zu wollen, es existire eine Partei in Frankreich, die verbrecherisch genug sei, den Krieg entfesseln zu wollen. Die Lüge unter jeder Form müsse bestraft werden.
Paris, 28. Mai. Der ehemalige Jnspecteur im Finanz-Ministerium, Riant, ist zum Generaldirector der Posten ernannt.
Paris, 29. Mai. Bezüglich der Mittheilunz der Psorte über Vei> Hängung des Belagerungs-Zustandes in Konstantinopel und die eventuelle Ausführung der damit zusammenhängenden Maßregeln gegen Fremde ist Seitens der Mächte eine Erklärung nicht erfolgt. Dieselben werden abwarten, roic die Psorte den Belagerungs-Zustand praktisch handhaben wird, und dem entsprechend ihre Entschließungen treffen.
Paris, 29. Mai. Der bekannte General Ducrot, Ober-Commandant des 8. Armeecorps, hat folgenden Tagesbefehl erlassen:
Der General-Commandant des 8. Armeecorps erinnert die Corpsführer an die strenge Beobachtuyg der von ihm früher gegebenen Befehle: es ist absolut verboten, Zeitungen oder politische Schriften, gleichviel von welcher Farbe sie sind, in die Casernen oder Quartiere des Armeecorps einzuführen. Sie müssen mit der größten Sorgfalt darüber wachen, daß dieser Befehl streng ausgeführt wird. Wenn in der Umgebung der Casernen sich Kaffee- oder Weinhäuser befinden, in welchen Zeitungen verkauft werden, so muß der Besuch derselben den Truppen verboten werden. Jedes Zuwiderhandeln gegen diesen Befehl wird streng bestraft werden.
Im großen Hauptquartier zu Bourges, 12. Mai 1877.
General Ducrot, Commandant des 8 Armeecorps.
Aehnliche Tagesbefehle wurden voa anderen CorpScommandanten erlassen. In dem Ducrot'schen fällt jedoch auf, daß er den (einigen schon am 12., also vier Tage vor dem „16. Mal" erließ. Die Pariser Garnison bezieht noch fortwährend die Wachtposten im Feldzuganzuge. Wie das Gerücht geht, wurden auch Truppen in der Umgegend zusammengezogen und theilweise bei den Bewohnern einquartirt. An Ruhestörungen ist jedoch nicht zu denken.
Kolkand.
Haag, 29. Mai. Das Befinden der seit gestern erkrankten Königin war heute Nachmittag besorgnißerregend.
Italien
Rom, 29. Mai. In Folge einer Ankündigung, daß die italienische Regierung ihre Politik gegen die Kirche schärfer zuspitzen werde, schrieb der Papst vom 4. d. M. einen Brief an den König, worin er ihn beschwört, nicht weiterzugehen, und ihn ermahnt, daß dasselbe Unheil zuletzt zum Verderben der Monarchie umschlagen werde und daß er sich jedenfalls verpflichtet halte, seine Stimme laut gegen jedes Attentat zu erheben.
Rußland.
Petersburg, 28. Mai. Der „Regier.-Bote" veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas über die während des Krieges zu beobachtenden völkerrechtlichen Vorschriften. Danach sind die in Rußland sich aufhaltenden türkischen Unter- thanen berechtigt, unter dem Schutze der Gesetze ihr Gewerbe weiter zu treiben. Türkische Schiffe sind ermächtigt, nach der für die Vervollständigung ihrer Ladung erforderlichen Zeit aus den russischen Häsen frei auszulaufen. 'Die Unterthanen neutraler Staaten genießen die vollständigste Sicherheit ihres Lebens und Eigenthums. Die Kaperei ist verboten und die neutrale Flagge schützt vor allen Uebergriffen. Die feindlichen Maaren mit Ausnahme der Kriegscontrebande bleiben auch unter feindlicher Flagge unangefochten. Die Dlokade muß eine effective sein. Schifffahrt und Handel der neutralen Staaten aus der Donau sollen so frei als möglich fein. Die Militärbehörden haben die Bauten und Arbeiten, sowie das Personal der internationalen Donan-Com- mission zu schützen. Die Bestimmungen der Genfer Convention sind zu beobachten ; ebenso ist die Unverletzlichkeit des Abzeichens zu respectiren, das die Türken etwa an Stelle des Rothen Kreuzes annehmen werden. Ferner ist die Petersburger Declaration in Betreff dcö Nichtgebrauchs von Explosionsge- jchossen, sowie die Beschlüsse der Brüsseler Conferenz von 1874 zu beobachten.
