Ausgabe 
31.12.1876
 
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1861 nach der Krönungsseier in Königsberg; die zweite Amnestie erließ der König nach Beendigung des österreichischen Krieges am 20. September 1866 aus Anlaß des ruhmvoll wieder hergestellten Friedens", und als der König von Berlin Abschied nahm, um gegen Frankreich in's Feld zu ziehen, brachte ein Ausruf des KönigsAn mein Volk" vom 31. Juli 1871 folgende frohe Botschaft:Indem Ich heute zur Armee gehe, um mit ihr für Deutschlands Ehre und für Erhaltung unserer höchsten Güter zu kämpfen, will Ich im Hin­blick auf die einmüthige Erhebung Meines Volkes, eine Amnestie für politische Verbrechen und Vergehen ertheilen."

Die Verbindung zwischen der Muttergottes von Marpingen und der Blutschwitzerin Louise Lateau in Bois d'Haine ist, wenn die in solchen Dingen überaus zuverlässigeDeutsche Reichs-Zeitung" gut informirt ist, nunmehr glücklich hergestellt. Nach dieser Zeitung hat der Pfarrer Neureuther in Mar­pingen einen Brief vom Pfarrer NielS in Bois d'Haine erhalten, in welchem Letzterer mittheilt, daß er während der Ekstase der Louise Lateau den Namen verschiedener Städte genannt,Louise aber erst bei dem Aussprechen des Na­mensMarpingen" ihre Züge zu einem frohen Lächeln bewegt habe." Sollte man es für möglich halten, daß die Verfasser eines solchen Briefwechsels das Gymnasium absolvirt haben: Man sieht, wie nothwendig das Gesetz ist, wel­ches auf Garantien für die wisienschaftliche Vorbildung der Geistlichen besteht.

Berlin, 28. December. DteProv.-Corresp." hebt in einem Artikel: Kaisers und Volkes Dank" die hohe Bedeutung des glücklich erreichten Ab­schlusses der Justiz-Gesetze hervor und bemerkt dabei, die gesetzgebenden Kräfte des Reiches könnten sich jetzt um so freier anderen wichtigen, namentlich wirth- schastlichen Aufgaben zuwenden. Wirthschaftliche Reformen können sicherlich nur vom Reichstage durchgeführt werden, dem es in der Mehrheit mit einer wirk­lichen Verständigung über die Bedürfniffe und Juteresien des Volkes mit den Regierungen voller Ernst sei; die Männer der Fortschritts-Programme werden dem Volke ebenso wenig wirthschaftliche Verbesierungen anschaffen, wie durch sie die Rechts-Einheit Deutschlands zu Stande gekommen und die militärische Kraft des Reiches gesichert worden ist, dieselben würden nur, wenn sie eine entscheidende Macht in der Reichsvertretung erlangten, neue Conflicte herauf beschwören. Wer mit dem Kaiser weitere Erfolge der stetig fortschreitenden, besonnenen Gesetzgebung sichern will, möge dahin bei den Wahlen wirken, daß der Geist vertrauensvollen Entgegenkommens und freudigen gemeinsamen Schaffens auch ferner zur Geltung und segensreichen Wirksamkeit gelange. Die Prov.-Corresp." drückt den Eingang der Ansprache des national-liberalen Eentral-Wahl-Comitös an das deutsche Volk ab. Das Blatt bestätigt, daß der Kaiser am Neujahrstage die Glückwünsche sämmtlicher Feldmarschalle und commandirenden Generale aller deutschen Corps empfängt. Der Kaiser eröffnet den preußischen Landtag am 15. Januar.

Berlin, 28. December. DerNat.-Ztg." wird von maßgebender Seite mitgetheilt: Der in Folge eines Telegramms Andraffy's am 25. Decbr. nach Wien gereiste österreichische Botschafter Graf Karolyi kehrt morgen hierher zu­rück. Graf Beust verweilte bereits seit mehreren Tagen bei einer Familie in der Nähe Wiens; daß bei der Unterredung dieser drei Staatsmänner die zur Entscheidung drängende Orient-Frage den Hauptgegenstand bildete, ist wohl

Das Comit6 zur Verificirung der Wahlen Floridas zog seine. Entschließung, der Entscheidung des obersten Gerichtshofes bezüglich einer abermaligen Prü­fung der Wahl-Stimmen für den zu wählenden Präsidenten keine Folge zu geben, nochmals in Erwägung. Es wurde eine neue Prüfung vorgenommen, nach welcher sich das Wahl-Resultat für Hayes stellt. Die für die Staats- Wahlen in Florida abgegebenen Stimmen fielen auf demokratische Candidaten.

