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genügend Leute vorhanden seien, die bereit gewesen wären, zu den herabgesetzten Löhnen an die Stelle derer zu treten, die 'sich etwa geweigert hätten, dazu weiter zu arbeiten. Wie sich später zeigte, war dies nur die Stille vor dem Sturm; in Wirklichkeit warteten die unzufriedenen Eiscnbahnangestellten nur die Vollendung einer geheimen, über das ganze Land verbreiteten Organisation der Angestellten aller americanischcn Eisenbahnlinien ab, um dann auf dem Wege eines Starkes den Versuch zur Wiederstellung der früheren Löhne zu machen. Wie in solchen Fällen üblich, wurde der Strike' zuerst gegen eine einzelne Gesellschaft, und zwar die „Baltimore and Ohio" in Scene gesetzt. Nach etwa einer Woche verlangten die Angestellten dieser Bahn, daß fcer seit dem 1. Juni eingetrctene Lohnabschlag rückgängig gemacht werde und legten, als ihre Forderung abgelehnt wurde, die Arbeit nieder. Bis dayin hatten sie sich völlig innerhalb der Schranken der Gesetzlichkeit gehalten, was sich jedoch sehr bald änderte, als es ersichtlich wurde, daß der Strike keinen Erfolg haben werde, da sich anderweitige Arbeitskräfte in völlig genügender Zahl bereit fanden, an die Stelle der Striker zu • treten. Hieraus entstanden die ersten Ausschreitungen, die neuen Arbeiter wurden angegriffen und thätlich mißhandelt, die Civilbehörden, -welche zu deren Gunsten einschreiten wollten, verhöhnt. Dann entwickelten die Dinge sich rasch weiter. Die Strikenden verjagten die höheren Eisenbahnbeamten, ergriffen Besitz von den Stationen, rissen an mehreren Stellen die Schienen auf, so daß auf der Strecke von Baltimore bis Martinöburg und bald darauf westwärts darüber hinaus bis Cumberland der Verkehr vollständig unterbrochen wurde. Die Empörer drohten Jedem mit dem Tode, der eS wagen würde, -mr der Abtastung und Beförderung eines Zuges sich zu betheiligen, und führten diese Drohung aus, indem sic mehrere frühere und neu eingetrctene Locomotivführer, Heizer und Schaffner, welche ihren Dienst zu versehen suchten, erschossen. Die Civilbehörden erwiesen sich den Strikenden gegenüber, die sich der Mehrzahl nach bewaffnet hatten, völlig machtlos, und es wurden deßhalb Milizabtheilvngen aufgeboten, um die Ordnung wieder herzustellen, den Verkehr wieder frei machen und Leben und Eigenthum der Bedrohten zu. schützen. Die in den zunächst beteiligten Ortschaften aufgebotenen Milizen zeigten sich jedoch unzuverlässig, da sie zum guten Theil aus ben Strikenden selbst oder deren Freunden und Anverwandten bestanden; sie weigerten sich, den -ihnen behufs Wiederherstellung der Ordnung erteilten Befehlen zu gehorchen, und gingen zum Theil auf eigene Faust wieder nach Hause oder mußten von den Behörden wieder entlassen werden. Diele von ihnen lieferten sogar ihre Waffen den Strikenden, die inzwischen völlig den Charakter -von Empörern angenommen hatten, aus. Der Gouverneur des Staates Pennsylvanien wandte sich deßhalb mit der Bitte um Sendung von Dundesmilitär an die Regierung nach Washington, welche, nachdem die Statt gefundenen Mordthaten. die offene Empörung gegen das Gesetz und die Machtlosigkeit der Localbehörden in gesetzlicher Form constatirt worden, dieser Aufforderung entsprach. Am 19. Juni trafen einige hundert Mann Bundes-Infanterie in Martinsburg, welche Stadt das Haupteentrum