schreibens beipflichte, daß Rußland die Ansicht und die Interessen . Europas vertrete. Lord Derby erwiderte, die Anfrage sei eine ungewöhnliche, weil sie nicht auf etwas gerichtet sei, was die Regierung gethan habe oder gegenwärtig thue ober zu thun beabsichtige, sondern darauf, ob die Regierung gewisses Ansichren zustimme, welchen eine fremde Regierung in einem an England und ganz Europa gerichteten Schriftstück Ausdruck gebe. Er glaube die Frage am besten zu beantworten, wenn er sich auf die Erklärung beschränke, daß England in keiner Weise durch die von Rußland ausgedrückte Meinung gebunden sei, und daß England weder die Schlußfolgerungen noch die Argumente, welche jenes Schriftstück enthalte, thatsächlich acceptire oder sich aneigne. Im Unterhause kündigt Campbell für Montag eine Interpellation an über die Stellung Egyptens zu dem ausgebrochenen Kriege und über die Lage, in welche Egypten ge- rathen würde, wenn dasselbe unmittelbar in den Krieg hineingezogen werden sollte. Marquis Hartington meldet für Montag eine Interpellation an die Regierung an, ob sie eine förmliche Bekanntmachung über die Neutralität Englands zu erlassen gedenke. Gladstone erklärte, daß er eine Resolution über die orientalische Frage und die Politik der Negierung beantragen werde. Unter Staatssecretär Bourke theilte auf eine Anfrage mit, der englische Consul in Odessa habe angezeigt, daß Schiffe nicht verhindert seien zu kommen und zu gehen, nur seien sie genöthigt, beim Einlaufen in den Hafen von Odessa russische Mannschaft an Bord zu nehmen, wahrscheinlich aus dem Grunde, weil Torpedos gelegt seien. Die türkische Regierung werde eine Bekanntmachung erlassen, wonach sie sich durch die seerechtlichen Bestimmungen der Pariser Declaration für gebunden erklären werde; dieselbe beabsichtige für die Durchsuchung der neutralen Schiffe nach Kriegs-Contrebande ein Reglement zu erlassen. Der Schatzkanzler Northcote erklärte auf eine Anfrage, er sehe durchaus keinen Grund, die ausländischen Officieren zum Besuch der Regierungs-Schiffswerste ertheilte Er- laubniß zurückzuziehen.
Schweiz.
Basel, 28. April. Den „Basl. Nachr." wird aus Bern über die Zolltarif-Revision gemeldet: Die bundesräthliche Commission hat ihre Arbeiten beendigt und im Principe für die Zölle die folgenden Ansätze gemacht: für Rohstoffe 1 pCt. vom Werthe, für Hülfsfabrikate zwei, für fertige Fabrikate drei, für Confectionen fünf, für Luxus-Arkikel zehn pCt., bei letzteren jedoch für 100 Kilo nicht mehr als 100 Frcs.
Belgien.
Brüffel, 28. April. Die Nachricht eines belgischen Blattes, die Bank von Frankreich habe ihre östlichen Succursalen angewiesen, alle ihre Metallbestände an die Pariser Hauptkasse abzuliefern und nur die für den Betrieb des öffentlichen Dienstes erforderlichen Beträge in ihren Cassen zurückzubehalten, wird von der „Agence Havas" für gänzlich unbegründet erklärt.
Italien
Atom, 28. April. Die amtliche Zeitung veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach aus Anlaß des bestehenden Kriegs-Zustandes zwischen Rußland und der Türkei von der italienischen Negierung den Staats-Bürgern eingeschärft wird, die Pflichten der Neutralität gemäß den bestehenden Gesetzen und den allgemeinen Pnncipien des Völkerrechts gewissenhaft zu beobachten.
