Vermischtes.
Alliance isradlite
Geltung zu bringen.
Wladiwostock.
London, 31. Juli, Morgens. Im Unterhause erklärte Unter-Dtaats- secretär Bourke auf Anfrage Simon's, es bestätige sich, daß Israeliten in Jassy und Darabina mißhandelt worden seien; Seitens der dortigen Behörden seren mehrere Verhaftungen vorgenommen. Eine Anfrage von Chamberlain beantwortete Bourke dahin, daß noch keine Erwiderung der russischen Regierung auf die Depesche Lord Derby's betreffs der von den Ruffen in Asien verübten grau- samen Handlungen eingegangen sei. Auf Befragen Lord Hartingtons erklärte Schatzkanzler Rorthcote, das Parlament habe noch vier Gesetz-Entwürfe zu erledigen; er hoffe, die Arbeiten des Hauses würden bis zum 15. August beendet werden können. , .
— Die „Times" dementirt die Zeitungs-Meldung über eine bevorstehende weitere Trnppen-Sendung nach Malta. Die Regimenter, welche Marsch-Ordre haben, seien lediglich für Indien bestimmt.
Belgien.
Bulgaren ein. , o
Konstantinopel, 30. Juli. Eine Depesche Suleiman Paschas meldet, daß von Bulgaren mohamedanische und bulgarische Dörfer in Brand gesteckt worden sind und an verschiedenen Stellen die Eisenbahn zerstört ward Der Commandant von Rustschuk, Echref Pascha, wird vor ein Kriegsgericht gestellt. Redif Pascha ist ernstlich erkrankt. — Nach einer Depesche des Gonver ncurs von Kars vom 28. Juli wären die Ruffen in einem Gefecht bei Vesin- keni nächst Kars zurückgeworfen worden.
Konstantinopel, 30. Juli. Amtlich wird gemeldet: Die Montenegriner wurden bei einem am Donnerstag unternommenen Angriff auf Niksic mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Gegen Silistria zu sind die Ruffen neuerlich zurückgewiesen worden.
Wien, 31. Juli. Das „Tageblatt" meldet aus Bukarest : Vorgestern soll am Lvm Flusse bei Rustschuk zwischen der Armee deS Großsursten-Thron- solgers und tcu Türken unter Achmet Ejnb Pascha eine Schlacht stattgefunden haben und Letzterer geschlagen worden sein; die Türken hätten 30 Geschütze, 10 Fahnen und 5000 Gefangene verloren.
Wien, 31. Juli. Die „Presse" meldet aus Ttrnowa: In Lootscha und Jemtzagra richteten die Türken nach dem Abzüge der Ruffen ein furchtbares Blutbad unter der bulgarischen Bevölkerung an.
vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
— Das „Tageblatt" meldet autz Schnmla: Am Freitag wurde Lowatsch durch eine gegeu Tirnowa vorrückende Division vom Corps Osman Pascha's erstürmt. Die Rnffen wurden theils gegen Nikopolis, theils gegen Tirnowa zurückgeworfen und von türkischer Seite verfolgt. In Schumla treffen fliehende
kündigt wird, daß sie von England wegen des Angriffes auf das Schiff „Huas- car" Erklärung und Rechtfertigung fordern werde.
— „Daily Telegraph" meldet: In einigen Tagen werden weitere Trnp pen Massen nach Malta abgehen, und zwar sind zunächst 4 Infanterie-, 2 Kavallerie Regimenter und 1 Artillerie-Brigade hierzu bestimmt.
London, 31. Juli. Das „Renter'iche Bureau" meldet aus Shanghai vom 30. Juli: Das russische Schiff „Bayan", welches die Admiralitäts- Flaage trägt, ist, von San Francisco kommend, am 1. Juli in Wladiwoftock etugetroffen, woselbst auch die übrigen Schiffe des russischen Geschwaders erwartet werden. Der Hasen Wladiwostock ift durch starke Torpedos vertheidigt. Der Commandant des britischen Geschwaders begibt sich demnächst nach
Rom, 29. Juli. Einige italienische Comitös der .
universelle" haben am 12. Juli anläßlich der Ereigniffe von Daraba.n an den Minister des Auswärtigen, Melegari, eine Adreffe gerichtet, worin dar- aelegt wird, wie es nothwendig sei, daß die rumänische Regierung die vollständige Gleichheit der Bürger ohne Unterschied der Religion herstelle. In e ne.n Antwort-Schreiben vom 23. Juli erklärt Melegari, daß er den rumänischen Agenten bei der italienischen Regierung von dem schmerzlichen Eindruck, den jene Ereigniffe auf das italienische Volk gemacht, unterrichtet habe; die Regierung werde bemüht sein, die allgemeine Gleichheit der Bürger Rumäniens zur
Brüssel, 30. Juk Der Verkauf der Arenberg'schen Bilder-Galerie an den deutschen Kaiser wird in Abrede gestellt. - In der Schwurgerichts- Verhandlung in Sachen der „Union de Credit" ist da« Zeugen-Verhör beendigt. Der Wahrspruch wird wahrscheinlich am Donnerstag gefällt.
