Ausgabe 
3.10.1877
 
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Jfo. Mittwoch, den 3. October LS-S.

Meßmer Anzeiger

Aozeize- mi AMsblM fit den Kreis Gießen.

Erscheint täglich mH Suinabme bei MouLa^s. GH-OdMO«r Schulftraße, LH. B. Nr. 18.

Preis vierteljährlich 3 Start 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Poft bereit vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

Amtlicher Hßeil.

Gießen am 29. September 1877.

Betreffend: Debes kleiner Schulatlas. _ »

Die Großherzogliche Krcis-Schul-Commiffioii Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Durch Erlaß Großherzoglichen Ministeriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, vom 21. d. M. ist rubricirter Atlas im Verlage von Wagner und Debes in Leipzig" neunzehn Karten enthaltend, zum Preise von 60 Pfennigen zur Einführung in den Volksschulen empfohlen worden.

Wir setzen Sie unter dem Anfüzen hiervon in Kenntniß, daß vor Einführung desselben in den Schulen Antrag wegen Genehmigung bet uns zir stellen ist.

____________Dr. Boekmann. ______________________________________________

Bekannt m achun g.

Die Amtstage des Landgerichts Gießen werden Dienstag und Mittwoch abgehalten und zwar des Vormittags von 8 bis 12 und des Nachmittags von 2 bis 5 Uhr.

Gießen, 1. October 1877.

Großherzogliches Landgericht Gießen.

Erdmann.

Der diesjährige Herbst-Faselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg soll Dienstag den 23« October dieses Jahreö ZU Friedberg abgehalten werden. .

Die aufgetriebenen Fasel werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird dem Eigenthumer der als p.relswurdig erkannten Rötere eine Geldprämie bewilligt. Der landwirthschaftliche Bezirksverein und die Kreisstadt Friedberg haben hierzu entsprechende Betrage zur DwpWtton geste . Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Ptämiirung. Von der Preisbewerbung sind Gemein e-Fas ausgeschlossen, desgleichen Fasel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind. Für Fasel, welche als tauglich befunden, aber nicht pramtlrt werden, wtrd auf Verlangen eine Weg-Vergütung ausgezahlt. Nicht genügend gefesselte Thiere werden vom Platze weggewtesen werden.

Die zum Abschlüsse kommenden Verkäufe, wollen dem Großherzoglichen Bürgermeister, Herrn Foucar dahter, zur Anzetge gebracht werden.

Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen.

Friedberg am 20. September 1877.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Friedberg.

Dr. Braden. _______

Deutschland.

Mainz, 29. September. In der zweiten Delegirten-Versammlung des Altkatholiken Congresses gelangten heute Vormittag zwei vom Karlsruher VezirkS- verband gestellte Anträge zu eingehender Discussion und zur allgemeinen An­nahme in folgender Form: 1) Der 6. Congreß der Altkatholiken erlaubt sich die Aufmerksamkeit der Regierungen und des Volkes auf die päpstliche Bulle vom 20. Januar d. I. zu lenken, in welcher einerseits allen Geistlichen beim Antritt ihres Amtes befohlen wird, zu schwören, daß sie die Decrete des vati- canischen Concils mit Herz und Mund annehmen und danach in den Schulen lehren und handeln wollen und in welchen anderseits die Bestimmung Plus'l v. vom 13. November 1564 erneuert wird, nach welcher alle Magister, Doctoren, Beamten, Kanzler, Rectoren, Promovenden an Universitäten und die Lehrer an allen Gymnasien und höheren öffentlichen und privaten Unterrichts-Anstalten, wenn sie nicht der Excommunication verfallen und ehrlos sein wollen, im Linne und Geiste der römisch-katholischen Kirche lehren müssen. 2) Der 6. ^oiigreß der Altkatholiken erklärt unter Hervorhebung der Nothwendigkeit, den Reli­gionsunterricht im Jntereffe der Bildung und Erziehung als obligatorischen Lehrgegenstand den Schulen zu erhalten die ost erhobenen Forderungen ter Ultramontanen bezüglich der Schule, sowie der Beaufsichtigung der Lehrer und der canonischen Sendung durch die Curie für unbegründet und den Jnteresien der Schule und des Staates verderblich. Das Referat über beide Anträge hatte Pfarrer Rieks von Heidelberg übernommen; an der Debatte beteiligten sich insbesondere Ober-Regierungsrath Wülffing und Advocat Eilender jun. aus Köln, Fürsprech Weibel aus Luzern und Prof. Huber aus München. Es machte sich die Ansicht geltend, daß man zwar die preußische Stegiennig in ihrem Kampfe mit der römischen Hierarchie bei dem Religionsunterricht in der Schule energisch unterstützen müsse, aber dabei nicht verkennen dürfe, daß diese Regierung durch ihre inkonsequente Haltung diesen Kampf mit verschuldet habe, und zwar dadurch, daß sie zwar die vaticanischen Decrete als Neuerung errlart und eben deshalb die Maigesetze erlaffen, aber doch gleichzeitig die vatikanischen Katholiken als vollberechtigte Glieder der alten Kirche erklärt habe. Auf Be­seitigung dieses inneren Widerspruches hinzuarbeiten, sei Aufgabe der Altkatho liken. Im Weiteren beschäftigte sich die Versammlung mit den vorliegenden Anträgen für stärkere Verbreitung der altkatholischen Preffe, insbesondere des Deutschen Merkur" und desAltkatholischen Boten", sowie für Neubelebung der Agitation überhaupt. Prof. Huber betonte die Nothwendigkeit, nicht nach dem schlechte« Beispiel der Ultramontanen über kleinere Verschieden­heiten im eigenen Lager zu streiten, während der Nihilismus und ^vcialismus gewaltig auf uns eindringen und die liberalen Parteien vielfach die Wichtigkeit der religiösen Fragen nicht erkennen. Die Fortsetzung der Discussion wurde

