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Die Minorität, insbesondere Herr W. verlangte im Namen seiner angeblichen Auftraggeber die sofortige Berufung einer Bürgeroersammlung auch bei dem Mangel ausreichenden Materials und genügender Begründung der vorhandenen Beschwerde­punkte.

Wenn Herr W. gegen den Beschluß gedachter Commission auf seine Faust hin eine Bürgerversammlung berief und in derselben seinerseits über die Thättgkett der Commission Bericht erstatten wollte, so war dieß seine Sache.

Herr K. handelte in vollkommener Ueberetnstimmung mit jenem Beschlüsse, wenn er seinerseits den Vorsitz ablehnte und seine Nichtbethetligung bet etwaigen Entschlie­ßungen dieser Bürgeroersammlung über Gegenstände, welche der Commission Vorge­legen hatten, im Näheren, so wie oben angedeutet, motivtrte.

Bei Gelegenheit dieser nothgedrungenen Erklärung, gibt der Einsender die Ver­sicherung, daß man sich im Bewußtsein redlichen und aufrichtigen Strebens, durch die versuchten Verdächtigungen nicht abhalten lassen wird, für die Interessen unseres Ge­meinwesens ein offenes Auge zu behalten und den bereits betretenen Weg, einen Aus­tausch der Meinungen in öffentlichen Bürgeroersammlungen herbeizuführen nicht ver­lassen wird.

Schlechte Zeiten.

Es gibt wenig Leute, die jetzt nicht über die schlechten Zeiten klagen. Der Hand­arbeiter so gut wie der Grundbesitzer, der Handwerker und der Fabrikant, der Kauf­mann wie der Capitalist und der Beamte nicht am letzten. Der Verdienst ist allent­halben, wie es heißt, geringer, aber das Leben ist nichl billiger, sondern noch ebenso tbeuer wie vor drei bis vier Jahren. Bet solchen Klagen fällt mir immer ein Spruch ein, den ich in meiner Jugend an einem der Schwetzerhäuser, die zu Füßen des Schlosses Landsberg bei Meiningen liegen, gelesen habe. Der Spruch lautet:

Die Leute sagen immer:Die Zeiten werden schlimmer!" Die Zeiten bleiben immer, btc Leute werden schlimmer!

Das will, wie manches Volkswort, auch cum grano salis d. h. mit Verstand ver­standen sein. Das alte Lied von der guten alten Zett ist nicht in allen Stücken wahr- Aber wir können aus jenem Spruch doch Etwas lernen, es liegt eine recht beherzigens- werthe Mahnung darin. Daß die Zeiten nicht besser sind, ist zum guten Theil unsere eigene Schuld. Es mag richtig sein, seit dem großen Krach ist das Vertrauen in der Geschäftswelt schwer erschüttert. Alle großen Unternehmungen liegen darnieder, es fehlt, wie man zu sagen pflegt, am Capital. Denn Diejenigen, welche zu solchen Unter­nehmungen das Capital hergeben, das sind nicht die sogenannten großen Gcldmänner und Capitaiisten, sondern der besitzende Mittelstand; er kauft die Aktien, welche die Bankiersan den Mann zu bringen" suchen, um auf diese Weise sein Erspartes oder Ererbtes sicher anzulegen. Aber eben der besitzende Mittelstand, zu welchem zahlreiche Gewerbtreibende, Kaufleute, Beamte und Grundbesitzer gehören, hat bei dem Krach am meisten verloren, in ihren Händen bleiben schließlich die werthlosen Aktien zurück und

ihnen ist es wahrlich nicht zu verdenken, wenn sie nunmehr äußerst vorsichtig geworden sind, ja vielen unter ihnen hilft die Vorsicht nichts mehr und sie haben nur noch Ur­sache äußerst sparsam zu fein, weil eben ihr Vermögen und ihre Einnahmen sich be­deutend vermindert haben. Weil aber weniger Capital umgesetzt wird und, wie die Leute sagen, weniger Geldrollirt", darum ist allenthalben der Verdienst geringer. Und in so fern sind die Zeiten allerdings schlimmer. Nicht allein bei uns. Drüben in den Vereinigten Staaten ist die Geschäftslosigkeit eine enorme. Die Zahl der Ban­kerotte hat fett dem Jahre 1857 stetig zugenommen und die Erfahrungen, welche wir in Europa mit amerikanischen Papieren gemacht Haden, berechtigen nur zu sehr die Scheu, welche der europäische Capitalist vor der Verwaltung der Eisenbahnen und anderen industriellen Unternehmungen durch amerikanische Aktiengesellschaften hat.