Petersburg, 30. Mai. Großfürst Wladimir ist gestern zur Donau- Armee abgereist. Demnächst begibt sich auch Prinz Sergei Maximilianowitsch in's Hauptquartier. Die Konstantinopeler Nachrichten Über die Wlederbesetzung Ardahans durch die Türken sind unwahr.
Türkei.
Konstantinopel, 29. Mai. Den Botschaftern der Großmächte wurde heute amtlich die Versicherung gegeben, daß durch den Belagerungs-Zustand die bestehenden Capitulationcn nicht berührt würden; wenn Maßregeln gegen fremde Unterthanen ergriffen werden sollten, so solle dies nur im Einverständniß mit den bez. Consulaten geschehen. Das Reglement, betr. den Belagerungs-Zustand, wird demnächst mitgetheilt. Der österreichische Botschafter, Graf Zichv. hatte heute Privat-Audienz beim Sultan. — In Bezug auf die angebliche Wieder- Einnabme von Ardahan ist außer der gemeldeten Depesche des Gouverneurs von Lazistan keine weitere Depesche eingegangen.
Griechenland.
Athen, 29. Mai. Der König dankte für die gestern Abend vor dem Schlosse stattgehabten patriotischen Kundgebungen sofort vom Schloß-Balcon ans. Er erklärte, die Zukunft und die Interessen des Vaterlandes seien seine eifrigste Sorge. — Die Neubildung des Cabinets ist noch nicht eingeleitet. — Auf Befehl der Regierung wurden mehrere Personen angehalten, welche mit Waffen die Grenze von Thessalien überschreiten wollten.
— Der König forderte Komunduros zur Bildung eines neuen Cabinets auf. — Das .englische Panzer - Geschwader wird einige Zeit im Piräus stationiren.
Der orientalische Krieg.
Wien, 28. Mai. Die „Presse" meldet ans Kalafat: Gestern Abend um 8 Uhr bat die Kanonade Seitens der Rumänier gegen Widdin begonnen. Fürst Karl ist in den Batterien anwesend. Die Türken haben lebhaft erwidert. In Widdin ist Feuer ausgebrochen.
Wien, 29. Mai. Dem „Tagebl." wird telegraphirt: Aus Turn- Severin : Angesichts der Bewegung russischer Truppen in der kleinen Walachei beabsichtigt die Türkei die Besetzung des serbischen Donau «Ufers und hat
wegen des nöthigen Durchzugs durch serbisches Gebiet bereits Schrille gethan. Aus Konstantinopel: Hier wurde eine Verschwörung entdeckt, deren Zweck die Absetzung der Dynastie Osman war. Es haben zahlreiche Verhaftungen stattgefunden und wurde ein großes Waffen-Depot vorgefunden. Viele Jungtürken int) in Folge dieser Entdeckung geflohen.
Petersburg, 30. Mai. Ein Telegramm des Oberbefehlshabers der Kaukasuö-Aimee vom 29. er. meldet: General Tergukaroff entdeckte am 26. drei befestigte türkische Lager bei Karakilissa und Alaschert, welche zusammen 12 Bataillone enthielten. Nach vorgenommener Recognoscirung zeigten sich mehrere Trupps Kurden, welche durch Kosaken zerstreut wurden. Auf russischer Seite wurden 2 Mann getödtet und 2 verwundet. Am 25. hatte die Kosaken-Division des Generalmajors Loris-Melikoff bei Mabardschich ein erfolgreiches Scharmützel mit den aus Kars herausgetretenen Türken. Dank dem Uebergewicht ihrer Waffen betrug der Verlust der Russen nur 1 Todten und 6 Verwundete; die Türken hinterließen 40 Todte auf dem Kampfplatze. — Telegramme von der Donau - Armee constatiren die durch Regengüsse hervorgerufenen Ueber- schwemmungen.
Turn-Severin, 30. Mai. Auf Befehl Osman Paschas ist die Donau bei Adakaleh neuerdings gesperrt.
Drsowa, 30. Mai. Hier internirt gewesene serbische Freiwillige, 120 an der Zahl, sind durch Honved-Soldaten an das jenseitige serbische Ufer befördert worden.