der Strikenden geworden war, ein, besetzten die Bahnhöfe und Werkstätten und verhafteten den Anführer der Strikenden, einen gewissen Zebb, der jedoch nach Statt gefundenem Verhör gegen Bürgschaft bis zur Verhandlung der gegen ihn erhobenen Anklage wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Die Sache schien damit zu Ende, da es mehreren von Martinsburg ostwärts nach Baltimore abgelaffenen Zügen gelang, unangefochten ihren Bestimmungsort zu erreichen. Dagegen wurde ein westwärts expedirtcr Zug bei Cumberland angehalten. Einem später von Martinsburg abgelaffenen Zuge, der zwei Compagnien Infanterie mit sich führte, gelang es zwar, Cumberland zu passircn, nachdem die Truppen die Empörer vertrieben und den Bahnhof wieder frei gemacht hatten, doch kam auch dieser Zug nur bis zur nächsten Station, einem Orte Namens Kayser, wo mehrere hundert Mann von den Strikenden hin angriffen und der kleinen im Zuge verblieben Militärabtheilung — der größte Theil hatte in Cumberland zur Besetzung des Bahnhofes zurückbleiben müssen — so hart zusetzten, daß telegraphisch von Martinsburg Hülfe verlangt werden mußte; die in Folge davon gesandten ICO Mann konnten jedoch nichts mehr ausrichten; die Stationen von Cumberland, Kayser, Piedmont und Grafton waren vollständig in den Händen der Aufrührer, welche die Schienen •au triff en, die Telegraphen zerstörten und den Eisenbahnverkehr zwischen dem Westen und dem Osten vollständig unterbrachen. In Baltimore war das Geschäft durch das Ausbleiben der von Westen erwarteten Zufuhren, namentlich des zur Ausfuhr bestimmten Getreides und Petroleums, Lahm gelegt, außerdem aber waren viele mit Schlachtvieh vom Westen nach den großen Städten §
des Ostens bestimmte Züge aufgehalten, das Vieh zum Theil ausgeladen, zum Theil wegen Mangels an Nahrung und Trinkwaffer umgckommen.
Inzwischen hatte sich der Strike und damit ber Aufruhr rasch weiter verbreitet. Die Central- Ohio Abthcilung der Baltimore- und Ohio-Eisenbahn war gleichfalls vollständig in die Hände der empor er. gefallen und eben so die Linie nach Chicago. In Newark und Columbus hatten ernste Ruhestörungen Statt gefunden, gegen welche sich die Civilbehörden machtlos erwiesen, so daß auch der Gouverneur von Ohio Milizen hatte aufbieten müssen. Auch auf die Pennsylvania- Eisenbahn dehnte sich schon am 19. ber Strike aus und hatte sie am 20. vollständig in seiner Macht. Das an bieser Bahn liegenbe Pittsburb trat an bie Spitze ber Bewegung, unb hier war es, wo bie furchtbarsten ber oben telegraphisch gcmelbeten Vorfälle Statt fanben. Berichte aus Cincinnati lassen befürchten, daß ber Strike sich bemnächst auf bie Ohio- unb Mississippi- Eisenbahn ausvehnen wirb; die Angestellten ber Union-Pacisie-Eisenbahn haben bie Rückgängigmachung einer vor einiger Zeit Statt gefunbenen Lohnherabsetzung verlangt, und selbst aus Canada kommen ominöse Berichte, inbem bie Angestellten ber Great Western of Canada-Eisenbahn Einspruch gegen eine ihnen angetünbigte Lohnermäßigung erhoben haben. Die bis zum 20. d. Abenbs cingegangcncn Berichte, bie noch ziemlich lückenhaft waren, da bie Striker überall bie Telegraphen zerstört haben, ließen keinen Zweifel darüber, baß man es hier mit einer von längerer Hand vorbereiteten weit verzweigten und zur Anwendung der gewaltsamsten Mittel bereiten Organisation zu thun hatte.