Stäfa»
— Der Spielpächter Francois Blanc ist gestern (Sonntag) im Bad Leut (Loudche) in der Schweiz, WalliS, im Alter von 72 Jahren gestorben. Derselbe hinterlaßt ein Vermögen von 75—80 Millionen Francs.
— Weib — Frau — Gemahlin. Wenn man aus Liebe heirathet, wird man Mann und Weib, wenn man aus Bequemlichkett heirathet, Herr und Frau, und wer aus Verhälintssen heirathet, Gemahl und Gemahlin. — Man wird geliebt von seinem Weibe, geschont von seiner Frau, geduldet von seiner Gemahlin. — Man hat für sich allein ein Weib, für seine Hausfreunde eine Frau und für die Welt eine Gemahlm. — Die Wirthschaft besorgt ein Weib, das Haus besorgt eint Frau, den Ton eine Gc- mahlin. — Wenn man krank ist, wird man gepflegt von dem Weibe, besucht von der Frau und nach dem Befinden erkundigt sich die Gemahlin. — Man geht spazieren mit seinem Weibe, man sährl aus mit seiner Frau und macht Partien mit seiner Gemahlin. — Untern Kummer Iheilt das Weib, un,er Geld die Frau und unsere Schulden dw Gemahlin. — Sind wir tobt, so beweint uns unser Weib, beklagt un« unsere Frau und geht in Trauer wegen unS unsere Gemahlin.
W i en, 20. Juli. Man schreibt der „D. Z" aus St. Polten über die L^run- glückung einer Anzahl Soldaten ourch Sonnenstiche: „Unsere sonst so ruhige totabt 't tn bet größlen Auslegung. Gestern hatte bte hiesige Garnison ca. 400 Mann, ein Manöver gegen die Kremser Garnison. Um 6 Uhr früh rückten bie Jager, um halb 9 Uhr bie Mannschaft bes Regiments Heß ab. Das Manöver bauerte bl« 1 Uhr uns ohne Rast mußte nach demselben nach Hause marschirt werben, zwei> Stunben wett tn einer Sonnenhitze von 36 Grab Reaumur, mit Sack unb Pack, Pfund Gewicht. In Folge dieser Ueberanstrengung blieben gestern drei Mann tobt, darunter Führer Jungwitz vom Regiment Heß, brei Mann starben während der Nacht, siebzehn Mann egen noch im Spital, an deren Auskommen gezweifelt wird. Gegen hundert Mann blieben auf der Straße liegen, die vor Ermattung nicht mehr weiter konnten und von denen erst allmälig Einzelne sich erholten. Bürgermeister und Reichscath - Abgeordneter Dr. Ofner wendete sich telegraphisch an datz General-Commando wegen Absage des auf heute neuerlich angesagten größeren Manövers und heute früh langte diese Ansage auch telegraphisch hier ein. Der Eommandirende, General Pinnert, ist in Folge dessen heute früh nad} ^nu^09f^tf;ü(fd)en „Auch die Kosaken-, schreibt ein Correspondent aus Braila, „haben an Popularität nichts verloren, und ganz Bukarest lachte einige Lage über ein Stückchen, das Einer von ihnen unweit des Dorfes Bakaresci ausgeführt hatte. Ec kam dort vor eine „Kretschma" (Wirthshaus) und ließ sich nicht unlieben^ tende Quantitäten Spirituosen verabreichen, bann machte er ganz ruh g Miene, sein Pferb zu besteigen unb sortzureiten. Der Wirth kam jeboch noch rechtzeitig ferner^Ber. geßlichkeit zu Hilfe und mahnte an bie Bezahlung. Unser Kosak zieht seufzenb ein urchtdar schmutziges Portemonnaie au« ber Tasche unb will hineingreisen, al« PlotzU« ein Pferd unter ihm, wie vom Schlage getroffen, zusammenstürzt. Der Kosak ist