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Mittwoch, den 4. Juli

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Anzeige- mH AmiÄntt fir den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montagö. Expeditionr Schulftraße, Lit. B. Nr. 18.

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PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Pheil. Bekanntmachung. Betreffend: Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1877.

Das Ober-Ersatz-Geschäst für 1877 wird im Kreise Gießen

Freitag den 13. und Samstag den 14. Juli, in dem alten Rathhause zu Gießen,

jedesmal Vormittags präcis 8 Uhr,

Montag den 16. Juli, int F l i ck'schen Saale (Gasthaus zum Rappen) zu Grünberg,

Vormittags präcis 9 Uhr, und

Dienstag den 24. Jnli, in dem Rathhause zu Lich,

Vormittags präcis 10i/3 Uhr, stattfinden.

Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade zu stellen:

in Gießen und Grünberg,

a. die von der Ersatz-Commission als dauernd unbrauchbar erkannten Militärpflichtigen;

b. die zur Ersatz-Reserve II. Klasse und zur Ersatz-Reserve I. Klasse designirten Militärpflichtigen;

c. die von den Truppentheilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten;

d. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen;

v. die von der Ersatzcommision als brauchbar und einstellnngsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich der vorweg einzustellenden und vorzu- merkendeo Militärflichtigen früherer Jahrgänge,

in Lich, die vorstehend unter b bis e bezeichneten Militärpflichtigen. (Die unter a bezeichneten brauchen nicht zu erscheinen).

Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen f. H. zugchen, welche den Betreffenden unverzüg­lich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 8 Tagen anzuzeigeu. Die Militärpflichtigen sind außerdem anzuweifen, ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen.

Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich mitzutheilen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.

Die Großherzoglichen Bürgermeister haben an dem Tage, an welchem Militärpflichtige ihrer Gemeinde zur Vorstellung kommen, selbst anwesend zu sein und fich darum zu bemühen, daß die Letzteren rechtzeitig zur Stelle sind.

Gießen, den 19. Juni 1877.

Der Civilvorsitzende der Ersatzcommission Gießen. ________________________________________________________Dr. Hoffman n, Reg.-Rath.

Folitisch

Deutschland.

Darmstadt, 1. Juli. Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm sind im Allerhöchsten Auftrag nach Brüffel bezw. London abgereist, um Sr. Majestät dem König der Belgier und Ihrer Majestät der Königin von Großbritannien und Irland den Regierungsantritt Sr. König!. Hoheit des Großherzogs zu notificiren.

Darmstadt, 2. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 23. Juni den ordentlichen Profeffor an der Universität Rostock, Dr. Gustav Kretschmar, zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes-Universität zu ernennen.

Berlin, 30. Juni. Der deutsche Landwirthschaftsrath hat bekannt­lich Schritte unternommen, um auf dem Wege der Gesetzgebung der überhand­nehmenden Verfälschung der Lebensmittel beizukommen, und hat eine Denkschrift an das Reichskanzler-Amt gerichtet, in welcher zur Beurthetlung dieser heiklen Frage ein ausgiebiges thatsächliches Material beigebracht wird. Wie sehr mit der Landwirthschaft die gesammte Bürgerschaft unter diesen Fälschungen leidet, dafür mag folgende Zusammenstellung sprechen: Die Verdünnungen der Milch durch Wasser sind bekannt. Nach derLandwirthschaftlichen Presse" berechnet sich das Quantum Wasser, welches allein in Berlin als Milch verkauft wird, auf 3 bis 4 Mill. Liter, der Consum an Milch auf 36V2 Mill. Liter, d. h. 38.3 Liter pro Kopf. Dem Mehle setzt man Schwerspath, Gyps, Kreide, Mar­morstaub hinzu. Dem Brodteig wird Alaun oder Kalkwaffer beigemengt, um das Brod weißer zu machen, und Jalappenwurzel, um die verstopfende Wirkung des Alauns zu heben. Schlechter, verdorbener Kaffee wird gefärbt, sogar mit giftigen Farbstoffen. Im Stampskaffee finden sich Cichorien und Roggen. Im Cichorienpulver hat man wiederholt Ocker, Eisenoxyd, Ziegelmehl; im Cicho- rienkuchen mitunter alten Kaffeesatz, Baumrinde, ja, Erde nachgewiesen. Zur Chocoladenbereitung verwendet man mitunter anstatt der theuren Cacaobohnen als Zusatz Perubalsam oder Storax, anstatt des Zuckers Melassesyrup oder Stärke. Zur Vermehrung der Masse führt man derselben Mehl von Getreide, Hülsenfrüchten, Kastanien, gepulverte Cacaoschalen, Gummigyps, Kreide hinzu. Anstatt der Cacaobutter, welche man aus der Masse entfernt, wird Schmalz, Fett und Pflanzenöl genommen. Gewürze werden in großem Maßstabe mit mineralischen und organischen Substanzen verfälscht. Um Baumöl zu imitiren, versüßt man gemeines Rüböl mit Bleimitteln. Schlechter Essig wird oft mit scharfen, brennenden Gewürzen so scharf gemacht, als wäre er abgezogen wor­den. Welche eklen Stoffe zur Butterfabrikation genommen werden, ist bekannt;