London, 29. December. Das medicinische JournalLancet" meldet den Ausbruch einer Krankheit kubanischen Charakters tn der Umgegend Bag­dads , welche zweifellos als Pest zu bezeichnen ist. Die Pforte würde inter­nationale Maßregeln dagegen vorschlagen.Reuter's Bureau" meldet au- Delhi vom 23. d. Mts.: Die Maharadjas von Kaschmir und Scindia wur­den zu Generalen der englischen Armee ernannt.

Melgien.

Brussel, 28. December. Die vom Minister Malou tn der bulgarischen Occupattons-Frage an die diplomatischen Vertreter Belgiens im Auslande ge­richtete vertrauliche Mittheilung war, wie dieJud6p. belge" erfährt, von einer Mittheilung an die Regierungen, bei welchen die Vertreter Belgiens be­glaubigt sind, begleitet.

Brüssel, 28. December. DemNord" zufolge wird demnächst die Ankunft des russischen Botschafters in Paris, Fürsten Orloff, in Brüssel zu erwarten sein. Der Besuch wird mit dem Projecte der Occupation Bulgariens durch belgische Truppen in Verbindung gebracht.

Brüssel, 29. December. Der russische Botschafter Fürst Orloff kam gestern Abenv von Paris hier an und wird heute eine Audienz beim König haben. Am Sonntag wird der Fürst nach Paris zurückkehren.

selbstverständlich.

Berlin, 29. December. Wie derReichs-Anz." amtlich meldet, ist der bisherige Unter-Staatssecretär im preußischen Justizministerium, Friedberg, zum Staatssecretär im Reichs-Justizamt unter Verleihung des Charakters als wirklicher Geheimer Rath mit dem PrädtcatExcellenz", und der Geh. Ober- Regierungsrath Michaelis zum Director im Reichskanzler-Amt ernannt.

Berlin, 29 December. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Be schlüffe der Eonferenz wurden in Ultimatums-Form an Midhat Pascha über­geben. Die Mächte betrachten das Actenstück als undiscutirbar; sie verlangen Ablehnung oder Annahme. Midhat befürwortet die provisorische Annahme, vorbehältlick der Gutheißung des türkischen Parlaments. Die Beschlüffe lau­ten aus: Vereinigung Bosniens und der Herzegowina, Theilung Bulgariens mit der Balkan-Grenze, Ernennung dreier christlicher Gouverneure, sowie einer Commission zur Durchführung der Reform, Bildung eines Gensd'armerie- Corps von Freiwilligen unter Befehl der Gouverneure und zum Schutz der Commission.

München, 27. December. In militärischen Kreisen wird versichert, der König werde die commandirenden Generäle der beiden Armee-Corps, Orff und v. d. Tann, nach Berlin senden, damit sie dem Kaiser zu seinem siebenzig- jährigen Militärdienst-Jubiläum die Glückwünsche der bayerischen Armee überbringen.

Gotha, 28. December. Der geographische Forscher Dr. Petermann empfing die Benachrichtigung, daß die Regierung Portugals eine halbe Million Francs für eine große wisienschaftliche Mission nach Central-Afrika bewilligte. Die Expedition ist bereits organisirt und geht unverzüglich nach Afrika ab.

Hamburg, 28. December. Laut Privatdepesche aus Montevideo vom 26. Decbr. ist der von der südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft ge- chartete, der Hamburger Paketfahrt-Gesellschaft gehörende DampferGöthe" auf Loboisland verloren gegangen. Die Pasiagiere sind gerettet.

Hamburg, 29. December. Der der Hamburg-Amerikanischen Paket- Fahrt-Gesellschaft gehörige DampferFranconia", welcher bei Glückstadt aus­gelaufen war, ist wieder flott gemacht und hier eingetroffen.

Hesterreich.

Wien, 28. December. DiePolit. Corresp." schreibt: Heute Nach­mittag 3 Uhr fand unter dem Vorsitze des Kaisers ein gemeinsamer Minister­rath statt. Derselbe war ausschließlich der Berathung über die laufenden An­gelegenheiten gewidmet, womit sich alle aus Anlaß des Conseils in den Journalen bereits aufgetauchten Gerüchte von selbst erledigen. Wir sind zudem

in die Lage gesetzt, diese Alarm-Gerüchte als ganz und gar erfunden zu bezeichnen.