Wir müssen lernen, auch in schlimmeren Zellen uns nach der Decke strecken- Das fehlt uns. Die Einnahmen sind geringer geworden, aber die Leute wollen noch ebenso gut leben wie vorher, sie wollen nichts entbehren, sich nichts versagen. Da muß jeden Abend das schwere theure Lagerbier getrunken sein und unsere Brauer verlernen ganz einen guten einfachen Trunk, der gerade im heißen Sommer so erquickend ist, zu brauen; da wird der liebe Sonntag zu theuren Landpartien benutzt, bei denen gut Essen und Trinken eine Hauptsache ist, während ein Spaziergang in den Wald ober eine ordentliche Fußtour der Familie, der Gesundheit und dem Geldbeutel am gesun­desten wäre. Jst's noch ein Wunder, wenn so viele junge Geschäfte wacklig werden, weil der Herr des Geschäfts und vielleicht die Frau mit, es viel besser verstehen, das Geld zu verthun, als zu verdienen? Jst's ein Wunder, wenn Gesellen und Lehrlinge und andere junge Leute es den Alten nachthun und alle Freude in materiellen Genüssen suchen? Wir müssen sparen lernen, Jung und Alt, lernen, auch mit Wenigem zufrieden fein, eine harte Jugend gibt ein gesegnetes Alter. (Dorfzeitung.)

Handel und Verkehr.

Gießen, 3. Juli. Auf dem heutigen Wockenmarkt kostete: Butter, per Pfd. 1 A 20 bis 1 A 30 Hühnereier, per Stück 6 H, Enteneier per Stück 6 Käse, per Stück 510^, Käsematte, per St. 3 Erbsen, 1 Liter Linien, 1 Liter

24 Tauben, das Paar 60 Hühner, per Stück 70 Hahnen, per e>tücf 60 Alte Kartoffeln 100 Kilo 10 A, Neue Kartoffeln 100 Kilo 3538 A

Der Bazar, Illuftrirte Damenzeitung ist das tonangebende, reichhaltigste Modejournal der Welt. Laut der beim Reichskanzler-Amt eingegangenen offtcteöen Liste der auf der Ausstellung in Philadelphia prämiirten Zeitungen ist demBazar" von der Jury die Verdienst-Medaille zugesprochen worden. Diese Prämitrung erscveint um so werthvoller, als von allen deutschen Modezeitungen demBazar" nur allein diese Auszeichnung zu Tbeil wurde. Bestellungen auf das Sommer-Quartal (Juli-Sep- tember) nehmen alle Buchhandlungen und Postanstalten jederzeit entgegen. Preis nur A 2.50 (in Oesterreich nach Kurs.) Probe-Nummern sind in jeder Buchhandlung vorräthig und gratis z» erhalten. (3613

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

3708) Nom 1. Juli an befindet sich die

Spar- und Leilikasse

in dem von ihr erkauften Hause in der Garten­strasse (vor Wenzels Garten).

Gießen, den 30. Juni 1877.

_______________________14 ehr« Sparkasse-Rechner.

Bekanntmachung«

Die Verwaltung der Reichsbank-Nebenstelle zu Gießen wird am 6. d. Mkts dem Bank-Agenten Herrn C. W. Dietz II. daselbst übertragen werden.

Frankfurt a. M., den 2. Juli 1877.

Reichsbank-Hauptstelle:

3717) Faelligexi. Lohff..