Das bis dahin Erlebte war jedoch nur ein Vorspiel zu den späteren Schreckensscenen. Nachdem am 20. auch die Erie-Eisenbahn mit in die Bewegung gezogen war unb letztere immer größere Dimensionen annahm, hatten bie Gouverneure von Ohio, Pennsylvanien unb Maryland sich entschlossen, die Miliz dagegen aufzubieten. Regimenter von Baltimore, Philadelphia, Rochester und Columbus waren zu den Waffen berufen, um zunächst die Bahnhöfe dieser Städte zu besetzen unb bann den Schutz der anschließenden Linien zu übernehmen. Es zeigte sich aber, daß die Strikenden jetzt schon nicht mehr allein waren, sondern daß sich ihnen der städtische Pöbel überall anschloß. Als am 20 Abends ein in Baltimore aufgebotenes Milizbataillon sein Zeughaus verließ, um nach dem Bahnhof zu marschiren, wurde cs von einem Haufen von 5000 Mann mit Schüssen und Steinwürfen angegriffen. Nachdem mehrere Mann der Miliz verwundet worden, gab letztere ohne Befehl ber Officire ihrerseits Feuer, woburch 10 Personen getöbtet unb 30 verwundet wurden. Der Pöbel steckte den Bahnhof in Brand, zerstörte das Telegrapbenbu-reau und riß bie Schienen auf, so baß die Miliz in ber Stabt bleiben mußte, um bie Ruhe wieberherzustellcn, unb zum Schutz ber übrigen Stationen neue Regimenter aufge- boten wurden. Der Strike hat sich auf bie Atlantic anv Great Western-Linie ausgedehnt unb bedrohte nach den letzten Nachrichten auch St. Louis. An mehreren Stellen war es den Aufrührern gelungen, sich ber Miliz-Zeughäuser unb ber bartn aufbewahrtcn Vorräthe von Geschützen. Flinten unb Munition z« bemächtigen. Welchen Gebrauch sie davon u. A. in Pittsburg gemacht, zeigen die obigen Telegramme. Nachdem jedoch damit der Charakter der Bewegung klar geworden, ist deren rasche unb energische Unterbrückung nur noch Frage einer ganz kurzen Zeit. In Ohio, Pennsylvania unb Maryland waren starke Milizmaffen aufgeboten, deren Ucbermacht dem Gesetze rasch wieder zur Geltung verhelfen wird. (Hamb. B.-H.)
Sehlffeberleht. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in Gießen.
Newyork, 28. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff Oder, Capt. C. Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 14. Juli von Bremen und am 17. Juli von Southampton obgegangen war, ist gestern 6 Uhr AbendS wohlbehalten hier angekommen.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 28. Juli. (Fruchtpreise.) Weiten JL 13.71, Korn JL 11.52, Gerste 9.35, Hafer JL 8 20, Erbsen JL 9.48, Saamen 17.40, Kartoffeln —. (Alles per |50 Kilo oder 1 Ctr.)
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Amtliche Verkaufsstellen für Postwerthzeichen befinden stch zur Zeit bei:
1) Herrn Louis Wenzel, Seltersweg,
2) Herren Heinzerling & Tribus, Kreuz,
3) Herrn Job. Wilh. Kurz, Neustadt,
4) „ Kaufmann Semmler, Wallthorstraße.
Bemerkt wird, daß die erwähnten Verläufer vertragsmäßig verpflichtet find, stets eine entsprechende Anzahl von Postwerthzeichen vorräthig zu halten, dieselbe nach Bedarf rechtzeitig zu ergänzen und die einzelnen Marken rc. zu keinem höheren, als dem Betrage ihres Werthes, an das Puhlikum abzugeben, und daß ferner der Verkauf derselben im Allgemeinen während der ganzen Zeit, in welcher die Geschäftslocale der oben vermerkten Verkäufer geöffnet find, jedenfalls aber innerhalb der für den Verkehr mit dem Publikum festgesetzten Dienststunden der Orts-Postanstalt, zu erfolgen hat.
Gießen, den 31. Juli 1877.
Kaiserliches Postamt.
Lochmann.
Berlin Cobleuzer Eisenbahn.
Strecke Nordbausen-Wetzlar.
Abthcilung I.