Konstantinopel, 30. Mai. Seitens der Regierung wird zugegeben, daß die Wiedereinnahme von Ardahan nicht osficiell bestätigt ist. Emer Meldung aus- Sukhum Kale zufolge hätten die Türken den befestigten Platz Zill eingenommen, nachdem die russische Besatzung sich zurückgezogen habe.
Landwirthschaftliches.
Erhaltungsfütterung volljähriger Thiere.
Von Dr. Emil Wolff.
(Aus „bie rationelle Fütterung der landwirthscbaftltchen Thiere", Berlin, Verlag von Wiegandt, Hempel u. Parey.)
Um für die rationelle Fütterung, zunächst der Wiederkäuer, die nölhige Grundlage zu schaffen, war es wichtig, das Minimum an Nährstoff zu ermitteln, welches volljährige Thiere bet völliger Ruhe im Stall- za ihrer Erhaltung in einem mittleren Ernährungszustände als tägliches Futter bedürfen. Zu derartigen Versuchen waren Ockfen besonders geeignet, also Thiere, deren tägliche Produktion von Haaren oder sonstigen Körpertheilen und Sekreten nicht wesentliche Mengen von Nährstoff in Anspruch nehmen und daher den Bedarf an letzterem zur Erhaltung der normalen Zersetzungsvorgänge im thierischen Stoffwechsel hinreichend scharf erkennen lassen. Zu den zahlreichen in dieser Richtung angeftellten Versuchen, welche wir der Thätigkeit der Versuchsstation Weende verdanken, dienten 4 bis 6 Jahre alte Schnittochsen des mitteldeutschen Höhen- schlages aus der Göttinger Gegend, und es wurde neben der Verdaulichkeit des Futters auch,der Eiweitzuutsutz im Körper der Thiere konttolirt, während der etwaige Feltum- satz ohne Aiiwendung des Respirationsapparates nicht genau festgestellt werden konnte.
Man beobachtete, daß die Thiere in ihrem ganzen Aussehen und Verhalten unverändert blieben und auch das Körpergewicht in allen Versuchen längere Zeit hindurch keine irgendwie wesentlicke Verminderung erlitt, wenn sie auf 1000 Pfd. Lebendgewicht eine von den folgenden Tagesrationen verzehrten:
1. 19,5 Pfd. Kleeheu.
2. 3,7 „ „ ; 13,0 Pfd. Haferstroh u. 0,6 Pfd. Rapskuchen.
3. 2,6 „ „ ; 14,2 „ „ „ 0,5 „
4 3,8 „ „ ; 13,3 „ Roggenstroh „ 0,6 „ „
5. 25,6 „ Runkeln; 12,6 „ Haferstroh „ 1,0 „ „
Hierbei betrug die Menge der täglich verbrauchten und resorbirten Eiweitzfub- stanz, wiederum auf 1000 Pfd. Lebendgewicht der Thiere berechnet, 0,41 bis 0,84, im Mittel 0,57 Pfd., die Menge der stickstofffreien Nährstoffe 7,04 bis 7,77, im Mittel 7,4 Pfd., das Nährstoffverhältniß also 1 : 13. Außerdem ergab sich, daß bei einer Stalltemperatur von 13,2 bis 16,3» R. eher ein kleiner Fleischansatz als ein Verlust von Körperfleisch stattgefunden, jedenfalls aber das Futter zur Eihaltung der vorhandenen Fleischmasse völlig ausgereicht hatte. Nur in einem der Versuche und zwar gerade bei einem Futter, aus welchem die größte Menge von Nährstoff (0,84 + 7,64 = 8,49 Pfd.) verdaut wurde, zeigte sich ein geringer Fleischverlust. Vermuthlich steht dies damit im Zusammenhänge, daß bei diesem Versuche die mittlere Stalltemperatur eine beträchtlich niedrigere war (nämlich nur 8,3" R.), als in den übrigen 93erluden ; es mußte dadurch ein vermehrter Respirationsoerbrauch bewirkt fein. Zu erwähnen ist noch, daß in obigen Futterrationen durchschnittlich ungefähr 0,05 Pfv. Phosphorsäure, 0,1 Pfd. Kalk und 0,2 Pfv. Alkalien enthalten waren; diese Mengen von mineralischen Nährstoffen müssen dem Bedarf eines volljährigen Ochsen im Beharrungszu stände reichlich genügen. Das täglich aufgenommene Wasserquantum betrug pro 1000 Pfd. Lebendgewicht 52 bis 64, im Mittel 55 Pfd.
