sollte, daß die Pforte nicht im Stande ist, den Barbareien ihrer Soldaten Einhalt zu thun, Nichts dagegen haben können, daß dem osmanischen Reiche der Garaus gemacht werde.
Daß Oesterreich, auf dessen Haltung es bei der Lösung der orientalischen Frage m erster Linie ankommt, keineswegs gesonnen ist, Rußland in den Arm zu fallen, mit diesem vielmehr bestimmte Abmachungen über die zu erreichenden Ziele getroffen hat, wird gegenwärtig von Niemanden mehr im Ernst bezweifelt. Die Agitationen zur Wiederherstellung eines selbständigen Polenreiches, an denen schon Midhat Pascha während seines Aufenthaltes in Wien betheiligt gewesen zu sein scheint, haben das Drei Kaiser-Bündniß wo möglich noch fester gekittet. Beweis für das ungetrübte Fortbestehen desselben ist der Toast, den Kaiser Alexander jüngsthin bei einem Festdiner zur Feier des Geburtstags des Kaisers Franz Joseph auf die immerwährende herzliche Freundschaft zwischen beiden Reichen ausgebracht hat. Man braucht sich daher nicht darüber zu verwundern, daß Oesterreich neuerdings auch seine früheren Einwendungen gegen eine Belheiligung Serbiens an dem Kriege hat fallen laffen. Falls die Ruffen, wie zu erwarten, nächstens wieder die Offensive ergreifen und in ihren Angriffen einerseits von den Serben und Rumäniern, andererseits von den Grie chen unterstützt werden sollten, dürfte es mit der Widerstandskraft der Türken bald zu Ende gehen. John Bull fühlt sich, obgleich er noch immer eine Faust in der Tasche macht, auch den Türken durch Begünstigung der jüngsten Anleihe eine versteckte Subsidie hat zukommen lassen, doch durch die Greuellhaten, welche der Krieg mit sich führt, so ergriffen, daß er den Augenblick herbeisehnt, wo er den Frieden mit Erfolg vermitteln kann. Zu einem activeren Eingreifen in den Lauf der Dinge spürt er um so weniger Lust, da ihm die Haltung Italiens der britischen Eigennützigkeit gegenüber nachgerade etwas bedenklich vorkommt.
Während so die bisher von Osten her dem Weltfrieden drohenden Gefahren immer mehr schwinden, werden die Gewitterwolken im Westen Europas immer dunkler. Die französische Regierung hat sich durch das Abenteuer vom 16. Mai so tief in eine Sackgasse verrannt, daß sie sich nur durch einen Gewaltstreich aus ihrer verzweifelten Lage retten zu können scheint. Der Marschall Mac Mahon und seine Minister versichern zwar öffentlich um die Wette, daß ihnen Nichts ferner liege als der Gedanke an Störung des Friedens und klerikale Tendenzen. Aber Niemand, weder in Frankreich noch sonstwo, schenkt ihren Versicherungen Glauben. Selbst ein so besonnenes Organ wie das „Journal des D^bats" erklärt offen, der Sieg der Politik des 16. Mai sei unvermeidlich der Krieg. Zum Ueberfluß schreit das officiöse Organ des Vati- cans, die „Civilta cattollca", in alle Welt hinaus: Frankreich werde, möge es eine Verfaffungsform annehmen, welche es wolle, durch seine Politik mit Noth- wendigkeit dahin getrieben, Deutschland und Italien zu erniedrigen, ja die deutsche und die italienische Einheit zu vernichten! Wenn in einem Augenblick, wo der „Unfehlbare" seine Pläne so deutlich verkündigen läßt, seine Helfershelfer in Frankreich den religiösen Fanatismus durch den Wunderschwindel von Lourdes unaufhörlich schüren und französische Geschworene ihren Deutschenhaß so weit treiben, daß sie einen ihrer Landsleute, der in Colmar einen Deutschen im Streit erstochen hatte und über die Grenze geflohen war, unter dem Beifall des Publikums einfach freisprechen — wenn es in einem solchen Augenblicke plötzlich heißt, der deutsche Botschafter in Paris werde demnächst einen Urlaub von nicht weniger als 3 Monaten nehmen, so ist das wahrlich nicht geeignet, die Hoffnungen auf eine lange Dauer guter Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu erhöhen.
