Donnerstag, den 31. August
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Aykige- unb AmisM für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme Vs4 Montags.
Expeditionr Schulstrah«, Ät B. Nr. 18.
Prris vierteyLÄlich 2 Mark 30 Pf. mit Bringrrioün. Durch die Post vierteljühÄch • SRart W
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Aus dem Großherzogthrrm Heffen, 28. August. In einem Orte des Kreises Worms waren bet Einführung der gemeinsamen Schulen die bekannten Rühr- und Widerstands - Scenen veranstaltet worden, wobei wieder Weiber die Haupt-Rollen spielten. Um nun den oder die eigentlichen Veran-
klüle Gedenki fMlCT un^ Urheber dieser Comödie gegen gesetzliche Verfügungen kennen zu 1 lernen, hatte der Kreisrath zunächst die beteiligten Weiber zur amtlichen Ver-
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omite der Natur der Sache nach erst in jüngster Zeit erfolgen und haben die
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lassen und laut den nunmehr eingelangten amtlichen Mittheilungen sind für »iederherstellung der Staatsstraßen erforderlich in den Kreisbauamts-Bezirken:
nehmuug mündlich vorladen lassen — zweimal vergebens. Hierauf ließ der Beamte die Vorladung mündlich durch Gensd'armen mit der Weisung wieder-
Polizei-Beamter im Rechte gewesen fei, indem er das einzige noch in dem Falle übrig gebliebene Mittel, um dem Gesetze und der Aufrechthaltung der in dern-
|dben begründeten Autorität die nöthige Wirksamkeit zu sichern, ergriffen habe, unbeschadet einer allenfallsigen gerichtlichen Repression wegen formellen Wider- stands gegen obrigkeitliche Verfügungen. Bis dahin war riefe unter Umständen lju sehr ernsten Folgen führende Befugniß in der Praxis der höheren Verwal- v. der LiMg^^^.^Ehörden in Hessen unbekannt.
luf dem Srcrt; Darmstadt, 27. August. Die abnormen Witterungsverhältnisse dieses f/tbor, übet ^Jahres, die Wolkenbrüche u. s. w. haben die Staatsstraßen ganz außerordent- ue Me kN stark mitgenommen, wie ebenso in Folge der wiederholten Hochfluten des Rheins für Dammbauten demnächst nicht unbeträchtliche Mittel werden aufge-
q, pwniibt werden müssen. Die Regierung hat bezüglich der Chausseen sofort die nmt. — O^Ober-Daudirection beauftragt, genaue Erhebungen über den Bedarf zur ord- itt: (6$ vNluuiigsmäßigen Wiederherstellung der theilweise zerstörten Straßenkörper anstellen
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chelnen Kreisbauämter folgende Beträge als nöthig angegeben: Bensheim Kosten NB 300 Mk., Erbach 620 Mk., Groß-Gerau 78,000 Mk., am Main-Ufer-Werk WO Mk., Bingen 12,000 Mk., Mainz 44,000 Mk., Worms 4900 Mk., zü
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Jßaite unter Wellung der zur Wiederherstellung des Zerstörten erforderlichen Summen
Lensheim 10,300 Mk., Dieburg 4300 Mk., Groß-Gerau 2530 Mk., Offen- _ . ich 2019 Mk., Friedberg 700 Mk., Bingen 17,200 Mk., Mainz 32,000 Mk., juqendschsvi izorms 12,800 Mk-, Darmstadt 1450 Mk., Gießen 11,300 Mk. und Alzey 300 Mk., zusammen 95,899 Mk. — Ein ähnliches Verhältniß zeigt sich be- lich der durch die Hochfluten verursachten Beschädigungen der Dämme. Die
holen, daß im Falle der abermaligen Nichtbesolgnng die Vorführung zu geschehen habe. Das letzte mußte denn auch in Anwesenheit des Kreisraths im Orte bt, freute W1 geschehen. Darob entstand großes Geschrei im ultramontanen Lager und man richtete eine Beschwerde an das Ministerium wegen Belästigung uubeschol- irner Weiber durch Gensd'armerie. Die Entscheidung des Ministeriums ging nun dahin, daß der Kreisrath in seiner Eigenschaft als Verwaltungs- und
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t wir uns halten; die nachträglichen Sanctionen oder Ableugnungen des
Inders gehen uns gar nichts an. Eine Muttergotteserscheinung auf deutschem «’ft I den in diese realistisch gearteten Zeit muß festgehalten werden und Jedem öe stehen, o er aber sie ist ein Humbug sondergleichen. Auch die „Germania" usagt, eine Untersuchung, aber sie bittet, eine „solche Untersuchung 11’J lu der Tendenz, die Wahrheit festzustellen, ohne alle culturkämpferische ^flcht von nicht voreingenommenen Personen vornehmen zu lassen." Wir 'a* öäv"' Bibern: Erscheint in Marpingen mit der Muttergottes der trinitarische Gott !l u . „ej ^kltch, so wird er sich vor Jedem sehen lassen, vor dem Staatsanwalt ebenso