3705) In unserem Firmen-Register ist heute folgender Eintrag vollzogen worden:

Jacob Bär mann zu Gießen betreibt dahier seit 18. März I- I. unter der FirmaI B ä r m a n n" ein kaufmän­nisches Geschäft.

Gießen, den 30. Juni 1877. Großherzoglickes Stadtgericht Gießen.

Bötticher.

Versteigerungen.

Arbeitsversteigerung

zu Lollar.

Donnerstag ben 5. Juli, Nachmittags um 5 Uhr, f- llen auf dem Rathbaus zu Lollar nach­stehende Arbeiten durch öffentliche Versteige­ren - in Accord gegeben werden, als:

1) Lieferung von Schicht-Pflaster- A H ft einen, veranschlagt zu 516

2', Sandl eserung, veranschlagt zu 96

3) ©teinhredien, 54 60

4) Steins ähren, 105

5) Steinsetzen, 16 80

6) Sieinichlagen u. Decken derselben, veranschlagt zu . . 189

Gießen, den 30. Juni 1877.

I. A.: Körner, 3683) Bezirksbauaufseher

Versteigerung

von Ban arbeiten.

Montag den 16. Juli d. I.,

Vormittags 10 Uhr anfangend, sollen nachstehende Arbeiten und Lieferungen zum Neubau einer Schul-Hofraithe für die Gemeinden Hachborn und Ilschhausen, unter den alsdann bekannt gemacht werdenden Bedingungen, an die Wenigstnehmenden in hem Bureau der unterzeichneten Stelle ver­steigert werden, nämlich:

Maurerarbeit, veranschlagt

zu

5398 A

Steinhauerarbeit,

850

Zimmerarbeit,

ff

3162

Dachdeckerarbeit,

ff

2032

Schreinerarbeit,

II

4012

Schlosserarbeit,

ff

1385

Glaserarbeit,

ff

1155

Weißbinderarbeit,

ff

2385

Spenglerarbeit,

ff

416

Schindeldeckerarbeit,

ff

225

Pflasterarbeit, 394

Lieferung von 63 Cbm. Eichen-

Stammholz, veranschlagt zu 3150

Lieferung von 113 Cbm. Nadel-

Stammholz, veranschlagt zu 1469

Brechen, Anfuhren und Aufsetzen von 580 Cbm. Mauersteinen, veranschlagt zu 1334

Liefer, von 10 Mill Kaminsteinen und Plättchen, veranschlagt zu 304

Mesgl. von Tuffsteinen, veran­schlagt zu . . . . 1t6

Desgl. von 590 Ctr. Kalk, ver­anschlagt zu . . - - 1062

Desgl. von 140 Cbm. Gruben­sand, veranschlagt zu 98

Desgl. von 15 Cbm. Schlacken­sand, veranschlagt zu .99

Desgl. von 25 Cbm. Kiefern-

Stückholz, veranschlagt zu . 250 ,

Desgl. von 36 Ctr. Kornstroh, veranschlagt zu . . . 72

Desgl. von 70 Gebund Zäum­gerten, veranschlagt zu . 35

Pläne und Voranschläge liegen bei unter­zeichneter Stelle zur Einsicht offen.

Hachborn, am 28. Juni 1877.

Der Bürgermeister:

3706) Preiß.

Aeilgcbotenes.

Bade-Netze für Kinder und Erwachsene, empfiehlt Louis Senner.

3701) Neues und gebrauchtes Bett­werk billigst zu verkaufen

bei LouiS Rothenberger, ___________________Neuenweg 193. > Gothaer Cervelatwurst, prima Qualität, empfiehlt 3361)____________Gg. Wilh Weidig.

3712) Einen schönen rothscheckigen Berner Bullen, dienstfähig, hat zu verkaufen __________Konrad Zimmer, Lich.

Aus den Abbruch verkaufe Mittwoch den 4. Juli, Vor­mittags H Uhr, meinen Holzbau in der Dreihäusergasse. L. Müller,

3691)Mäusburg B. 48.

Fr. Müller II , Specialitüt in Ban-Artikeln empfiehlt

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3677) Garten-Geräthschaften:

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