Ausgabe 
3.5.1877
 
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Heute findet ein Cabinets-Conseil statt. Eine Versammlung der libe­ralen Parlaments-Mitglieder unter dem Vorsitz des Marquis Hartington hat sich gegen die Resolution Gladstone's ausgesprochen, da selbige nicht zeit­gemäß sei.

Malta, 29. April. Das' englische Mittelmeer-Geschwader unter Ad­miral Horndy, 5 Panzerschiffe stark, ist am 29. d. Mts. nach Corfu in See gegangen.

Belgien.

Brüssel, 1. Mai. Im Senat sprach Casier sein Bedauern über die von dem Minister des Auswärtigen in der Sitzung der Depulirten-Kammer vom 20. April abgegebene Erklärung gegenüber der Petition der Bischöfe über die Lage des Papstes aus. Von Seiten der Regierung wurde die bestimmte Versicherung abgegeben, daß sie in keiner Weise in die Angelegenheiten des Papstes interveniren werde.

Italien

Nom, 30. April. Das JournalDiritto" bezeichnet die von dem TimeS"-Correspondenten in Ragusa verbreitete Nachricht bezüglich einer even­tuellen Occupirung Albaniens Seitens Italiens als unbegründet. D'e Con- centrirung des Evolutions-Geschwaders in den Südhäfen habe nur den Zweck, Uebungen vorzunehmen und nöthigenfalls einige Schiffe zum Schutze der im Orient lebenden Italiener entsenden zu können.

Rom, 30. April. Sitzung des Senats. Berathung des Gesetzes über die Mißbräuche der Geistlichkeit. Borgatti kündigt ein Amendement zu Art. 1 an. Alventi spricht gegen den Gesetz-Entwurf. Amari behauptet, die päpstliche Allocution habe an fremde Intervention appellirt; er constantire jedoch, daß der italienische Clerus weniger geneigt sei, der Regierung Verlegenheiten' zu bereiten, als der fremde. Corunizzaro sagt, das Gesetz sei amendirungsfähig, man solle es aber annehmen. Cariccioli beweist, daß das Gesetz den Garantie- Gesetzen nicht widerspreche.

Nußland.

Petersburg, 28. April. DerGolos" ist auf zwei Monate mund- todt gemacht wegen eines Artikels, der die russische Gesellschaft aufforderte, durch Opfer zu beweisen, daß sie der bewilligten Reformen würdig und zu wei­teren Reformen berechtigt sei. Auch dieBörsen-Ztg." und die russischePe­tersburger Zeitung" dürfen einen Monat lang nicht erscheinen.

Petersburg, 30. April. Obwohl die türkische Regierung das fernere Verbleiben der russischen Unterthanen in der Türkei nicht gestatten will, hat dennoch Rußland anstandslos die Fortdauer des Aufenthalts der im Lande lebenden türkischen Nationalen anerkannt, ebenso die Vertretung von deren Jn- tereffen durch England. Der gestrige Geburtstag des Kaisers wurde bei allge­meiner Betheiligung der Bevölkerung mit Illumination und anderen Ovationen auf das Festlichste begangen. In der Oper wurdeDas Leben für den Czaren" dargestellt und die National-Hymne viermal mit Begeisterung wieder­holt. Die Municipalität von Petersburg hat iy2 Mill. Rubel für die Ver­wundeten bewilligt.

Kischeneff, 29. April. Der Kaiser hat dem heutigen Gottesdienste in der Kathedrale beigewohut vunb sodann die bier durchpassirenden Truppen besichtigt. Die Abreise des Kaisers ist auf den 2. Mai festgesetzt. Die An­kunft in Moskau findet am 4. Mai, die Abreise von dort am 5. Mai und die Ankunft in Petersburg am 6. Mai statt.

Der orientalische Krieg.

London, 29. April. DemReuter'schen Bureau" wird aus Erzerum vom 28. d. Mts. gemeldet: Eine russische Colonne, sehr stark an Kavallerie und einen großen Belagerungs-Train mit sich führend, ist im Anmarsch gegen Ardahan.

Wien, 30. April. DerPresse" wird aus Cettinje telegraphirt: Der Fürst hat unter jubelnder Begeisterung der Bevölkerung Cettinje verlaffen und sich zur Süd-Armee nach Podgortzza begeben. Laut Berichten aus Konstan­tinopel wird der Sultan von seiner Abreise zur Donau-Armee eine Botschaft an beide Häuser des Parlaments richten.

London, 30. April. Oberst Lennox ist zum englischen Militär-Attachö bei der türkischen Donau-Armee ernannt. Es heißt, morgen Abend werde die Proclamation der englischen Neutralität publicirt werden.

Grzerum, 30. April. Vor Kars, bis wohin die Ruffen vorgerückt und wo größere Abtheilungtn derselben concentrirt sind, wird seit gestern ge­kämpft ; Näheres darüber ist noch nicht bekannt. Die Russen führen einen Be- lagerungs-Train mit sich. In Kars befehligt Mukhtar Pascha.