Deutschland.
Straubing, 31. August. Der Kronprinz des deutschen Reiches ist heute Nachmittag 1 Uhr hier angekommen, von dem zahlreich versammelten Publikum mit Jubel empfangen. Die Stadt ist festlich beflaggt. Nach stattgehabtem Manöver reiste der Kronprinz alsbald nach Regensburg ab, woselbst das Diner stattfindet. Morgen wird derselbe sich wiederum hierher begeben.
Oesterreich.
Wien, 3t. August. Die österreichischen Statthaltereien beauftragen die ihnen unterstellten Behörden, die zahlreich auftauchenden panslavistischen Agenten wohl zu überwachen, da dieselben versuchen, Reservisten und Urlauber böhmischer und croatischer Nationalität zur Auswanderung nach Rußland zu verleiten. Mehrfach haben solche Auswanderungen bereits stattgefunden. — Die deutsch-österreichischen Zoll-Verhandlungen sind abermals zum Stillstand gekommen.
Wien, 31. August. Der „Polit. Corresp." wird aus Athen vom 30. August telegraphtrt: Aus Anlaß der letzten Ruhe-Störungen in Thessalien ist dem griechischen Cabinet keinerlei darauf bezügliche Mittheilung von Seiten Englands zugegangen, ebensowenig eine amtliche Nachricht über betreffende Schritte der Pforte bei der englischen Regierung; vielmehr wendete sich in dieser Angelegenheit die Pforte durch ihren Vertreter in Athen an das griechische Cabinet. Der Minister des Auswärtigen wies unverweilt die gegen Griechenland erhobenen Beschuldigungen zurück, indem er darauf hinwies, daß die thessalischen Unruhen lediglich auf die der dortigen Bevölkerung von der Provinzial-Verwaltung auferlegten erdrückenden Lasten zurückzuführen seien. Die erwidernde Note des Ministers weist schließlich die Verdächtigung zurück, daß die griechische Regierung bet den unsicheren Zuständen der benachbarten türkischen Provinzen die Hand im Spiele habe. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Belgrad, 31. August: Ein durch einen Ukas des Fürsten angeordneter Armee-Befehl veröffentlicht die Ordre de Bataille der serbischen Armee, außerdem noch viele Ernennungen. — Aus Bukarest, 31. August, wird demselben Organ berichtetIn Gorni-Studen fand eine Berathung des Großfürsten Nicolaus mit dem Fürsten von Rumänien statt, worin vereinbart wurde, daß der Letztere ein combinirtes russisch-rumänisches Armee-Corps commandiren solle mit dem General Zotoff als Generalstabs-Chef. General Tottleben ist hier ange kommen. Die Spitzen der russischen Garde sind bereits auf dem Bukarester Bahnhof eingetroffen.
Araxkreich.
Paris, 31. August. Gambetta bestand heute ein zwanzig Minuten dauerndes Verhör vor dem Untersuchungsrichter. Dieser verlas zunächst die
incriminirten Stellen der in Lille gehaltenen Rede Gambetta's, welche Beleidigungen Mac Mahons und Beschimpfungen des Ministeriums enthalten sollen. Gambetta erklärte, er sei mit dem bestimmten Entschluß nach Lille gegangen, dort eine politische Rede zu fairen wie ihm solche nach der gegenwärtigen Lage nothwendig erschienen sei; er protestire aber auf das Entschiedenste dagegen, daß er irgend eine Person habe beleidigen und beschimpfen wollen.
— Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlohe wird morgen von hier abreisen, um sich zu seiner Familie nach Auffee (Steiermark) zu begeben. Anfangs October wird derselbe wieder auf seinem Posten eintreffen.
Türkei.
Konstantinopel, 31. August. Redif Pascha wird zwangsweise dem Kriegsgerichte vorgeführt werden. — Der britische Botschafter, Layard, und der österreichische, Graf Zichy, waren zur Tafel des Sultans geladen. — Nach Depeschen auö Kars hätten sich die Ruffen in der Richtung auf Alexandropol zurückgezogen.