Wien, 29. December. Nach einer neueren Angabe über die zu er­wartende Antwort der türkischen Regierung auf die Vorschläge der Conferenz- Mächte wäre die Pforte gewillt, ihre Entscheidung über die von den Mächten geforderten Privilegien für die einzelnen Provinzen von dem Beschlusie der ein­zuberufenden türkischen National-Versammlunz abhängig zu machen.

-uglarrd.

London, 27. December. An einigen Punkten in Schottland ist der Eisenbahn-Vnkehr durch Schnee-Massen unterbrochen.

Lord Derby hat eine Deputation der jüdischen Gemeinde empfangen, welche dte von der Versammlung derAlliance Jsraelite" zu Paris angenom­mene Denkschrift an die Konstantinopeler Conserenz überreichte. Lord Derby sprach seine Uebereinstimmung mit den in dem Schriftstück entwickelten Ziel­punkten aus und gab die Zusage, dasselbe der englischen Botschaft tn Konstan­tinopel zu übermitteln.

London, 28. December. Nach einer anscheinend osficiösen Mittheilung derMorning Post" hätte die englische Regierung, wie auch ihre Entscheidung in der orientalischen Frage ausfallen möge, zu keiner Zeit beabsichtigt, dte tn der Besika-Bay ankernde Flotte nach England zurückzuberufen oder die diplo­matischen Beziehungen mit der Pforte abzubrechen. Allerdings begebe sich die englische Flotte demnächst nach Salonichi oder dem Piraeus, aber lediglich nur ans dem Grunde, weil die Besika-Bay zur Winterzeit einen gefährlichen Anker­grund bat.

London, 28. December.Reuter's Bureau" meldet aus New-Dork:

Mittheilung

Französische Mühlsteine werden hiermit den Herren Mühlbesitzern aus der Fabrik aus Nordhausen zu entnehmen empfohlen, wo ihnen die drei- bis fünffache Dauer derselben gegen die Accord-, oder gar der feilen französischen Herstellung garantirt wird. Das beste Existirende bietet denn auch wirklich daß größte aller Lager, das größer ist, als dte einzelnen Lagervorräthe der Bruchbesitzer in Frankreich und dem alle Brüche steuern, namentlich die von S ü d-Frankreich, die das feurige, starke Gestein liefern. Wir empfehlen so aus Ueberzeugung und aus Dankbarkeit für unsere in einer ungekannten Mahltüchtigkeit uns erfreuenden und die größt­mögliche Dauer versprechenden Steine, nachdem wir Alle der meist aus Frankreich bezogenen Mühlsteine nach nur kurzer Benutzung verlustig gkißcn. Wendektnd's Fabrik bietet uns tn Nordhausen bequem die Prüfung unserer Mühlsteine ohne Decke und im Rohbau. Und dazu rathen wir. Man weiß seine guten Steine dann auch von der inneren Sorgfalt und Güte, also der wohlthättgen Beständigkeit.

Die Namen der Einsender und Referenzen sind in der Exp. d. Zig. zu erfahren.

Ueufahrsgeschenke an die Klemkmderfchule.

In Folge unserer vor einigen Tagen in diesen Blättern erschienenen Bitte haben unsere Anstalt mit Geschenken bedacht:

Balthasar Lenz. Prof. Dr. Phoebus. Bürgermeister Bramm. Fabrikat Hanftein. Cbr. Löber. Lehrer Jung. Pfarrer Dr. Seel. Kaufmann Scheel. L. P e t r i II. Buchhändler Ricker. Kaufmann P t st o r. Prälat Dr. ©im on. Frau Steuerrath Schuster. Pfarrverwalter Schlosser. Fabrikant Löwe. Freiherr v. Rabenau. Hofgerichtsrath P f an n M ü l l er. Rentamtmonn Lyncker. Regierungsrath H a berkorn. Fabrikant Schau­mann. Kaufmann Fr. Koch. L. Bücking. Mechanikus Liebrich. Rendant Schildköter. Kaufmann Treff. Assessor Dr. Gilmer. Buchdrucker Keller. Major Supp. Kaufmann Kraatz. Prof. Dr. Lemcke. Director Mohn. Kaufmann Jul. Bapst. Fabrikant A. Müller. Postdirector Loch mann. Advocat Baist. Steuercommissär Süffert. Oberinspector Engiich. Advocat Dr. Eckstein.

Herzlichen Dank allen freundlichen Gebern!

Gießen, den 29. December 1876.

IUr den Morst and :

Pfarrer Dr. Seel.

Kaufmännischer Verein Frankfurt a. M.

Unser Bureau, das die Herren Chefs kostenfrei bedient, vermittelte im abgel. Jahre (auch Nichtmitgliedern) über 1000 Commis- und Lehrlingsftellen. (3765

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