Ausgabe 
3.10.1877
 
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Bürstadt. Auf Verordnung des Großh. Kreisgesundheitsamtes in Bensheim wurde dieser Tage der ganze Wurftvorrath zweier hiesiger Metzger confiscirt, und wer­den sich die Herren Btndemitteler nächstens vor dem Landgericht tn Lorsch welchem diese Angelegenheit bereits zur Aburtheilung überwiesen wurde zu verantworten haben. Vivat sequens!

Brieg, 23. Sept- (Eine unerhörte Geschichte.) Gestern Abend 6i/rUhr brache ten 3 Knaben der hiesigen Polizeibehörde die Anzeige, daß in dem Btrkenbusch an der Strehlener Chaussee, unweit der Stadt, der Schneider Vogler geschossen worden sei und verwundet dort liege Sofort angestellte Recherchen ergaben folgenden Thatbe stand. Aus Furcht vor der Verhaftung wegen W-chlelfälschung beschloß Vogler, aus dem Leben zu scheiden, doch nicht durch eigene, sondern durch fremde Hand. Demge­mäß schloß er mit dem Dienstmann Gerstmann einen Vertrag, wonach dieser ihn d«rch einen Schuß tödten sollte Gerstmann erhielt für diese Dienstleistung 3 JL Beide be­gaben sich nun an den oben näher bezeichneten Ort, nahmen Distanz von 6 Schritt und Gerstmann gab mittelst eines Revolvers 3 Schüsse ab. Die ersten beiden Kugeln gingen fehl, die dritte jedoch traf Vogler in die linke Hüfte. Stöhnend brach derselbe zusammen, wurde von G ins Gebüsch geschleift und dann sich selbst überlassen- Vogler wurde bei vollem Bewußtsein gefunden und vorläufig nach seiner Wohnung gebracht- Inzwischen ging Gerstmann über die Promenade nach der Stadt, feuerte unterwegs noch zwei Schüsse ab und machte dann einem Bekannten einen Besuch. Dort gefragt, warum er denn einen Revolver bei sich führe, gab er an, daß er Jemanden erschofien habe; morgen wüide schon das Nähere bekannt werden. Gleichzeitig warnte er, den Revolver in die Hand zu nehmen, da derselbe noch geladen sei. Als ihm dieses nicht geglaubt wurde, ergriff er die Waffe, zielte auf den ebenfalls anwesenden Fuhrmann Kusche und schoß ihm eine Kugel in die linke Seite der Brust. Gerstmann entfernte sich hierauf, wurde aber alsbald verhaftet. In seinem heutigen Verhör gab er an, so betrunken gewesen zu sein, daß er sich auf nichts erinnere. Der Zustand des Kusche ist besorgnißerregend, der des Schneiders Vogler bis jetzt weniger bedenklich.

Handel und Verkehr.

Gießen, 2. Oct. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. 14015, Hühnereier, per Stück 67 H, Käse, per Stück 59 Käsematte, per St. 3 H, Erbsen, 1 Liter 18 H, Linsen, 1 Liter 20 Tauben, das Paar 55 Hühner, per Stück 70 Hahnen per St. 60^, Kartoffeln 100 Kilo 6 JL

Literarisches.