4234) Behufs Ausführung eines Empfangsgebäudes III. Klasse nebst -Güterschuppen, sowie einer Retirade auf Bahnhof Kinzenbach, sollen im Wege der öffentlichen Submisfion
1) die Maurer-Arbeiten excl. Material,
2) „ Zimmer-Arbeiten,
3) „ Dachdecker- und Klempner-Arbeiten,
4) „ Tischler- und Glaser-Arbeiten,
5) „ Schmiede- und Schloffer-Arbeiten,
6) „ Maler-, Anstreicher- und Tapezier-Arbeiten, vergeben werden, und ist hierzu Termin auf
Dienstag den 14, August 1877, Vormittags 11 Uhr, im hiesigen Abtheilungs-Bureau anberaumt, woselbst die bis dahin eingegange- tifit Offerten tn Gegenwart der erschienenen Submittenten eröffnet werden. Zeichnungen und Bedingungen können Hierselbst eingesehen, letztere auch gegen Erstattung der Copialien bezogen werden.
Die Offerten ad 1 bis 6 find getrennt einzureichen. Wetzlar, den 26. Juli 1877.
Der Abtheilunqs-Baumeister:
Kluge.
Versteigerung.
Versteigerung.
Montag den 6. August, Morgens 10 Uhr, sollen in der Wohnung des Maschinenbauers Christian Heil in Langsdorf folgende Gegenstände versteigert werden:
1) eine große neue Futterschneidmaschine mit Messingeinlage, welche mit Dampf ober Göpel betrieben werden kann;
2) eine gebrauchte Handdreschmaschine, welche zugleich die Frucht reinigt; dieselbe ist auch eingerichtet zum Göpelbetrieb;
3) zwei gebrauchte Göpel. (4235
Aeilgcvotenes.
4247) Neue
holl. Vllllhünnge empfehlen J. A. Busch Söhne.
4250) Ein geruchloses Closet (in Form einer Comode), 1 Petroleum Lüster, 1- und 2thülige Kleiderschränke, Bettstellen (2schläf rig), 1 Sesselstuhl, 1 runder Tisch, Haarmatrotzen und sehr gutes Bettwerk verkaufe ich billig. I- Rothenberger,
Lindenplatz.
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Frische Sendungen
Gothaer Knackwürstchen, „ Cervelatwurst, sowie
Schinken im Anschnitt,
empfehlen (4246
«/. A. Busch Sühne.
4132) Verschiedene Arbeitstische, mehrere Hundert neue Cigarrenformen und andere Utensilien der Cigarrenfabrik werden billig abgegeben. Die Arbeitsräume der Fabrik (Bodenräume) mit Comptoir rc. sind zu ver- miethen bei______________E. Pitth an.
Butterpulver
verkürzt die Zeit des Butterns, macht die Butter fester und schmackhafter und verhindert das Ranzigwerden derselben. Ein Paquet, ausreichend für 500 Liter Milch, a 50 4-
Käse- & Butterfarbe, per Flacon h 60 zu haben bei (3345
C. Semmler in Giessen.
4174) Alle Nähmaschinen- theile, Nadeln, Maschinen- Oele zu billigen Preisen bet
~W« Clraf, Grünberger Straße.
4208) Ein großer Windhund, 1 Jahr alt, billig zu verkaufen. Näheres bet der Exped. d. Bltts.__________________________
Neue
holl, üoffljäringe
empfiehlt (4220) Gg. Wilh» Weidtst.
4214) Ein gut erhaltener Bier-Apparat zu verkaufen. Zu erfahren im
Gasthaus zur „(Stabt Mainz."
4238) Ein Ponny mit Geschirr ist zu verkaufen. Karl Plank
im Pfau.
Ziegelhohlen.
4243) Die Zeche Langenbrahm, welche anerkannt die beste Ziegelkohle liefert, hat uns den Alleinverkauf ihrer Kohle übertragen.
Wir empfehlen diese Kohle zur gest. Abnahme mit dem Bemerken, daß wir dieselbe zum Zechenpreise abgeben.
JE. Uergm nnn & Gabriel.