er sich vor Jedem sehen lassen, vor dem Staatsanwalt ebenso
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ttgen und Reliquien-Entdeckuugen auf schnödem Betrug basirt haben. Nach ^zabe vermeintlich „zuverlässiger" Augenzeugen ist in Marpingen der trinita
, - Alle Tage wird uns gesagt: Die Jungfrau ist mit Christo >d dem heiligen Geist wieder erschienen, und Blinde wie Lahme, Krüppel und fcere Jammergestalten sind geheilt worden. Diese „Thatsachen" sind es, an
likschwindel energisch und unerbittlich auf den Leib. „Wir kommen auf das l'iarpinger Wunder zurück, läßt sie sich von hier schretben, „weil es, und mit Icht, mehr und mehr Beachtung findet. Die Ultramontanen sollen inne rtden, daß sie mit der Citirung des trinitarischen GotteS einen Coup gemacht iben, an dem ihr ganzes bisheriges Gebühren offenbar werden muß. Die .Hermania" bemerkt gegen uns, es sei Sache der kirchlichen Behörden, die tage zu entscheiden, ob ein Wunder vorliegt. Das Blatt vergißt, daß von m und von verschiedenen Getstlichen des Trierer Regierungsbezirkes die Frage Mts bejaht wurde. Es ist zwar richtig, daß die Bischöfe sich jederzeit vor- fyelten, über Wundererscheinungen ein maßgebendes Votum abzugeben, allein
'f vor dem Landrath und vor Professor Virchow. Weshalb soll nur eine bestimmte, den Wünschen der Ultramontanen zusagende Untersuchung an- werden? Die „Germania" will keine unbedingte Klarstellung des ^Verhalts, sie will wohl nur, daß ein paar Priester beauftragt werden, in
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Berlin, 26. August. „Die Magd. Ztg." rückt dem Marpinger Wun-
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Jtb ihr Urtheil ist in dem Maße ein irriges gewesen, als alle Wundererschei- j —' ~, [ •’/’l'J* ÜRiten iinh QOoftmiifln-ßrnaen Anf (AhaSmh <¥>*««...* t..
k^Wgabe vermeintlich „zuverlässiger" Augenzeugen ist in Marpingen der trinita- Mi T-fpO Gott mit sarnrnt der Muttergottes erschienen, und dieser „Thatsache" .n btrMüder fällt der katholisch-kirchlichen Behörden Entscheidung gar nicht mehr ' ^Gewicht. V"
Marpingen Erkundigungen einzuziehen und Beobachtungen anzustellen.OUns gibt die „Germania" den Rath, die Alternative „Betrug oder Wunder^fallen zu lasten und uns „eine dritte Kategorie zur Unterbringung der Thatsachen frei zu halten", damit es uns nicht ergebe, wie Herrn Professor Virchow mit (einem Urtheil über Louise Lateau. Nun, wie erging es den Dr. Virchow? Er erklärte unbedingt Fräulein Lateau's Stigma für Humbug, und ein eingehendes Urtheil über die Blutungen der jungen Dame wollte er abgeben, wenn sie acht Tage lang seinen Beobachtungen unterstellt würde. Da dies nicht geschah, so war Virchow mit dem Lateau-Stigma fertig. Ihm war ebenso wie Anderen bekannt, was mit stigmatisirten Jungfrauen in früheren Jahren angegeben worden ist. Die Katharina Emmerich erhielt 1811 die doppelte Signatur des Kreuzes auf die Brust, nachher alle anderen Wunden- male des Herrn, aus denen dann regelmäßig am Freitage Blutungen erfolgten, und die Nonne blutete noch gegen Ende des Jahres 1819. Aber was war es? Der Medicinalrath und Chemiker Bodde aus Münster stellte 1817 in Ehrhardt's medicinisch-chirurgischer Zeitschrift Fräulein Katharina als schlaue Betrügerin dar. Bodde attestirte auf Grund einer Untersuchung: Die Blutkrusten warm aufgeklebt; bei Besichtigung des Kreuzes aus der Brust fiel ihm das Fnßgestell mit mehr als der Hälfte des Kreuzes in feinen Schuppen durch die Finger, und die Natur machte keine Anstalt, es wiederherzustellen. So viel über das Stigma - Thema. Grade die „Thatsachen", zu deren Unterbringung wir uns nach dem Rath der „Germania" eine dritte Kategorie neben „Wunder oder Betrug' frei halten sollen, lehrten noch alle mal, daß nicht ein „Wunder" vorlag, sondern ganz ordinärer „Betrug". Wir an unserm Theil geben der „Germania" einen ganz anderen Rath, den nämlich, über des Venerabilis Gunibeitus' Frage recht ernstlich nachzudenken: „Quid enim mdgis sacrilegium, quam pro divino excolere non divinum?“ Und so lange noch die Ultra- rnoutanen den trinitanschen Gott mit sammt der Mutter Gottes in Marpingen citiren, so lange sollen sie nicht zur Ruhe kommen!