Wir erlauben uns, alle Geflügel-Züchter sowohl, als auch die Liebhaber der Zier- und Singvögelzucht auf die in Kaiserslautern erscheinendePfälzische Geflügelzeitung" auf­merksam zu machen. Dieses Blatt hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits im Norden und Süden unseres Vaterlandes viele Freunde und Leser erworben, es giebt sich große Mühe, durch gediegene, belehrende Abhandlungen und Korrespondenzen seiner Aufgabe nachzu­kommen, um die Grundsätze einer rationellen Zucht des Nutzgeflügels zum Gemeingut zu machen, wie auch möglichst der Liebhaberei Rechnung zu tragen, indem in jeder Nummer interessante und lehrreiche Mittheilungen über Wart, Pflege und Zucht der Zier- und Singvögel veröffent­licht werden. Ein Beweis, daß die Bestrebungen dieses Blattes dankbare Anerkennung gefunden haben, finden wir darin, daß bei der unlängst stattgchabten Versammlung von Delegirten pfälzi­scher Geflügelzuchts-Vereine, dem Verleger der Pfälzischen Geflügelzeitung in Kaiserslautern, für die Herausgabe und gediegene Rcdaction dieses Fachorgans der Dank und die Anerkennung der pfälzischen Geflügelzuchtsvereine ausgesprochen und die Pfälzische Geflügelzeitung allen Ge­flügelzüchtern zum Abonnement bestens empfohlen wurde, da dieses Blatt die Bestrebungen der Geflügelzuchtsvereine in jeder Beziehung fördere. Der Preis dieses gediegenen Fachblattes beträgt pro. Quartal blos 65 Pfennige. Inserate finden in diesem Blatte eine weitere Ver breitung

Temperatur inGietzen.

September 1877:

Niederste...................+4,0 e r.

Mittlere...................+8,40

Mittel früherer Jahre..............+10,91

Höchste..................+18,0

Niederschlag an 16 Tagen............. 1,66 Par. Zoll.

Niederschlag im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen . . . 1,79

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Georg Unverzagt I., 5173) . verlängerte Asterwegstraße.

ZLesondere Bekanntmachungen

5494) In unserem Firmen Register sind heute folqenbe Einträge vollzogen morden:

1) Georg Throm von Cassel, jetzt zu Gießen wohnhaft, betreibt dahier seit 12. Januar I. I. unter der Firma ,G. Throm" ein Fabrikationsgeschäst chemischer Producte.

2) Julius Buch von Gießen betreibt daselbst seit 1. Juli l. I. unter der FirmaJul. Buch" ein Mützen-, Pelz- und Schuhwaarengeschäft und hat seiner Ehefrau Adelheid, gebornen Willstädt, Procura erthcilt.

3) Die Handelsgesellschaft »Müller fif Schwager" dahier hat sich aufge­löst und ist mit dem Heutigen in Liquidation getreten. Liquidator ist Friedrich Semmler dahier.

Gießen, den 1. October 1877.

Großherzogliches Stadtgericht Gießen.

__Bötticher.______________

Dbkrhkssische Eisenbahnen.

Bekanntmachung.

Für Eisensteintransporte zwischen unserer Station Hungen und der Station AlbS- hausen der Nassauischen Eisenbahn tritt von heute ab der birecte Frachtsatz von 0,24 JL pro 100 Kilogramm in Kraft

Gießen, den 1. October 1877. Großherzooliche Direction.

5493)_________Mohn._____________

Bekanntmachung.

Nachdem die angestellten Ermittelungen die Zahlungsunfähigkeit des Bauunter­nehmers Carl Gutmann dabier ergeben haben, wird zur Abwendung des förmlichen Concurses durch Vergleich zwischen den Gläubigern und dem Schuldner Termin auf

den 29 October l I., Morgens 10 Uhr,!

G°nt.;Bcit bestimmt In diesem Termin haben Gläubiger des rc. Gutmann ihre For deruugen sumarisch, wo möglich mit Bei­fügung der Beweisstücke, anzumelden, mit dem Gemeinschuldner entweder persönlich oder durch mit gehörig beglaubigter Voll­macht versehene Vertreter die Güte pflegen und sich über die Wahl eines Massecurators bezw. über die Beibehaltung des in der Person des Administrators Zeiß dahier vorläufig bestellten Curators zu einigen, unter dem Rechtsantheile, daß die nicht er­schienenen chirographarischen Gläubiger hin­sichtlich des Güteversuchs als dem Beschluß der Mehrheit der Erscheinenden beitretend angesehen werden.

Marburg, am 24. September 1877.

Königliches Amtsgericht Abtheilung III. 5377)Sp angenb er g.

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Allgemeiner Anzeiger.

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