Konstantinopel, 30. April. Die Ein- und Ausfahrt zu dem Bos­porus und den Dardanellen ist während der Nachtzeit absolut verboten. Sämmtliche Leuchtthürme, ausgenommen zwei bei der Einfahrt des Bosporus und zwei bei der Einfahrt zu den Dardanellen, werden ausgelöscht; auch letz­tere sollen nöthigenfalls jederzeit ausgelöscht werden. Die fremden Schiffe sind von den Ruffen aufgefordert worden, die Donau zu verlaffen.

Die Pforte soll sich betreffs der Behandlung der neutralen Schiffe auf die letzten Verträge zu stützen Willens sein und soll beabsichtigen, die Schiffe, welche nach dem Schwarzen Meere bestimmt sind, der Durchsuchung zu unterwerfen. Gestern bat im Stadttheil Phanar eine Feuersbrunst stattge- fundcn, wodurch 600 Holzhäuser eingeäschert wurden. Vom Kriegs-Schauplatz liegen außer den Berichten von den Gefechten bei Datum gegen die russische Avantgarde keine weiteren Nachrichten vor.

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Bukarest, 30. April. Der Senat hat die mit Rußland abgeschloffene Conventlou mit 41 gegen 10 Stimmen angenommen. Minister Cogalniceanu erklärte, Rumänien werde Kalafat durch die Türken zwar besetzen lasten, sich aber deren weiterem Vordringen widersetzen.

Lokal-Notiz.

Gießen, 2. Mat. Seit einigen Tagen ist die Postbestellung, namentlich tm Be­zirke des Wallthors wieder eine sehr mangelhafte. Wir z. B-, welche auf eine recht­zeitige Zustellung unbedingt rechnen müssen, erhalten im Gegensätze zu früher, die erste Poft um 8, die zweite um 11 u. s. w. also über eine Srunde später, wie gewohnt. Wir geben recht gerne zu, daß durch Einziehung zum Militär, Krankheit mehrer Briefträger, dieser Uebelstand veranlaßt ist, hegen aber trotzdem das Vertrauen -u unserer Postbe- hörde, daß es dafür Sorge trage, daß das Publikum darunter nicht Noth leide. Ferner möchten wir bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, daß die Zeitungen, welche man bekommt, auch richtig und nicht an Gott weiß wen? abgeliefert w.-rden, wie uns dies in den letzten 8 Tagen sehr oft passirte.

Vermischtes.

Der Taglöhner U. in I. bei Gandersheim wurde bei einem Versuche, sich zu erhängen, von seiner Frau ertappt und von dieser so lange mit einem Besenstiel be­arbeitet, bis er versprach, nie wieder Hand an sich zu legen.

Man spricht in Paris sehr viel von einem tragikomischen Abenteuer, dessen trister Held einer der bekanntesten Edelleute aus dem aristokratischen Faubourg ist. Vicomte L. für sehr viele Habitues der Boulevards ist dieses 3c. keine unbekannte ®iöße hat eine kleine Schwäche: er liebt den feurigen Rebensaft zu sehr. Dieser Tage speiste er einmal in Gesellschaft einiger Freunde und nach seiner Gewohnheit thal er dem Champagner alle Ehre an, die er verdiente, so sehr, daß er, als man sich spät in der Rächt trennte, sich nicht von der Stelle rühren konnte. Zwei seiner Tischnach- bain erbarmten sich seiner, führten ihn zu seinem Wagen und fuhren mit ihm nach Hause. Im Faubourg St. Germain angelangt, halfen sie ihm vom Wagen und zu einer Rebenpforte seines Hotels, durch welche er einzutreten pflegte, wenn Mitternacht vorüber war. Er zog einen Bund Schlüssel hervor, versuchte einen nach dem andern, drehte, zerrte, fluchte gelinde und sagte endlich mit einem Seufzer der Resignation: Der Schüssel ist nicht darunter, ich muß ihn zu Hause vergessen haben!" ,,Warum nicht gar!" erwiderte ungeduldig einer der beiden Begleiter, nahm ihm die Schlüssel aus der Hand, erneuerte den Versuch und öffnete die Thüre, worauf der Vicomte sich von seinen Freunden verabschiedete und in sein Schlafzimmer hinaufging. Als er am nächsten Morgen aufstand und an seinen Schreibtisch ging, fand er in der Schublade desselben feinen Thürschlüssel. Er wurde unruhig und verlangte von seiner Frau, daß sie ihm ihren Schlüssel zeige, denn es existire nur noch ein Exemplar dieses Schlüssels und dieses sollte sie besitzen. Die Vicomtesse war nicht in der Lage, den Wunsch ihres Gatten zu befriedigen. Der Vicomte weiß aber unglücklicher Weise nicht, welcher der beiden Begleiter ihm den Liebesdienst erwiesen hat, die verschlossene Pforte zu öffnen, und trägt sich mit dem Gedanken, beide zu fordern, kann aber keine Secundanten fin­den, die es unternehmen würden, ein Recontre unter solchen Umständen zu veranstalten. Mittlerweile ist Vicomte 3c- sehr düster geworden und man sieht ihn seit einigen Tagen nicht mehr auswärts biniren .... Ein anderer Scandal, der viel von sich reden macht, ist die Schließung eines der vornehmsten Cirkels, die kürzlich von Polizei wegen vorgenommen wurde. In diesem Cirkel hatten vor einigen Tagen zwei junge Leute bis Mitternacht 120,000 Franken verloren, um fünf Uhr Morgens hatten sie nicht nur ihren Besitz wieder, sondern hatten noch 40,000 Franken Gewinn. Vor etlichen Tagen wurde die Bank im Wege der Versteigerung von einem Spieler um 114,000 Franken erstanden und in der Nacht vor der Schließung verlor dort eine vornehme Persönlich­keit 140,000 Franken. Man flüsterte allerlei von diesem Cirkel und das hat eben das Einschreiten der Polizei veranlaßt.