ganz verzweifelt; er thut alles Mögliche, um eS aufzurichten, gibt ihm die zärtlichsten Namen - umsonst. Es* bleibt stets unb regungslos — ist tobt. Die Umstehenden, wissenb, baß das Pferd persönliches Eigenthum des Kosaken ist, der somit von einem olchen Verluste schwer betroffen wird, werden von der Scene lebhaft gerührt unv mi Nu ist eine kleine Sammlung improvisirt, dazu bestimmt, den tiefen Schmerz des tröst, losen Steppensohnes em wenig zu lindern. Auch der Schankw Nh trägt daS Seinige bet und regalirt ihn noch mit einigen Gläsern Wein- Der Kosak schnallt endlich^esigmrt seinen Sattel ab, nimmt ihn sammt ber Lanze auf ben Rücken, wirst noch einen letzten wrhmüthigen Blick auf sein treue« Thier zurück unb geht. Auf tausend Schrttte Entfernung bleibt er noch einmal stehen — ein gellenber Pfiff tont herüber. Wun' ber! DaS Pferb vernimmt bas Zeichen, steht plötzlich wieder auf den Be nen und eilt, freudig wiehernd, wie ein Pfeil feinem Herrn nach, den nächsten Augenblick sitzt die er auf dem Pferde, dankt den Versammelten durch eine Handschwenkung für die gütige Theiliiabme und verfchwindet am Horizonte. Der Schankwirth ist seit der Zen aut Ko s a ke >i^s ehr^ ne r ^F^re mb en bl-" schreibt: „So manche Mutter sorgtstch vielleicht schwer um den Gesundheitszustand ihres KindeS, sie steht es trotz der^lorssamsten, zärtlichsten Pflege dahinsiegen. Ungeachtet der besten Nahrung und un°“9fl<n
setzten Bewegung in der fielen Lust bleichen die Wangen de« kle nen Liebling«, werden 1 die Augen hohl unb magern bie Glieder ab. Rathlo« piüfen die Aerzte den Zustand, ein Kopsschütteln, Achselzucken und das Urtheil lautet „Schwache- oder «bzebrung. Und doch wie irrig ist häufig dieses Urtheil, wie falsch bte ärztliche Diagnose. Zn vielen Fällen ist ber Grund zu diesem Dahlnwelken tn einem Umstande zu suchen, der »reilich wett außer dem Bereiche ber menschlichen Vermuthung unb Traründung liegt. Es sinb bies jene allerliebsten Kinberwagen, bie meistens von Strohgeflecht hergestellt, beren Verbeck aus sog. weißen amerik. Leber verfertigt ist- Dieses etzterebrgt ben schad lieben, üerberbenbrinßenben Stoff in sich, wie in neuester Zeit ein Fall n einer anßc sehenen Berliner Familie auf bas Schlagenbste bewies. Das Klub, wel-he« alltäglich in einem solchen Wagen spazieren gefahren wurde, kränkelte i^u"^ahrend und a ng seiner Auflösung entgegen. Nach vielen fruchtlosen Bemühungen der Aerzte, da« Km zu heilen, kam einer derselben schließlich aus die Idee, den-ü Inder wagen zut un t ersuch^! , und siehe da, ber chemische Prozeß an betn Leber des Wagenverbick« ergab in bem Lack besselben einen überaus starken Procentsatz Bleigehalh Beim Derbrennen de. leberS sonberte sich bas Blei in Gestalt von kleinen Kügelchen °d und natürlich war nun bat R°.h!-I ber Jbrantbett be« ftinbe« gelöst." - In Nenige« wurde bd einer Verbrennung ber Leberbecke einetz Kinberwagen ganz boffelbe wahrgenommen un U$p<bilion be« ZeitungS-Boten P> oben der Kügelchen zugesandt.
Strite und (Empörung von (^isenhahnangtstellten in den Bereinigten Staaten.