Berlin, 27. August. Wie ich vernehme, hat, nachdem Serbien die Vermittlung der Großmächte nachgefucht, Oesterreich sich telegraphisch mit dem Anträge seiner guten Dienste zur Einleitung von Friedensverhandlungen und behufs derselben zum Abschluß eines Waffenstillstandes nach Konstantinopel gewandt. Die Pforte hat telegraphisch erwidert, Serbien habe sich, wenn es den Frieden wünsche, nicht an ein anderes Cabinet, sondern an die Pforte zu wenden. Diese Antwort ist der serbischen Regierung mitgetheilt worden und es ist nicht bekannt, ob und welche weiteren Schritte dieselbe gethan hat. Als gänzlich falsch werden alle Nachrichten von einem etwa beabsichtigten Druck der Mächte auf die Entschließungen der Pforte bezeichnet, sowie daß irgend eine Regierung nach irgend einer Richtung hin bestimmte Friedensvorschläge gemacht habe. Man versichert, die deutsche Regierung werde nicht aus der reservirten Haltung heraustreten, welche sie bisher eingenommen; dagegen ist gewiß, daß auch von Deutschland aus mit aller Kraft für eine humane Kriegsführung ein» getreten werden wird.
Berlin, 27. August. Schon jetzt kann cs keinem Zweifel unterliegen, daß dem neuen Reichstag verschiedene neue Steuerprojecte werden vorgelegt werden, und zwar vor Allem unter Berufung auf die nicht unbeträchtlichen Mehrausgaben für militärische Zwecke, von deren Nothwendigkeit man in Regierungskreisen die Mehrheit zu überzeugen hofft. Eine Wiedereinbringung der Brausteuervorlage soll nickt beabsichtigt sein, dagegen ist es bereits anderweit bekailnt, daß der Entwurf, betr. die Erhebung einer Börsensteuer, wiederkihren wird, freilich, wie versichert wird, in einer Form, die nicht lediglich den kleineren und den gesunden Börsenverkehr belasten würde, wie das bei dem ersten unzweifelhaft der Fall war. Außerdem, heißt es, findet die Erhebung einer Tabaksteuer neuerdings in maßgabenden Kreisen wieder lebhafte Vertheidiger, während der namentlich noch immer von Mecklenburg hartnäckig vertheidigte Gedanke einer Petroleumsteuer auch diesmal nicht aus Annahme zu rechnen habe^ Für die Durchführung einer eigentlichen Steuerreform im Sinne, wie sie Seitens der liberalen Partei schon feit Beginn des Reichs gefordert wird, sind die Aussichten — wenigstens was die Initiative der Reichsfinanz-Verwaltung aiigeht,— heute noch gerade so ungünstig, wie seither.
Berlin, 29. August. Die Panzerschiffe „Kaiser" und „Deutschland" sind anr 28. August in den Gewässern von Malta eingetroffen.
Ans Straßburg, im August, wird dem ultramontanen „Salut Public" in Lyon von feinem Berliner Correspondenten gelegentlich eines Ausfluges desselben an den Rhein folgende wunderbare Herzensergießung Übersandt, die eines St. Genest würdig wäre, und einen Beitrag bildet zu dem Ton des Haffes gegen Deutschland, der, wie wir schon erwähnten, in einem Theil der französischen Presse sich neuerdings wieder zu regen anfängt:
„Die Ufer des Rheins sind immer schön, sie würden es noch mehr fein, wenn die Preußen nicht wären, die Gott als Landplage über dieselben ausge- strent hat, wie die Krokodile über die Schilfgebüsche des Nils.
Ich hielt mich einige Zeit in Baden aus — einer ehemals ohne Zweifel französischen Stadt. Aber es verdroß mich zuletzt, daselbst umherzuirren wie der Mann ohne Schatten, und aus den uns von den Deutschen gestohlenen