er eil'.

Schmalz, Talg, gekochte Kartoffeln müssen mitunter die Masse vermehren. Um Liqueuren Ansehen zu geben, werden lebensgefährliche Färbemittel angewandt. Zur Wurstfabrikation müssen scheußliche, ungenießbare Abfälle, Fleischreste und Stärkemehl dienen. Man hat sagar die feine Farbe der Cervelatwurst mittelst arsenikhaltigen Anilins hergestellt. Am übelsten aber ergeht es den Weintrin- kern. Aus Wasser, Kartoffeln, Gerstenmalz, Rohrzucker, Hefe, Weinsäure, Wein­geist, Malvenblüthen, Veilchenwurzeln, Hollunderblüthen, Tannin, Weinstein, Rosinen, Kino-Gummi, Himbeersaft, Hopfen, Tamarinden, Melaffensyrup, Gly­cerin, jungen Rebenblüthen rc. werden Hunderte verschiedenerWeine" ohne einen Tropfen Naturwein fabricirt. So viel ist nach einem Vortrage des Che­mikers Dr. Ziurek gewiß, daß, um saures Bier trinkbar zu machen, Potasche, Kalk oder Laugensalz verwendet wird, welches gefährliche Krankheitsfälle erzeu­gen kann. Natürlich ist die Liste der Lebensmtttelfälschungen hiermit noch lange nicht erschöpft, sondern sie setzt sich bis in's Unglaubliche fort. Der deutsche Landwirthschaftsrath hat in voller Erkenntniß der Wichtigkeit dieser Fragen dieMaßregeln", welche gegen die Ueberhandnahme der Verfälschung von Nah­rungsmitteln anzustreben sind, abermals auf die Tagesordnung seiner diesmali­gen Sitzungsperiode gesetzt.

Eine neulich in dem Gesetzblatt für Elsaß-Lothringen erschienene kai­serliche Verordnung vom 22. Juni bestimmtim Namen des Deutschen Reichs, aus den Antrag des Rectors und des Senats der Universität Straßburg und auf Vorschlag des Reichskanzlers, für Elsaß-Lothringen, was folgt: die durch die Stiftungsurkunde vom 28. April 1872 begründete Universität Straßburg erhält den Namen:Kaiser Wilhelms-Universität Straßburg" und führt als Siegel das ihr durch die Stiftungsurkunde verliehene Siegel mit der hinzuge­fügten Umschrift der neuen Bezeichnung." Die Verordnung ist vom Reichs­kanzler Fürsten v. Bismarck gegengezeichnet.

Berlin, 2. Juli. Fürst Bismarck ist heute Mittag nach Schönhausen abgereist. Er geht von dort nach Friedrichsruh und wird sich im Laufe der Woche über Berlin nach Varzin begeben.

Marburg, 30. Juni. Schon mehrfach ist in verschiedenen Zeitungen auf die unnatürliche Zutheilung des früheren Großh. Hessischen Kreises Bieden­kopf (des sog. Hinterlandes) zum Regierungsbezirk Wiesbaden hingewiesen und über die damit verbundenen vielen Unzuträglichkeiten geklagt worden, ohne daß damit der Wunsch nach Anschluß an das Stammland Kurhessen seiner Erfüllung näher gerückt wäre. Die bevorstehende Justiz-Organisation bietet nun wieder eine erwünschte Gelegenheit, diese dringende Frage ihrer Lösung, wenn auch vorläufig nur theilweise, näher zu bringen. Soviel nämlich bis jetzt bekannt geworden, wird hierher ein Landgericht kommen, und es sollen demselben außer