Der orientalische Krieg.
Wien, 31. August. Das „Tageblatt" meldet aus dem Hauptquartier, 3t. August: Die gestrige Offensiv-Bewegung wurde unter Mchemed Ali Pascha's persönlichem Commando mit drei Divisionen unter Nedjib, Salih und Affaf Pascha ausgeführt. Der Lom-Uebergang ward nur schwach vertheidigt, desto blutiger gestaltete sich der darauf folgende Kampf, der bis in die Nacht hinein dauerte. Der Anfangs geordnete russische Rückzug ging in regellose Flucht über. Die russische Infanterie wurde von der eigenen Kavallerie und Artillerie niedergeritten und überfahren. Die Ruffen ließen 4000 Todte und Verwundete, 11 Geschütze, 4 Munitionswagen, 30 Rüstwagen, 2000 Gewehre und ebenso viele Patrontaschen auf dem Schlachtfelde. Zahlreiche Gefangene werden von allen Seiten eingebracht. Heute wird der Vormarsch auf die Jantra ausgenommen.
Konstantinopel, 30. August. Nach einem Telegramm Suleiman Pascha's vom Mittwoch hat keinerlei bedeutender Kampf stattgefunden. Die Ruffen sowohl wie die Türken behaupten ihre Positionen. — Einem Telegramm Mukhtar Pascha's vom Mittwoch zufolge wurden in dem letzten Treffen, welches bei Guedikler geliefert wurde, vier russische Generale qetödtet; überhaupt beliefen sich danach die Verluste der Ruffen auf 6000 Mann. Gegenwärtig verhielten sich die Ruffen auf dieser Seite defensiv.
Konstantinopel, 31. August. Vormittags. Die „Agence Havas" meldet: Der Angriff auf die Befestigungen am Schipka-Paffe dauert fort; Suleiman Pascha ist bestrebt, die Verbindungen der Raffen mit Gibrowa zu unterbrechen. In der Umgebung von Eski-Djuma und Risgaro haben neuerdings Kämpfe ftattgefunden, in denen die Ruffen an Terrain verloren haben; bei Rasgard wurden von denselben 2 Geschütze zurückgelaffen.
Petersburg, 31. August. Amtlich wird aus Gorni-Studen vom 30. August, Abends, gemeldet: Auf dem Kriegsschauplatz ist Alles ruhig. Der Fürst von Rumänien ist zum Befehlshaber des aus vereinigten russischen und rumänischen Streitkräften zusammengesetzten West-Detachements und General Sotoff zu seinem Stabschef ernannt. Die Verluste der Rustschuker Heeres- Abtheilungen bei den Kämpfen vom 21. und 23 August bei Ajaslar betragen zusammen 10 Officiere und 62 Mann todt, 10 Officiere und 280 Mann verwundet, 2 Mann vermißt.
Lokal-Notiz.