auf den Nachmittag vertagt, nachdem die Versammlung noch beschloffen hatte, auch im nächsten Jahre wieder einen Altkatholiken-Congreß abzuhalten. Ueber Ort und Zelt wird der Präsident der diesjährigen Versammlung in Verbindung mit den Central Comit6s zu München und Köln später bestimmen.

Berlin, 29. September. Vier Panzer-Schiffe von dem zurückkehrende« Mittelmeer-Geschwader erhielten Befehl, während des Winterlagers in Wil- helmshafen und Ktel eine stärkere Bemannung zu behalten, damit eventuell ein rasches Wiederauslailfen möglich.

Berlin, 29. September. DieProv.-Corresp." bringt eine übersicht­liche Darstellung der französischen Wahlbewegung. Sie druckt zu diesem Zwecke die wichtigsten Stellen des Mac Mahon'schen Wahlmanifestes und des Thiers'schen Wahlausrufes, sowie einen Passus aus einem Frankreichs republi­kanische Verfassung betreffenden Artikel desFigaro" ab und knüpft an letzeren die Bemerkung:Daß ein großes, anscheinend der Regierung ergebenes Blatt in solch frivolem Tone von der bestehenden Verfaffung reden kann, ist gewiß bezeichnend für die Verwirrung und Zerrüttung der politischen Zustände in Frankreich."

Da kürzlich in Warschau und in dem russischen Kreise Petrikau die Rinderpest in nicht unbeträchtlichem Umfange ausgebrochen, ist, um die Ein- schleppung über die nahe preußische Grenze zu verhindern, und mit Rücksicht darauf, daß der niedrige Stand der Gold-Valuta die Neigung zu einem, unge­setzlichen Handel mit Rußland reizen könnte, die Ausstellung eines stärkeren Militär Cordons angeordnet worden.

Berlin, 30. September. Nach demBerl. Akt.", hat das Ministerium beschloffen, dem König die Einberufung des Landtages für einen Tag zwischen dem 20. und 25. October zu empfehlen.

Berlin, 1. October. Die auf den 3. d. Mts. anberaumte außeror­dentliche General-Versammlung der Centralbank für Industrie und Handel un­terbleibt, weil nur für ca. 4J/2 Mill. Thaler Actien angemeldet wurden. Die Versammlung ist deshalb nicht beschlußfähig.

Dresden, 29. September. DasDresd. Jonrn." bestätigt, daß die Wahl L'.ebk. echt's in den Landtag für ungültig erklärt wurde und in dem betr. Wahlkreise bereits eine Neuwahl angeordnet worden sei.

Karlsruhe, 29. September. Die Wahlmänner-Wahlen zur bevor­stehenden Landtagswahl sind in den Städten Karlsruhe, Pforzheim, Offenburg, den Aemtern Ettenheim, Meersburg, Pfullendorf, Radolfzell und Pforzheim national-liberal ausgefallen. Die Betheiligung an den Wahlen war schwach. Weitere Nachrichten fehlen noch.

Hestcrreich.

Wien, 29. September. DiePoltt. Corresp." veröffentlicht den Wort-