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der birecten Steuern und der Beiträge zu den Kosten der Staatsstraßen für das Jahr 1877 betreffend.

7. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 14. Decbr. dem Schulverwalter Johann Peter Rettig aus Breitenwiesen die vierte Gemeinde-Schulstelle zu Groß-Rshrheimdem Schulverwalter Karl Daniel Guyot aus Heubach die zweite Gememde-Schul- stelle zu Heubach zu übertrugen; am 16. Decbr. den Landgestütsbeiknecht Hein­rich Metz aus Dannenrod zum Landgestütsdiener bei dem Landgestüt auf Wi­derruf zu ernennen.

8. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die Gemeinde-Schulstelle zu Ober-Scharbach mit einem jährlichen Gehalt von 771 Mk. 43 Pfg.; die Ge metnde-Schulstelle zu Dors-Gill mit einem jährlichen Gehalt von 685 Mk. 71 Pfg. und einer Vergütüng für Versetzung des Organistendienstes im Betrage von 100 Mk.; dem Herrn Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsenta­tionsrecht zu dieser Stelle zu; die Gemeinde-Lchulstelle zu Feldkrücken mit einem jährlichen Gehalt von 685 Mk. 71 Psg.

Berlin, 1. Januar. Durch das neue Strafgesetzbuch ist angeordnet worden, daß Kinder unter 12 Jahren, welche sich einer mit Strafe bedrohten Handlung schuldig gemacht haben, nach Befinden der Vormundschaflsbehörde in eine Erziehungs- und Befferungs-Anstalt gebracht werden sollen. Das dabei zu beobachtende Verfahren, sowie die Kostenaufbringung soll den Landesgesetzen gemäß erfolgen. Da nun in Preußen bisher bezügliche Vorschriften nicht be­standen, so soll diese Lücke in der Gesetzgebung ausgefüllt werden und sind darauf gerichtete Vorarbeiten bereits im Gange. In dem ehemaligen Herzog- thume Nassau und in den srüher zu Nassau gehörigen Gebietstheilen des Regie- rungsbezirs Wiesbaden galt die Bestimmung, daß Eltern vor zurückgelegtem 60. Lebensjahre durch eigentliche Dispositionen Grundbesitz an ihre Kinder nicht abtreten durften. Es besteht die Absicht, diese Bestimmung aufzuheben. Eine bezügliche Vorlage wird ausgearbeitet.

Berlin, 1. Januar. Zur Feier des 70jährigen Militärdienst-Jubiläums deS deutschen Kaisers hielt der Kronprinz von Deutschland und von Preußen im Namen der Versammlung eine Ansprache an den Kaiser. Hieraus antwor­tete derselbe: Wenn alle Herren, deren Anwesenheit hier heute mich ganz be­sonders erfreut, mit den von meinem ^ohne auSgedrücklen Gefühlen überein- stunrnen, kann ich mich um so glücklicher schätzen und spreche zunächst Ihnen meinen Dank dafür aus. Wenn ich auf den Tag zurückblicke, an welchem ich in die Armee eintrat, muß ich ja auch der Verhältnisse gedenken, unter denen es geschah. Dann aber ist auch von dem Augenblicke an, wo mich die Hand meines Vaters in die Armee einfützrte, meinen ganzen Lebenslauf hindurch bis zur heute mir vergönnten Freude, mein erstes Gefühl gewesen, dem Lenker un­serer Geschicke demüthigen Dank zu sagen. Meine Stellung brachte es mit sich, daß der größte Theil meines Lebens der Armee gewidmet war. Darum gebührt aber auch Allen, welche mich und meine rnilttärische Laufbahn beglei­teten und meine Bemühungen unterstützten, meine Erkenntlichkeit, deren ich mich stets gerne erinnere. Der Tapferkelt, Hingebung und Ausdauer der Armee verdanke ich die Stellung, die ich jetzt einnehme. Von Fehrbellin bis auf die neuesten glorreich beendeten Kriege 'stehen die Thaten der brandenburgisch­preußischen Armee unauslöschlich in den Annalen der Weltgeschichte. WaS Preußen geworden, ist es hauptsächlich durch die Armee geworden. e>ie, die heute mir gegenüber die Armee repräsentiren,. bitte ich, Allen, die Sie vertreten, meinen persönlichen Dank zu sagen, einen Dank, der um so verdienter ist, als ich mich so lange Zeit hindurch von der Gesinnung und dem Geiste des Heeres überzeugen konnte, einem Geiste, der mit Ihr Werk ist, und dem, in Verbin­dung mit demjenigen der deutschen Truppen, es gelang, ein einiges Deutsch­land und ein einiges Heer zu schaffen.