Nom, 28. April. Die Mächte haben der Pforte auf deren Ansuchen um Vermittelung, welche dieselbe unter Berufung auf Art. 8 des Pariser Vertrages stellte, erwidert, daß durch die seit Jahr und Tag geführten Verhandlungen Seitens der Mächte der Art. 8 erfüllt und das jetzt gestellte Verlangen der Pforte also unbegründet sei.
Spanien.
Madrid, 28. April. Der Finanz-Minister hat nunmehr dem Congreß das Budget vorgelegt; dasselbe balancirt in Einnahmen und Ausgaben mit 735 Millionen.
Rußland.
Odessa, 28. April. Bei Krementschug ist der Dnieper über seine Ufer getreten und hat diese Stadt völlig überschwemmt; fast sämmtliche Bewohner, circa 20,000 an der Zahl, sind obdachlos.
Der orientalische Krieg.
Wien, 27. April. Der „Polit. Corresp." wird aus Cettinje telegra- pbirt: Das russische Kriegsmanifest ist hier mit dem größten Jubel aufgenom- men worden. Dem Fürsten ist vom Kaiser von Rußland der militärische St. Georgs-Orden verliehen worden. Der Woiwode Peter Vakotits ist nach Grahovo beordert, wo eine starke Vorhut der Montenegriner Stellung genommen hat. Peco Pejovits ist mit 1600 Mann nach Drobniak abmarschirt, um die Offensive gegen Berane hin zu ergreifen. Die Bataillone von Czmitz unter Mascha Djurovits besetzten gestern Sestane (Albanien.) Der montenegrinische Delegirte Radonits ist vorgestern vom Grafen Andrassy empfangen worden und wird nächster Tage hier erwartet. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Bukarest von heute: Der General-Adjutant des Kaisers von Rußland, Fürst Dol- gorucki, trifft heute mit einem kaiserlichen Handschreiben an den Fürsten von Rumänien hier ein. Bis heute früh lag keinerlei Meldung von Vorbereitungen der Türken zum Donau-Uebergang vor, auch war von denselben gegen die Barbosch'Brücke nichts unternommen worden. Die Eisenbahn-Station Pascani ist gestern von 136 Kosaken besetzt worden. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Athen vom 26. d. Mts.: Die Regierung beabsichtigt unter energischer Fortsetzung der Rüstungen vorerst eine reservirte Neutralität zu beobachten.
Bukarest, 27. April, Abends. Gestern sind zwei türkische Monitors zu je fünf Kanonen behufs Sondirung bis zur Mündung des Sereth vorgedrungen. Die Russen setzen ihre Concentriruug bei Barbosch fort. Die Eisenbahn-Strecken Jaffy-Turgulu und Dohalska-Paskany sind in Folge von Ueber- schwemmung unfahrbar. Nachmittags sind die Russen in Braila eingerückt. — Der Senat hat die ministeriellen Candidaten Jepureanu und Demeter Bratiano in das Präsidium gewählt. Die Dcputirten Kammer hat das RequisitionS- Gesetz angenommen. Morgen dürfte die Regierung der Kammer die Entscheidung der politischen Situation anheimgeben.
Petersburg, 27. April. Durch amtliche Bekanntmachung wird der Transport für die Armee-Bedürfnisse geregelt und der Eisenbahn-Verkehr für Personen, sowie für Güter wieder hergestellt.
Petersburg, 27. April, Abends. (Amtliche Meldung.) Bei Meikas- der fand am 25. Aprll ein Gefecht statt. Abends wurde ein Baracken - Lager der Türken genommen. Die Russen sind bis Kisilttach vorgedrungen.
Konstantinopel, 27. April. " Die Russen haben Giurgewo besetzt. An der Donau hat noch kein Zusammenstoß stattgefunden. Ein Telegramm Hassan Paschas aus Batum vom 26. d. M-, Abends, meldet: Wir haben mit den Russen ein günstiges Gefecht gehabt; letztere, welche ihrerseits feine Deckung hatten, griffen die wohlgedeckk aufgestellten türkischen Truppen an und erlitten nicht unerhebliche Verluste. Die türkische Flotte bombardirt Poti. Gegen Montenegro haben dem Vernehmen nach der Commandirende in Scutari und der Ober-Befehlshaber in der Herzegowina gleichzeltig Offensivbewegungen begonnen.