Nachdem die allgemeine Geschäftsstille vorher schon bie Gntlafiung einer großen Anzahl von Eisendahnanqestellten, namentlich solcher, welche beim Gütertransport beschastigt waren, nothwm dig gemacht hatte, wurden vom 1. Juni d. I. ab d e Lohne und G'b°lter d r Angeft lltm mid Arbeiter bei mehreren größeren Babneomplexen um 10 pkt. herabgesetzt, ^nfangltch s g davon Betroffenen sich, wenn auch murrend, dieser Maßregel, da es bekannt war, daß mehr al8
— lieber ben telegraphisch gemelbeten Felssturz bet Wehlen enthält das ^DreSd. Journ.- folgenbe osficlelle M'ttheilung: .Gestern (23.) Abenb in ber neunten Stunbe ist tn dem rechten Ufer ber Eide oberhalb Wehlen gelegenen Kirsten-Büttner'schen Sandstein-Bruche eine hohe Felswand, an beten UntcrminitüNg ^chon seit längerer Zett gearbeitet worden war, niedergegangen, unb hiebei von ben Trümmern berielben ein so großer Theil tn's Strombett gestürzt, baß an bieser Stelle eine oöll'ge Sperrung für die gesummte Schifffahrt unb Flößerei hcrbeigeführt worben ist Seilens ber Strombau- Verwaltung sind tofort Anordnungen wegen Beseitigung gedachter Trümmer und Freimachung ber Schifffahrts-Straße getroffen worden." Bon anderer zuverlälstger eelte erfährt das amtliche Blatt noch folgende Details: ^Dte Felswand stand zum Einbruch fertig unb eS war angenommen worden, baß sich bet eintretenber Senkung bie Stein- massen vorher setzen unb dann seitlich fallen würden. Entgegen dieser Berechnung fiel Die gewaltige Masse nicht nur reichlicher, sondern auch gerade in das Strombett hinein- Die Katastrophe erfolgte nach 8 Uhr Adendtz. Kurz vorher hatte ein von Schandau gekommenes Dampfschiff, welchem die Erlaudniß zur Durchfahrt vorher noch gegeben worden sein soll, die betreffende Stelle passirt, und die zahlreichen Passagiere waren unmittelbar in Der Nähe von Wehlen noch Zeugen der entsetzlichen Gefahr, welcher sie glücklich entgangen waren. Die Gesammt-Masse de« Gesteines beläuft sich nach annähernder Schätzung auf 15,000 bis 20,000 Cubik Meter Die Wassermassen schlugen sofort in ber Richtung nach Rathen zu 10—12 Meter vom Strombrett au« in die Höhe, traten aber bald wieder zurück; jedoch ist bis heute Mittag noch immer etwas Stauung bemerklich gewesen. Die Störung, welche durch diesen bebauerlrchen ZwOchen- sall dem Schifffahrls'Verkehr erwachsen ist, ist zwar eine sehr empfindliche (das Dampfschiff ,Germania' befindet sich oberhalb der Sperre unb kann also vor ber Hand nicht nach Dresden zurückkehren); am bedeutendsten wird aber augenblicklich bte Kttien- Schleppschifffahrt berührt werben, benn bie herabgefallenen gewaltigen Steinmassen haben bie Stromkette vollstänbig niebergebrüeft, währenb z. B. unmittelbar unterhalb der Unfallstätte vor Wehlen ein Ketten-Schleppbampfer mit 6 großen Schleppkähnen auf längere Zeit zum Stillliegen gezwungen ist. Autzerbem sollen zwischen Königstein, Schanbau und werter hinauf noch vielfach große Frachtschiffe an ber Thalfahrt dc-
Amerika.
^ew-Bork, 29. Juli. Bei ben Unruhen in Chicago wurden 21 Per fönen aetödtet und 90 verwundet. Die Situation erscheint ruhiger. Die Urheber der jetzt noch stattfindenden Ruhestörungen sind hauptsächlich strtkende Kohlengruben-Arbeiter. „ ir .. , . ,
New-Bork, 30. Juli. Augenblicklich herrscht allenthalben Ruhe; das Cabinet hält nicht mehr (eben Tag Sitzung. In New-Orleans ist bie Mtli; zu ben Waffen gerufen, ba bie Arbeiter einiger Jnbustrie-Zwetge mit Arbetts- Einstellung drohen.
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 29 Juli. Officiell wird aus Plewna vom 26. d. aemelbet: Die Rnffen sind ans Lowatsch vertrieben. Auch andere für die Türken günstige Gefechte, namentlich bei $utla, in der Umgegend von Osman- Bazar , weiden angezeigt. Nach einem Telegramm Muklstar Pascha's vom letzten Mittwoch haben türkische Truppen in das russische Gebiet hinein bis auf 3 Stunden von der Grenze eine Recognoscirung gemacht und sind nach einem unbedeutenden Gefecht in das türkische Lager zurückgekehrt.
Wien, 30. Juli. Die „Neue Fr. Pr." meldet aus Bukarest, 28. d.: Gestern machten die Rnffen einen Schein-Angriff auf Rustschuk, um den Znzug von Verstärkungen für ihren rechten Flügel zu maskiren. Zwischen Osman- Bazar unb Tirnowa werden Zusammenstöße erwartet. Mehemed Ali Pascha n-arschirte gestern mit 60,000 Mann von Eski'Djnna in der Richtung nach Tirnowa ab. Die russischen Generale Krüdener und Schildner-Schulderer sollen