Hesterreich.

Wien, 1. Januar. DasTelegr. Corresp.-Bureau" meldet aus Bu karest vom 1. Januar: In Folge der Verlängerung des Waffenstillstandes soll die rumänische Armee auf den Friedens-Etat gesetzt werden.

Araukreich.

Paris, 1. Januar. DieAgence Havas" meldet: Man glaubt, die Pforte werde die Vorschläge der Mächte schließlich annehmen; auch würden d e Mächte der Pforte einige Zugeständnisse machen. Dieselben würden Modifica- tionen und Details betreffen, die den Vorschlägen der Mächte zu Grunde lie­genden Principien aber unberührt lassen. Die Pforte beabsichtigt, 3 Millionen Livres Papiergeld zu emittiren.

Heute sand Empfang beim Präsidenten Mac Mahon statt und ver­lief derselbe ohne Zwischenfall.

-Ugland.

London, 1. Januar.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 30. Decbr.: Die Pforte weise absolut jedwede ausländische Occupatio« ab, biete jedoch als eine Art Garantie die Unterzeichnung eines Protokolls an, in welchem sie die getreue Ausführung der zugesagten Reformen feierlich ge­lobe und darin einwilligt, daß die Conferenz nach zwei Jahren wieder zusam­mentrete zu Beglaubigung der loyalen Ausführung der neuen Verfassung. Die Pforte genehmigt auch die Bildung einer türkischen Gensd'armerie unter Be­fehl von türkischen und europäischen Officieren. An der schottischen Küste scheiterten während des Sturmes in der vorigen Woche 80 Schiffe und zwar meist deutsche und norwegische Schiffe. Hierbei ertranken 270 Seeleute.

Belgien.

Brüssel, 1. Januar. In seiner Ansprache an den König beim Neu­jahrs-Empfang sagte der Bürgermeister von Brüssel:Dank seiner Neutralität braucht unser Land seine nationale Wehrkraft nicht außerhalb seiner Grenzen zu entsenden und wird daher unter dem Schutze Eurer Majestät seine frucht­bare Thätigkeit auf sich selbst concentriren können."

Spanien.

Madrid, 1. Januar. Als vor einiger Zeit der Dice Gouverneur von Mahon in dem Augenblick, wo in der protestantischen Schule Gottesdienst ge halten wurde, daselbst eindranz und unter dem Vorwande, daß der Gesang die Nachbarn störe, denselben untersagte, gaben der spanischen Regierung nahe stehende Zeitungen hinterher Erklärungen ab, welche, zwischen Ableugnung und

Mißbilligung deS Vorfalls in der Mitte stebend, die Hoffnung gestatteten, daß die Oberbehörden den Wunsch hegten, die Ausbrüche gesetzwidrigen Protestan- tenhaffeö in Zukunst auf das kleinste Maß beschränkt zu sehen. Diese Annahme cheint sich indeffen nicht zu bewahrheiten, wie aus verschiedenen Zwischenfällen neuern Datums zu entnehmen ist. So ward z. B. dem englischen protestanti- chen Geistlichen in Cadix, wenn derselbe im dortigen Hospttal kranke englische Matrosen besuchen wollte, regelmäßig der Zutritt verweigert, das letztemal mit dem Bemerken, daß es dabei jein Bewenden habe. An betr. Stelle ver­sucht man, das Auftreten des Hospital-Directors durch die Erklärung zu be­gründen, daß das Hospital durch Provinzialsonds erhalten werde und deshalb die Staatsgesetze, welche einen gereiften Grad von religiöser Freiheit versprechen (Art. 11 der Verfassung), dort nicht zur Anwendung kommen könnten. -Die Stellung der englischen Regierung zur Sache ist kaum zweifelhaft, jedoch har bisher nichts darüber verlautet.