Wien, 28. April. In Rustschuk sind Abdul Kerim, Achmed Ejub und Hobart Pascha zu einem Kriegsrath eingetroffen. Eine russische Flottille wird auf der Donau erwartet. Die Russen haben an der Sereth-Mündung Torpedos gelegt. Die türkischen Monitors haben zwei russische mit Weizen beladene Schiffe gekapert. Die Türken besetzen die oberhalb Silistrias gelegenen Donau-Inseln.
Wien, 28. April. Der „Presse" wird ans Belgrad gemeldet: Bis jetzt ist hier von einer beabsichtigten Action des Widdiner Truppen-Corps gegen Serbien nichts bekannt. Im Negotiner Kreise stehen Truppen unter General Horvatovic bereit. Das Kriegs-Ministerium sorgt für alle Eventualitäten vor; indeß ist bis jetzt noch keine auf eine Action deutende Ordre ausgegeben worden.
Wien, 28. April Die „Pol. Corresp." erhält folgendes Telegramm aus Bukarest vom heutigen Tage: Die Regierung beabsichtigt, demnächst bei der Kammer einen Gesetz Entwurf einzubringen, wonach die Verfassung suspendirt, der Fürst mit discretionärer Gewalt ausgestattet und die Kriegsrüstungen in größerem Maßstabe durchgeführt werden sollen. — Zu Silistria wird eine größere Truppen-Bewegung wahrgenommen. Man befürchtet eine türkische Invasion. Stimmung gedrückt.
Wien, 28. April. Die „Polit. Corresp." veröffentlicht folgendes ihr aus Belgrad vom 27. April, Abends, von officieller Seite zugegangene Telegramm : Die Regierung hat keinerlei Mittheilung von der Pforte über deren Absicht, serbisches Gebiet zu occupiren, erhalten; ebensowenig haben die serbischen Commandanten irgendwelche Bewegung der türkischen Truppen gegen das serbische Gebiet wahrgenommen. Alle gegenteiligen Nachrichten und hieran geknüpften Consequenzen sind erfunden.
Pesth, 28. April. Im Unterhause stellte die unabhängige liberale Partei nachfolgende Interpellation: Ob die Regierung den Pariser Vertrag als für Oesterreich-Ungarn rechtsgültig betrachte und zu verhindern gedenke, daß Rußland auf türkische Kosten eine Gebiets-Vergrößerung erlange, bezw. die Fürstentümer und Länder der Balkan-Halbinsel direct ober iiibirect unter seine Oberhoheit bringe.
London, 28. April. Nach einer bei Lloyb's eingegangenen Depesche aus Galatz von heute kreuzen türkische Panzerschiffe vor bem Hafen von Galatz. Zahlreiche russische Truppen hätten Galatz passirt. Die Schifffahrt fei eingestellt ; neutrale Schiffe bürsten nach Verlauf eines zur Beenbigung ihrer Ladung geeigneten Zeitraums die Weiterreise antreten; flußaufwärts dürfe von morgen an kein Schiff mehr fahren.
Petersburg, 28. April. Ein bei bem Kriegs-Ministerium über bie Operationen an ber Kaukasus - Grenze eingegangenes Telegramm lautet: Am 26. April überschritten bie in Alexanbropol versammelten Truppen bie Grenze. An biesem unb bem nächsten Tage sanden kleinere Gefechte statt, wobei die Russen 31 Mann verloren, dagegen 7 türkische Osficiere und 100 Soldaten gefangen nahmen. — Ein kaiserlicher Erlaß verleiht dem Großfürsten-Oberbe- sehlshaber der Kankasus-Armee das Recht, nöthigenfalls den Kriegszustand zu proclamiren. — Aus Kischeneff wird gemeldet, daß Großfürst Wladimir daselbst eingetroffen ist unb General Tschernajeff sich heute bem Oberbefehlshaber vorgestellt hat.
