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A«ffize- und Amtsblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme beß Montage. Expeditionr Schulstraße, Ltt. B. Nr. 18.
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Dr. Boekmann.
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Deutschland.
Berlin, 28. August. Es wird constatirt, daß die Ueberproduction des Roheisens eine allen Culturländern gemeinsame Calamität ist und überall zu einer Einschränkung des Hochofen-Betriebes geführt bat. So z. B. waren in England im vorigen Jahre von 962 Hochöfen noch 531, in Belgien von 54 noch 17, in Luxemburg von 26 noch 9 in Betrieb. Eine Linderung des Nebels wäre nur denkbar bet allgemeiner Einführung des eisernen Eisenbahn-Oberbaues.
Wochenübersicht.
Unser Kaiser brachte die vergangene Woche noch auf Schloß Babelsberg zu und empfing dort den bisherigen amerikanischen Gesandten in Paris, General Wajhburne, der sich während des Feldzugs von 1870/71 mit außerordentlichem Elfer der in Frankreich wohnenden deutschen angenommen hatte, mit großer Auszeichnung^ Der Kronprinz ist am 26. d. zur Truppenin- jpection nach Bayern abgereist.
Mit der Rückkehr des Fürsten Bismarck nach Berlin kam, obgleich jein Aufenthalt daselbst nur wenige Tage dauerte, eine lebhafte Bewegung in die Thätigkeil des auswärtigen Amtes. Dieselbe zeigte sich u. A. bann, daß die Reichsregierung der Pforte aus Anlaß der türklscherjeils an gefangenen und verwundeten russischen Soldaten verübten Grausamkeiten die Bestimmungen der Genfer Convention in Erinnerung brachte und gleichzeitig bei den übrigen Mächten ähnliche Schritte anregte. Der Vorgang Deutschlands bewirkte auch alsbald, daß sich nicht nur die Vertreter der Großmächte in Konstantinopel, sondern auch die Gesandten Belgiens, der Niederlande, Schwedens und Portugals den Vorstellungen der deutschen Regierung anschlossen. Der Reichskanzler ist, nachdem er dem Kaiser mehrere Vorträge gehalten, dem Botschafter Rußlands einen Besuch abgestattet und mit den in Berlin anwesenden Ministern Besplechungen gepflogen, zum Kurgebrauch nach Gastein abgereist. Die Theil- nahme an der Enthüllung der ihm zu Ehren aus dem Burgberge bei Harzburg errichteten Canossasäule, genannt Bismarckstein, lehnte er unter Hinweisung auf seinen Gesundheitszustand ab, erklärte jedoch in seiner Erwiderung aus die Einladung deö Comite's, er werde die Feier, wo er anch sein möge, im Sinne der geistigen Unabhängigkeit deutschen Geistes von jeder Fremdherrschaft im Geiste milbegehen. Die Enthüllung hat am 26. d. trotz stürmischen Wetters unter reger Bekheiligung von nah und fern stattgefunden.
Das deutsche Pa nzergejch wader har, bevor es die Küste Griechenlands verließ, den Besuch des griechischen Königspaares empfangen. Tie Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Oesterreich erlitten durch den Umstand, daß die deutschen Commissare neue Instructionen einholen mußten, eine kurze Unterbrechung, wurden indeß nach dem Eintreffen letzterer sofort wieder ausgenommen und laffen nunmehr ein günstiges Resultat erhoffen. Bei dem am 20. d. zusammengetretenen Lothringischen Bezirkstage glänzten die Vertreter von Metz wieder durch ihre Abwesenheit. Der Director des Reichsgesundheitsamtes, Dr. Struck, welcher bekanntlich mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zur Abhülse gegen die Verfälschung der Nahrungsmittel beauftragt ist, hat alle öffentlichen und Privat-Jnstitute, sowie Aerzte, Chemiker und Fachgelehrte anderer Art in Deutschland, welche sich mit der vorliegenden Frage schon beschäftigt haben und denen ein Erfahrungsmaterial zur Verfügung steht, aufgefordert, letzteres nebst etwaigen Reflexionen und Vorschlägen an ihn gelangen zu laffen.
Der König von Bayern hat zu seinem Geburtstage am 25. d., der im ganzen Lande mit großen Ehren gefeiert wurde, Glückwünschtelegramme von dem deutschen Kaiser und dem Fürsten Bismarck erhalten. Der neue päpstliche Nuntius in München hat es noch immer nicht zu einer Audienz bringen können, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Die nationalliberale Partei in Baden hat aus Anlaß der bevorstehenden Landtagswahlen eine Landesversammlung gehalten und einen Aufruf an die Bevölkerung gerichtet, welcher volle Zuversicht auf den Sieg der liberalen Principien ausspricht. Der in Dresden stattgehabte Journalistentag hat außer verschiedenen anderen Resolutionen auch eine über die würdigere Behandlung politischer und wegen Preßvergehen verurtheilter Gefangenen gefaßt.
In Oesterreich-Ungarn zogen die Verhandlungen des galizischen Landtages die Aufmerksamkeit auf sich. Man stritt sich nämlich in Lemberg heftig über den Wortlaut der seitens des Landtages an den Kaiser zu, richtenden Adresse herum; während die Gemäßigten der bisherigen Neutralitäts- und Friedenspolitik der Negierung ihre Anerkennung spenden wollten, suchten die enragirten Polen ihrer Russenseindschaft und sogar dem Wunsch nach Wiederherstellung eines selbstständigen Polenreiches Ausdruck zu geben. Die endlosen
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Gießen, am 28. August 1877.