Türkei.

Konstantinopel, 29. December, (Verspätet.) Der Großoezir rich­tete ein Schreiben an die ottomanische Bank, in welchem er die Aufhebung des Decrets vom 6. October mittheilt und zugleich erklärt, er werde den Kammern einen, vorher den Gläubigern mitzutheilenden Gesetz-Entwurf vorlegen, der ge­eignet sei, die Besitzer von Schuldtiteln zu befriedigen und die Ehre des Reiches zu wahren.

Konstantinopel, 30. December. Heute fand die vierte Conferenz- Sitzung statt; doch wurden nur einige Meinungen ausgetauscht, da die türkische Regierung die erwarteten Gegen-Anträge noch nicht überreichte. Der franzö­sische Bevollmächtigte, Graf Chaudordy, bemerkte: die Vorschläge der Conferenz seien praktische, die durchaus nichts mit der Autorität und Integrität der Pforte in Widerspruch Stehendes enthalten. Jgnatieff sagte hierauf, daß Ruß­land alle nur möglichen Zugeständnisse gemacht habe, um zu einem Einver- ständniß zu gelangen, und daß es im Interesse der Türkei liege, die Vorschläge der Mächte anzunehmen. Nachdem noch Marquis Salisbury fast in feierlicher Weise die Worte Chaudordy's und Jgnatieff's gebilligt hatte, schlossen sich auch Graf Zichy, der österreichische, und Graf Conti, der italienische Bevoll­mächtigte, diesen Erklärungen an, um das Einvernehmen der Mächte unterein­ander zu bekunden. Die nächste Conferenz Sitzung findet am Montag statt, wo die türkischen Bevollmächtigten wahrscheinlich ihre Gegen-Anträge über­reichen werden.

Lokal-Notiz.

Gießen, den 3. Januar. Das dritte Concert des hiesigen Concert- vereins ist der Kammermusik gewidmet. Es findet bereits nächsten S o nn taq den 7. Januar statt und ist hierfür, wie fchon früher erwähnt, das Florentiner Quartett gewonnen. Wer erinnert sich nicht mit Freuten des genußreichen Abends, den uns die Herren Jean Becker, Masi, Chiostri und Hegyesi voriges Jahr am 18. Februar bereitet haben und ist eigentlich jedes w.'iteres 2ßort zur Empfehlung dieser Künstler überflüssig. Auch dem verwöhntesten Ohr lassen bfefeibe bezüglich Fülle und Adel des Klangs, Reinheit der Intonation, Durchsichtigkeit der Gestaltung und präcises Zusammenfpiel Nichts zu wünschen übrig. ^Dabei hat man das Gefühl, als ob nur ein Wille sämmtliche 4 Bozen lenfi, eine Seele im Vortrag lebt und otbmet.

Ein solches Forte, ein solches Crescendo ist bisber noch niemals von einem Streichquartett gehört worden. Anderseits mochten wir auch das duftige P ia nis sim o zu dem Niedagewesenen rechnen.