Petersburg, 28. April. Oesterreich hat gutem Vernehmen nach bei ber Pforte Vorstellungen gegen ben beabsichtigten Einmarsch türkischer Truppen .in Serbien erhoben. — Die Mächte werben, wie man hier annimmt, das jüngste Rundschreiben des Fürsten Gortschakoff nicht beantworten. — Fürst Chahowski, Befehlshaber des 11. Armeecorps, besetzte gestern Galatz und Braila; die 36. Division besetzte Ismail und Kilia; bie Truppen werben überall mit Begeisterung ausgenommen.
Moskau, 28. April. Auch bie Kaufmannschaft hat eine Mill. Rubel, bie Kleinbürgerschaft 75,000 Rubel zur Unterstützung der Verwundeten und ihrer Familien angeboten.
Moskau, 28. April. Der Moskauer Gewerk-Vorstand hat 15,000 Ru- bei für Verwundete bewilligt und die vollständige Einrichtung, sowie Erhaltung eines Lazarethes von 60 Betten übernommen.
Bukarest, 28. April. Das Comit6 der hier lebenden Bulgaren erläßt einen Aufruf, die Russen als Befreier zu empfangen unb eine Abresse an ben Kaiser Alexander zu richten.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 26. April. (Fruchtbericht ) Im @efammtflebiet des GetreidehandelS blieb in der abgelaufenen Woche die Tendenz belebt; namentlich übernahmen die Börsen, wo der Terminhand^l gepflegt wird, die Führung. Unser Platz ist nicht selbstständig und muß sich, da Vorräthe knapp sind, Preise von auswärts btctiren lassen. Course bleiben zu Gunsten der Verkäufer: hiesiger Landweizen zu X 28 gern genommen, fremder je nach Qualität und Herkunft von X 22—28, Roggen erfreute sich dauernd guter Beachtung unb besserte sich um etwa 1 X, wofür erhöhte Notirungen von allen Seiten die Anregung boten; französischer Roggen X 21.50, amerikanischer X 20, Kustendscher Roggen X 19.50, Gerste Prima^Waare X 21.50—22 bezahlt, geringe Sorten abwärts bis X 15, Hafer trotz Kriegs-Erklärung von Seiten Rußlands nicht belebt, böhmischer, Prima-Waare, X 18.50, ungarischer X 17.50, russischer X 17. Sonstige Futterstoffe sind fest, aber nicht animirt. Hülsenfrüchte ohne Umsatz. Rüböl tobt. Am Mehlmarkt trotz wilden Körner-Preisen kein Leben; die ordinären Brodmehle bleiben gefragt. Mehl Nr. 1 X 43, Nr. 2 X 39, Nr 3 X 35, Nr. 4 X 31, Nr. 5 X 25, Roggenmehl °/t (Berliner Marke) X 28, do. II. (Berliner Marke) X 23, Weizen, effektiv dies., ab Bahnhof hier X 28.50, ab unserer Umgegend X 28—28.25, fremder je nach Qualität X 22—28, Roggen je nach Qual. X 19-21.50, Gerste 19—22, Hafer X 15 — 18.50 Kohlsamen fehlt, Erbsen X 21—24, Wicken X 17.50, etnfen X 21—30, Rüböl, detail, X 74. Stimmung fest. Hauptsächlich gefragt war Weizen und Roggen; (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.)
Mainz. 27. April. (Productenbericht.) Weizen per Mai X 27.90. Roggen per April —, per Mai X 19.90. Hafer per April —, per Mai X 17.90. Rüböl per Mai X 35.50.
Worms, 27. April. Das Getreidegeschäft am hiesigen Platze muß nothgedrungen die steigende Tendenz der auswärtigen Notirungen rnttmachen, doch bleibt dadurch auch
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