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Kießener Anzeiger
Ameigk- uh6 XmtsMatt für dm Kreis Gießen.
Erscheint täglich mü Au.ünahme deS Montags. Expedition* r Sch ulst raße, Lit. B. Nr. 18.
P-<iS vierteetSMch 2 Mark 20 Pf. mit Brin^rkohn. Durch Me Post Heßogev Viertel jährlich 3 Mart W Pf.
Amtlicher H h e i t.
Bekanntmachung.
Nach einer Mittheilung der Grobherzoglichen Provinzial-Direction Starkenburg ist die erledigte Stelle eines Rechners der Landeswaisenanstalt dem Grobherzoglichen Ober-RechrrungS-Revisor Ludwig Wagner übertragen worden.
Das Amtslokal befindet sich Hölges-Straße Nr. 12 in Darmstadt.
Gießen, 26. September 1876.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Gießen, den 23. September 1876.
Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir erinnern diejenigen Schulvorstände, welche die Verzeichnisse der Schulpflichtigen für die Fortbildungsschule noch nicht eingesendet haben, dringend an sofortige Erledigung unserer Auflage vom 28. August d. I. (Anzeiger vom 1. September Nr. 203).
v. Nöder.
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Bekanntmachung.
Es wurde dahier eine goldene Brocke mit schwarzem Stein angehalten, über deren redlichen Erwerb der dermalige Besitzer sich nicht auswcifen kann.
Der Ei gen thüm er dieser Broche, welche vielleicht vor einiger Zeit dahier verloren worden ist, wird ausgefordert, sich baldigst bei unterzeichneter Behörde zu melden.
Gießen, am 27. September 1876.
Großherzogliche Polizeioerwaltung Gießen.
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Dor der Entscheidung.
Wir stehen unmittelbar vor der Entscheidung der Frage, ob die Türkei dm Frieden will oder nicht, den Frieden freilich auf Grund des Programms, über welches sich die Großmächte neuerdings geeinigt haben. Die Grundlage bilden die von dem englischen Cabinette ausgegangenen Vorschläge, welche sich — eine authentische Mittheiluug liegt ja nicht vor — ungefähr auf folgende drei Punkte präcisiren: Aufrechterhaltung des Status quo ante bellum in Serbien und Montenegro, Verzicht der Pforte auf Geldentschädigung von Seiten Serbiens und endlich eine ausreichende Verwaltungsreform in Bosnien, der Herzegowina und Bulgarien. Es ist auch möglich, daß England sich noch zu uwas weiter gehenden Concesfionen im russischen Sinne verstehen würde. Doch bleibt sich das ziemlich gleich. Denn, falls die Pforte das Programm der Mächte acceptirt, beweist sie eine Nachgiebigkeit und Friedensliebe, welche es ihr leicht werden läßt, auch noch einen Schritt weiter zu gehen. Andererseits und in erster Linie ist es aber keineswegs ausgemacht, daß der Divan die Friedensvorschläge der Mächte und die Waffenstillstands-Forderungen aunehmen wird. Mau darf hieran um so mehr zweifeln, als nach verschiedenen Mitthei- langen aus Konstantinopel die dortige Kriegspartei so entschieden die Oberhand hat, daß die Friedenspartei nicht wagt, offen und entschieden für den mit Opfern zu erkämpfenden Friedensschluß einzutreteu. Der Sultan, und seine Rathgeber sind dem entfesselten Fanatismus der Mohamedaner gegenüber ebenso und vielleicht in noch höherem Grade ohnmächtig, als es der Czar und die Friedensfreunde in St. Petersburg dem entfeffelten Pauslavismus gegenüber sind.
Wenn nun die Pforte — und die Entscheidung derselben ist jeden Augenblick zu gewärtigen — sich weigert, die Friedenspropositionen der Mächte an- zunehmen, so würde in logischer Consequenz eine militärische Intervention der mropäischen Mächte nothwendig werden. Es hat aber allen Anschein, als ob don Einer Seite das gemeinsame Vorgehen gar nicht abgewartet werden würde. Rußland geht offensichtlich von der Ueberzeuguug aus, daß die europäischen Vorschläge in Konstantinopel verworfen werden, und schickt sich bereits au., in demselben Momente einzuschreiten, in welchem die Friedensaction der Mächte sls gescheitert zu betrachten ist. Hat doch die russische Regierung selbst unter fortgesetzten osficiellen und officiösen Friedensbemühungen sich gleichzeitig für die Eventualität eines neuen Krieges vorbereitet. Von Norden bis nach dem Süden geht, so berichten Quellen, welche nichts weniger als ruffenfeindlich sind, die kriegerische Bewegung in Rußland; im fernen Südosten, wie an den Küsten des Schwarzen Meeres und in Asien wird gerüstet, die Festungen werden ver- proviantirt. Truppendislocationen finden statt mit der Richtung zum Süden; bis in den Nordwesten des Czarenreiches sind die Militär-Agenten thätig mit Vorbereitung für Proviant, für Herbeischaffung der Mittel de« Transports, des Trains. Der Anschein ist ein kriegerischer und schon ist es nicht mehr dabeigeblieben, daß Rußland mit Rumänien wegen Durchzugs vou Truppen verhandelt.