Welcher Farbenreichthum ergibt sich nun daraus und welche Mannigfaltigkeit des Ausdrucks steht den Florentinern deshalb zu Gebote. Jeder Spieler ist ein Virtuos und jedes der vier Instrumente ist vorzüglich Herr Hegyesi der Cellist der dem Quartettverein seit einem 1^2 Jahre eist angehört, braucht den Vergleich mit seinem trefflichen Vorgänger Hilpert (jetzt Cellist des Fleischbauerschen Quartetts in Meiningen, das nächsten Winter hier woyl mal concertiren wird) in keiner Weise zu scheuen. Er verfügt über einen außerordentlich schönen gesanqreichen Ton, Übereine unfehlbare Technik, kurz er erweist sich in jeder Hinsicht seiner aristokratischen Genossen würdig.

Erwiederung.

(Im Interesse dcr Unpartheilichkeit gewähren wir nachstehender r ro teb erun g* Raum, müssen aber im Voraus bemerken, daß wir unsere Spalten keinerlei Polemik über Politik anläßlich der Reichstagswahlen ferner öffnen werden. Die Red.)

Gießen, 2. Jan. Erwiederung auf die Mittheilung über die Wahl-Versamm- lung in Nr. 303 d. Blattes.

I. Sind die, an den Freiherrn von Rabenau gestellten Interpellationen nicht prompt und schlagend" sondern lahm und nur zum Theil beantwortet worden.

II. Mawte der Herr Professor O n cf en. neben einer allgemein gehaltenen Aus­führung, bezüglich der Diätensrage noch auf die Calam tät bei den L indtagswablen aufmerksam, wo Diäten bezahlt würden, sagte aber nicht, daß bei den Landtagswahlen noch dem Dreiktassensystem gewählt würde, welches ja bekanntlich selbst vom Fürsten Bismarck als dasschlechteste Wahlsystem" bezeichnet wurde.

III. Sprach sich Herr (3r öning er von Grünberg tum Theil in einer Weise aus, wo er von den Socialdemokraten vollständig Recht bekam, denn wenn Jemand einem Socialdemokraten sein Familrenglück zerstören will, findet er seine gebührende Zurechtweisung. Die Socialdemokraten halten bekanntlich d et auf dasselbe. UebrigenS verlangt die sociale Frage einer gründlicheren Bekanntschaft als wie die des Herrn Gr ö ni ng er, der nach seiner eignen Aussage zum ersten Male Socialdemokraten hörte.

VI. Wäre auf das Schlußreferat des Herrn Vorsitzenden schlagend tu erroiebern gewesen, aber die Gelegenheit war nicht mehr geboten. Dem Herrn Vorsitzenden aber zur Notiz, daß derjenige, der viel vergißt, dadurch beweist, daß er feinen Geilt nicht anstrengt, dieses aber bei den Socialdemokraten nicht zutrifft und keine Partei richtet so streng das Thun und Lassen ihrer sogenannten Führer, als wie dieselbe.

Wenn man übrigens wiiklich soviel Theilnahme für die Irregeleiteten Arbeiter bat, so käme es ja auf einen Versuch an, dieselben wieder auf die rechte Bahn zu leiten.

Die Annoncen-Expedition Th. Dietrich # Co. in Cassel über­nimmt die prompte Besorgung von Anzeigen in sämmtliche Zeitungen Deutschlands und des Auslandes zu Originalpreisen. (Alleinige Jnseraten-Annahme f. d.Casseler TageSpost'.)

Ueujahrsgeschettke an die Kleinkinderschule.

Unsere Anstalt haben ferner noch mit Gaben bedacht:

Advokat Dornsei ff. Gaswerk^director Heß. Provinzialdirector von Röder. Präsident Dr. Buff. Prof. Dr. Baltzer. yankvorftand Wort- mann. Fabrik-nt Benber. Stabtrich'er B ö t t i cher. Pfarroicar Schö ner. Rentner Peters. Hofgerichtsratd Wortmann Prof. Dr. Äöllner. Prof. Dr. Weiffendacd. Kanzler Dr. Birnbaum.

Herzlichen Dank allen gütiaen Gebern!

Gießen, den 3. Januar 1877.

Tür den öorft and:

Pfarrer Dr. Seel.