, wie vorauszusehen, gegen eine Zerstückelung der Türkei Ntch emznwenden haben, um so mehr daraus bedacht sein muß, den eigenen Vortheil wahrzunehmen. Als Gladstone neulich sich dahin aussprach, Europa werde Rußland Zügel anzulegen wiffen, wenn dieses seine Macht mißbrauche, hat er die englische Rückzugslinie vor aller Welt deutlich genug gezeichnet ; denn daß Europa sich zu einem solchen Zwange gegen Rußland jemals einigen wurde,
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 29. November. Ein vom gestrigen Tage datirtes Telegramm Suleiman Pascha's aus Rasgard berichtet vor. einerJ J. fcken'Offensiv-Recognoscirung, welche am Dienstag von Kadiktot mtt 4O Batatl. tonen Infanterie, Cavall-ri- und 8 Batterien Artillerie in der Richtung auf Trestemk und M-tschka unternommen worden sei. Nach einem mehrstündigen heißen Kampfe mit den fast gleich starken Russen seien dies- zuerst gegen Trest-nik zurückgeworfen; nachdem st- aber Verstärkungen erhalten, mußten sich
wiesen worden.
Kitzinaen, 1. December. Bei der am vorgangenen Dienstag stattgehabten Stichwahl für die Wahl eines R-ichstags-Deputirten desPreisesi Kitzm- gen erhielt Gras Schönborn (Centrum) 9485, Professor Roth (liberal) 8517 Stimmen.
Hesterreich.
Wien, 29. November, Abends. Der Ausgleichs-Ausschuß hat die Bestimmung angenommen, daß die Zölle in Gold zu entrichten sind.
Wien, 30. November. Die „Polit. Corresp. meldet aus Belgrad vom 30. Novbr.: Die serbische Regierung hat beschloflen, die Skupscktina aus den 15. Decbr. nach Kragujevatz einzuberufen und denselben die serbisch-russtiche Convention, sowie das Budget vorzulegen. Die Belgrader Milizbrigade ist heute nach Saitschar abmarschirt. Der serbische Agent Christics in Konstantinopel hat als neueste Anweisung den Auftrag erhalten, seinen Posten nur dann zu verlassen, wenn er von der Pforte dazu ausgefordert werde.
Irankreich.
glaubt er wohl selbst nicht.
Weit besorgnißerregender als die orientalischen Wirren, welche sichtlich , einer befriedigenden Lösung entgegengehen, ist fürEuropa die Entwicklungder 1 Dinge jenseits der Vogesen. Eine dauernde friedliche Ausgleichung oer tiefen Gegensätze, welche sich in Frankreich gegemvärtig feindlich gegen übersteh en , ist kaum mehr zu erwarten, vielmehr eine neue Katastrophe zu befurchten, Und oas Schlimmste ist, daß bei Allem, was dort vorgeht, der Vattcan nach wie vor seine Hand mit im Spiele hat. Verlautet doch neuerdings wieder von glaubwürdiger Seite, daß auch das Cabiuet Brogli-, dessen Rücktrttt unmittelbar nach seinem Stege im Senat aller Welt unerwartet kam, demselben Wmk zum Opfer gefallen ist, welcher Jules Simon gestürzt hatte, weil man es nämlich dem Herzog v. Broglie im Vatican übel nahm, daß er in bet Stammet erklärte, er denke nicht daran, di- päpstliche Herrschaft wieder herznstellen. D Sympathien, welche der Führer der Ceutrums-Fraction m preußischen Abge^ ordnetenhause vor einigen Tagen offen für das Regierungssystem des Marschalls Mac Mahon kundgegeben hat, beweisen deutlich genug, daß die schwarze In ie nationale in diesem Manne das Werkzeug zur Ausführung ihrer friedens- tör-risch-u Pläne sieht. Fürs Erst- ist sreilich di- Gefahr -wes Bürgerkrieges noch drohend genug, um seinen heiligen Eifer in Schranken zu hatten. A selbst wenn es ihm gelingen sollte, allen Widerstand gegen seinen Willen i Lgenen Lande durch einen G-waltstr-Ich zu beugen, wird er doch in den drei Kaisermächten und in Italien eine Mauer finden, an der er sich zu sich--dm eiaenen Schädel einrennen würde, als daß et den Versuch dazu im Ernst machen sollte. Die allgemeine politische Lage ist daher im gegenwärtigen Augen- "ttck- zwar ernst, aber doch durchaus nicht der Art, daß man die Hoffnung, tcn Weltfrieden auch nach einer Katastrophe in Frankreich erhalten zu sehen, ausgeben müßte. _______
Pari», 29. November. Auf die Nachricht, baf) mehrere Senatoren und D-Putirte bei den Präsidenten beider Kammern -schritte gethan hätten, um ihren Besorgnissen bezüglich der Sicherheit der Volksvertretung Ausdruck zu aeben und die Mittel, durch welche sie eventuell vertheidigt werden könne, m Erwägung zu ziehen, hat der Marschall-Präsident Veranlassung genommen die Präsidenten der Deputirtenkammer und des Senats zu sich zu laden und ihnen die Versicherung zu geben, daß derartige Befürchtungen ohne Begründung seien und die Volks-Vertretung keinerlei Gesährdung ausgesetzt sei.
Paris, 30. November. Die heutigen Morgenblätter besprechen die letzten Unterredungen des Marschall-Präsidenten mit den Präsidenten des Senats und der Deputirten-Kammer; dieselben erblicken darin einen ersten Schritt zur -Beilegung der schwebenden Differenzen. Im „Constilntionnel heißt es: „das Eis ist gebrochen, das Vertrauen kehrt wieder." Die „Rdpublignefranyatfe hebt mit Anerkennung die Versicherungen des Marschalls bezüglich der Sicherheit der National-Vertretung hervor und äußert d>- Ansicht, daß dergleichen kaum nöthig gewesen seien, da Niemand geglaubt habe, daß der Marschall offenbar verbrecherischen Plänen seine Unterstützung leihen könnte.
Versailles, 30. November. Die Depuiirten-Kammer hat die Wahl Rouher-s für gültig erklärt. — In parlamentarischen Kreisen geht das Gerücht die Linke werd^e eine Abänderung der Constitution beantragen, dahingehend daß künftig eine Zweidrittel-Majorität im Senat erforderlich feinoQe, um bte Hu lösung der Deputirten-Kammer beschließen zu können. — Der Senat beschäftigte sich heute mit der Ernennung der 18 Mitglieder der Untersuchungs- Commission über den Nothstand von Handel und Gewerbe; vorläufig kam nur bte Wahl von 14 zu Stande, davon g-horeti^ll^der^Rechten^an^^^___,