Betreffend: Die Herbstübungen in 1877.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoqlichcn Bürgermeistereien deS Kreises.
Von der Intendantur der 21. Division wurde uns mitgetheilt, daß die Commandostäbe resp. Truppentheile dieser Division die Wagen zum Transport der Effecten aus den Garnisonen resp. Cantonnements und zurück, sowie zum Abholen der Fourage rc. aus den Cantonnements-Magazinen dtrect von den Gemeinden requiriren werden, wobei für die Effecten-Transportwagen die Vergütung (7 Jl. für den Einspänner und lO1^ für den Zweispänner pro Tag) sofort gegen Quittung der betr. Gemeindevorstände bezahlt, über die gestellten Fouragen-Wagen dagegen Quittungen ausgestellt werden.
Indem wir Ihnen hiervon Kenntniß geben, bemerken wir noch, daß denjenigen Gemeinden, welche Fuhren zum Transport von Bivouaks-Bedürfniffen
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Debatten sind noch nicht geschlossen, haben aber bisher nur den Erfolg gehabt, daß die Regierung den Agitatoren, welche im Volke die Aufregung schüren, ernster ans die Finger sieht oder vielmehr klopft. Die fortgesetzten ruffenfeindlichen Demonstrationen der Ungarn trugen nur dazu bei, die übrigen Völkerschaften des vielsprachigen Reiches mehr und mehr auf die Seite der Negierung zu bringen. So haben die Syrmier dem Grafen Andrasty neuerlich eine Vertrauensadresse zugesandt, in welcher sie es rühmend hervorhoben, daß er es verstanden habe, die Jntereffen des Landes unter Schonung des DluteS und Geldes der Nation vollständig zu wahren.
Der Papst soll dem Kaiser von Oesterreich zu deffen Geburtstage, wie nachträglich bekannt wird, Glück gewünscht nnd ihm zugleich für dessen „edle Haltung gegen die Kirche" gedankt, sowie die Abweisung der Gesetzentwürfe über die Civilehe und den Schulunterricht an's Herz gelegt haben.
In Frankreich treiben die Dinge immer stärker einem Gewaltstreich zu. In Negieiungskreisen ist man über den schlechten Empfang, der dem Marschall hi Cherbourg zu Theil geworden, sowie über die stürmischen Zwischenfälle, die in den Sitzungen der Generalräthe stattfanden, außerordentlich verstimmt. Aber anstatt der öffentlichen Meinung, über deren regierungsfeindliche Richtung gegenwärtig kein Zweifel mehr obwalten kann, nachzugeben und den bisher verfolgten Weg zu verlassen, scheint man dieselbe durch den Beschluß, Gambetta wegen seiner Rede in Lille den Proceß zu machen, geradezu heraus- fordern zu wollen und macht sich gleichzeitig durch öffentliche Ableugnung clericaler Tendenzen lächerlich. Die Pfaffen laffen ihrerseits Wunder auf Wunder in Lourdes geschehen, um das Volk zu fanatisiren und den Haß gegen Deutschland und Italien zu steigern. Leider erreichen sie, wie es scheint, ihr Ziel nur zu gut. Von der feindseligen Stimmung der französischen Bevölkerung gegen Alles, was deutsch heißt, zeugt u. A. die Thatsache, daß die Geschworenen des Departements Haute-Saone neulich einen Franzosen, der einen Deutschen in Colmar erstochen hatte und nach Frankreich entflohen war, ohne Weiteres freigesprochen und für diese Schandthat beim Publikum vollen Beifall gefunden haben.
Die belgische Negierung soll sich Angesichts der Dinge, welche sich in Frankreich vorbereiten, entschlossen haben, vier Gesetzentwürfe in die Kammer einzubringen, welche die Verstärkung der Militärmacht bezwecken. Antwerpen hat den 300jährigen Geburtstag von Peter Paul Rubens in großartigster Weise gefeiert.
In England ruhen sich jetzt zwar die Staatsminister von den endlosen Parlamentsverhandlungen über die orientalische Frage aus ; daß dort indeß die hohe Politik nicht ganz feiert, beweist der Umstand, daß die Lords Beaconsfield und Derby Einladungen zu Festen in der Provinz unter Hinweisung aus dringende Geschäfte abgelehnt haben. Dieselben haben auch dem Publikum durch Herausgabe einer neuen Sammlung von Actenstücken über Greuelthaten in der Türkei neuen Stoff zur Unterhaltung dargeboten. Am bemerkenswerthe- sten ist darin ein Bericht des britischen Militärbevollmächtigten im russischen Hauptquartier, Obersten Wellesley, der die Angaben über die von russischen Soldaten verübten Grausamkeiten für unbegründet erklärt. Im Ganzen und Großen hält die Regierung trotz der Begünstigung, die sie der neuen türkischen Anleihe hat zu Theil werden lassen, nach wie vor an der Politik der Neutralität fest. So erklärte jüngst noch der Schatzkanzler Northcote in einer Rede zu Plymouth, England verfolge eine Politik des Friedens und werde seine Neutralität bis zu dem Augenblick bewahren, wo es zur Beendigung des Krieges mit Aussicht aus Erfolg interveniren könne.
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