Ob in den angedeuteten Versuchen, wie die Fleischmasse, so auch die Fettmasse des Thierköipers im Wesentlichen unverändert blieb, darüber konnte kein bestimmter Nachweis geliefert werden; es war dieses nach dem ganzen Aussehen und Verhalten der Thiere nur als wahrschcinstch anzunehmen. Mit Rücksicht jedoch auf die Resultate weiterer, in Weende uusgesührter Versuche, wie auch mit Rücksicht auf den Umstand, daß bei den Versuchen, in welchen durchaus kein Verlust von Körperfleisck itattranb, die Temperatur der Stallluft für die Wtnterzeit eine ziemlick hohe war (13,2 bis 16,3" R , glaube ich, daß die direkt gefundenen Mittelzahlen, um jedenfalls dem Minimum des Nährstoffbedarfs volljähriger ruhender Ochsen zu genügen, noch etwas zu erhöhen sein möchten, nämlich für die Eiweißsubstanz auf 0,7 Pfd. und für die stickstofffreien Nährstoffe (verdauliche Kohlehydrate) auf 8,4 Pfd., zusammen 9,1 Pfd. Das Nahrstoffoer- hällutß ist dann = 1:12 und die Gcsammtmenge der organischen Substanz im täglichen Futter muß hierbei etwa 17,5 Pfd. betragen, durch welche Zahl angedeutet wird, daß man das betreffende Futter am einfachsten und lohnendsten durch Verabreichung von Stroh der Sommerhalmfiüchte als Hauplfutter herstellt, unter Beigabe von etwas Heu ober geringer Mengen eines stickstoffreichen Futtermittels, mit oder ohne Einschttiß von Wurzelwerk Die Menge des verdaulichen Fettes kommt bei dem bloßen Bc- harrungsfutter der Ochsen nicht sehr in Betracht; in den angegebenen Rationen be- reebnet sich dieselbe etwa auf 0,15 bis 0,2o Pfd.
Mit diesen Zahlen stimmen auck einige der Praxi- entnommene Beobachtungen überein; man hat z. B. auf den Domänen a. zu Weende und b. zu Greene die volljährigen Ochsen pro Tag und 1000 Pfd. Lebendgewicht während der Wintermonate ges füttert 9 Sommerhalmstroh, 7,1 Espartteheu, ferner 0,4 Bohnenschrot und 0,4 Pfd. Rapskuchen;
b. 16,3 Gersteftroh, 0,4 Grummet, 2,0 Kleeheu, 1,3 Erbsenstroh und 2,9 Pfd. Mengkornschrot (Gerste und Hafer).
Das tägliche Futter enthielt, nach Durchschnittsanalysen berechnet, an Nährstoffen a. 1,0 + 7,8 — 8,8 und b. 0,7 + 8,8 — 9,5 Pfd., und bewies sich schon als ein mäßiges Produktionsfutter. Die Thiere nämlich zu Weende nahmen im Laufe des Winters pro Stück (etwa 1400 Pfd. Lebendgewicht) um 70 bis 80 Pfd- an Gewicht zu und in Greene konnten die Ochsen täglich eine leichte Arbeit (1 dis 2 Jauch mfuhren) verrichten, ohne daß dadurch und bei der eingehaltenen FÜtterungswetfe der Ernährungszustand anscheinend verschlechtert wurde.
Aus den im ersten Theile dieser Ausarbeitung erörterten allgemeinen Gesetzen der tbierischen Ernährung ergiebt sich, daß der ganze Zustand und daß vorhandene Lebendgewicht eines ausgewachsenen Thieres fast unverändert bleibt, eher sogar etwas zurückgeht, wenn man bei gleichem Gesamrntquantum an Nährstoff, wie es in dem diesem Zustand entsprechenden Normalfutter enthalten ist, die Menge der Eiweißsub- stanz bedeutend steigert- Wenn man z. B- im Beharrungsfutter der Ochsen (0,7 4- 8,4 = 9,1) das Eiweiß von 0,7 bis auf 1,5 Pfd. vermehrt, die Kohlehydrate aber von 8,4 auf 7,6 Pfd- vermindert, so hat dies nur eine um so größere Zerstörung von Eiweiß