Die Bestattung des Sir Jung Bahadur im Reiche Nepal veranlaßt die Mor ning Poft, einen Rückblick auf die Geschichte der Wittwen-Verbrennung zu werfen. Von der Selbstverbrennung der drei Frauen bei jenem Leichenbegängniß redend, sagt das Blatt, Glaubensartikel seien durch ihre Natur beinahe dem Gebiete der Bernunftschlüsse entzogen, nirgendwo aber wahrscheinlich in den Jahrbüchern religiösen Glaubens sei ein so schlagendes Beispiel zu finden, wie gefährlich eine allzu genaue Beobachtung des Wortlautes göttlicher Befehle sei als eben in der Geschichte dieser Wittwenopfer. Die Absicht der britischen Regierung, die sogenanntesuttee abzuschaffen, ward von den Hindus feiner Zeit als Einmischung in religiöse Gebräuche ausgefaßt, deren Aufrecht­haltung ihnen doch verheißen war. Die Brahmanen beriefen sich auf die Stelle des religiösen Gesetzbuches und der Sanskritist Colebrooke bestätigte die Richtigkeit der Er­klärung.. Trotzdem hielt die britische Regierung es für geboten, in allen der englischen Krone unterworfenen Theilen Indiens die Suttee aufzuheben. Erst die Neuzeit hat die wichtige Entdeckung gemacht, daß das Gebot der Wittwenverbrennung nicht auf uralten Worten beruhe, sondern auf Fälschung eines Ausdruckes. Professor Wilson hat nach­gewiesen, daß die Priesterschatt das Wortagneh = Feuer für ,,agre = 2lltar unter­geschoben hat. Diese Ansicht ist durch Bezugnahme auf (Kommentare und Ceremonien erhärtet worden und von Max Müller in einem seinerEssays" allen Zweifeln entrückt worden, so daß nun das Gebot Gottes so zu lesen ist:Mögen die Weiber, die nicht Wittwen sind, sondern gute Ehemänner haben, näher kommen mit Del und Butter. Die aber, welche Mütter sind, mögen zuerst an den Altar (agre) treten ohne Thränen, ohne Sorgen, sondern bedeckt mit schönem Edelgestein." So ist also Jahrhunderte hindurch ein entsetzlicher Gebrauch herrschend gewesen in Folge eir.es mißverstandenen Wörtchens. Tausende und aber Tausende von Weibern sind, ob gern, ob ungern, lebend verbrannt worden. Das gibt Mancherlei zu denken, unter anderen Dingen auch über die Nützlichkeit des Sanskritstudiums.

Die immer mein" zunehmende Erkenntniß von dem Nutzen des Annoncirens für jeden Geschäftsmann und das Bedürfniß, Pünsche und Anerbietungen aller Art einem möglichst weiten Kreise zugänglich zu machen, sowie andrerseits das in alle Volksschich­ten gedrungene Verlangen nach möglichst rascher und eingehender Kenntniß der Tages­ereignisse, wie nach belehrender Unterhaltung haben eine große Entwickelung des Zei- tungs- und mit diesem des Annoncenwesens zur Folge gehabt. Zur Erleichterung des letzteren dienen insbesondere die Annoncen-Expeditionen mit ihren zahlreichen über olle größeren Städte verstreuten Bureaux, unter welchen die Central-Annoncen-Expedition von G. L Daube <fc Co. eine der rührigsten ist. Die genannte Firma gibt zur wei­teren Förderung des Annoncenwesens ein Zeitungs Derzeichniß gratis heraus, das jetzt die 18. Auflage erlebt und eine vollständige Zusammenstellung aller in Deutschland u. Oesterreich-Ungarn erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften mit Angabe von deren Er­scheinen, Auflage und deren Jnsertionsgebühren enthält, außerdem die Einwohnerzahl der betreffenden Ortschaften nennt und endlich ein Verzeichniß der hauptsächlichsten außerdeutschen Zeitungen, sowohl der europäischen als der der anderen Erdtheile in sich begreift. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß den Herren <£. L Daube * Co. in letzter Zeit Seitens der continentalen Presse ein eminentes Vertrauensvotum dadurch gegeben wurde, daß der größere Theil aller bedeutenderen deutschen, holländischen, bel­gischen 2C. Zeitungen ihnen das Annoncen-Movopol für das Ausland übertrug.

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