Die alte Regel „si vis pacem, para bellum“ dient den besprochenen Rüstungen nicht mehr zur ausreichenden Erklärung, seitdem russische Soldaten In voller Uniform durch rumänisches Gebiet marschirt sind. In unserem Dien- fiagsblatte veröffentlichten wir ein Bukarester Telegramm, laut welchem am
Sonnabend ein aus Rußland gekommener Extrazug mit einem General, 40 Offi- cieren, 130 Unterofficieren im rumänischen Sletina angehalten worden, dann aber auf eine Reclamation des russischen Consuls ungehinderte Fahrt erlangt. Es handelt sich hier nicht um eine zahlreiche Truppen-Abtheilung. Aber die Thatsache spricht darum nicht minder gewichtig. Denn zum ersten Male während der ganzen orientalischen Verwickelung ziehen russische Soldaten offen, in russischer Uniform und unterstützt durch die schützende Intervention des russischen Consular-Vertreters nach Serbien oder den insurgirten türkischen Provinzen, um an dem Aufstande Theil zu nehmen und seine militärische Organisation (der Zuzug besteht ja einzig aus Officieren und Unterofficieren) zu fördern. Allüberall sonst in der Welt würde man dieses Vorgehen einer Kriegserklärung gleich achten und nimmermehr wohl hätte die russische Regierung sich zu einer so unverschleierten Offenbarung ihres Thuns hinreißen lasten, wenn sie noch an die Möglichkeit einer Erhaltung des Friedens glaubte.
Es mag vielleicht eingeworfen werden, daß der ganze Zwischenfall oder richtiger die Form desselben der Ungeschicklichkeit höherer russischer Officiere oder Behörden zugeschrieben würden dürfte. Aber auch, wenn dem so wäre, würde die Thatsache immer charakteristisch bleiben und einen Beitrag für die kriegerische Position, in welcher sich Rußland befindet, liefern- Es gibt gewiß auch heute noch viele gewichtige Stimmen in Rußland, welche den Frieden wollen, und ein Unsinn ist es, wenn man davon fabelt, daß „die achtzig Millionen" nach Krieg schreien. Aber sicher ist es auch, daß durch einen großen Theil des russischen Volkes und durch die einflußreichsten Kreise in St. Petersburg eine kriegerische Stimmung geht, welche in den nationalen Ideen und einer hundertjährigen Politik mächtige und keineswegs inSgesammt ungesunde Stützen erhält. Diese kriegerische Stimmung zu bemeistern wird unmöglich werden, sobald es sich herausstellt, daß die Pforte den Frieden nicht will oder nicht wollen kann.
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Darmstadt, 25. Septbr. Die Pensionirung des Raths beim Ober- appellations- und Cassations-Gericht, Geheimerath Dr. Dernburg dahier, steht auf dessen Nachsuchen in Kürze bevor. — Auf das Gesuch der Stadt Ortenberg , die Erbauung einer Zweigbahn von Stockheim nach Ortenberg bett., hatte die zweite Kammer zwar Ablehnung des Gesuchs in der Hauptsache, aber weiter beschlosten, die Regierung zu ersuchen, durch baldmöglichste Unterhandlung mit der Stadt Ortenberg eine befriedigende Lösung der Angelegenheit herbeizuführen. Diesem letzteren Ersuchen trat die erste Kammer nicht bei. Wie wir jetzt aus dem hierüber erstatteten Bericht des Finanz-Ausschustes Her zweiten Kammer entnehmen, beantragt dieser Ausschuß jetzt ebenfalls, das fragliche Ersuchen fallen zu lasten.
Darmstadt, 25. Sept. Ueber die Vorlage der Großh. Ministerien des Innern unb der Finanzen, die Bewilligung eines Beitrags von 54,000 Mk. aus Staatsmitteln für die Gemeinden Trebur und Astheim zur Errichtung eines Landdammes gegen Ueberschwemmungen ihrer Gemarkungen betr., bat Namens des Finanz-Ausschustes der zweiten Kammer der Abg. Möllinger Bericht erstattet. Hiernach sind zwei Mitglieder des Ausschustes (die Abgg. Schröder und Möllinger) damit einverstanden, nach Vorlage der Regierung der