— Am 10 August wurden, so schreibt man dem Bot. f. T. u. V. au8 Ober- ointschgau, auf dem Prader Kalbel- oder Ochsenberge ganz auf dem Hochgebirge, nahe am Tschengelser Schasberge, zwei junge Bären von dem -0jährigen Äemsenjäger Joh. Kobler von Tschengels, Bezirksgericht SchlanderS, geschossen. Die näheren Detail- sind folgende: Derselbe wollte ursprünglich auf die Gemsjagd gehen, da meldeten ihm die Hirten, c8 seien vor Kurzem zwei einjährige Kälber von Bären gefressen worden. Auf diese Nachricht ging er ganz allein auf den Prader Ochsenberg, welcher noch im Bezirksgerichte Glurus gelegen ist, wo er noch die Fährte deS Bären traf, was ihn bewog, dieselbe sofort bis zum Prader Wasserfall zu verfolgen. Dort bekam er den Bären sammt seinen zwei Jungen zu Gesicht. Er schoß mit seinem einläufigen Stutzen (da er keinen Hinterlader hatte) zuerst auf den alten Bären, welcher jedoch, nur wund geschossen, unter fürchterlichem Gebrülle, welche- weithin durch die Felsen und angränzen- den Schnee- und Eisfelder wiederhallte, die vorderen „Pratzen" immer auf das Eis einschlug und sich dann hinter den Felsen verkroch. Die von dem Alten im Stich gelassenen zwei jungen Bären liefen furchtsam hin und her, jedoch gelang eS dem unerschrockenen Jäger, zuerst den einen, dann den anderen jungen Bären mit immer frisch «eladenen Kugeln zu erlegen. Ungeachtet seines längeren Aufenthaltes kam der alte Bär oder wahrscheinlich Bärin nicht mehr zum Vorschein und auch die am folgenden Tage aufgebrochenen fünf anderen Schützen waren nicht so glücklich, denselben entweder todt oder lebendig zu finden. Johann Kobler trug dann einen erlegten jungen Bären auf seinen Schultern durch äußerst beschwerliche Schluchten mit Lebensgefahr spät Abends nach Hause und holte den anderen am folgenden Morgen in Begleitung des Alphtrten Johann Reisinger gleichfalls ab. Die Bären, etwa über ein halbes Jahr alt, waren gut genährt und der eine wog nahezu 40 Pfund, der andere gegen 50 Pfd.
London, 23. Slug. Am vorgestrigen und gestrigen Tage ist namentlich in Schottland ein entsetzliches Unwetter gewesen, das eine ganze Reihe von Menschenleben dahin- gerafft hat. Die Eisenbahnen waren theilweise unbrauchbar geworden; ein Theil der Dämme ward fortaerissen und die Schienen sahen sich wie eine Hängebrücke an. In Den Straßen der Stadt Selkirk konnte man gestern Aale fangen, von denen einige drei Fuß lang waren.
— Aus St. Louis wird unterm August gemeldet, daß dort der langjährige Freund und Kampfgenosse Fr. Hecker's, Ferdinand Lingenau, im 64. Lebensjahre gestorben ift. Er batte Hecker auf seiner letzten Reise nach Deutschland begleitet und war längere Zeit in Mannheim wohnhaft. Lingenau stammte aus Ostpreußen und war in Folge der politischen Kämpfe des Jahres 1848 über den Ocean gegangen.
Das EiSbergwerk im Gr in d el w aldgl etsche r in der Schweiz, welche- vor einiger Zeit angelegt wurde, macht die besten Geschäfte. Eine nicht geringe Schwierigkeit verursachte früher stets der Transport deS Eises vom Gletscher auf die Fahrstraße. Jeyt ist diese Schwierigkeit durch Herstellung einer Rollbahn überwunden, die seit etwa drei Wochen zur vollständigsten Zufriedenheit der Exportgesellschaft arbeitet. Die Anlage hat etwa 30,000 Francs gekostet. Der erstere untere Theil der Bahn, auf eine Länge von ca. 1800 M-, hat eine Steigung von 3—5 pCt.; dann steigt die Anlage mit einer ziemlich großen Curve mit 45—50 pCt. gegen den Gletscher hinauf, um dann wieder ziemlich eben denselben zu erreichen. Zwei große Drehscheiben, welche ein Drahtseil zweimal umläuft, dienen als Bremsvorrichtung. Gefahr ist keine vorhanden, namentlich nicht für Menschenleben, da die beladenen Wagen, je einer nach dem andern, ohne Begleitung Herabgelaffen werden. Der beladene, abwärts fahrende Wagen ziehe den leeren auf dem zweiten Geleise aufwärts. So fährt die Bahn in's Hochgebirge, allerdings nicht ein Theil der in hoffnungsreichen Zeiten projectirten Touristenbahn, aber für die Gegend und den Erwerb eben so vortheilhaft. Am Gletscher sind gegenwärtig 60 Arbeiter damit beschäftigt, das Eis in kubischen Blöcken von ca. 150 Pfund auszubrechen. Dies geschieht kunstgerecht, bergmännisch, wie in einem Steinbruch. Täglich werden bei 600 Blöcke gebrochen; in
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